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Bild: Inga Bohnekamp

Wie ich durch Achtsamkeit gesund wurde

Von Inga Bohnekamp

 

Schicksal chronische Krankheit

Oft können wir uns nicht aussuchen, was uns das Leben so beschert. Ich hätte mir Angenehmeres vorstellen können, als mit einer sehr ungewöhnlichen anatomischen Lage meiner Bauchorgane zueinander geboren zu werden. Über die Jahre wurde die Beschwerden immer stärker: Probleme mit meiner Speiseröhre, unkontrollierbarer, ätzend brennender, schlafraubender Magensäurerückfluss (Reflux), Zwerchfellbeschwerden (auch Atembeschwerden!) zogen mich von Kindesbeinen an in die Maschinerie der Schul- und Alternativmedizin. Inklusive vieler, vieler unangenehmer und invasiver Untersuchungen, unzähliger Medikamente, z.T. abenteuerlicher Diagnosen (bis schließlich die Ursache gefunden wurde) und einiger interessanter Behandlungsmethoden. Kurz: Viele Jahre starke Schmerzen und weitere Beschwerden, die mir nachts den Schlaf raubte und, vor allem in Teenagerjahren, manchmal auch einfach Angst bereiteten.

Hoffnung Achtsamkeitsmeditation

Irgendwann kam ich, schon damals begeisterte Yogini, auch fachlich und wissenschaftlich in meiner Arbeit als Psychologin, damals an der Berliner Charite, mit Achtsamkeitsmeditation in Kontakt. Irgendetwas machte klick. Da war es: Ein Thema, was die oftmals schmerzhaft tief klaffende Lücke zwischen Körper und Seele - der natürlichen Einheit, die nach wie vor gern getrennt behandelt wird - transzendierte! Ich wollte mehr lernen, erfahren, erfühlen, am eigenen Leibe erleben. Mithilfe ausführlicher Werke von Jon Kabat-Zinn erarbeitete ich mir, damals gerade im Mutterschutz mit unserer neugeboreren Tochter, das bekannte Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR) Programm, welches er an seiner Klinik als “östlich- revolutionäres” Konzept in die “westlich medizischische” Arbeit in den USA importiert hatte, um chronisch erkrankten Erwachsenen zu helfen. Ich forschte nach, ich probierte aus. Vor allem wurde ich selbst kreativ und erfand eigene Variationen, die auf mich und meine Situation passten. Und ich merkte, wie es mir besser ging. Nicht dass die Schmerzen weggegangen wären, ich meine verkorkste innere Anatomie hätten korrigieren können oder den größeren operativen Eingriff, der anstand, hätte verhindern können. Aber ich begann, durch ehrliches, achtsames Beobachten und Erfühlen meiner Selbst, den inneren Prozessen, die Schmerz und Krankheit und letztendlich Stress oft begleiten, sowie den damit verbundenen Gefühlen, Gedanken, Körperempfindungen, Handlungen auf die Schliche zu kommen.

Die erhellende “Erkenntnis”?
Wir können meist nicht auswählen, was uns im Leben passiert, aber wir können sehr wohl wählen, wie wir auf das, was das Leben bringt, reagieren möchten!

Weiterbildung und Weiterentwicklung

Gleichzeitig sah ich den Erfolg der Achtsamkeitsarbeit auch an meinen Patienten. Dies waren damals vor allem Teenager. Als ich dann vermehrt mit noch jüngeren Patienten arbeitete, bemerkte ich (wenig überraschend), dass die Techniken für Erwachsene nicht attraktiv oder auch passend waren, um den Kleinen dieses Thema nahezubringen. Wieder forschte ich nach und sah, wie wenig Informationen es zu diesem Spezialgebiet gab. Meine Neugier, mein Interesse zu lernen und zu Wachsen sowie meine Kreativität kannten keine Grenzen. Alles, was die Verbindung zwischen Koerper, Seele und Gefühlen anging war schon immer spannend für mich gewesen. In den kommenden Jahren machte ich meine Ausbildung zur Yogalehrerin für Kinder und Jugendliche und, einige Jahre später – wir lebten zu diesem Zeitpunkt in Kanada – auch zur Yogalehrerin für Erwachsene. Letztere bei Tara Stiles, die in ihrem Studio in New York City sowie weltweit ihren sehr gefühlsorientierten und undogmatischen (genau das richtige für mich!) Strala Yoga Stil unter die Menschen bringt.

Achtsamkeitsprogramme für Kinder und Teenager

In meiner Arbeit brachte ich alles zusammen: Meinen Hintergrund als Psychologin, meine Ausbildungen in Yoga und Achtsamkeit, meine Erfahrungen aus jahrelanger Arbeit mit Patienten, meine persönlichen Erfahrungen. Hier in Ottawa, derzeit “home base” meiner Familie, kreierte ich u.a., gemeinsam mit der Abteilung für Pädiatrische Rheumatologie am Children’s Hospital of Eastern Ontario (CHEO), das MAPLE MINDS Yoga and Mindfulness Group Program for Kids and Teens with Chronic Illness und begann, chronisch erkrankten Kindern, Jugendlichen und ihren Familien altersgerechte und ansprechende Techniken zu vermitteln, die darauf zielen, ihnen den Umgang mit starken Schmerzen, mit Gelenkinjektionen und anderen unangenehmen medizinischen Eingriffen zu erleichtern - aber auch mit Angst, mit Nervosität, mit unangenehmen Gefühlen und nicht zuletzt mit dem guten alten “Alltagsstress”. Mit Erfolg! Unser Programm wuchs. Patienten aus anderen Kliniken und mit anderen Gesundheitssorgen (Gastroenterologie, Pneumologie, Immunologie, Nephrologie, Kardiologie...) riefen an und baten, ob auch sie teilnehmen koennten. Eltern von Patienten fragten, ob sie nicht bitte die (gesunden) Geschwister anmelden koennten, da die Techniken doch auch helfen würden, mit Stress in der Schule, Ärger mit Freunden und der Familie und so viel anderem im Leben umzugehen. Ich begann, Workshops an Schulen zu unterrichten. Ich unterrichtete Lehrer, die sich “einfach nur entspannen” wollten und inspirierte sie gleichzeitig, ein paar kindgerechte Techniken mit in ihr Klassenzimmer zu nehmen. Ich begann, an einer therapeutischen Ambulanz Gruppen anzubieten – für Kinder und Jugendliche und Erwachsene mit und ohne psychische oder sonstige “Probleme”. Ich brachte Psychiatrieforschern das Thema nahe – unter anderem für ihr eigenes Leben.

Wir alle können mit Hilfe von einfachen Werkzeugen und ganz ohne esotherischen Überbau (denn darauf steht ja bekannterweise nicht jeder) lernen, unser Leben mit all seinen Herausforderungen und oftmals unerwarteten “twists and turns” etwas leichter zu nehmen, mit “Stress”, Ängsten, Nervosität, Schmerz, Konflikten, Krankheit anders umzugehen.

Wie? 
Indem wir achtsamer werden mit uns selbst.

Wo fangen wir an?
Jetzt. Hier. Genau hier, in unserem Hier und Jetzt – wie auch immer das eben

Wie fangen wir an?
Mit unserem Atem. Indem wir uns “mit ihm verbinden”, ihn mit den neugierigen Augen eines kleinen Kindes beobachten, erforschen, ihm folgen, von ihm lernen – und dabei offen, neugierig, unvoreingenommen und nicht bewertend (!) vorgehen.

Nebenwirkungen?
Wir lernen uns selbst besser kennen. Ehrlicher. Tiefer. Vielleicht werden wir sogar unser eigener bester Freund – ja, genau, trotz allem, was wir womöglich an uns auszusetzen haben. Das wird nämlich weniger, weil wir mitfühlender werden – gegenüber uns selbst und  unseren Mitmenschen. Und gelassener. Und glücklicher. Nicht immer. Und nicht “einfach so”. Aber wir werden offener, empfänglicher und aufmerksamer für die kleinen schönen, wunderbaren, herzerwärmenden Momente, die es in unserer aller Leben gibt und die so oft unbemerkt vorbeischlüpfen – eben genau bis wir uns die Mühe machen, achtsam die ollen, staubigen Vorhänge beiseitezuschieben, das Fenster aufmachen und die Sonnenstrahlen, die so unbemerkt eigentlich schon die ganze Zeit da waren, hereinlassen.

Ich wünsche Euch viel Freude auf der Reise zu Euch Selbst. Und sende eine dicke Umarmung mit Mut und Durchhaltevermögen, denn manchmal ist es nicht einfach und auch nicht schön, achtsam zu bleiben in Momenten, wo man doch wirklich nichts lieber täte als wegzuschauen, wegzurennen, wegzuträumen oder sich mit _________ (bitte selbst ausfüllen) zu betäuben.

Lasst mich wissen, wie es geht! Wenn du Wegbegleitung möchtest: Ich bin da - ich komme vorbei, ich schreibe, telefoniere und skype: http://ingabohnekamp.com/ und Inga@scale.io

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