
Weibliche Archetypen oder: Wie willst du deine Weiblichkeit leben?
Die weiblichen Archetypen im Überblick
- Weibliche Archetypen nach C.G. Jung bieten universelle Identifikationsmuster wie die Rebellin, Kriegerin oder Künstlerin, um einseitige gesellschaftliche Rollenbilder zu überwinden und die eigene Vielseitigkeit zu integrieren.
- Durch gezielte Yoga-Übungen, Pranayama und Achtsamkeitspraktiken lassen sich die spezifischen Energien der zwölf Archetypinnen – von der Leichtigkeit des Mädchens bis zur Intuition der Mystikerin – im Alltag aktivieren.
- Die Arbeit mit diesen psychologischen Urbildern unterstützt Frauen in Transformationsphasen dabei, unterdrückte Persönlichkeitsanteile zu heilen, den Selbstwert zu stärken und eine authentische, individuelle Weiblichkeit zu verkörpern.
Überblick Archetypen:
- Gesellschaftliche Prägung überwinden: Passt das so für mich?
- Weibliche Archetypen: Entdecke deine Vielseitigkeit
- So erweckst du die Archetypinnen in dir
- 1. Das Mädchen – Leichtigkeit, Offenheit, Präsenz
- 2. Die Rebellin – Unabhängigkeit, Freiheit, Authentizität
- 3. Die Liebende – Hingabe, Sinnlichkeit, Liebesfähigkeit
- 4. Die Künstlerin – Vorstellungskraft, Schöpferkraft, Originalität
- 5. Die Mutter – Nahrung, Halt, Sicherheit
- 6. Die Kriegerin – Mut, Schutz, Handlungsstärke
- 7. Die Königin – Würde, Souveränität, Selbstwert
- 8. Die wilde Frau – Instinkt, Naturverbundenheit, archaische Kraft
- 9. Die Priesterin – Verbindung zu Höherem, Führung, Rituale
- 10. Die Heilerin – Ganzheitlichkeit, Heilwissen, Integration
- 11. Die alte Weise („Crone”) – Weisheit, Gelassenheit, Essenz
- 12. Die Mysterikerin – Intuition, Transzendenz, Magie
Vom Moment unserer Geburt an werden uns Frauen gesellschaftliche Rollenbilder und Erwartungen präsentiert: Ein süßes, braves Mädchen sollen wir sein, später eine von Männern begehrte Geliebte, eine verständnisvolle und immer verfügbare Mutter, eine „gute” Freundin, Hausfrau, Kollegin. Wichtig ist vor allem, so wird es Mädchen und Frauen immer noch im Elternhaus und von der Gesellschaft vermittelt: dass wir für andere da sind, dass andere uns gut finden.
1. Gesellschaftliche Prägung überwinden: Passt das so für mich?
So übernehmen viele Frauen unbewusst weibliche Rollenbilder – machen sich klein, passen sich an, versuchen zu funktionieren und zu gefallen. Doch irgendwann nehmen bei vielen Frauen die Momente der Irritation zu: Will ich das wirklich so? Lebe ich mich – oder doch eher die Erwartungen anderer?
Nicht selten kommen diese Fragen, wenn wir durch Transformationsphasen gehen. Schwangerschaft, Mutterschaft, Trennung, spätestens in den Wechseljahren. Denn in diesen Phasen, die von Natur aus Dinge aufrütteln und neu sortieren, kommen oft intensive Gefühle hoch – Trauer, Wut – und wir merken, wie sehr wir uns und unsere Bedürfnisse verleugnet und verdrängt haben. Diese Prozesse sind oft schmerzhaft und herausfordernd. Aber sie bieten auch die Chance, sich von überholten Vorstellungen zu lösen und herauszufinden, wie du dein Leben leben willst.
Viele Frauen merken allerdings genau dann, dass sie kaum eine Vorstellung davon haben, wie sie sich und ihr Frausein leben wollen. Wer bin ich, wenn ich nicht mehr die begehrte Geliebte, die fürsorgliche Mutter, die wertvolle Kollegin bin? Was ist Weiblichkeit, wenn nicht die Rollen, die uns Frauen als weiblich verkauft werden?
2. Weibliche Archetypen: Entdecke deine Vielseitigkeit
Der Begriff Archetyp wurde vom Psychoanalytiker Carl Gustav Jung (1875–1961) geprägt und meint ein universelles, wiederkehrendes psychologisch-symbolisches Muster, das aufgrund seiner Universalität in den Mythologien der verschiedensten Kulturen (wenn auch in Variationen) zu finden ist.
Im Laufe der Zeit wurden diese Archetypen immer wieder neu interpretiert – unter anderem auch mit dem Fokus auf weiblichen Archetypen. Am bekanntesten ist das Dreigestirn „maiden“ – „mother“ – „crone“ – also das Mädchen, die Mutter und die alte Weise. Neben diesen (traditionellen) weiblichen Rollenbildern gibt es aber noch viele andere Archetypinnen. Und die haben es in sich – sie sind wild, vertrauen ihrer Intuition, wissen um ihre Macht, sie hinterfragen, sie führen, sie gestalten, sie heilen.
Wir stellen dir im Folgenden Archetypinnen vor, die uns begeistern – mit ihren Qualitäten und Schattenseiten, aber auch mit konkreten Übungen, mit denen du diese Archetypin in dir lebendig werden lassen kannst. Denn die Archetypinnen sollen dir als Wegweiser zu dir selbst dienen. Sie sollen dich erinnern an die Aspekte deiner einzigartigen Weiblichkeit, die du unterdrückt hast, um die du bisher nicht einmal wusstest oder die du schon lange nicht mehr gelebt hast – weil du dich an gesellschaftliche Normen und die Erwartungen deines Umfelds angepasst hast. Sie sollen dir helfen, die Energie dieser Archetypinnen in dir wiederzuerwecken, und damit all das, was in dir schlummert – an Kraft, Mut, Kreativität und Lebendigkeit.
3. So erweckst du die Archetypinnen in dir
Vielleicht inspiriert es dich einfach, über andere Aspekte weiblicher Energie zu lesen als die in unserer Gesellschaft üblichen. Du kannst die Archetypinnen aber auch aktiv nutzen, um dich zu erforschen, neue Aspekte an dir kennenzulernen und zu integrieren.
Wenn du auf diesen Erkundungsprozess Lust hast, kannst du wie folgt vorgehen:
- Lies dir die Beschreibung aller Archetypinnen durch.
- Gibt es eine Archetypin, die dich sofort begeistert und am meisten inspiriert? Dann arbeite erst mal mit ihr und konzentriere dich auf die entsprechenden Aktivitäten und Übungen.
- Überlege dir, wie lange du dich der Archetypin widmen willst – eine Woche, einen Monat?
- Integriere die passende Archetypin-Übung in deinen Alltag. Praktiziere sie mindestens einmal täglich.
- Überlege dir, wie du die Qualitäten der Archetypin in deinen Alltag integrieren kannst. Wie würde die Archetypin mit sich selbst, der Partnerin/dem Partner, mit Stress oder Krankheit umgehen? Male dir innerlich genau aus, wie du die Archetypin verkörpern kannst. Schreibe dann detailliert auf, was diese innere Haltung ausmacht. Am besten liest du dir deine Notizen jeden Morgen durch, schließt dann kurz die Augen und kommst innerlich in die Energie der Archetypin. Und dann gehe in dieser Energie in deinen Alltag.
- Platziere Erinnerungen an die Archetypin in deinem Lebensbereich – such dir ein tolles Foto, das die Archetypin für dich präsentiert, und hänge es neben dein Bett, stelle es auf deinen Altar oder installiere es als Hintergrundbild.
- Alternativ kannst du natürlich auch nacheinander in alle Archetypinnen eintauchen und so erfahren, was sie dir zu geben haben. Lege für jede Archetypin einen Zeitraum fest – und tauche dann nacheinander in die Energien der einzelnen Archetypinnen ab, so wie es oben beschrieben ist.
Achtung: Dabei geht es nicht darum, dir eine neue Rolle zu suchen – also etwa von der Vollblutmutter zur Königin zu mutieren. Sondern alle deine Seiten ans Licht zu bringen, um dich in all deinen Aspekten zu erfahren und zu leben, und so in deine Einzigartigkeit zu kommen.
4. Die 12 Archetypinnen – vom Mädchen bis zur Mystikerin
1. Das Mädchen – Leichtigkeit, Offenheit, Präsenz
Ursprung: Das Mädchen findet sich kulturübergreifend als „Maiden“ bzw. „Jungfrau“ (z. B. im Maiden–Mother–Crone-Muster der europäischen Mythologie) und wird in der Archetypen-Psychologie u. a. beim Psychoanalytiker C. G. Jung als Ausdruck von Neubeginn gesehen.
Qualitäten: Leichtigkeit, Neugier, Präsenz, Staunen, Offenheit, Freude am Spiel, Vertrauen ins Leben und die Fähigkeit, in jedem Moment etwas Neues zu entdecken.
Schattenseiten: emotionale Unreife, kindlich-niedlich sein als Strategie, um Verantwortung, Konflikte etc. zu vermeiden.
Verkörperung (Körperbereich): Becken und Beine symbolisieren Bewegungsfreude, Tanz, Springen, manchmal symbolisiert der Brustraum auch die Herzensleichtigkeit des Mädchens.
Yogaübung: Tänzer (Natarajasana) oder spielerische Flows mit Hüpfen etc., um Freude und Beweglichkeit zu verkörpern.
Atemübung: natürliche, entspannte Bauchatmung als Symbol für natürliche, ungezwungene Lebendigkeit und Leichtigkeit
Affirmation: „Ich bin offen und folge meiner Freude.“
So lädst du dein inneres Mädchen ein: Tauche in das Wunder des Lebens ein
Das Mädchen trägt aufgrund seiner Jugend noch wenig Verantwortung, muss noch nicht funktionieren und leisten, und kann deshalb voller (Spiel-)Freude und Leichtigkeit durch ihren Tag gehen. Wenn du diese Energie in dir erwecken möchtest, dann wird dir das am ehesten durch Präsenz gelingen. Dein inneres Mädchen erwacht, wenn du aufhörst, über Vergangenes zu grübeln oder die Zukunft zu planen (= kontrollieren zu wollen) und stattdessen in das Wunder des Jetzt eintauchst und dich mitreißen lässt von der Freude des Wahrnehmens dessen, was ist.
Konkret bedeutet das: Hör auf, E-Mails zu checken, wenn du mit deinen Kindern auf dem Spielplatz bist – und klettere stattdessen mit ihnen die Rutsche hoch. Hetze nicht durch den günstig gelegenen Discounter, um die lästige Pflicht Wocheneinkauf hinter dich zu bringen – sondern gehe stattdessen mit offenen Sinnen durch deinen Lieblings-Supermarkt und such dir Lebensmittel aus, auf deren Zubereitung und Verzehr du dich richtig freust. Quäl dich nicht im Gym auf dem Laufband, sondern spaziere voller Freude durch einen schönen Naturort. Du wirst merken, wie viel mehr Freude und Leichtigkeit dein Leben durch diese kleinen Veränderungen bekommt.
2. Die Rebellin – Unabhängigkeit, Freiheit, Authentizität
Quelle: In vielen Mythen ist die Rebellin eine Grenzgängerin, wie etwa Lilith in jüdisch-mystischen Traditionen. In der modernen Archetypenarbeit ist sie die Kraft des Bruchs mit Normen. So können sowohl die literarische Figur der Pippi Langstrumpf, aber auch die US-amerikanische Bürgerrechtlerin Rosa Parks oder Popsängerin Madonna als Rebellinnen gesehen werden.
Qualitäten: Unabhängigkeit, Klarheit, Mut zum Nein, Wahrheitssinn, Freiheit, Grenzsetzung, Veränderungsenergie, Authentizität.
Schattenseiten: Trotz, Zerstörungsdrang, Ablehnung um der Ablehnung willen, Isolation, Unfähigkeit zu Kompromiss oder Bindung.
Verkörperung: Der Solarplexus steht für Kraft und Wille, das Kiefer für Wut, Durchsetzung (so können Verspannungen im Kiefer auf nicht gelebte Wahrheit, nicht gesetzte Grenzen hinweisen).
Yogaübung: Übe den Krieger III (Virabhadrasana III), um Standfestigkeit und Kraft zu finden, oder den Skorpion (Vrishikasana), um mutig deine Grenzen spielerisch zu erkunden.
Atemübung: Die Löwenatmung (Simhasana Pranayama) hilft der Rebellin, angestauten Druck oder Wut bewusst zu entladen, den Kiefer zu entspannen und in Kraft und Klarheit zu kommen.
Affirmation: „Ich lebe meine innere Wahrheit – egal, was andere denken.”
So lädst du die Rebellin ein: Lebe deine Wahrheit
Die Rebellin erschöpft sich nicht in ihrem Rebellinnentum – nein, sie befreit sich von dem, was ihr vorgelebt und aufgedrückt wurde, von Schubladen und Labels, und lebt sich einfach. Wenn du deine innere Rebellin befreien möchtest, musst du also eigentlich nur auf deinen Bauch hören. Egal, was gerade in Mode ist: Kleide dich so, wie es dich begeistert. Unabhängig davon, was in deinem Business gerade üblich ist: Setze auf Authentizität und Qualität statt auf Rabatte und Anpassung an den Massengeschmack. Sage deinem Partner/deiner Partnerin ehrlich, was du brauchst, was sich für dich richtig und gut anfühlt, und handele danach – auch wenn du zum Ignorieren deiner Bedürfnisse erzogen wurdest, zum Gefälligsein, zum „People-Pleasing“.
Das erfordert allerdings den Mut, sich der Angst, ausgeschlossen oder abgehängt zu werden. Wenn du dich traust, der Rebellin in dir zu folgen, wirst du schnell spüren, dass du in deiner neuen Klarheit nicht nur neue Menschen anziehst, die besser zu deinem wahren Ich passen – sondern vielleicht sogar zu einem Vorbild wirst, dem andere folgen.

3. Die Liebende – Hingabe, Sinnlichkeit, Liebesfähigkeit
Ursprung: Die Liebende wird als Archetyp in Mythologie und Kunst (z. B. Aphrodite/Venus) und auch in moderner Archetypenarbeit oft als Ausdruck von Sinnlichkeit, Verbindung und Herzintelligenz beschrieben.
Qualitäten: Hingabe, Sinnlichkeit, Empfänglichkeit, Nähe, Genussfähigkeit, Bindungsfreude und -fähigkeit, Mitgefühl, Fähigkeit, Schönheit zu sehen und Liebe zu geben und zu empfangen.
Schattenseiten: Abhängigkeit von Liebe oder Aufmerksamkeit, Verlust der eigenen Identität bzw. Unfähigkeit, in Beziehungen Grenzen zu setzen – bis zur Selbstaufgabe, Eifersucht, Festklammern an Beziehungen aus Angst.
Verkörperung: Herzraum und Becken stehen für Liebe und Sinnlichkeit, manchmal auch die Haut als das Medium von Berührung.
Yogaübung: Sanfte, sinnliche Herzöffner voller Hingabe wie Anahatasana (Puppy Pose) oder Taube (Eka Pada Rajakapotasana) als Verbindung von Herz und Becken.
Atemübung: Hände aufs Herz, tiefe Atmung ins Herz
Affirmation: „Ich gebe mich ganz der Liebe hin.”
So lädst du die Liebende ein: Lass dein Herz sprechen & Kilaka Mudra
Wenn du die Qualitäten der Liebenden in dir erwecken möchtest, kannst du das durch diese so einfache wie wirkungsvolle Übung. Jedes Mal, wenn du vor einer Entscheidung stehst – egal, wie klein oder wie bedeutend –, lege deine linke Hand auf dein Herz und frage dich: „Was würde mein Herz mir raten?“. Wenn du alle deine Entscheidungen aus der Fülle und Sicherheit deines Herzens, und damit aus der Quelle der Liebe, triffst (und nicht aus Angst und Mangel), dann wird die Liebende erblühen.
Wenn die Hand auf deinem Herzen als Impuls nicht reicht, kannst du auch diese wunderbaren Mudras aus dem Buch „Entfessle dein wildes Herz. Mit Yoga, Breathwork und Ritualen deine Seele beflügeln. Eine magische Heldenreise durch 7 weibliche Archetypen“ von Yogalehrerin und Coachin Christine May ausprobieren:
Das Kilaka Mudra unterstützt dich, die Energie der Liebe zu dir selbst und zu anderen bewusst zu kultivieren. Es symbolisiert die heilige Vereinigung der männlichen und weiblichen Energien in dir. Du kannst dieses Mudra auch alternativ im Sitzen allein für dich, mit deinem Partner oder einer Herzensperson praktizieren. Ihr setzt euch gegenüber, schaut euch für 5 bis 10 Minuten entspannt in die Augen und atmet zirkulierend durch die Nase ein und aus.
- Kreuze deine Handgelenke vor deinem Herzen, die Handrücken zueinander.
- Verhake sanft deine kleinen Finger ineinander, während sich die Spitzen deiner Daumen, Zeige- und Mittelfinger berühren.
- Deine Ringfinger strecken sich in einem 45-Grad-Winkel nach oben.
- Atme tief in deinen Herzraum und spüre, wie sich eine sanfte und gleichzeitig kraftvolle Präsenz ausbreitet, die jede Zelle deines Körpers mit Liebe durchströmt.
Du bist vollständig. Du bist mit der Essenz der Liebe verbunden. Du bist die Liebende.
4. Die Künstlerin – Vorstellungskraft, Schöpferkraft, Originalität
Quelle: Kulturübergreifend und traditionell ist die Künstlerin als Schöpferin und Muse bekannt. In der modernen Psychologie gilt sie als kreativer Archetyp (Jung) und Ausdruck schöpferischer Lebensenergie. Moderne Vertreterinnen sind die isländische Musikerin und multimediale Künstlerin Björk und die mexikanische Malerin Frida Kahlo.
Qualitäten: Vorstellungskraft, Ausdruck, Mut zum Unperfekten, Sinn für Ästhetik, Originalität, tiefe Intuition und die Gabe, inneres Erleben in sichtbare Gestalt zu bringen.
Schattenseiten: Perfektionismus, Selbstzweifel, kreative Blockaden, Überidentifikation mit dem Ergebnis oder dem (so melodramatischen wie weitverbreiteten) Irrglauben, nur im Schmerz kreativ sein zu können.
Verkörperung: Stirn, Kehle und Hände repräsentieren den Prozess von Vision – Ausdruck – Erschaffen.
Yogaübung: freie, kreative Bewegung in einem Embodied Flow.
Atemübung: Bhramari (Bienensummen), um den Ausdruck zu lösen und innere Schwingung zu spüren.
Affirmation: „Ich mache meine Vision sichtbar.“
So lädst du die Künstlerin ein: Freies Schaffen
Die Künstlerin zeigt sich im Flow, im freien Tun, das kein Ziel und keinen Zweck hat. Um die Künstlerin in dir zu erwecken, kannst du üben, dich freizumachen von Konzepten wie „So macht man das“ und „So ist es richtig“ und dich stattdessen öffnen für freies Experimentieren. Wenn du Yoga übst, kannst du zwischen den Asanas immer wieder kurz stehen bleiben und darauf warten, was dein Körper für Impulse sendet ,und dich für ein paar Minuten frei bewegen. Wenn du dich morgens anziehst, wild Muster und Farben mixen, wie du es noch nie getan hast. Oder beim Kochen einfach ohne Rezept Dinge aus dem Kühlschrank und dem Gewürzregal nehmen und sie nach Gefühl zu einem außergewöhnlichen Abendessen kombinieren. Und natürlich kannst du dich auch auf deinen Wohnzimmerboden setzen mit einem Haufen Materialien von Pappe bis Stoff, Farben und Stiften, einer Schere, Klebern, Nadel und Faden – und herausfinden, was passiert, wenn du aufhörst zu denken, und einfach machst.
5. Die Mutter – Nahrung, Halt, Sicherheit
Quelle: Diese universale Archetypin gibt es in fast allen Kulturen (z. B. Demeter, Isis, Maria), sie ist verbunden mit Konzepten wie Fürsorge, Nahrung, Schutz, Wachstum.
Qualitäten: Nähren, Halten, Geduld, Mitgefühl, Verantwortungsgefühl, Schutz, Verkörperung von Zuhause und emotionaler Sicherheit.
Schattenseiten: Überfürsorglichkeit, Kontrolle, Selbstaufgabe, emotionale Vereinnahmung oder das Gefühl, nur über Geben wertvoll zu sein.
Verkörperung: Brust und Bauch repräsentieren Nahrung, Wärme, Gehaltensein, Sicherheit, Zuhause.
Yogaübung: Kindhaltung (Balasana) oder mit Hilfsmitteln unterstützte Restorative-Yoga-Haltungen (z. B. liegende Schmetterlingshaltung) als körperliche Übungen für Sicherheit und Regeneration.
Atemübung: Auch hier steht die beruhigende und regenerierende Wirkung im Vordergrund, etwa bei der Bauchatmung oder Sama Vritti (gleichmäßiger Atem).
Affirmation: „Aus meiner inneren Fülle erschaffe, nähre und beschütze ich.“
So lädst du die Mutter ein: Nähre dich und deine Umgebung
Die Mutter lädst du immer dann ein, wenn du den Raum halten kannst für das, was ist – und so der nährende Boden für Verbindung und Begegnung nach innen und nach außen (kurz: das Leben in seiner ursprünglichen, essenziellen Form) bist. Um die Mutter in dir zu erwecken, darfst du dich zuerst gut nähren. Praktiziere regenerierendes Yoga, esse unbehandelte, natürliche Lebensmittel, gönne dir Ruhepausen. Und dann nimm dir die Zeit, dir und anderen wirklich zu begegnen. Höre beim Meeting achtsam zu und gib ihnen den Raum und die Zeit, ihre Gedanken und Ideen weiterzuentwickeln. Sei in einem Gespräch mit einer Freundin so interessiert, dass das Gespräch an Tiefe gewinnt und deine Freundin sich am Ende des Gesprächs wirklich bereichert fühlt. Halte dein weinendes Kind im Arm, mit so viel Ruhe und Sicherheit, dass es sich beruhigen und wieder zu Kräften kommen kann.
Gehe dabei aber nicht über deine Grenzen, über das, was du halten kannst! Sondern genieße die echte, heilsame Verbindung, die du in und zu anderen erschaffst, ziehe Kraft daraus, dass du der Schönheit des Lebens in all seinen Nuancen begegnen kannst – und dann ziehe dich zurück, um zu regenerieren und zu integrieren.
6. Die Kriegerin – Mut, Schutz, Handlungsstärke
Quelle: Mythologisch ist die Kriegerin in Figuren wie den griechischen Göttinnen Athene bzw. Artemis sowie der hinduistischen Göttin Durga vertreten. Jeanne d’Arc ist die klassische Vertreterin der Neuzeit. Psychologisch ist sie der Archetyp von Mut, Fokus, Schutz und Handlungsfähigkeit.
Qualitäten: Disziplin, Ausdauer, Mut, Klarheit, Handlungsstärke, Schutz, Fokus, Fähigkeit, für Werte einzustehen.
Schattenseiten: Härte, Kampfmodus, Überkontrolle, Erschöpfung, Unfähigkeit zu empfangen, weich zu sein, „immer funktionieren zu müssen“.
Verkörperung: Beine, Solarplexus und Schultern stehen für Standkraft, Wille und Stärke („Rüstung“).
Yogaübung: Kraftvolle Haltungen wie vor allem der Krieger II (Virabhadrasana II), aber auch Planke oder Boot (Navasana) repräsentieren Kraft, Fokus und Stabilität.
Atemübung: Ujjayi (siegreicher Atem) zur Bündelung von Energie und Konzentration.
Affirmation: „Ich stehe mutig für mich und andere ein.“
So lädst du die Kriegerin ein: Stehe mutig für deine Werte ein
Hoffentlich wirst du deine Werte niemals mit körperlicher Gewalt verteidigen müssen. Aber auch im alltäglichen Leben gibt es immer wieder Gelegenheiten, um mutig für das einzustehen, was dir wichtig ist. Wenn ein Kind auf der Straße schlecht behandelt wird, wenn eine Kollegin in einem Meeting von einem Vorgesetzten angeschrien wird, wenn im Freundes- oder Familienkreis politische Meinungen geäußert werden, die mit deiner Auffassung von Nächstenliebe kollidieren – dann sag was. Sei ruhig, sei respektvoll – aber sei auch klar, und lass dich nicht einschüchtern, wenn es unangenehm wird, wenn die Mehrheit anderer Meinung ist. Vielleicht fällt es dir ungemein schwer, dich gegen dein Umfeld zu stellen, unangenehm aufzufallen, dich klar zu positionieren. Das ist verständlich: Wir Menschen sind soziale Wesen, für die es früher überlebenswichtig war, nicht von unserer Gruppe ausgeschlossen zu werden. Und speziell wir Frauen werden oft noch zum Gefallen erzogen. Wenn du es aber schaffst, diese Gefühle auszuhalten und deine Werte zu vertreten, befreist du die Kriegerin in dir aus der Unterdrückung.
7. Die Königin – Würde, Souveränität, Selbstwert
Quelle: Der Herrscherinnen-Archetyp ist kulturübergreifend, z. B. als Hera, Cleopatra, oder Königinnenfiguren in Märchen. In modernen Interpretationen ist die Königin oft Symbol für Selbstwert, Souveränität und innere Ordnung.
Qualitäten: Würde, Souveränität, Selbstwert, Überblick, Struktur, Großzügigkeit, Grenzen, Leadership, innere Stabilität.
Schattenseiten: Kontrollzwang, Überheblichkeit, emotionale Distanz, Machtspiele oder das Gefühl, nur im „Perfektsein“ sicher zu sein.
Verkörperung: Herz und Wirbelsäule, aber auch der Kronenbereich symbolisieren Aufrichtung, Würde und Kraft.
Yogaübung: Goddess Pose, Krieger I oder Reverse Warrior mit geöffnetem Brustkorb.
Atemübung: Dirga Pranayama (Dreiteiliger Atem), um Weite, Würde und Ruhe zu erzeugen.
Affirmation: „Ich kenne meinen Wert und führe mit Würde und Klarheit.“
So lädst du die Königin ein: Haltung bewahren, Raum halten
Die Königin ist vor allem eine Haltung – im Außen und im Innen. Äußerlich kannst du die Königin einladen, indem du auf eine kraftvolle, aufgerichtete Körperhaltung achtest. Entscheidend für das Aufblühen deiner inneren Königin ist allerdings deine innere Haltung: Eine Königin lässt sich nicht hetzen, sie ist nicht reaktiv, lässt sich für alles einspannen und sprintet von To-do zu To-do. Nein – die Königin schreitet ruhig durch ihren Tag, lässt andere auf ihre Antwort warten, die sie dann aus ihrer inneren Weisheit heraus gibt, und zwar in einer Klarheit, der man kaum widersprechen kann.
Praktisch kannst du diese Haltung erproben, indem du dir für alles so viel Zeit lässt, wie du eben brauchst, um eine wirklich stimmige Entscheidung für dich zu treffen. Betrete ein wichtiges Treffen mit langsamen Schritten, wende dich bewusst einer Person nach der anderen zu, statt zu versuchen, alle gleichzeitig zu begrüßen. Wenn dir jemand einen Vorschlag macht oder du bei der Arbeit einen Auftrag erhältst, und du nicht weißt, wie du damit umgehen sollst, sag einfach: „Ich werde das noch mal durchdenken und mich dann bei Ihnen melden“, statt sofort zuzusagen.
8. Die wilde Frau – Instinkt, Naturverbundenheit, archaische Kraft
Quelle: Die wilde Frau ist verbunden mit dem Prinzip der Naturspiritualität und dem „Wild Woman“-Motiv (populär durch Clarissa Pinkola Estés „Die Wolfsfrau“, s.u. Buch-Tipp) und hat seine Wurzeln vor allem in indigenen und erdverbundenen Traditionen.
Qualitäten: Instinkt, Körperweisheit, Freiheit, Sinnlichkeit, rohes Leben, Mut, Grenzen, ursprüngliche Freude, Verbundenheit mit Natur und Zyklen.
Schattenseiten: ungebremste Impulsivität, Rücksichtslosigkeit, Angst vor Nähe, Selbstsabotage oder „Alles-oder-nichts“-Energie.
Verkörperung: Becken, Füße und Wirbelsäule stehen für Instinkt, Erdung und den Fluss der ursprünglichen, archaischen Lebensenergie Prana.
Yogaübung: Du kannst die wilde Frau perfekt verkörpern in einer kraftvollen, tiefen Hocke (Malasana), in freien Katze-Kuh-Bewegungen oder auch mit Schütteln oder Animal Moves.
Atemübung: Der Feueratem (Kapalabhati) oder eine kraftvolle, tiefe Nasenatmung aktiviert dein Gefühl von Lebendigkeit und damit die wilde Frau in dir.
Affirmation: „Ich bin Natur und vertraue meinem Instinkt.“
So lädst du die wilde Frau ein: Freies Tanzen
Die wilde Frau mag keine Regeln und Begrenzungen – ein Yogaflow nach festen Vorgaben wäre ihr viel zu eng! Was sie dagegen liebt: mitreißende Musik aufzulegen und dazu durch die Gegend zu tanzen. Und wenn ich sage „tanzen“, dann meine ich: springen, rollen, singen, wälzen, drehen, verdrehen – und so weiter und so fort. Einfach den Körper machen lassen, im komplett wertfreien Raum deiner wilden Seiten endlich den Raum geben, den sie braucht.
Du kommst dir dabei albern vor, und fürchtest, die Nachbarn halten dich für verrückt, wenn sie dich durchs Fenster sehen? Perfekt – du machst die Übung genau richtig!
Buch-Tipp: „Die Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estés
„Die Wolfsfrau“ beschäftigt sich mit der wilden, instinktiven Natur der Frau, wie sie in Mythen, Märchen und Geschichten verschiedener Kulturen überliefert ist. Estés, eine Psychoanalytikerin und Dichterin, zeigt, wie Frauen durch das Verständnis dieser archetypischen „Wolfsfrau“ zu innerer Stärke, Kreativität und Selbstbestimmung zurückfinden können. Es ist ein Plädoyer dafür, sich von gesellschaftlichen Erwartungen zu lösen und wieder in Kontakt mit der eigenen Intuition und Urkraft zu treten.
9. Die Priesterin – Verbindung zu Höherem, Führung, Rituale
Quelle: In vielen Kulturen ist die Priesterin die Hüterin des Heiligen, wie etwa Tempelpriesterinnen, Orakeltraditionen wie in Delphi. In der modernen Archetypenarbeit verkörpert sie spirituelle Führung und innere Ausrichtung. Ein Beispiel wäre die buddhistische Lehrerin und Autorin Pema Chödrön.
Qualitäten: innere Führung, Ritualbewusstsein, Klarheit, Integrität, Präsenz, Verbindung zu etwas Größerem, stille Autorität, Hingabe.
Schattenseiten: spiritueller Hochmut, „abgehoben“ sein, Dogmatismus, emotionale Kälte oder „nur noch im Licht sein wollen“.
Verkörperung: Ihre Verbindung zum Höheren wird durch die Bereiche Stirn, den Sitz des Ajna Chakra, und Scheitel, dem Sitz des Sahasrara Chakra, verkörpert sowie die Wirbelsäule als Verbindung der unteren (irdischen) Chakras mit den oberen (spirituellen) Chakras.
Yogaübung: Regelmäßige Meditation ist DER Weg, um innerlich ruhig und klar zu werden und in Verbindung mit deinem höheren Selbst zu treten – und so deine innere Priesterin zu aktivieren. Aber auch Asanas wie der Baum (Vrksasana) oder der Heldensitz (Virasana) helfen dir, dich innerlich zu sammeln und auszurichten.
Atemübung: Nadi Shodhana (Wechselatmung) wirkt klärend und zentrierend.
Affirmation: „Ich bin verbunden und wirke aus meiner inneren Weisheit.“
So lädst du die Priesterin ein: Höre deine innere Weisheit
Die Priesterin zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie in guter Verbindung mit „etwas Höherem“ steht und dadurch weise, klar und mit großer Integrität führen kann. Egal, was für dich dieses „Höhere“ genau ist – der Weg zur Priesterin führt immer weg von dem Lärm im Außen in deine innere Weisheit. Wenn du deine Priesterin erwecken willst, brauchst du deshalb vor allem wenig Ablenkung und viel Ruhe, um dich und deine innere Stimme zu hören.
Regelmäßig morgens oder abends zu sitzen, in Form einer stillen (Achtsamkeits-)Meditation, ist hier das Mittel der Wahl. Aber auch Spaziergänge in einsamer Natur, zentrierende Rituale oder Conscious Dance, können sehr effektiv sein, um dich mit deiner inneren Weisheit zu verbinden. Sag also alle Termine ab, die dir nicht wirklich wichtig sind, und gehe in die Ruhe, in die Verbindung – und deine Priesterin wird erwachen.
10. Die Heilerin – Ganzheitlichkeit, Heilwissen, Integration
Quelle: In Mythen tritt die Heilerin als Kräuterfrau, Schamanin, Medizinfrau auf. Psychologisch ist sie der Archetyp der Integration, Regeneration und des Mitgefühls. Die amerikanische Autorin Brené Brown wäre ein modernes Beispiel.
Qualitäten: Empathie, Fürsorge, Wissen um Heilung, Geduld, Integrationskraft, Zuhören, Regeneration, Ganzheitlichkeit.
Schattenseiten: Retterinnen-Syndrom, Grenzverlust, Überforderung, Co-Abhängigkeit oder Selbstvernachlässigung („alle anderen zuerst“).
Verkörperung: Hände und Herz sind die Bereiche, die für die heilende Energie stehen, der Bauch steht für Integration („Verdauen“ von Erfahrungen).
Yogaübung: Alles, was regeneriert und ausgleichend auf das Nervensystem wirkt, wie der halbe Schulterstand (Viparita Karani), Schlussentspannung (Shavasana) mit unterstützenden Hilfsmitteln oder sanfte Twists wie das Krokodil (Makarasana).
Atemübung: Jede Atmung, bei der die Ausatmung länger ist als die Einatmung und so den Parasympathikus aktiviert.
Affirmation: „Ich verbreite heilende und integrierende Energie.“
So lädst du die Heilerin ein: Heilende Energie kultivieren
Die Heilerin hat so eine wunderbare Energie. Sie lädt dich ein, dein Leben so zu leben, dass du für und für dein Umfeld eine heilende Kraft wirst. Das klingt groß – ist aber tatsächlich simpel. Nicht unbedingt in dem Sinn, dass es einfach umzusetzen ist, aber in dem Sinne, dass du dafür keine Ausbildung, keine Ausrüstung brauchst.
Kennst du den Ausdruck „für andere da sein“? Um deine Heilerin zu erwecken, darfst du einfach „da sein“. Sei präsent mit dir und den Menschen um dich herum, ohne Wertung, ohne Aktionismus oder praktische Problemlösungen anzubieten, ohne dich in Gefühlen und Ängsten zu verstricken. Nimm das, was ist, an. Lass es so sein, wie es ist. Halte den Raum. Vertraue dem Prozess. Du wirst erstaunt sein, welch heilende Wirkung das auf dich und alles in deinem Leben hat! Konkret kannst du diese – in unserer Gesellschaft eher ungewohnte – Haltung üben, indem du jeden Tag versuchst, anderen zuzuhören, ohne deine Reaktion auf ihr Gesagtes vorzubereiten. Denk an Momo aus Michael Endes gleichnamigem Roman: Dieses kleine Mädchen kann so zuhören, dass die Sprechenden die besten Lösungen für ihre Probleme finden, zu tiefen Einsichten gelangen, wunderbare Ideen haben. Dein Ziel ist, so wie Momo zuzuhören – und so die Heilerin in dir zu aktivieren.
11. Die alte Weise („Crone“) – Weisheit, Gelassenheit, Essenz
Quelle: Die alte Weise ist Teil des europäischen „Maiden–Mother–Crone“-Musters und außerdem in vielen Traditionen als weise Großmutter bekannt. Psychologisch ist sie die archetypische Reife und Ruhe. Die britische Primatenforscherin Jane Goodall oder die US-amerikanische Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison sind moderne Vertreterinnen der weisen, alten Frau.
Qualitäten: Weisheit, Gelassenheit, radikale Ehrlichkeit, Humor, Überblick, innere Freiheit, Annahme, Fähigkeit, loszulassen und Essenz zu erkennen.
Schattenseiten: Zynismus, Verbitterung, Rückzug, Starrheit oder ein hartes „Ich weiß es besser“.
Verkörperung: Knochen, Knie und Rücken symbolisieren Struktur und Standhaftigkeit, die Augen stehen für Weitblick.
Yogaübung: Eine sanfte sitzende Vorbeuge (Paschimottanasana) oder lang gehaltene Yin-Yoga-Haltungen fördern Tiefe und Loslassen.
Atemübung: Sitali bzw. Sitkari (kühlender Atem) fördern innere Klarheit und Ruhe, besonders wenn das innere Feuer zu heftig lodert (Unruhe/Wut).
Affirmation: „Ich ruhe in meiner Erfahrung und sehe das Wesentliche.“
So lädst du die alte Weise ein: Schattenarbeit
Die alte Weise zeichnet sich dadurch aus, dass sie alle Aspekte des Lebens annehmen kann. Sie hat viel gesehen und kann alles halten. Eine wunderbare Methode, die alte Weise in dir zu erwecken, ist es deshalb, dich mit deinen Schatten zu beschäftigen. Also allem, was du eigentlich nicht über dich wissen möchtest – deine Gier, dein Neid, deine Süchte, dein Aggression, deine Missgunst. Was auch immer es ist, was du an dir verurteilst, was du eigentlich loswerden möchtest, darfst du dir im Dienste deiner alten Weisen jetzt ansehen. Wahrscheinlich fallen dir sofort einige Eigenschaften an dir ein, die du nicht besonders schätzt. Wähle erst mal eine relativ harmlose Eigenschaft aus, z. B. dass du oft ungeduldig bist.
Und dann erkunde diese Eigenschaft, indem du dazu folgende Fragen beantwortest: In welchen Situationen tritt diese Eigenschaft besonders häufig auf? Welche Funktion hat sie? Welche negativen Konsequenzen entstehen aus ihr? Versuche nicht, den Schatten loszuwerden, wegzutrainieren oder zu unterdrücken! Erforsche ihn nur, um dich besser kennenzulernen. Wenn du die Eigenschaft ausführlich reflektiert hast, kannst du den Prozess damit abschließen, dass du diese Eigenschaft als einen Teil von dir annimmst. Dazu kannst du ein kleines Ritual durchführen, bei dem du zuerst in einer Meditation noch mal die Energie der Eigenschaft in dir erweckst und dann innerlich sagst: „Du bist ein Teil von mir. Ich nehme dich an.”
Achtung: Schattenarbeit ist nur dann sinnvoll, wenn deine Psyche und deine Lebensumstände so stabil sind, dass du innere Erschütterungen sicher abfangen kannst. Sei also achtsam in deiner Schattenarbeit, und nimm dir erst mal nur ganz kleine Schatten vor, die du schon kennst und die dein Selbstbild nicht erschüttern.
12. Die Mysterikerin – Intuition, Transzendenz, Magie
Quelle: Die Mystikerin oder Magierin ist Teil von Mystik-Traditionen wie Sufismus, christlicher Mystik (etwa Hildegard von Bingen), aber auch tantrischen und hermetischen Strömungen, und gilt als Archetyp der Hingabe an das Unbekannte und der direkten Erfahrung des Geheimnisses.
Qualitäten: Tiefe Intuition, Hingabe, Transzendenz, Magie im Alltag, Fähigkeit, Nicht-Wissen und Nicht-Kontrolle auszuhalten, Verbindung zum Höheren, zu Symbolen und Träumen.
Schattenseiten: Realitätsflucht, Versteigen in spirituelle Konzepte ohne ausgleichende Erdung, zu starke innere Abhängigkeit von Zeichen und Orakeln, Überwältigung durch Gefühle, Verwirrung.
Verkörperung: Das dritte Auge (Ajna Chakra) symbolisiert die Verbindung zum Höheren, aber auch das Nervensystem als Symbol für die feine Wahrnehmung der Mystikerin.
Yogaübung: Der „yogische Schlaf“ (Yoga Nidra), ein tranceähnlicher Entspannungszustand, sanfte Vorbeugen und Umkehrhaltungen (z. B. Viparita Karani, der unterstützte Schulterstand) helfen dir, in dein Inneres zu sinken.
Atemübung: Kurze, sanft gehaltene Atempausen (Kumbhaka) helfen dir, innerlich still zu werden, um so den Raum zwischen den Gedanken zu erkunden.
Affirmation: „Ich vertraue dem Geheimnis des Lebens.“
So lädst du die Mystikerin ein: Zwischentöne annehmen, Magie entdecken
Wir leben in einer Welt, die primär auf rational–männlichen Prinzipien baut – Fakten, Zahlen, festen Strukturen. Um deine innere Mystikerin ans Licht zu bringen, darfst du alles „Wissen“ und jede Sicherheit hinter dir lassen. Denn so faszinierend wissenschaftliche Forschung auch ist, so hilfreich starre Strukturen und zahlenbasierte Überlegungen sein können – diese Welt, dieses Leben hat so viel mehr zu bieten!
Erschaffe dir einen heiligen Raum mit gedämpfter Beleuchtung und fülle ihn mit Objekten, mit Musik, mit Gerüchen, die es dir erleichtern, alles Rationale, Starre hinter dir zu lassen. Gehe in die Stille, die Ruhe, und erkunde die Botschaften von Körper, Geist, Herz und Seele. Beurteile nicht, benenne nicht, sondern lass das Geheimnisvolle zu, das, für das es keine Worte gibt. Lausche der Weisheit deines Körpers jenseits von sinnlichem Empfinden, spüre, wie Prana durch jede einzelne deiner Zellen pulsiert. Erfühle die Zwischentöne deiner Gefühle, ohne dich von Einordnungen wie „angenehm“ und „unangenehm“ ablenken zu lassen. Bewundere die Pirouetten deines Geistes, die unendlichen Spiralen deines Monkey Mind. Und dann lege eine Hand aufs Herz, eine auf den Bauch und lausche deiner Intuition, den Wahrheiten deines Herzens und deiner Seele. Oder gehe in ruhige, unberührte Natur, wandele ohne Ziel und Zeitdruck abseits von Wegen und entdecke das Magische im Alltäglichen. Beobachte, wie sich die Sonne in einem Wassertropfen auf einer Knospe spiegelt. Lausche den Geräuschen des Waldes. Umarme einen Baum und spüre seine Kraft. Blick in die Weite des Himmels und versinke in der Unendlichkeit des Universums.
Lese-Tipp:
Christine May: „Entfessle dein wildes Herz. Mit Yoga, Breathwork und Ritualen deine Seele beflügeln. Eine magische Heldenreise durch 7 weibliche Archetypen.“
Das Buch von Christine May, Yogalehrerin und Begleiterin für weibliche Transformation, führt Frauen mit praktischen Übungen (Yoga, Breathwork, Rituale, Coachingfragen etc.) auf eine Heldinnenreise durch sieben Archetypinnen zu ihrer inneren Urkraft.




