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Bild: HappyWay & YogaEasy

Mit Yoga den Rücken entspannen

Von Alke von Kruszynski

Das Kreuz schmerzt, der Nacken zieht, die Wirbelsäule knackt: Rückenschmerzen sind Deutschlands Volksleiden Nummer eins. Zwar verschwinden sie in 90 Prozent aller Fälle im Laufe von sechs Wochen wieder und gelten unter Fachleuten daher als überbehandelt. Doch nicht selten halten die Beschwerden an – und werden chronisch. Auch mich quälten jahrelang Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich, verursacht durch einen Kaiserschnitt, bei dem Nadel und Faden falsch geführt wurden. Das Resultat: starke innere Vernarbungen entlang der Schnitte, Taubheit im linken Bein, die Unfähigkeit, bäuchlings schmerzfrei zu liegen.

Achtsame Bewegungen gegen den Schmerz

Diese Probleme trieben mich nach wenig erfolgreichen Physiotherapien zur Selbsthilfe mit der Bewegungsform, die mir das beste Angebot machte: Yoga. Zunächst übte ich im kraftvollen Sivananda-Stil. Doch durch die dabei übliche ständige Muskelanspannung konnten sich die Verklebungen um die tiefen OP-Narben herum nicht lösen. Der Rückenschmerz lauerte stets im Hintergrund, Dehnung brachte nur kurzfristig Entspannung.

Dann entdeckte ich eine besondere Variante des Hatha-Yoga, das Intuitive Yoga nach Vanda Scaravelli – und fand endlich die ersehnte Erlösung vom Schmerz. Die Schülerin von B.K.S. Iyengar und Freundin des Philosophen Krishnamurti entwickelte ein Yoga, bei dem eine intensive Körperwahrnehmung in den Asanas, also den Körperstellungen, im Mittelpunkt steht. Erst die so erlernte Fähigkeit, beim Yogaüben alle Signale meines Körpers wahrzunehmen und sie in achtsame Bewegungen umzusetzen, führte dazu, dass ich die Vernarbungen nachhaltig beruhigen und das beschädigte Gewebe zur Regeneration anregen konnte.

Yoga verbessert die Körpersymmetrie

Hatha-Yoga fördert Körpersymmetrie, Kraft und Beweglichkeit. Der südindische Yogi Sadhguru Jaggi Vasudev sagt über das „System Hatha Yoga“: „Seine alleinige Aufgabe ist es, die Symmetrie des Körpers dahingehend zu verbessern, dass eine gewisse geometrische Perfektion erreicht wird.“ Auf diese Weise lindert Hatha-Yoga auch Rückenbeschwerden: Leichtes Bewegungstraining stärkt die Muskulatur, während geführter Atem und Dehnungsübungen die verkrampften Körperpartien entspannen. „Die geometrische Perfektion erlaubt das unbeschwerte Sitzen oder Stehen“, so der Yogi.

Auch eine Harvard-Studie rät bei Rückenschmerzen zu leichter Bewegung, entspannenden und entzündungshemmenden Medikamenten sowie im Akutfall kalten und nach 48 Stunden warmen Packungen. Und zu Ruhe.

Macht Yoga, sage ich und sagen viele Gesundheitsexperten. Mit einer wichtigen Einschränkung: Macht es richtig! Yoga ist eine anspruchsvolle physische Herausforderung. Bringt man eine geschwächte Anatomie mit auf die Matte und mangelt es dort an Betreuung durch erfahrene Lehrer, kann auch Yoga schaden. Doch korrekt geübt, hilft eine Reihe von Asanas dabei, das komplexe Gewebegeflecht des stützenden Apparats anzusprechen, es zu kräftigen und zu beleben. Und oft zu heilen.

Verklebtes Bindegewebe sanft lösen

Dabei rückt zusehends das Wissen über eine Gewebematrix ins Bild, die früher schlicht Bindegewebe hieß: die Faszien. Jahrzehntelang hielten Ärzte es für bedeutungsloses Füllmaterial, von Chirurgen bei- seite geschoben oder entfernt, um an Organe oder Knochen heran zu kommen. Heute revolutioniert das in den letzten Jahren gewonnene Wissen um die Faszien die Medizin. Dieses teils fluide, teils kräftige, kollagenhaltige Gewebe hat als eigenständiges Organ eine Vielzahl nachgewiesener Funktionen: Es stützt und formt den Körper und berührt jede einzelne seiner Zellen.

Zahlreiche Bewegungssensoren machen die Faszien zudem zum zentralen Organ der Körperwahrnehmung mit Auswirkungen auf Immunsystem und Psyche. Verkleben die Faszien, etwa durch Stress und Bewegungsmangel, durch Medikamente und Operationen oder andere Gründe, können diese Funktionen nicht oder nur noch ungenügend wahrgenommen werden. Laut Studienergebnissen der Universität Ulm sind bei Rückenpatienten die Faszien im unteren Rücken verdickt, der gesamte Bereich ist schmerzempfindlicher. Doch die gute Nachricht: Die Faszien sind manipulierbar, durch Therapien wie Osteopathie und Rolfing, mittels Wärme und Massagen – und durch Bewegung. Gezieltes Training kann sogar dazu führen, dass sich die Gewebestrukturen innerhalb von sechs bis 24 Monaten komplett erneuern.

Vorsicht bei schnellen Bewegungen!

Eine große Rolle am Rückenschmerz-Theater könnten kleine Wunden oder Risse in den Faszien spielen, entstanden etwa durch fehlerhafte und einseitige Belastung. Solche Mikroverletzungen können Entzündungen und falsche Signale auslösen, die an die Muskeln und das Nervensystem weitergeleitet werden. Daraus entstehen letztendlich weitere Verkrampfungen und möglicherweise chronischer Rückenschmerz, lehrt auch Steve Bracken aus Brighton. Der Yogalehrer und -ausbilder ist spezialisiert auf die Behandlung von Verletzungen, chronischen Verspannungen und Schmerzzuständen. 

Steve Bracken rät bei gelegentlichen Rückenproblemen zu langsamen Bewegungen, die das Weichteilgewebe allgemein entspannen. „Bei chronischem Schmerz dagegen sind Bewegungen optimal, die deren Ursache ansprechen, zum Beispiel einen bestimmten Körperbereich kräftigen und stabilisieren“, so der Yogalehrer. „Welche Bewegungspraxis die beste wäre, ist also nicht für jeden gleich zu beantworten. Ein Yoga, das das parasympathische Nervensystem adressiert, zugleich das Gleichgewicht schult und Stabilität bringt, ist für den Körper sinnvoller als eines, das nur Stretching und Flexibilität auf seine Fahnen schreibt. Denn steht ein Bereich des Körpers unter Spannung, gibt es dafür einen Grund: Eine verspannte Lendenmuskulatur könnte versuchen, die Wirbelsäule zu stabilisieren, als Ausgleich zu einer Schwachstelle irgendwo anders im Körper.“ Auf die Frage, welche Art Bewegung bei chronischem Rückenschmerz vermieden werden sollte, rät Steve Bracken zur medizinischen Klärung: „Ohne genaue Kenntnis der Ursache lässt sich nur verallgemeinernd sagen: Keine schnellen Bewegungen und solche, die den Schmerz verstärken.“

Dieser Artikel erscheint auch in Ausgabe 2 des Magazins Happy Way, im Zeitschriften-Handel erhältlich von April bis Juni 2015. Die Autorin Alke von Kruszynski ist Lehrerin für Intuitives Yoga nach Vanda Scaravelli.

 

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