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Bild: iStockphoto.com

Alles über Asanas

Von Katharina Goßmann

Es gibt die unterschiedlichsten Theorien über das, was Yoga sein soll, dabei kommt es aber eigentlich nur auf eines an: dass wir Yoga üben. Yoga fängt an, wo die Sprache aufhört. Yoga ist nichts, was wir erleben, weil wir eine Menge darüber gelesen haben. Yoga verstehen wir am besten, wenn wir Yoga praktizieren. Und zur Praxis gehört die Ausführung von Yoga-Übungen. Dazu gehören auch Asanas.

Deshalb beschäftigen wir uns im folgenden intensiv mit dem Thema Asanas. Asana ist ein Sanskrit-Wort und bezeichnete ursprünglich die Fläche, auf der Yogis sitzen, während sie meditieren – „as“ bedeutet nämlich sitzen. Später (z.B. in Patanjalis Yoga Sutra) beschrieb der Begriff „Asana“ die Sitzpositionen beim Meditieren, mittlerweile sind damit alle körperlichen Yogahaltungen gemeint. 

Yoga-Übungen = Yoga?

Die meisten Yogis üben in der Tradition des Patanjali. Von seinem berühmten achtgliedrigen Pfad haben sich im Alltag von Yoga-Übenden vor allem diese drei „Stufen“ von Yoga-Übungen etabliert:

  • Yoga Asanas (Yoga-Haltungen)
  • Pranayama (die Atemübungen)
  • Meditation

Im modernen, westlichen Yoga werden oft die Asanas, also die körperlichen Yoga-Übungen, mit dem Begriff „Yoga“ gleichgesetzt. Dabei gibt es im Yoga eine unendliche Vielzahl an Methoden und zudem Yoga-Richtungen, die überhaupt keine Yoga-Übungen in streng körperlichem Sinne einsetzen.

Yoga-Richtungen, die mit körperlichen Yoga-Übungen arbeiten, werden unter dem Begriff Hatha Yoga zusammengefasst. So gut wie alle im Westen verbreiteten Yoga-Richtungen gehören daher zum Hatha Yoga.

Achtung: Der Begriff Hatha Yoga wird auch für einen klassischen Yoga-Stil genutzt, in dem jede Yoga-Übung einzeln eingenommen wird, also - bis auf den Sonnengruß - die Asanas nicht miteinander zu einem Flow verbunden werden.

Die Wirkung von Asanas

Alle Asanas beeinflussen den praktizierenden Yogi auf drei Ebenen:

  • der körperlichen Ebene
  • der seelisch/geistig/psychischen Ebene
  • der energetischen Ebene

Jede Asana wirkt auf den Körper

Yoga-Asanas können

  • Muskeln aktivieren und kräftigen
  • die Wirbelsäule aufrichten
  • Muskeln und Gelenke beweglicher machen
  • Organe und Gelenke durchbluten und dadurch entgiften
  • den (Herz-)Kreislauf stabilisieren
  • die allgemeine Entgiftungstätigkeit des Körpers fördern
  • die Drüsen im Körpers und daher die Hormonproduktion regulieren
  • den Stoffwechsel anregen
  • das Immunsystem stärken
  • und und und...

Wer sich schon mal in körperlich elendem Zustand – schmerzhaft verspannt, mit Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden, tief erschöpft und kraftlos – in eine Yogastunde geschleppt und danach das Yoga-Studio wie ein neuer Menschen verlassen hat, weiß, welche magischen Effekte Yoga auf den Körper haben kann. Aber eben nicht nur auf den Körper...

Jede Asana wirkt auf die Psyche, denn:

  • Bewegung und tiefe Atmung bauen Stresshormone ab
  • körperliche Verspannungen werden reduziert, was sich auch positiv auf geistige Verspannungen auswirkt
  • der Kontakt mit dem Körper, der Fokus, die Achtsamkeit und die Konzentration auf die Asana machen den Kopf frei von Alltagssorgen und Gedankenkarussell
  • der Parasympathikus wird aktiviert, was viele Systeme im Körper beruhigt/reguliert: Herz, Blutdruck, Verdauung etc.

Auf Dauer zeigt auch die yogische Philosophie, die im Yoga-Unterricht vermittelt wird, ihre Wirkung auf unsere Psyche. Vor allem tantrische Traditionen bilden einen wichtigen Gegenpol zur gehetzten Leistungsgesellschaft mit heruntergebrochenen Motiven wie: So, wie du bist, bist du perfekt, du hast ein Recht auf Glück, erweitere deine Grenzen, vergleiche dich nicht mit anderen etc.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jede Asana wirkt energetisch

  • Allgemein aktivieren Yoga-Übungen den Energiefluss (Sanskrit: Prana) im Körper und harmonisieren die Chakren. Das bedeutet, dass die Energie nicht mehr blockiert ist und freier durch den Körper fließen kann. Wenn die Energie durch alle Chakren frei fließen kann, bist du quasi halb erleuchtet... :-)
  • Die Energien der linken und rechten Körperhälfte werden harmonisiert, indem die Energie-Kanäle (in der yogischen Tradition "Nadis" genannt) Ida (weiblich, passiv, aufnehmend) und Pingala (männlich, dynamisch, aktiv) ausgeglichen werden und so die Energie entlang des Sushumna-Nadis, des zentralen Haupt-Energie-Kanal des Körpers (läuft entlang der Wirbelsäule) freier fließen kann (s. Abb. oben).
  • Wenn Prana frei durch die Sushumna fließen kann, wenn alle Chakren gereinigt und aktiviert sind – dann kann die Energie frei nach oben fließen, zum höchsten Chakra, dem Kronen-Chakra Sahasrara. In seltenen Fällen passiert es dann, dass es eine Art Erweckungs-/Erleuchtungserlebnis gibt, nämlich dass die Kundalini aufsteigt.

Das klingt alles mächtig esoterisch. Allerdings entsprechen die Nadis nicht nur den Energie-Meridianen der Traditionellen Chinesischen Medizin, sondern auch dem menschlichen Nervensystem: Ida entspricht dem autonomen Nervensystem, Pingala dem peripheren und die Sushumna dem zentralen Nervensystem. Zu verschiedenen Zeiten haben also kluge Menschen mit verschiedenen Mitteln das gleiche erforscht - nämlich die psychische und physische Gesundheit des Menschen. Auch wenn sie ihre Erkenntnisse dann ein bisschen anders interpretiert und andere Schlüsse gezogen haben.

Asanas in der Praxis

Wie nehme ich Asanas ein?

Asanas werden bewusst und achtsam Schritt für Schritt eingenommen.
Während du in der Haltung bist, solltest du herausfinden, wie viel Kraft dir im jeweiligen Moment zur Verfügung steht und wie du überflüssige Anspannung lösen kannst. Dabei zeigt dir der Atem den Weg: Er soll immer ruhig fließen (der Atem kann durchaus kraftvoll sein, wenn du eine dynamische Sequenz übst – aber eben ruhig-kraftvoll). Übe dich in der yogischen Vollatmung.
Asanas werden genauso verlassen, wie sie eingenommen werden: bewusst und Schritt für Schritt.

Zu jedem Asana gibt es eine oder mehrere Varianten

Es gibt viele Variationen klassischer Asanas. Zum einen vereinfachte Haltungen, die es Anfängern oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen ermöglichen, die Asana auszuführen und so die gleiche (oder ähnliche) Wirkung zu erzielen. Zum anderen gibt es anspruchsvollere Versionen von Asanas, die selbst für Fortgeschrittene eine Herausforderung darstellen und auch sehr dehnbaren Menschen die Möglichkeit geben, den Effekt der Yoga-Übung zu erfahren.

Zudem lassen sich Asanas meist statisch oder dynamisch ausführen.

Viele Asanas sind asymmetrisch, d.h. werden auf einer Seite ausgeführt. Diese Asanas sollten immer auf beiden Seiten geübt werden. Zudem ist es wichtig, dass beide Seiten gleich intensiv ausgeführt werden, um die Harmonie und Symmetrie des Körpers und Energieflusses zu unterstützen.

Viele modernere Yoga-Stile wie Asthanga-Vinyasa-YogaJivamukti und Power Yoga oder Anusara Yoga verbinden einzelne Yoga-Übungen miteinander und kreieren so einen „Flow“, also eine fließende Yogapraxis. Diese Stile sind im Regelfall dynamischer und schweißtreibender als andere Yoga-Stile wie Sivananda und Iyengar oder Kundalini Yoga. In diesen Stilen werden Yoga-Übungen nur für den aufwärmenden Sonnengruß verbunden.

Yoga ist nicht Akrobatik (oder: es gibt keine leichten oder schweren Yoga-Übungen) und schon gar kein Wettbewerb

Viele Yoga-Anfänger wollen wissen, welche Yoga-Übungen die schwersten sind. Bei Yoga denken sie an akrobatische Biegsamkeit. Dabei ist die Frage, welche Asanas besonders schwer oder besonders leicht fällt, nur individuell zu beantworten. Männer etwa finden oft Asanas, die Kraft erfordern, leichter, Frauen dagegen sind dehnbarer. Es gibt Menschen, die sich grundsätzlich gerne herausfordern und sich deshalb in ihrer ersten Yoga-Stunde todesmutig in den Handstand werfen, andere vertiefen sich lieber in die Details von leicht aussehenden Yoga-Übungen und perfektionieren ihre Ausrichtung.

Auch deshalb ist es sinnvoll sich bei der Yoga-Praxis nicht zu vergleichen. Keiner hat die gleichen körperlichen und sonstigen Voraussetzungen, jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und Prioritäten. Es gibt Yoga-Studios, in denen Anfängerstunden aus drei Asanas bestehen, die achtsam eingenommen und genauestens erklärt und korrigiert werden – in anderen Anfängerstunden werden blutige Anfänger bei lauter Musik durch eine dynamische Sequenz geführt, die sie schwitzen und schnaufen lässt. Beides kann perfekt sein, für verschiedene Menschen oder zu verschiedenen Zeiten. Je nachdem, was sie gerade brauchen.

Natürlich ist es faszinierend, wenn Yogis mal eben ihre Beine hinter ihrem Kopf verschränken – und dabei entspannt weiterplaudern. ‚Cool, das will ich auch können!’ denken sich da viele. Aber es kann durchaus auch sein, dass dieser Yogi einfach hyper-flexibel ist und sich gerade die Hüftgelenke ruiniert. Oder dass er 15 Jahre an dieser Übung gearbeitet hat. Oder dass er sich regelmäßig im Yoga-Unterricht ärgert, weil er keine körperlichen Herausforderungen mehr findet. Oder dass da gar kein Yogi sitzt, sondern ein Mitglied des Cirque du Soleil, der noch nie die wohltuenden Wirkungen von Yoga-Übungen erfahren durfte. Gerade in Zeiten von facebook, instagram und pinterest ist es wichtig, dass man sich innerlich von der äußerlichen Darstellung von Asana-Ausführungen distanziert.

Erfahrene Yogis berichten oft, dass sie mit der Zeit die ganz einfach erscheinenden, häufig geübten Asanas als immer schwieriger empfinden – weil sie in deren tiefere Ebenen vordringen, ihre Komplexität immer mehr verstehen und erforschen wollen, weil sie subtilere Beobachtungen machen in der Asana und in tieferen Kontakt mit ihrem Körper kommen. In dieser Phase verlieren oft die akrobatischeren Asanas, mit denen es sich "gut aussehen" lässt und die, wenn wir ehrlich sind, ziemlich viel mit Narzissmus und Ego-Streichelei zu tun haben, an Faszination.

In unserem kleinen Asana-Lexikon findest du eine Auflistung der wichtigsten Asanas, inkl. Videoanleitungen. Viel Spaß beim Üben!


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