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Experten-Interview: Die Schilddrüse & Yoga

Von Merle Wirellis

Fehlfunktionen der Schilddrüse gehören zu den großen Volkskrankheiten in Deutschland. Besonders Frauen leiden häufig an Über- oder Unterfunktionen des Organs. Die Schilddrüse ist an vielen wichtigen Prozessen im Körper beteiligt. Dazu gehören unser Energiehaushalt, Stoffwechsel, Verdauung und das Herz. Stress spielt heute eine der wichtigsten Rollen in den Ursachen für Schilddrüsenerkrankungen. In diesem Artikel erklärt dir Schilddrüsen- und Hormonexpertin Katia Trost, welche Stressoren Fehlfunktionen begünstigen und was Stress auf hormoneller Ebene bedeutet.

Zu den typischen Symptomen der Schilddrüsenüberfunktion, also einer erhöhten Konzentration der Schilddrüsenhormone, gehören Nervosität, ein starkes Hitzegefühl, Gewichtsabnahme, Schlaflosigkeit, Durchfall und Erschöpfung.

Herrscht wiederum ein Mangel der Hormone, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion. Sie macht sich etwa durch Gewichtszunahme, ein aufgedunsenes Gesicht, Müdigkeit, starkes Frieren, verlangsamtes Sprechen und Denken sowie eine träge Verdauung bemerkbar.

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Interview mit Heilpraktikerin und Yogalehrerin Sylvia Wiest

Sylvia Wiest unterrichtet Yoga und arbeitet als Heilpraktikerin. YogaEasy.de hat mit ihr darüber gesprochen, wie Yoga sich positiv auf Schilddrüsenerkrankungen auswirken kann und worauf Patienten mit Fehlfunktionen achten sollten.

YogaEasy.de: Neben der klassischen medikamentösen Therapie können alternative Methoden helfen, nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen von Erkrankungen der Schilddrüse zu bekämpfen. Yoga etwa kann sich sehr positiv auf die Beschwerden auswirken. Wie beeinflusst die Praxis die Erkrankung?

Sylvia Wiest: Durch Yoga kann die Schilddrüse in ihrer Tätigkeit ausgeglichen werden. Die Vorstellung, die Schilddrüse in ihrer Arbeit zu unterstützen, ist eigentlich schon fast Therapie. Denn es ist wichtig, sich nicht in der Erkrankung zu verlieren, sondern aktiv etwas zu tun, damit die Schilddrüse den Körper noch lange mit den wichtigen Hormonen für den Stoffwechsel versorgen kann. Auch wenn bereits Medikamente für die Schilddrüse eingenommen werden, ist eine positive Grundhaltung sehr hilfreich. Durch die Schulung der Achtsamkeit wird den Betroffenen oft erst bewusst, wie und wann sie selbst eingreifen können und in Momenten, in denen es ihnen nicht gut geht, mit Yogaübungen sehr gute Tools zur Besserung des Befindens an der Hand haben. Ein Annehmen der Schilddrüsenstörung an sich ist schon ein Schritt in Richtung Besserung. Und das Verstehen, selbst etwas verändern zu können, ein weiterer. Abgesehen von den gesamten positiven gesundheitlichen Aspekten des regelmäßigen Yogaübens wird oft eine bewusstere Lebensführung eingeleitet und ist damit ein wichtiger Teil zur Behandlung der Schilddrüsenerkrankungen.

Welche Asanas sind jeweils bei einer Über- bzw. Unterfunktion der Schilddrüse besonders zu empfehlen?

Man könnte mit einer Aktivierung und Harmonisierung des Hals-Chakras (Kehl- oder Vishuddha-Chakra) einen Teil seiner Yogapraxis gestalten. Da die Schilddrüse ihren Sitz direkt unterhalb des Kehlkopfs hat, kann durch Jalandhara Bandha (Halsverschluss) eine Energielenkung in Richtung Schilddrüse erfolgen. Generell sind Übungen, die den Nacken dehnen, sehr hilfreich, wie z. B. Pflug, Schulterstand, Schulterbrücke und auch der Drehsitz. Bei all diesen Asanas wird der Nacken gedehnt und entspannt, die Schilddrüse komprimiert (beim Drehsitz eher gewrungen). Dies schafft Weite im Halsbereich und massiert die Schilddrüse. Man stellt sich vor, dass diese Massage als sanfter Impuls die Schilddrüse harmonisieren und unterstützen kann.

Auch Rückbeugen sind geeignet, denn durch die Dehnung der Körpervorderseite und somit auch des Halses wird im Gegensatz zum oben genannten Druck ein Zug auf die Schilddrüse ausgeübt, was die Flexibilität des Organs fördern kann. Man stellt sich vor, dass Entzündungsstoffe und Lymphe besser abfließen können. Zusätzlich wird die Durchblutung angeregt – vorausgesetzt, es wird ausgeglichen geübt. Das heißt in der Praxis: eine harmonische Abfolge der genannten Asanas und Rückbeugen wie dem Fisch, dem Kamel (oder dem halben Kamel) und weiteren ausgleichenden Asanas und Atemübungen.

Hier ist es natürlich auch wichtig, die Streckung des Nackens in den eigenen Möglichkeiten zu gestalten und Unwohlsein zu registrieren. Man kann den Fisch etwa sehr gut mit Blöcken unterstützen und sich achtsam und sanft in die Nackenstreckung hineinarbeiten. Bei Rückbeugen kommt es auf den harmonischen Bogen der Wirbelsäule an, der vom Becken angefangen bis hinauf zum Kopf gespannt werden sollte, damit auf dem Weg kein Knick entsteht. Besonders sensibel sind hier der Übergang des Kreuzbeins im Becken und der Lendenwirbelsäule und einige Bereiche der Halswirbelsäule. Bei Nichtachtsamkeit in diesen Regionen könnte eine Blockade des Energieflusses die Folge sein. Rückbeugen dehnen den Vagusnerv, der mit einem Ast die Schilddrüse versorgt. Dieser Nerv ist Bestandteil des Parasympathikus und somit verantwortlich für die Stoffwechselaktivität unserer Organe.

Kann Pranayama auch helfen?

Ja, Pranayama kann ebenfalls unterstützend in die Yogapraxis eingebaut werden. Ujjayi-Atmung eignet sich sehr gut, denn durch die sanfte Vibration werden Spannungen im Kehlkopfbereich gelöst, was der Schilddrüse zugutekommt. Auch kann mit dieser Atmung die Meditation gut eingeleitet werden. Nasenwechselatmung könnte man zur Energielenkung nutzen und hier ein besonderes Augenmerk auf die Schilddrüse legen, also sich etwa Folgendes vorstellen: Beim Einatmen fließt frische Energie zur Schilddrüse, beim Ausatmen fließt verbrauchte Energie nach unten ab.

Tönen und Brahmari-Atmung wirken ebenfalls über die Vibration spannungslösend und durchblutungsfördernd. Kapalabhati ist eine anregende Atemübung, die ich je nach Befinden einsetzen würde. Wenn jemand unter den Symptomen einer Überfunktion wie etwa Hitze, Schweiß, Herzklopfen leidet, empfehle ich eher auf Ujjayi- oder Nasenwechselatmung zurückzugreifen oder auch die kühlende Atmung zu nutzen.

Und am Ende der Praxis sollte eine ausgeprägte Sequenz der Entspannung stehen. Im Shavasana kann der Körper mental gescannt werden. Auch progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Fantasiereisen helfen, das vorher Geübte zu integrieren und Stress abzubauen.

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Gibt es Übungen, die Schilddrüsenerkrankte lieber meiden sollten?

Ich würde hier keinen Unterschied zwischen den einzelnen Erkrankungen der Schilddrüsen machen, sondern die/den Übenden dahin gehend schulen, dass die persönliche Empfindung wegweisend ist. Spüre ich zu viel Druck im Halsbereich, ist der Nacken vermutlich nicht gestreckt genug oder die Schilddrüse lässt diese Übung in diesem Moment eben nicht zu. Bekomme ich Herzklopfen oder Schweißausbrüche, dann mute ich mir zu viel zu und sollte aus der Übung herausgehen. Man kann die Übungen in gemäßigter Form, also etwa halber Schulterstand, kleine Schulterbrücke usw. mit ausreichend Platz im Halsbereich üben. Wie immer im Yoga ist auch hier die Achtsamkeit jedes Einzelnen gefragt. Und übertragen können wir das auch auf unseren Alltag mit der Frage: Was tut mir gut, was ist zu viel? Und noch wichtig ist, nicht aufzugeben sondern Alternativen zu suchen. Wenn die Asanas an einem Tag nicht gut bekommen, dann kann ich wunderbar Atemübungen oder die Meditation nutzen. 

Inwieweit kann auch Meditation Linderung verschaffen?

In der Meditation haben wir die Möglichkeit uns selbst zu begegnen. Wenn ich gelernt habe, beispielsweise durch Atmung langsam zur Ruhe zu kommen, kann ich im nächsten Schritt meine Schilddrüse mit heilendem Licht visualisieren. Verschiedene Farben können zum Einsatz kommen, wie vielleicht die Lieblingsfarbe oder Hellblau als Farbe des Hals-Chakras. Ich kann sie mir als balsamartige Heilkraft vorstellen, die die Schilddrüse sanft umhüllt. Ich kann versuchen, durch verschiedene Affirmationen und Bilder meine Selbstheilungskräfte anzuregen. Oder ich lasse meine Gedanken fliegen und versuche, eine innere Stille zu gewinnen, ohne Fokus etwas Bestimmtes. Auch so ist die Regeneration des Körpers gemeinsam mit dem Geist und der Seele möglich. Vielleicht komme ich auch auf diesem Weg möglichen Störfaktoren in meinem Leben auf die Spur und weiß plötzlich, was ich brauche und was nicht.

Worauf sollten Betroffene noch achten, zum Beispiel in Sachen Ernährung?

Zunächst gilt es, auf jodiertes Speisesalz zu verzichten und reines Salz zu benutzen. Es ist weiterhin gut, Milch und deren Produkte aus Bioproduktion zu kaufen, ebenso wie Fleisch und Wurst. Hier ist die Belastung bei konventionellen Anbaumethoden mit Jod, Hormonen und Antibiotika allgemein recht hoch und für Schilddrüsenerkrankte sehr ungünstig (und für alle anderen auch). Natürlich wäre es am besten, die gesamte Ernährung auf Bio umzustellen, aber man kann klein anfangen und nach und nach immer mehr Produkte ersetzen. Vorsicht ist auch bei manchen Sojaprodukten geboten, hier gibt es oft Zusätze einer Algenart, die von Natur aus viel Jod enthält.

Bei manchen Schilddrüsenerkrankungen wird empfohlen, die Jodzufuhr generell einzuschränken, da zu viel Jod zu einer Verschlechterung der Erkrankung führen kann. Ich empfehle grundsätzlich auf natürliche jodhaltige Nahrungsmittel (Seefisch, Feldsalat, Spinat u. a.) zurückzugreifen, da dieses natürlich gebundene Jod besser vom Körper verwertet werden kann. Allerdings ist es manchmal ratsam, auch hier vorsichtig zu sein. Selen ist als Mikronährstoff eine Substanz, die bei Schilddrüsenstörungen empfohlen wird. Es kann sich auf die Antikörperbildung, die bei den Autoimmunerkrankungen der Schilddrüsen vorkommen, positiv auswirken. Das heißt, bei regelmäßiger Selenzufuhr wurde eine Verminderung der Schilddrüsen-Antikörper beobachtet. Hier kann man getrost Selen in natürlicher Form zu sich nehmen. Beispielsweise enthalten Paranüsse und Kokosnüsse wertvolle Mengen dieses Spurenelements.

Zusätzlich sollte man auf stoffwechselanregende Speisen und Getränke achten und diese je nach Symptomen einschränken oder vermehrt zu sich nehmen. Bei einer Unterfunktion ist der Stoffwechsel eher verlangsamt. Hier könnten bei erhöhter Kälteempfindlichkeit vermehrt Ingwer und scharfe Gewürze Anwendung finden. Verdauungsanregende Speisen wie Feigen könnten ebenfalls nutzen, um die Verdauung zu unterstützen und die Beschwerden zu lindern. Bei einer Überfunktion würde dann gegenteilig vorgegangen. Auch ist es entlastend, den Körper ein- bis zweimal im Jahr sanft zu entgiften. Hier muss jeder die Form für sich finden, die ihm oder ihr angenehm und durchführbar ist.


Yoga und die Schilddrüse

Welche Asanas du genau üben kannst, um deine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion sanft auszugleichen, erfährst du in diesem Artikel von Kristin Rübesamen. Dort findest du auch detaillierte Anleitungen und weitere Informationen zum Thema Yoga für die Schilddrüse.