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Warum wir Hatha Yoga üben
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Yogastil-Lexikon: Alles über Hatha Yoga

Von Katharina Goßmann und Kristin Rübesamen

Heute üben die Leute Power Yoga oder das mit den Klötzen, sie wollen schwitzen und abnehmen, und einige versprechen sich davon auch eine charakterliche Transformation. Manche behaupten, dass Yoga aus Indien kommt, andere schreiben es immer noch „Joga”. Dass Hatha Yoga die Grundlage für die meisten zeitgenössischen Yogamethoden ist und unser Yogaverständnis generell darstellt, wissen die wenigsten. Höchste Zeit für ein wenig Aufklärung, finden wir.

Der Körper als Hilfmittel für die Erleuchtung: Der eigentliche Sinn und Zweck von Yoga

Ihhh, weg mit dem Körper: Auch wenn über die Geburtstunde des Yoga unterschiedliche Meinungen kursieren, sind sich über das Ziel des Yoga, das zu seiner Entstehung galt, die meisten Lehrmeister einig: Der(!) Yoga diente der Erlösung. Wer sich darauf einließ, versuchte sich in Weltentsagung, Triebkontrolle und Selbsterkenntnis. Die Wertung von Körper und Geist ließ keinen Zweifel: Der Körper galt lediglich als Instrument der Erkenntnis, auf die man noch zu Lebzeiten hoffte. Die Aussicht auf Erlösung im Diesseits machte mitunter quälende Experimente mit dem Körper wett.

Besonders Patanjali erkärt uns in seiner über 2000 Jahre alten Yoga-Sutra, welche Yogatechniken wir wie anwenden müssen, um Ruhe und Frieden zu finden, geistig wohlbemerkt. Er erklärt die Selbsterkenntnis zum Ziel der Yoga-Praxis. Mit seinem Yoga-Sutra bietet er einen genauen Leitfaden, der sich später zur eigenständigen Methode entwickelt hat und große Bedeutung auf Konzentration und Meditation legt: den achtgliedrigen Pfad („Ashtanga“).


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Die Bedeutung von Hatha – Hatha heißt auch... GewaltHatha Yoga Pradipika

Aus den nachfolgenden Texten, die zwischen dem 6. und dem 15. Jahrhundert entstanden sind und von Yogi Swatmarama in den „Hatha Yoga Pradipika“ zusammengefasst wurden, entwickelt sich jenes Hatha Yoga, das den Körper in den Vordergrund stellt, wenn auch nach wie vor in der Tradition von Patanjali mit dem Ziel, den Geist zu klären. Im Unterschied zu Patanjali unterscheidet die Hatha Yoga Pradipika immerhin schon zwischen etwa 14 Asanas. Aber auch hier scheiden sich die Geister. Je nachdem, wen man fragt, gibt es viel mehr Asanas und praktisch keine.

Während Hatha landläufig gerne mit Ha (=Sonne) und Tha (=Mond) übersetzt wird und die Harmonisierung zweier entgegengesetzter Energien bedeuten soll, kann Hatha aber auch mit „Gewalt“ übersetzt werden. Die übersinnlichen Kräfte, für die sich die Hatha Yogis seit dem Mittelalter interessierten und mit denen sie für sich warben, ließen sich für kriegerische Zwecke instrumentalisieren. Anhänger des mittelalterlichen Matsyendranath und dessen Schüler Gorakshanath gründeten die Ordensbewegung des Shaiva Nath. Diese „Naths“ oder „Yogins“ waren begehrte Söldner, die sehr weltlich Handelswege des Subkontinents bewachten oder sich für regionale Freiheitskämpfe anheuern ließen.

Die Reinigung von Körper und Geist

Klingt irgendwie faschistisch, oder? Aber nur, wenn man denkt, Ziel der Reinigung sei ein reiner Zustand, sprich die Abwesenheit von etwas Negativem. Tatsächlich muss man, denken wir, Reinigung im Sinne von Klärung und Entdeckung verstehen. Wer möchte, kann das nachlesen: Ebenso wie die Hatha Yoga Pradipika konzentrieren sich die späteren Yogaschriften des Hochmittelalters und der beginnenden Neuzeit (Hatha Ratnavali (17. Jahrhundert), Gheranda Samhita (17./18. Jahrhundert) und Joga Pradipika (18. Jahrhundert) auf Pranayama, Kontrolle von Prana, Reinigungstechniken und geistige Versenkung.

Gibt es eine Hierarchie zwischen Körper und Geist?

Dass der Körper etwas Gutes ist und ins Zentrum rückt im Hatha Yoga, macht diesen Zweig des Yoga am erfolgreichsten, weil für uns nachvollziehbar: Der Körper ist zwar nach wie vor ein Instrument, aber um eine tiefere Erkenntnis von der Welt (und vielleicht sogar Gott) zu bekommen, müssen wir dieses Instrument pflegen und beherrschen.

Wie das geht, kann man in den Hatha Yoga Pradipika lesen. Das Werk von Swatmarama beschrieb zum ersten Mal Körperübungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama) und Reinigungstechniken (Shatkriyas), die auf dem Weg zur Erleuchtung helfen sollten. Dieser Fokus auf den Körper war aber kein Selbstzweck: Asanas und Pranayama sollten zwar den Körper gesund und kräftig halten sowie Körper und Geist harmonisieren, aber nur um länger und tiefer meditieren beziehungsweise andere spirituelle Wege mit voller Kraft bestreiten zu können. Die Shatkriyas dienten ebenfalls der Gesundheit, sollten aber vor allem den Körper als Tempel der Seele rein halten.

Hatha Yoga gilt als Zweig des Tantra Yoga, nicht zu verwechseln mit den Tantra-Sex-Praktiken, die im Westen kursieren (Literaturtipp: Georg Feuerstein „Die Yoga Tradition”).

Hatha Yoga ist auch ein Yogastil

Ungeachtet seiner spirituellen Ausrichtung ist Hatha Yoga als Stil vor allem als körperliche Praxis bekannt. Das gilt natürlich für so gut wie jede Yogastunde in einem westlichen Yoga-Studio oder Fitnesscenter. Grund dafür ist, dass so gut wie alle Yogastile auf Hatha Yoga aufbauen – schließlich arbeiten fast alle westlichen Yogastile mit Asanas, Pranayama und reinigenden Übungen. Grundsätzlich könnte also jede Yogastunde, die körperliche Übungen einschließt, als „Hatha Yoga“ deklariert werden.

Eine Yogastunde im Hatha-Yogastil weist aber meist folgende Besonderheiten auf:

  • Die Asanas werden einzeln praktiziert, es werden also nicht mehrere Asanas zu einem „Flow“ verbunden.
  • Im Hatha Yoga wird Wert auf achtsame, bewusste Ausführung von Haltungen gelegt – oftmals unterrichten Hatha-Yoga-Lehrer (im Vergleich zu Power-Yoga-Lehrern etwa) eher sanft. Dadurch eignet sich Hatha Yoga hervorragend für Anfänger.
  • Eine klassische Hatha-Yoga-Stunde wird zudem auf alle Fälle eine Meditation, Atemübungen, eine Aufwärmphase, mehrere Asanas und eine Schlussentspannung integrieren.

In diesem Video kannst du eine Hatha Yoga Sequenz für Anfänger mit Cornelia Köster üben:

Yoga Video Yoga für Anfänger – Back to basicsYogaEasy-Video abspielen

Hatha Yoga ist auch ein Yoga-Weg

„Hatha Yoga“ bezeichnet aber auch einen Yoga-Weg. In fast allen ganzheitlichen Yogalehren werden nämlich verschiedene Yoga-Wege beschrieben. Alle haben ein Ziel – die Erleuchtung. Die Methoden allerdings unterscheiden sich deutlich:

  1. Beim Karma Yoga, dem Yoga des selbstlosen Dienens, erreicht der Yogi die Erleuchtung durch altruistische Taten.
  2. Raja Yoga legt den Fokus auf die Kontrolle des Geists und arbeitet vor allem mit Meditation, also der Konzentration auf das Wesentliche.
  3. Beim Jnana Yoga steht das Studium religiöser Schriften im Vordergrund, hier wird die Erleuchtung durch intellektuelle Erkenntnis angestrebt.
  4. Bhakti Yoga hingegen meint das Yoga der Hingabe und besteht aus Ritualen, Opfergaben, Mantrasingen etc. mit dem Ziel, in jedem Moment die Liebe zum Göttlichen in sich zu spüren.
  5. Hin und wieder findet sich auch Kundalini Yoga als eigener Yoga-Weg beschrieben. Kundalini Yoga im Sinne von Yoga der Energie (nicht zu verwechseln mit dem Yogastil Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan). Hier werden verschiedene, fortgeschrittene Yoga-Methoden genutzt, um die Kundalini, die Ur-Energie, zu erwecken.

Hatha Yoga heute

Während selbstloses Dienen, Meditation, das Studium religiöser Schriften, Energielehre und spirituelle Opfergaben dem durchschnittlichen modernen Menschen eher fremd sind, fällt unserer körperfixierten Kultur das Hatha Yoga am leichtesten. Warum auch nicht? Wir sitzen alle zu viel und bewegen uns zu wenig. Und wenn man Hatha Yoga als Weg zur Selbsterkenntnis begreift, wird es nicht dabei bleiben, den ollen Körpertempel in Schuss zu halten. Dann werden wir mehr wollen oder weniger. Je nach Perspektive. Und so verwirrend das ist, liegt darin doch genau die Magie des Yoga. Am Ende bestimmt jeder selbst, was es ist.

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