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Bild: iStockphoto.com

Die 4 großen Yogawege: Von Bhakti bis Karma Yoga

Von Katharina Goßmann

Im Westen verstehen wir unter Yoga vor allem Hatha Yoga, also die Yogapraktiken, die über den Körper zur Erleuchtung* führen sollen.

Viel älter - und in Indien auch viel verbreiteter - sind die vier großen Yogawege Bhakti Yoga, Karma Yoga, Jnana Yoga und Raja Yoga. Diese vier Wege haben das gleiche Ziel wie Hatha Yoga (die bereits erwähnte Erleuchtung), unterscheiden sich aber in ihren Methoden deutlich. Der Vorteil: Dadurch eignen sie sich für unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Veranlagungen und Fähigkeiten.

Wir stellen dir die vier Yogawege kurz vor und geben dir zu jedem Weg auch eine praktische Übung mit, die dir helfen wird, diesen Weg wirklich zu erfahren!

1. Bhakti Yoga, das Yoga der liebenden Hingabe

Bhakti Yoga ist das Yoga der Liebe und der Hingabe. In Indien wird diese Hingabe vor allem auf Gott bezogen, sie umfasst aber auch die liebende Hingabe zur gesamten Schöpfung – von der Natur über die Tiere zu den Menschen (inklusive dir selbst), eben zu allem. Bhakti Yoga geht einher mit einer tiefen Dankbarkeit, Teil dieser Schöpfung sein zu dürfen, überhaupt: das Abenteuer Leben mitmachen zu dürfen.

In der westlichen Welt könnte man Bhakti Yoga daher mit „Lebensfreude“ übersetzen. Denn ein echter Bhakti Yogi sieht in jeder Blume, jeder kleinen netten Geste, aber auch in jedem Obdachlosen nur Gott, also das Höchste, Wunderbarste, Reinste, Schönste. Und was könnte das Leben freudiger machen als so ein liebender, annehmender Blick?

Bhakti Yogis feiern das Leben und die Schöpfung in jeder Sekunde ihrer Existenz. Es ist daher auch kein Klischee (naja, fast kein Klischee), dass Bhakti Yogis an ihrem freundlichen Wesen, ihrem glücklichen Lächeln, und ihrer farbenfrohen Kleidung zu erkennen sind. Und natürlich an ihrer Liebe zur Natur und allen schönen Künsten, vor allem der Musik. 

Bhakti Yoga-Übung

In einer Gesellschaft, die Rationalität hochhält, in der Ängste gepflegt und Idealisten belächelt werden, fällt manchen Menschen die liebende Hingabe – vor allem im stressigen, grauen Arbeitsalltag - schwer. Wenn es dir auch so geht, haben wir da einen Tipp: Musik ist ein sehr effektiver Weg, um den Kopf aus- und das Herz anzuschalten. Wenn du also den Bhakti Yogi in dir entdecken möchtest, dann mach' doch einfach folgendes: Such' dir ein Mantra, das dir richtig gut gefällt – und singe es für die nächsten 30 Tage täglich 108 Mal.

Du kannst ein kurzes, einfaches Mantra wählen, wie Om Shanti, ein  Segensmantra aus dem Kundalini Yoga oder mit Om Namo Narayanaya für den Weltfrieden chanten. Sei einfach offen für die Wirkung, die dein regelmäßiger Mantren-Gesang auf dich hat.

Wir sind gerade ganz verliebt in Deva Premals Version von „Om Gam Ganatpataya Namaha“, einem Mantra zu Ehren Ganeshas, dem Elefantengott, der vor einem großen Unterfangen, einer großen Veränderungen alle Hindernisse aus dem Weg räumt:

 

2. Karma Yoga, das Yoga des selbstlosen Handelns

Karma Yoga funktioniert nach folgender Regel: Jede Handlung hat eine Folge, die abhängig davon ist, wie ethisch wertvoll sie ist und mit welcher Absicht sie ausgeführt wurde. Wenn ich also mit bester Absicht, ohne auf eventuelle positive Konsequenzen für mich zu schielen, andere Menschen unterstütze, ihnen Gutes tue, dann wird diese Handlung eine bestimmte Wirkung auf meinen Geist, meine Seele, meine Bewusstsein haben. Wem das zu esoterisch klingt, der kann sich vorstellen, wie gut es tut, wie heilsam es ist, mal nicht um sich selbst zu kreisen, sondern einfach was für andere zu tun.

In gewisser Weise ist Karma Yoga DER klassische Weg zur Erleuchtung. In so gut wie allen Religionen und Philosophien der Welt ist das selbstlose Handeln nicht nur ein Zeichen höchster moralischer Reife, sondern gilt auch als Weg zu Gott, zur Erlösung, zur Erleuchtung. Von Florence Nightingale bis Mutter Theresa werden Karma Yogis als erstrebenswerte Vorbildern gefeiert. Und auch wenn aktuell in unserer Gesellschaft meistens andere Vorbilder eine größere Rolle spielen – reiche Topmodels, erfolgreiche Manager, schöne Schauspielerinnen – das Idealbild des selbstlosen Helfers, der sein eigenes Leben in den Hintergrund stellt, trägt jeder von uns im Herzen.

Karma Yoga-Übung

Wenn du den Weg des Karma Yoga erfahren willst, suchst du dir am besten eine regelmäßige Tätigkeit, bei der du andere unterstützt. Vielleicht gehst du mit einem Hund aus dem Tierheim spazieren, möglicherweise kaufst du für deine ältliche Nachbarin ein, babysittest kostenlos für eine alleinerziehende Freundin oder engagierst dich in dem Kulturzentrum in deiner Nachbarschaft. Vielleicht nimmst du sogar ein Pflegekind auf oder begleitest eine Flüchtlingsfamilie. Es gibt so viele Möglichkeiten anderen eine Freude zu machen, du findest garantiert das Richtige für dich!

Wenn du dir nicht sicher bist, ob du langfristig die Zeit und die Energie aufbringen willst, lege dich erst mal für einen Monat fest und engagiere dich in der Zeit mit voller Kraft – du wirst merken, wenn du am richtigen Platz bist.

Übrigens: Wenn du in einem sozialen oder pflegenden Beruf arbeitest oder täglich Familienmitglieder (sehr junge, sehr alte, kranke) versorgst, dann bist du schon aktiver Karma Yogi und brauchst nur noch folgendes zu tun: Behalte deine Intention selbstlos zu geben im Blick, warte nicht darauf, dass dich jemand deswegen toll findet oder dir groß dankt - und erfreue dich an dem, was du für andere tust. Denk' gar nicht viel darüber nach, warum du es machst, ob du es immer exakt richtig machst und ob es für die Welt als Ganzes einen Unterschied macht. Für die Menschen, die du täglich unterstützt, macht es einen riesigen Unterschied – und nur das zählt.

3. Jnana Yoga, das Yoga der Erkenntnis

Jnana Yoga ist dagegen eher ein geistiger, intellektueller Weg. Über das Studium (Yoga-)philosophischer Schriften gelangt der Jnana Yogi zu tiefer Erkenntnis. Indem er das Gelesene praktisch umsetzt und dadurch auf allen Ebenen durchdringt, wird ein Prozess der Selbsterkenntnis angestoßen, der dazu führt, dass der Jnana Yogi „Wirklichkeit“ von „Unwirklichkeit“ unterscheiden kann.

Das klingt erst mal abstrakt. Wer aber durch das Lesen eines guten philosophischen oder Selbsthilfe-Buches, während einer Psychotherapie oder nach einem intensiven Reflektionsprozess schon mal eine Art Erleuchtungsmoment erlebt hat („Ach, deshalb stehe ich mir beruflich immer selbst im Weg!“), wird verstehen, was gemeint ist.

Jnana Yoga-Übung

In unserer Gesellschaft werden wir kontinuierlich mit bestimmten Botschaften gefüttert – von der Presse, der Werbung, von unseren Eltern, Nachbarn, Freunden: Geliebt wird nur, wer schön/erfolgreich ist, überleben kann nur, wer sich anpasst, die Welt wird immer gefährlicher etc.

Wie wäre es also, wenn du dir einen Monat Auszeit nimmst von diesen Botschaften und dir die Zeit und den Raum nimmst deine eigenen Wahrheiten zu entdecken? Dazu musst du einfach nur den Fernseher, das Smartphone, das Radio ignorieren (und vielleicht auch Menschen meiden, die vor allem Angst und Pessimismus verbreiten) und dir stattdessen viel Zeit für z.B. das Studium klassischer Schriften des Yoga, Spaziergänge in der Natur, aus dem Fenster gucken nehmen.

Du wirst erstaunt sein, wie sehr dieser Monat dein Denken und Fühlen verändern wird!

4. Raja Yoga, das Yoga der Geisteskontrolle

Mit Raja Yoga, dem „Königsweg des Yoga“, ist meistens der „achtstufige Pfad“ (auch Ashtanga Yoga genannt - bitte nicht mit dem Yogastil Ashtanga Yoga verwechseln) gemeint, der in den Yoga Sutra des Weisen Patanjali beschrieben wird. 

Dieser Königsweg beinhaltet

  1. Yama, die Haltung gegenüber der Umgebung
  2. Niyama, die Haltung uns selbst gegenüber
  3. Asana, die yogischen Körperübungen
  4. Pranayama, die yogischen Atemübungen
  5. Pratyahara, das Nach-Innen-Ziehen der Sinne
  6. Dharana, die Konzentration
  7. Dhyana, die Meditation
    und endet 8. im optimalen Falle in Samadhi, der vollkommenen Erkenntnis.

Raja Yoga-Übung

Wer sich selbst und seine Umwelt mit Liebe und Respekt behandelt und regelmäßig in einem guten Yogastudio übt, wandelt also schon auf dem „Königsweg des Yoga“. Wer noch weiter gehen möchte, der sollte sich vor allem auf Meditation konzentrieren. Denn Meditation ist der letzte und wichtigste Schritt im Raja Yoga vor der Erleuchtung – alle anderen Disziplinen im Raja Yoga sind streng genommen Vorbereitungen für die Meditation.

Suche dir eine Meditation, die du täglich für einen Monat machen kannst. Sie muss nicht lang sein, einige Minuten genügen, du musst sie nur konsequent umsetzen. Hier findest du Anregungen. Wenn du mehr Anleitung brauchst, kannst du dich für unser 28-tägiges Meditationsprogramm mit Petros Haffenrichter anmelden!

 

* Was Erleuchtung genau ist oder sein kann – darüber müssen wir mal gesondert reden...