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Yoga & Liebe: Asanas, Hormone – und Verbindung
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Yoga & Liebe: Asanas, Hormone – und Verbindung

Von Dr. Maria Wolke

Die Liebe: In der Werbung wird sie nur als Klischee abgebildet – entweder als Zustand der himmelhochjauchzenden Dauerverliebtheit oder als penetrant glückliches Ehepaar mit Kindern (natürlich alle mega-attraktiv). In der populären Musik dagegen wird Liebe oft gleichgesetzt mit untreuen Frauen, wahlweise bindungsunfähigen Männern. Und der Philosoph Platon stufte die Liebe sogar als eine „schwere Geisteskrankheit“ ein.

Verliebtheit: Die Moleküle der Gefühle

Vielleicht werden wir ja wirklich ein bisschen verrückt, wenn wir uns verlieben. Nicht umsonst gibt es Ausdrücke und Sprüche wie „liebeskrank”, „blind vor Liebe“ oder „er ist verrückt nach ihr”. Denn in der Tat ist Verliebtsein ein biochemischen Ausnahmezustand. Adrenalin und Noradrenalin sind dafür verantwortlich, dass Verliebte „unter Strom“ stehen und bereits das Klingeln des Telefons oder der Anblick des Geliebten Herzrasen und Schweißausbrüche verursacht. Dopamin macht euphorisch und wirkt „anregend“. Dopamin kann auch „süchtig“ machen und verursacht so vermutlich den Liebeskummer - denn der ist wohl nichts anderes als eine durch das Fehlen des Geliebten verursachte Entzugserscheinung. Und dann gibt es noch Serotonin, das Glückshormon. Menschen im Liebesrausch weisen wider Erwarten niedrigere Serotoninwerte auf als ihre unverliebten Gleichgesinnten. Der Mangel dieses Neurotransmitters erklärt, warum Verliebte kaum schlafen, wenig essen und unaufhörlich vom Geliebten träumen - sie ähneln darin Menschen, die an Zwangsstörungen erkrankt sind und ebenfalls ein geringes Serotonin-Level haben.

Liebe ist Verbundenheit

Im Gegensatz zu diesem kurzfristigen Zustand des (angenehmen) Wahnsinns ist Liebe das Gefühl der tiefen, einzigartigen Verbundenheit mit einem Menschen. Und genau darum geht es im Yoga – um Verbindung. Das geht bereits aus der Bedeutung des Sanskrit-Wortes „Yoga“ hervor, das wörtlich übersetzt so viel wie „verbinden”, „verknüpfen”, „anjochen” oder „anschirren” heißt.

Wenn du anfängst Yoga zu üben, durchläufst du in dieser Hinsicht mehrere Phasen: Zunächst verbindest du deine Bewegungen mit deiner Atmung – und kommst so (wieder) in Kontakt mit deinem Körper. Wenn du länger du praktizierst, spürst du immer deutlicher, dass Körper, Geist, Herz und Co. eigentlich eine Einheit sind. Und irgendwann wirst du dich auch immer stärker mit anderen Menschen verbunden fühlen. Ja, vielleicht wirst du eines schönen Tages aus dem Yogastudio deiner Wahl treten und dein Herz wird so offen sein, dass du jeden einzelnen Menschen, dem du begegnest, als geliebten Mitmenschen sehen kannst. Warum das so ist, wissen wir nicht genau (auch wenn wir viele interessante Theorien haben), aber dass Yoga so wirkt, erleben Yogis weltweit täglich.

Yoga erhöht die Bindungsfähigkeit

Aber Yoga öffnet nicht nur dein Herz auf emotionaler und spiritueller Ebene. Auch auf biochemischer Ebene hilft Yoga dabei, die Verbindung zum Mitmenschen zu spüren – und zwar bewiesenermaßen.

Wie? Das Bindungs- und Treuehormon Oxytocin fördert Beziehungsfähigkeit. So ist es etwa dafür verantwortlich, dass sich eine enge Beziehung zwischen dem Neugeborenen und seiner Mutter entwickeln kann. Zudem wird es unter anderem während des Geschlechtsverkehrs ausgeschüttet und fördert zuverlässig das Zusammengehörigkeitsgefühl und das „Kuscheln“ danach. Es wurde festgestellt, dass eine hohe Konzentration dieses Hormons die sexuelle Treue fördert und so Untreue unwahrscheinlicher macht – und so die Wahrscheinlichkeit einer tiefen, innigen Beziehung erhöht.

In diesem Zusammenhang haben indische Forscher des Instituts für mentale Gesundheit und Neurowissenschaften in Bangalore festgestellt, dass Yoga den Oxytocin-Spiegel hebt, also ganz konkret unsere Bindungsfähigkeit verbessert. Wenn du aktiv an deiner Bindungs- und Liebesfähigkeit arbeiten möchtest, kannst du das z. B. mit Yoga-Übungen für Paare machen. 

Anleitung: Meditation der liebvollen Güte deinem Partner gegenüber

Auch diese Meditation der liebevollen Güte dem Partner gegenüber eignet sich hervorragend um die eigene Liebesfähigkeit zu verstärken und die Oxytocinauschüttung anzukurbeln.

  1. Setze dich in den für dich geeigneten Meditationssitz, strecke deinen Rücken und schließe die Augen. Konzentriere dich nun einen Augenblick lang auf deinen Atem. Spüre, wie sich mit jedem Einatmen deine Bauchdecke hebt und mit jeden Ausatmen wieder senkt.
  2. Versuche nun deinen Partner zu visualisieren. Stelle dir vor, wie er/sie lächelnd vor dir steht. Was empfindest du? Ist es Freude, Liebe, Zuneigung? Oder Angst, Wut und Enttäuschung? Verspürst du Ersteres, verbleibe in dieser Emotion und visualisiere ein hell-leuchtendes Band der Liebe, das von deinem Herzen zum Herzen deines Geliebten führt und euch verbindet. Ist eure Beziehung gegenwärtig in einer Krise, wird es etwas schwerer, positive Emotionen dem Partner gegenüber zu empfinden. Um dir diese Arbeit zu erleichtern, kannst du zum Beispiel an eine gemeinsame Situation oder ein Erlebnis denken, das in dir eine warme positive Stimmung erzeugt. Das kann der erste Kuss sein oder etwas anderes Schönes, das ihr beide gemeinsam erleben durftet.
  3. Ist dir das gelungen, verbleibe so lange wie möglich in dieser Empfindung. Visualisiere nun wieder das energetische Band, das dein Herz mit dem Herzen deines Partners verbindet und konzentriere dich bewusst auf das Empfinden der Liebe, die von Herz zu Herz fließt.

Diese Meditation hat das Ziel, die eigene Wahrnehmung auf all das zu richten, was wir an unserem Partner/unserer Partnerin mögen und schätzen. Diese Form der Meditation verschiebt langfristig unseren Blickwinkel und führt dazu, dass Akzeptanz und Liebe (wieder) die Oberhand über den alltäglichen Beziehungsfrust gewinnt.

Keine Chance dem Lustkiller Stress!

Für viele Menschen geht es im Yoga aber vor allem um die Verbindung zum eigenen Körper. Eine der schönsten Neben-Effekte einer regelmäßigen Asana-Praxis ist aber der Abbau von Stress. Ein entspannter Körper wiederum gilt als Voraussetzung für das Empfinden von sexueller Lust und Liebe. Denn das Feuer in unseren Herzen (und Schlafzimmern) entfacht sich nur dann, wenn wir uns nicht gehetzt und erschöpft fühlen.

Bei Stress überwiegt der sogenannte Sympathikotonus in unserem Körper. Wir sind auf Gefahren eingestellt und haben keine Energiereserven übrig, um uns ruhig und entspannt der Liebe zu widmen. Erst die Aktivierung des Parasympathikus, also des Bereichs des vegetativen Nervensystems, der uns entspannt, ermöglicht den erhöhten Blutzufluss zu den Geschlechtsorganen, das Empfinden der Erregung und auch die sichtbaren und fühlbaren körperlichen Erregungszeichen. In der körperlichen Liebe folgt der Entspannung die Anspannung. Während des Geschlechtsakts wird nämlich auch der Sympathikus aktiviert: Der Körper kontrahiert, wir atmen schneller, unser Herz pocht und wir schwitzen. Dieser sympathisch gesteuerte körperliche Druckaufbau entlädt sich schließlich im Orgasmus – dem Ausdruck höchster sympathischer Erregung. Anschließend übernimmt wieder der Parasympathikus die Oberhand und der Körper beruhigt sich und entspannt. 


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Übungen für ein befriedigendes Liebesleben

Ein weiteres Hormon, das im Liebes- und Sexualleben von Männern und Frauen eine ausschlaggebende Rolle spielt, ist das Testosteron. Testosteron ist das männliche Geschlechtshormon und gilt bei beiden Geschlechtern als das wichtigste „Lusthormon“. In niedrigeren Dosen kommt es auch im weiblichen Organismus vor und ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen für die sexuelle Lust mitverantwortlich. Dabei macht Testosteron nicht nur mehr Lust auf Sex, sondern hebt auch die Stimmungslage und das Wohlbefinden eines Menschen.

In diesem Zusammenhang haben russische Wissenschaftler festgestellt, dass der Testosteronspiegel und so auch die Erregbarkeit von Männern und Frauen nach der Ausführung von unterleibstimulierenden Asanas zunehmen. Praktiziert wurde hier Bhujangasana – die Kobra. Die Ausführung dieser Übung hatte einerseits die Abnahme des Stresshormons Cortisol um bis zu 11 Prozent zur Folge. Gleichzeitig stieg die Testosteronkonzentration im Blut der Teilnehmer um bis zu 16 bis 33 Prozent an – was die deutlich gesteigerte Erregbarkeit der Studienteilnehmer erklärt. Offensichtlich wird hier ein optimales Zusammenspiel von Entspannung und Anspannung erzeugt, das vermutlich auch bei sexuellen Funktionsstörungen Linderung bringen kann.

Hier erklärt die Hamburger Iyengar-Yogalehrerin Marina Pagel, wie du die Kobra korrekt ausführst:

Yoga Video Clip: Bhujangasana (Kobra)YogaEasy-Video abspielen

Neben Bhujangasana gehört auch Dhanurasana – der Bogen zu den Asanas, die einen verstärkten Druck auf die weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane ausüben und so die sexuelle Energie stimulieren:

Wie du Dhanurasana ausführst, siehst du hier:

Yoga Video Clip: Dhanurasana (Bogen)YogaEasy-Video abspielen

Diese Asanas entspannen den Körper, fördern die Durchblutung und heben vermutlich gleichzeitig den Testosteronspiegel der Praktizierenden an. Auch hüftöffnende Asana wie Baddha Konasana, der Schmetterling, oder Supta Baddha Konasana, der gebundene Winkel, stimulieren und entspannen unser Becken und die damit verbundenen (Geschlechts-)organe.

Ein weiteres Geschlechtshormon, das das menschliche Sexualverhalten steuert, ist das Östrogen. Bei Frauen löst es den Eisprung aus und führt zu mehr Lust auf Sex. Fehlt dieses wichtige Hormon, entstehen neben sexueller Unlust die typischen Wechseljahrbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Stimmungsschwankungen. Der Mangel an Östrogen kann mittels spezifischer Techniken des Yoga, dem sogenannten Hormon-Yoga, erfolgreich behandelt werden, sodass die sexuelle Lust zurückkommt und auch die unangenehmen Wechseljahrbeschwerden abnehmen.

Yoga als Sexualtherapie?

Der positive Einfluss des Yoga auf die körperinternen biochemischen Prozesse lässt vermuten, dass Yoga auch bei sexuellen Funktionsstörungen helfen kann. Natürlich ist es wichtig, ärztlich abzuklären, ob Körper oder Geist die sexuelle Unlust/Problematik verursachen. Ist die Sexualität durch unseren ablenkbaren Geist nicht möglich (z.B. weil wir ständig „zu viel im Kopf“ haben und „nie richtig bei der Sache“ sind), bieten hyperventilatorische Atemtechniken wie Bhastrika oder Kapalabhati eine schnelle Hilfe. Ein Forscherteam der Britisch-Columbia-Universität konnte nachweisen, dass diese Atemformen die Erregbarkeit von Frauen mit und ohne sexuelle Funktionsstörungen erhöhen.

Warum? Hyperventilatorische Atemformen entziehen dem Frontalhirn (das für Denken und Bewerten zuständig ist) den Sauerstoff, was diesen Bereich kurzfristig weniger durchblutet. Das Emotionszentrum arbeitet währenddessen uneingeschränkt weiter. Diese aktive Art der „Aufmerksamkeitslenkung“ ermöglicht eine uneingeschränkte emotionale Erfahrung, da einen kurzen Augenblick lang keine kognitive Bewertung durch das Frontalhirn möglich ist.

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