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Wechselspiel der Polaritäten: Sthira und Sukha
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Wechselspiel der Polaritäten: Sthira und Sukha

Von Katharina Maurer

Unser Leben besteht aus Gegensätzen: hell und dunkel, Yin und Yang, leicht und schwer, freudig und traurig. Gefühlt befinden wir uns immer auf einer Seite und rollen – wenn wir versuchen, dies auszugleichen – wie eine Murmel, zurück ins andere Extrem. Sicher kennst du es von dir selbst: Die Waage zwischen diesen Polen zu halten, ist manchmal ganz schön schwer. Das hat auch schon der Weise Patanjali 400 v. Chr. in seinem Yoga-Standardwerk „Yoga Sutra” geschrieben.

„Sthira Sukham Asanam.”

Vers 2.46 Yoga Sutra, Patanjali

Dies ist eines der bekanntesten Sutras aus Patanjalis Yoga Sutra. Der Vers 2.46, Sthira Sukham Asanam, beschreibt im übertragenen Sinne, dass die Körperhaltung stabil und angenehm sein sollte.

Sthira: ist ein Begriff aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie fest, stabil, unbeweglich, dauerhaft und widerstandsfähig.
Sukha: (ebenfalls aus dem Sanskrit) beschreibt Behagen, Leichtigkeit, Freude und Glück.

Da sich das Yoga Sutra auf die Meditationspraxis – und auf die Vorbereitung dieser – bezieht, kann der Vers auf den Meditationssitz bezogen werden. Dieser soll also fest und stabil sein, aber dennoch auch leicht und angenehm. Jeder, der schon einmal länger als drei Minuten meditiert hat, kann bestimmt gut nachvollziehen, was Patanjali meint.

In Bezug auf den Meditationssitz kann man Sthira so deuten: Um lange stabil und regungslos zu sitzen, um sich ganz der Meditation hingeben zu können, benötigen wir eine entsprechende Muskulatur. Du kennst es vielleicht von dir selbst: Es dauert gar nicht so lange, bis wir doch im Rücken etwas einsinken oder uns doch noch mal bewegen möchten, weil es irgendwo am Körper zwickt oder die Beine eingeschlafen sind. Um tief in die Meditation sinken zu können, müssen wir regungslos werden. Und dazu benötigen wir Sthira als Fundament. Sukham ist das Einlassen auf die Situation. Das geht nur, wenn du dich wohl in deinem Körper fühlst und angenehm und leicht in einer Haltung verweilen kannst. Wir können den Körper loslassen und uns so ganz auf die Meditation einlassen, wenn er sich gut anfühlt.

Im Yoga Sutra geht es im konkreten Sinne kaum um die Asanas, sondern eher um die innere Haltung, die du einnehmen solltest. Wenn wir im Raja Yoga weiterkommen wollen, müssen wir lernen, diese beiden Attribute für unsere Haltung einzuüben.

Wenn du einen guten Sitz gefunden hat, kannst du hier mit Anna Rech eine Herz-Licht-Reise machen:

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Dennoch ist dieser Vers auch auf unsere gesamte Yoga Praxis, eigentlich sogar aufs ganze Leben, übertragbar. Es geht um die Verwurzelung und um das Loslassen und dieses Wechselspiel der Polaritäten.

Finde die Mitte

Unser ganzes Leben ist von Dualität geprägt, von Gegensätzen, und unser erster Implus ist allzu oft, dass wir uns entscheiden müssen. Dabei geht es eher darum, die Mitte auszuloten, die Balance zu halten, indem du dich zwischen den Polen bewegst.

Das Prinzip von Sthira Sukham Asanam lässt sich von der Matte auch ins Leben transferieren. Sthira sind die stabilen, beruhigenden Elemente des Lebens und Sukha bringt die Leichtigkeit, hilft beim Loslassen, hilft uns, uns auf Veränderungen einzulassen. Interessanterweise wird das Loslassen und das Einlassen auf Veränderungen umso leichter, je verwurzelter wir sind.

Stressige Lebensumstände entwurzeln uns jedoch eher und halten uns dennoch gefangen. Die Folge: Loslassen scheint unmöglich. Weder in den Gedanken noch im Körper. Den Umgang mit diesen Momenten kannst du ideal auf der Matte üben.


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Sthira und Sukha in deiner Yoga-Praxis

In erster Linie denken wir an die Erdung in jeder Haltung. Wir richten die Asana von der Matte aus auf, beginnen bei unserer Bodenhaftung, unseren Wurzeln, und wagen uns dann Stück für Stück höher. Zum Beispiel mit stabilen, festen Beinen über eine aktive Mitte, die besonderen Halt durch die Bhandas erfährt.

Besonders oberhalb des Bauchnabels fängt die Leichtigkeit an (zumindest solange wir uns nicht in einer Umkehrhaltung befinden). Deine Schultern, Arme, der Nacken, besonders auch der Kiefer und die Stirn dürfen locker werden und leicht. Die Arme im Krieger II sind, obwohl sie bis in die Fingerspitzen gespannt sind, nicht verkrampft, sondern schweben nahezu schwerelos. Ohne das eine ist das andere nicht möglich. Wackelt das Fundament, kann sich oben im Elfenbeinturm niemand locker machen.

  • Zu viel Sthira ist auf der Matte oft an hochgezogenen Schultern, einem verbissenen Kiefer zu erkennen. Beobachte dich mal selbst und versuche bewusst den Zustand mit ein bisschen extra Sukha auszugleichen.
  • Zu viel Sukha kannst du daran bemerken, dass du nicht gut geerdet bist, in Balancehaltungen viel wackelst oder dir auch sonst die stabile Form der Asana schwerfällt.

Sorge dafür, dass du Erdung hast, der Atem frei fließen kann und deine Wirbelsäule trotzdem in ihrer stabilen Hülle frei in ihren Bewegungsmöglichkeiten ist und einen schwebenden Zustand hat. Genieße die Haltung deines Körpers – egal in welcher Asana du dich befindest – selbst wenn du das Alignment hintanstellen musst. Der Genuss in der Asana bringt dir die Leichtigkeit und die Wirkung des Yoga. Je mehr Yoga du übst, desto leichter kannst du diese Balance aus Stabilität und Leichtigkeit herbeiführen. Selbst wenn es heute also noch nicht klappt, versuche es morgen gleich wieder.

„When an asana is done correctly, the body movements are smooth, there is lightness in the body, and freedom in the mind.”

B. K. S. Iyengar

Mit dieser Yoga-Sequenz von Anna Rech bringst du Harmonie in die Gegensätze:

Yoga Video Harmonie zwischen den GegensätzenYogaEasy-Video abspielen

Von der Matte ins Leben

Die Asana-Praxis beinhaltet diese zwei Gegenpole. Auf der Matte kannst du üben, was du auch abseits des Yogaraums in dein Leben integrieren solltest: eine ausgewogene Balance zwischen den Extremen. Und damit ist in keiner Weise das Mittelmaß gemeint. Es geht darum, die Eigenschaften der Pole durch den Gegenpol im Gleichgewicht zu halten. Dann kann die Energie zwischen den Polen fließen.

„The perfection in an asana is achieved when the effort to perform it becomes effortless and the infinite being within is reached.”

B. K. S. Iyengar

An kleinen Kindern ist das Prinzip gut zu beobachten: Obwohl sie sich immer wieder erden – oft in einer Hockstellung verweilen, in der die Hüfte gen Boden zieht – sind sie dabei spielerisch und leicht, tun das, was sie tun mit Freude und Fokus, ohne zu zweifeln, dass ihre Tätigkeit jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt erfolgt.

Wenn wir unter Stress stehen, neigen wir dazu, uns an Sthira festzukrallen und auf die Situation mit noch mehr Kraft und Stärke zu reagieren. Dabei täte uns Leichtigkeit in der Situation viel besser, würde den Stress lösen und gedachte und gefühlte Grenzen sprengen.

Selbst wenn es nicht von Anfang an gelingen will, strebe es an. Übe, ein bisschen mehr Leichtigkeit in der Anstrengung zu finden, und entwickele Freude an Herausforderungen. Durch Anstrengung und Verkrampfung erreichen wir rein gar nichts im Yoga. Ziel ist es, dich zu bemühen ohne den Gedanken an ein Ziel anzuhaften.

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