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Hirnforscherin Tania Singer: Meditation und Mitgefühl
Bild: Shutterstock.com

Hirnforschung: Meditieren für eine bessere Welt

Von Kristin Rübesamen

Die Welt ist aus den Fugen, die Menschen nicht im Gleichgewicht. Schon vor den entsetzlichen Anschlägen letzten Freitag in Paris. Egal, wohin wir schauen: Flüchtlingskrise, soziale Ungerechtigkeit, globaler Klimawandel. Eigentlich wäre es aktuell wichtiger denn je, dass die Menschen füreinander statt gegeneinander arbeiten, dass Gemeinwohl statt Eigennutz im Vordergrund stehen. In einem weltweit einzigartigen Projekt untersuchte eine Hirnforscherin, wie mentales Training und Meditation für mehr Altruismus und Empathie eingesetzt werden können.

Kann man Mitgefühl durch Meditation trainieren?

Mitgefühl galt lange - besonders unter den von Männern dominierten deutschen Wissenschaftlern - als etwas Weibliches, dessen wissenschaftlicher Erforschung man mit diffuser Skepsis gegenüber stand. Die Sorge, der Kapitalismus brauche den Wettbewerb und Kampf als Leistungsmotivation mehr als ein Miteinander- und Füreinanderdasein, blockierte die Arbeit der Neurowissenschaftler. Die Professorin Tania Singer, Leiterin des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, ist nun dabei, das zu ändern. Die 1969 geborene Tochter des Hirnforschers Wolf Singer wollte eigentlich nicht dasselbe machen wie ihr Vater. Erst nach ihrer Doktorarbeit in Psychologie erkannte sie, dass ihr etwas Entscheidendes fehlte, um zu verstehen, wie sich Menschen verhalten: das Wissen darum, was im Hirn passiert - konkret: ein Studium der Neurowissenschaft. Als international anerkannte Professorin für „soziale Neurowissenschaft“ untersuchte sie in diesem relativ neuen Wissenschaftsfach auch, wie das Gehirn andere Menschen und deren Gefühle wahrnimmt. Und vor allem die Frage: Kann man Mitgefühl durch Meditation trainieren?

Reaktionsweisen ändern, Stress reduzieren, die Welt verändern

In Experimenten, belegt durch Hirn-Scans, die demnächst auch veröffentlicht werden, zeigte Singer, wie man die Motivation fürs Miteinander wie einen Muskel trainieren kann und wie sich dadurch Reaktionsmuster verändern und Stress, selbst unter Wettbewerbsdruck, abnimmt. Um Dankbarkeit, Liebesfähigkeit und soziale Motivation zu schulen, behauptet sie, muss man nicht mehr als zehn Minuten am Tag meditieren.

Altruismus statt Angst vor den Chinesen?

Meditation macht fit und stark, soviel weiß man sogar schon auf der Wall Street - fit für den Kampf, fit für den Konkurrenzkampf. Traditionell sind wir gefangen in einer Dynamik, die zwischen Wettbewerbsdruck und der Angst zu verlieren und das Nachsehen zu haben, schwankt. Entweder wir sind Sieger oder Verlierer. Sobald wir unsere Handlungsmotivation jedoch aufs Miteinander anstatt das Gegeneinander ausrichten, wird ein kleines Wunder passieren, behauptet Singer: Etwas von der Menschenliebe und der Großzügigkeit, die wir austeilen, kommt zurück. Sie sagt: „Der homo oeconomicus ist veraltet“. Wenn aber der Kapitalismus auf einem falschen Menschenbild basiert, wackelt auch die Basis dier Ökonomie, die uns versucht weißzumachen, dass wir nur an Gewinnmaximierung interessiert sind.

Fazit

Eigentlich können wir es uns nicht leisten, dass die Ökonomen weiterhin an einem solchen vereinfachten Menschenbild festhalten. Sind die Menschen glücklich und zufrieden im Spätkapitalismus, in Zeiten von Klimawandel, Verzweiflungsmigranten und sozialer Ungerechtigkeit? Gesund sind sie jedenfalls nicht. Darauf zu setzen, dass die Menschen auch etwas anderes wollen als Eigennutz und Gewinnmaximierung, und dass ihnen dieser Wunsch auch selbst gut täte, ist also kein naives Hippie-Statement mehr, sondern wissenschaftlich belegt. Es genügt nicht, dass Manager anfangen zu meditieren. Es kommt darauf an, worum es bei dieser Meditation geht. Manager und ihre Unternehmen könnten sich das ReSource Projekt von Singer leisten - wenn sie eine bessere Welt wollen.

Was ist das ReSource Projekt?

"Das ReSource Projekt ist eine weltweit einzigartige, groß angelegte Studie zum mentalen Training mithilfe westlicher und fernöstlicher Methoden der Geistesschulung. Über einen Zeitraum von elf Monaten wurden interessierte Laien an ein breites Spektrum von mentalen Übungen herangeführt, mit deren Hilfe Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Körper- und Selbstgewahrsein, eine gesunde Emotionsregulation, Selbstfürsorge, Empathie und Mitgefühl sowie Perspektivübernahme trainiert werden. Insgesamt zielte das Training darauf ab, mentale Gesundheit und soziale Kompetenzen zu verbessern, um z.B. Stress zu reduzieren, mehr geistige Klarheit zu erlangen, die Lebenszufriedenheit zu steigern sowie andere Menschen besser verstehen zu lernen.

Es handelt sich um ein säkulares Programm, das mit einem Team von erfahrenen Meditationslehrern, Wissenschaftlern und Psychotherapeuten entwickelt wurde. Es wurde in Leipzig und Berlin durchgeführt und durchgängig von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften begleitet werden.

Das ReSource Projekt wurde initiiert von Prof. Dr. Tania Singer, Direktorin der Abteilung Soziale Neurowissenschaft am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und wird gefördert mit Mitteln des Europäischen Forschungsrats sowie der Max-Planck-Gesellschaft."

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