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Bild Iyengar: von Mutt Lunker (Eigenes Werk) via Wikimedia Commons, Asanas: YogaEasy.de

Yogastil-Lexikon: Alles über Iyengar Yoga

Von Katharina Goßmann

Wer bisher nur dynamische Yoga-Richtungen kennt, wird sich in der ersten Iyengar-Stunde möglicherweise befremdet fühlen. Iyengar Yoga-Studios ähneln häufig kleinen Turnhallen mit martialischer Wand-Dekoration. Geübt wird im Iyengar Yoga nämlich mit Hilfsmitteln. Nicht nur Block, Decke oder Gurt, sondern eben auch in der Wand angebrachte Hängeschlaufen und vieles mehr kommt zum Einsatz.

Entstehung von Iyengar Yoga

Und das kam so: Der Begründer von Iyengar Yoga, der Inder B.K.S. Iyengar (*1918), war als Kind schwach und ständig krank. Als er 15 war, schickte ihn seine Familie deshalb zu seinem späteren Schwager, dem legendären Yoga-Lehrer Krishnamacharya. Krishnamacharya nahm Iyengar in die Gruppe junger Yoga-Schüler auf, die er unterrichtete. Er behandelte Iyengar mit besonderer Strenge und zwang ihn schon bald in so fortgeschrittene Haltungen, dass Iyengar manchmal tagelang nur unter größten Schmerzen gehen konnte.

Dieses rabiate Vorgehen führte dazu, dass Iyengar nach wenigen Jahren völlig gesundet und in seiner Yoga-Praxis so fortgeschritten war, dass Krishnamacharya ihn nach Pune schickte, um dort selbst zu unterrichten. Iyengar war heilfroh, Krishnamacharyas strengem Regime zu entkommen und wollte dessen Art zu unterrichten nicht weiterführen. So begann er im Selbst-Studium die exakte Ausrichtung von Hatha Yoga-Haltungen zu erforschen. Als Hilfsmittel setzte er dabei alles ein, was er finden konnte – Kissen, Decken, Gurte.

So entwickelte er seinen ganz eigenen Stil, der schon bald Iyengar Yoga genannt wurde. 1952 war sein Ruf so weit gediehen, dass ihn der bekannte Musiker Yehudi Menuhin aufsuchte, um bei ihm Yoga zu praktizieren. Menuhin war begeistert und überredete Iyengar zu einer Tour durch den Westen. Iyengar unterrichtet dort etliche Prominente und steigerte den Bekanntheitsgrad von Yoga beträchtlich. Noch mehr Öffentlichkeit brachte sein erstes Buch „Light on Yoga“ (Licht auf Yoga) von 1966, das bis heute ein Standardwerk ist. 1975 eröffnete Iyengar dann in Pune das Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute (RIMYI), in dem bis heute Iyengar-Lehrer ausgebildet werden.

Philosophie des Iyengar Yoga

Iyengar Yoga steht in der Tradition der Taittiriya Upanishad, eine der ältesten (die 7. von 108 philosophischen Sanskrit-Schriften Indiens) Upanishaden, die dem schwarzen Yajurveda zugerechnet wird (Niederschrift ca. 1.000 v. Chr.). Neben Anleitungen, wie man leben soll, geht die Taittiriya Upanishad als erste auf die 5 Hüllen des Menschen ein. Darüber hinaus liegt dem Iyengar Yoga die Samkhya Philosophie (Hauptzeit ca. 400 v. Chr.) zugrunde. B.K.S. Iyengar wurde in dieser Tradition (Taittiriya Upanishad und Samkhya Philosophie) in direkter Linie, Parampara von Krishnamacharya ausgebildet. Der wiederum war Schüler von Rama Mohan, usw. (Parampara ist die ununterbrochene Linie vom 1. Meister bis zum heutigen Lehrer/Meister der jeweiligen Methode) Das bedeutet, dass auch wir, die Schüler von B.K.S. Iyengar, in dieser Tradition stehen.

In der Taittiriya Upanishad taucht zum ersten Mal die Zahl „5“ auf, in Form der fünf Hüllen des Menschen, beginnend mit der äußeren Hülle: Annamayakosha, unserer physischen Hülle. Anna bedeutet Nahrung, sie ist also die Nahrungshülle: Wir entstehen aus Nahrung, leben von Nahrung, und wenn wir sterben, werden wir wieder zu Nahrung. Die nächste Hülle ist Pranamayakosha – die physiologische, emotionale Hülle; dann Manomayakosha, die mentale Hülle. Es folgen Vijnanamayakosha, die Erkenntnisfähigkeit, Unterscheidungshülle, Bildung/Erreichen von klarem, gültigen Wissen und die innere Hülle: Anandamayakosha – die Glückseligkeitshülle.

Wir arbeiten im Iyengar Yoga mit unseren Handlungsorganen wie zum Beispiel mit unseren Füßen, die zum Element Erde gehören und mit unseren Händen, die zum Element Wasser gehören, von unserer äußeren Hülle, der Nahrungshülle (physischer Leib) zur inneren Hülle, also von außen nach innen. Und zwar mit dem Ziel, alle Zellen für Prana, also die Energie, durchlässig zu machen. Damit der Übende dies erreichen kann, muss er vollkommen „anwesend“ und achtsam sein. Er erfährt, dass nur mit vollkommener Erdung Ausdehnung und Durchdringung möglich ist. Er erlernt dafür den bewussten Gebrauch seiner Handlungsorgane, absolute Konzentration und über diesen Weg das Zurückziehen der Sinne (Pratyahara), nicht nur im Sitzen sondern in jedem Asana.

Mechanisches Üben und Wiederholen spricht nur die äußere, die physische Schicht/Ebene an und führt uns nicht tiefer. Allein präzises, genaues und detailliertes Üben im Augenblick führt uns nach innen. Entsprechend werden auch die Anweisungen im Laufe der Übungspraxis detaillierter, feiner und subtiler, um in immer tiefer liegende Schichten vorzudringen und im Tun vollkommen absorbiert zu werden.

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Das Ziel von Iyengar Yoga ist es, durch die intelligente Ausrichtung des gesamten Körpers das gesamte Wesen zu vereinen – und so ganzheitliche Gesundheit zu erzielen. Intelligent meint im Iyengar Yoga keine rein intellektuelle Leistung, sondern das bewusste, achtsame Zusammenspiel von Körper und Geist, von manifester, energetischer, emotionaler und geistiger Ebene.

Besonderheiten des Iyengar Yoga: Streng in der Ausrichtung

Wer einmal eine Iyengar-Yoga-Stunde bei einem erfahren Lehrer erleben durfte, wird es bestätigen können: Iyengar-Yogastunden bestehen meist aus unspektakulär scheinenden Abfolgen von Asanas (Yoga-Haltungen) – ohne Mantren oder Musik, ohne spezielle Kleidervorschriften, ohne Flow, meist sogar ohne Sonnengrüße. Durch die genaue Anleitung, durch den Einsatz von Hilfsmitteln und tatkräftige Hilfestellungen entsteht aber eine so direkte Form von Konzentration und Körper-Geist-Integration, dass den Iyengar-Yogi am Ende der Klasse meist ein Gefühl von überwältigender Klarheit erwartet.

Streng sind Iyengar-Lehrer allerdings nicht nur, was die Ausrichtung der Yoga-Haltungen angeht. Bei den meisten Iyengar Yoga-Lehrern wirkt noch die traditionell indische, eher rabiat-sachliche Art der Pädagogik nach, mit der sie selbst in Pune zu Lehrern ausgebildet wurden. So nutzt manch indischer Iyengar-Lehrer bis heute in seinen Stunden einen Rohrstock für leichte Schläge. Auch wenn diese Schläge den betroffenen Körperteil nur aktivieren sollen – für manch europäischen Workshop-Besucher sind solche Methoden doch eher (ab)gewöhnungsbedürftig.

Davon sollte sich aber niemand abschrecken lassen. Zum einen lassen westliche Iyengar-Lehrerinnen ihre Hände konsequent vom Rohrstock. Zum anderen gibt es kaum besser ausgebildete Lehrer. Alle Iyengar-zertifizierten Yoga-Lehrer befinden sich in kontinuierlicher Ausbildung - wer den Status „Senior Advanced II“ erreicht hat, hat um die 20 Jahre Ausbildung hinter sich, und 13 Prüfungen. Das macht Iyengar Yoga vor allem für alte, kranke oder anderweitig eingeschränkte Menschen interessant – Iyengar-Lehrer können aufgrund ihres großen Wissens sowie mit Hilfsmitteln und -stellungen so gut wie jede Yoga-Haltung optimal auf die Bedürfnisse ihrer Schüler anpassen. Und wer profitiert schon mehr vom Yoga als Menschen, die mit Einschränkungen und Beschwerden kämpfen?

Kurz gesagt: Iyengar Yoga ist einer der wichtigsten und prägendsten Yoga-Stile weltweit und eine gute Iyengar Yoga-Stunde ist für jeden Yogi ein Geschenk. Egal, welchen Yoga-Stil er oder sie sonst praktiziert.

Hier findest Du alle YogaEasy-Iyengar Yoga-Videos!

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