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Yin und Yang: Wie du in deine Balance kommst
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Yin und Yang: Wie du in deine Balance kommst

Von Katharina Goßmann und Merle Blankenfeld

Der schwarz-weiße Yin-und-Yang-Kreis ist fast so bekannt wie das Peace-Symbol. Und jeder anständige Yogi weiß, dass Yin und Yang Gegensätze darstellen. Was aber steckt genau hinter dem oft zitierten Prinzip? Im Folgenden erklären wir dir nicht nur, was Yin und Yang jeweils genau bedeuten, sondern auch, wie du mit Yoga dein Yin und Yang ausgleichen – und so ein authentisches Leben führen – kannst.

Alles über Yin und Yang

Yin und Yang entstammen der traditionellen chinesischen Philosophie, genauer gesagt dem Taoismus (manchmal auch als Daoismus transkribiert). Die genaue Bedeutung von Yin und Yang ist eher schwierig zu definieren, da sie im Laufe der Jahrhunderte und Deutungskontexte auf die unterschiedlichste Weise beschrieben wurde.


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Schwach vs. stark, passiv vs. aktiv, weiblich vs. männlich?

Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass es sich um ein komplementäres Kontrast-Paar handelt. So wird Yin etwa assoziiert mit Passivität und Yang mit Aktivität, Yin mit Schwäche und Yang mit Stärke, Yin mit Entspannung und Yang mit Spannung. Und so weiter: hell – dunkel, langsam – schnell, Nacht – Tag, kalt – heiß, innen – außen, sein – tun, empfangen – geben, fühlen – denken, natürlich – technisch etc.

Häufig wurde in diesem Kontext Yin auch als „das Weibliche” und Yang als „das Männliche” gedeutet. Nun ist es heute sicher überholt, Frauen als passiv und nährend zu beschreiben und Männer als aktiv und stark. Zudem tragen alle Menschen sowohl Yin- als auch Yang-Energien in sich, in unterschiedlich starken Ausprägungen. Wir haben also alle gebende und nehmende Aspekte, sind mal stark und mal schwach. Wenn Yin und Yang in einem ausgeglichenen Zustand ist, ziehen sie sich gegenseitig an und ergänzen sich perfekt – das eine will dann nicht ohne das andere sein. Denn Yin und Yang ergänzen einander und bilden erst zusammen ein stimmiges Ganzes.

Und das ist dann nicht nur ein schönes Bild für eine authentische, freie Persönlichkeit – also einen Menschen, der alle Seiten seines Selbst akzeptieren und zeigen kann und mit allen seinen Facetten in Frieden lebt. Sondern auch ein schönes Bild für das Miteinander von Mann und Frau. Denn Männer und Frauen unterscheiden sich. Nein, nicht alle, und nicht alle gleich stark, aber trotzdem gibt es so etwas wie typische weibliche Tendenzen und typisch männliches Verhalten. Und es ist wunderbar zu wissen, dass diese Aspekte, wenn sie in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen dürfen, eine perfekte, runde Mischung ergeben. Nicht nur innerhalb einer Persönlichkeit, nicht nur innerhalb eines (nicht unbedingt heterosexuellen) Paars, sondern auch innerhalb einer – leider bisher utopischen – Gesellschaft, die sich durch die Wertschätzung von „typisch weiblichen” und „männlichen” Qualitäten gleichermaßen auszeichnet.

Yin und Yang im Ungleichgewicht: Probleme, Krankheiten und Unzufriedenheit

Yin Yang Yoga

Damit wir mit uns selbst – und mit anderen, ja, der ganzen Welt – im Gleichgewicht sind, müssen also die beiden Pole Yin und Yang harmonieren. Eine Dysbalance zwischen Yin und Yang bringt entsprechend Probleme mit sich. Die können sich auf körperlicher Ebene zeigen, etwa mit Hautproblemen oder Gelenkschmerzen, oder auf psychischer Ebene: Hier können depressive Verstimmungen oder Schlafstörungen die Folge von Störungen der Yin- und Yang-Energien sein.

So führt zu viel Yin körperlich zu vermehrter Feuchtigkeit und Schlacken, konkret zu Verschleimungen, Erschöpfung, Hautproblemen und einem weißen Belag auf rissiger Zunge. Zu wenig Yin dagegen führt zu Hitze, also etwa zu trockener Haut und Hitzewallungen, aber auch zu Schlafstörungen, Hyperaktivität und Unruhe.

Ein Zuviel an Yang zeigt sich psychisch durch Aggressivität bis hin zu cholerischen Tendenzen und allgemein unkontrollierten Gefühlsausbrüchen. Auf körperlicher Ebene fallen großer Durst, eine rote Gesichtshaut und Entzündungen auf. Dagegen sorgt ein Mangel an Yang für Antriebslosigkeit und fehlende Durchsetzungskraft, und physisch unter anderem für Blässe, Rückenschmerzen und Verdauungsprobleme.

Dabei gilt auch für die Gesellschaft als Ganzes, dass ein zu viel an Yin oder Yang nicht gesund ist. Aktuell leben wir – wenigstens in der modernen, westlichen Gesellschaft – nämlich in einem akuten Yang-Überschuss. Alles ist schnell, laut, alle stehen unter Druck, sind immer aktiv und produktiv, das Leben ist von männlichen Werten geprägt. Ein paar Belege gefällig? Denk einfach an die Bezahlung von ErzieherInnen im Vergleich zu Firmen-ManagerInnen oder auch die öffentliche Wertschätzung von AltenpflegerInnen im Vergleich zu Fußballern.

Tatsächlich gelten ein stressiger Lebensstil, ungesunde Ernährung, zu wenige Pausen, körperliche Überanstrengung und geistig-emotionale Überforderung – alles Merkmale der heutigen Zeit – als Hauptursachen für ein Yin-Yang-Ungleichgewicht.

Wenn du erfahren möchtest, wie du mehr Yin in deinen Alltag bekommst, empfehlen wir den Artikel von Daniela Hutter zum Thema „Steckt genug Yin in dir?”.  Speziell Frauen leiden oft unter einem Yang-dominierten Lebenstil und sollten daher das innere Yin aktiv pflegen.

Mit Yoga dein Yin und dein Yang in Balance bringen

Eines der effektivstes Mittel bei einer Dysbalance ist Yoga. Es kann dich bei der (Wieder-)Herstellung des inneren Gleichgewichts unterstützen: Nimmt die aktive Energie, Yang, in deinem Leben überhand, kann dir möglicherweise eine ruhige Yoga-Praxis helfen abzuschalten. Entspannende Yogastile wie Yin Yoga oder stille Meditationen eignen sich dafür perfekt. Fehlt es dir dagegen an Energie und Tatkraft, kann dich eine dynamische und körperlich fordernde Yoga-Praxis unterstützen, genau diese Attribute in dein Leben zu bringen. Über physische Anstrengung kannst du aber auch zu mehr Energie, mentaler Ruhe und stärkerer Konzentration finden. Denn im Yoga geht es um Verbindung, um Einklang und um Balance. Und dazu gehört auch die Balance zwischen unserer nehmenden und gebenden Energie.

Yin Yoga: Alles loslassen und einfach sein

Konkreter gesagt: Beim sanften Yin Yoga geht es darum, einzelne Asanas länger zu halten, sich immer mehr in die Haltung zu entspannen und wirklich loszulassen. Beim Restorative oder regenerativen Yoga wird dieses Prinzip noch verstärkt: Die Positionen werden für 20 Minuten oder sogar länger gehalten und so mit Decken, Kissen und Blöcken unterstützt, dass der Übende keine Dehnung spürt und sich wie getragen fühlt. Beim Yin bzw. Restorative Yoga wird also innere Ruhe (und tiefe körperliche Entspannung und Erholung) durch äußere Ruhe erreicht. Die Aufgabe hier ist klar: loslassen, entspannen, nichts tun.

Probier es einfach aus mit dieser Yin-Yoga-Sequenz zur Entschleunigung mit Wanda Badwal:

Yoga Video Yin Yoga zur EntschleunigungYogaEasy-Video abspielen

Wenn du noch mehr über Yin Yoga wissen möchtest, empfehlen wir dir den Artikel des Yin-Yoga-Experten René Hug „Alles über Yin Yoga” sowie unser Podcast-Interview mit René:

Achtung: Wer Yin-betont lebt, wer Ruhe und Entspannung liebt, der fühlt sich wahrscheinlich beim Yin Yoga bestens aufgehoben. Und das ist auch wunderbar so. Falls du allerdings die Tendenz hast, dich wenig zu bewegen, Herausforderungen zu vermeiden, dich insgesamt eher träge fühlst, ein bisschen zu viel Gewicht mit dir rumträgst, viel schläfst und trotzdem immer tendenziell erschöpft bist (s.o. unter „Zu viel Yin”), solltest du unbedingt auch mal Yang Yoga ausprobieren!

Yang Yoga: Die eigene Kraft erfahren und Grenzen erweitern

Wenn du schon einmal eine schöne, fordernde Yogastunde erlebt hast, kennst du das herrliche Gefühl danach: Energie pulsiert durch deinen Körper, du fühlst dich lebendig und frei – und gleichzeitig völlig entspannt, ruhig und klar. Gerade Menschen, die eher Yang-betont leben, schaffen es oftmals nur durch Auspowern, in diese Art von Klarheit und Entspannung zu kommen. Erst wenn sie körperlich an ihre Grenzen gehen, gelingt es ihnen ihren daueraktiven Kopf auszuschalten und in ihren Körper, ins Fühlen, ins Hier und Jetzt zu kommen. Wenn du zu dieser Gruppe gehörst, bist du deshalb bei Yang-orientierten Yogastilen wie Power Yoga, Jivamukti und Ashtanga Yoga gut aufgehoben.

Unser Yogalehrer Valentin Alex ist überzeugter Yang-Yoga-Fan – und das merkt man seinen Yogastunden auch an! Hier seine beliebte „Yoga statt Espresso”-Sequenz mit schön viel Yang:

Yoga Video Yoga statt Espresso – Yoga für den MorgenYogaEasy-Video abspielen

Hinweis: Wenn du sehr viel Yang-Energien in dir hast, fällt dir das Nichtstun beim Yin Yoga wahrscheinlich sehr schwer. Wahrscheinlich langweilst du dich und schreibst heimlich in deinem Kopf die To-Do-Liste für den kommenden Tag... Deshalb darfst du gern erst mal Yang-lastiges Yoga üben. Vielleicht wirst du aber nach einer Weile merken, wie gut dir Yoga tut, dass du auf allen Ebenen entspannter wirst und du es manchmal sogar schaffst, fünf Minuten still zu sitzen, ohne etwas zu tun. Das ist ein Zeichen, dass sich dein Yin und Yang etwas ausgeglichen haben. Dann ist genügend Grundentspannung und innere Ruhe da, um mal etwas ganz Neues auszuprobieren – konkret: mal wirklich loszulassen beim Yin oder sogar Restorative Yoga...

Yin oder Yang? Hauptsache, authentisch du!

Aber ganz egal, ob du lieber einen ruhigen Stil übst oder dich in einer anstrengenden Stunde auspowerst – Yoga ist ein wunderbarer Gegenpol zur Yang-dominierten Gesellschaft. Am Ende es ist gar nicht so wichtig, ob du dein inneres Yin oder Yang stärken möchtest. Viel relevanter ist es, dass du mit deiner Yoga-Praxis einen Moment innehältst – und rausfindest, was DU gerade brauchst.

Es geht im Yoga vor allem darum, mit dir selbst in Kontakt zu treten. Und zwar auch mit den Seiten deines Selbst, die du vielleicht noch gar nicht kennst. Das kann eine sanfte und verletzliche Seite sein, wenn du dich eigentlich für sehr tough hältst. Das kann aber auch eine aktive und verspielte Seite sein, wenn du sonst eher zurückhaltend bist. Yoga kann eine ganz wunderbare Reise in unbekannte Gewässer sein, auf der du viel über dich lernst. Du musst nur bereit sein, dich auf dieses wilde Abenteuer einzulassen!

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