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Large mag mula bandha
Bild: iStockphoto.com

Mythos Mula Bandha – mit Übung

Von Kristin Rübesamen

Ob du schon lange übst oder gerade erst angefangen hast – irgendwann kommt der Moment in der Stunde, in dem der Lehrer ein geheimnisvolles Gesicht macht und dich bittet, „Mula Bandha“ zu „setzen“ oder zu „ziehen“. Manche Lehrer nuscheln etwas von der Muskulatur zwischen Sexualorganen und Anus, die man jetzt bitte anspannen möge, in der Regel mit der fröhlichen Aufforderung: „Stellt euch vor, ihr müsst aufs Klo, und es ist keines in der Nähe.“ Manche Lehrer verweisen auf die Chakras, deren erstes, das Wurzelchakra, Aufenthaltsort von Mula Bandha sei, was für Anfänger dasselbe ist, wie wenn man die Relativitätstheorie durch die Quantentheorie erklären würde. Viele Lehrer ziehen es vor ehrfurchtsvoll zu schweigen und gehen davon aus, dass die Fortgeschrittenen im Raum Bescheid wissen und die Anfänger sich nicht trauen werden zu fragen.

Was sind Bandhas?

In klassischen Hatha-Yoga-Stunden werden Bandhas nur im Zusammenhang mit Pranayama (Atemkontrolle) erwähnt. Ohne die Bandhas sei „Pranayama tödlich“, schrieb der große BKS Iyengar in seinem legendären Lehrbuch „Licht auf Yoga“. In vielen Yogaflow-Klassen kann es dir aber ebenso passieren, dass du in einzelnen Asanas aufgefordert wirst, Mula Bandha zu aktivieren.

Mit diesen Energieverschlüssen versuchen wir Yogis, auf energetischer Ebene Energie im Körper zirkulieren zu lassen und zu lenken. In Sanskrit bedeutet „bandha“ so etwas wie „halten, verschließen, festigen“. Der Idee, Energie an drei Schlüsselpositionen durch Muskelkontraktion im Körper zu halten, liegt das Konzept zugrunde, Energie nicht verschwenden zu wollen. Man machte sich also schon im 14. Jahrhundert Gedanken darüber, Energie zu sparen.


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Auf anatomischer Ebene sollen Bandhas Gelenke schützen, die Körpermitte stark machen, eine Leichtigkeit herbeiführen, die der Schwerkraft entgegenwirkt. Die Bandhas sind auch deshalb so attraktiv, weil ihre Beherrschung die Asanapraxis verbessert. Und wer will nicht durch seine Sonnengrüße fliegen wie ein Gott?

Neben Mula Bandha, dem Wurzelverschluss, gibt es Uddiyana Bandha, den Bauchverschluss, Jalandara Bandha, den Halsverschluss, und Maha Bandha, das große Bandha, das dann eintritt, wenn alle drei Energieblöcke gesetzt sind. Es gibt noch andere Bandhas (je nachdem, wen man fragt) an anderen Körper und Gelenkschnittstellen, die aber dieselbe Funktion tragen.

Mula Bandha, der Wurzelverschluss 

Mula Bandha als Kontraktion der Damm- und Schließmuskulatur auf muskulärer Ebene soll (Achtung, wir wechseln die Ebenen) auf energetischer Ebene Energie von unten nach oben bewegen. Oder entsprechend des subtilen Verständnisses von der Yoga-Anatomie Kundalini, die am unteren Ende der Wirbelsäule gemütlich zusammengerollte Schlange dazu einladen, sich entlang der Wirbelsäule, dem yogischen Hauptmeridian genannt „Sushumna Nadi“, nach oben zu winden. Mula Bandha ist wie ein Weckruf, die entscheidende Aufwärtsbewegung wird dann vom nächsten Bandha, dem Uddiyana Bandha, ausgeführt, das ein ähnliches Geheimnis darstellt.

Mula Bandha sollen wir, wie generell gebeten wird, durch die Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur finden. Wo ist dieser Beckenboden eigentlich? Der Beckenboden dient als Halt für die Organe im unteren Bauch und schließt das „kleine Becken“ ab. Genauer gesagt werden Schambein, die Innenseiten der Beckenschaufeln und das Kreuzbein durch mehrere Schichten von Muskeln und Bindegewebe gehalten. Ebenso das Ilioskakralgelenk. Wenn wir nun, wie man oft gerne hört, „alles, was ihr da unten findet“, zusammenquetschen, bevor wir zum Beispiel in eine Rückbeuge gehen, erreichen wir zwar ein diffuses Gefühl von Festigkeit, in Wahrheit aber eine Kompression der oftmals eh schon verkürzten Lendenwirbelsäule. Außerdem kann ein Zusammenquetschen Spannungen im Nervensystem, sogar die Unterbrechung der Menstruation zur Folge haben, ebenso wird befürchtet, dass eine zu starke Konzentration des Beckenbodens die Bewegung des Zwerchfells beeinträchtige und damit die Atmung gefährde. Keine Frage, die Illusion, etwas im Griff zu haben, ist schön. Aber eben nur eine Illusion. Wenn wir einfach nur alles zusammenquetschen, was wir spüren, werden wir noch verkrampfter, und zwar auf jeder Ebene.

Mula Bandha: Also was jetzt, Kontraktion oder nicht?

Weil sich um Mula Bandha schlicht aufgrund seiner Adresse so einige Mythen gebildet haben, stoßen wir immer wieder auf seltsame Versuche, das Phänomen sprachlich zu erfassen. Säße Mula Bandha am linken Ellenbogen, würde nicht so viel Theater darum gemacht. So aber legt die Nachbarschaft zu unseren Sexualorganen so eine Art Superpower nahe, die uns sprichwörtlich in den Schoß fällt, wenn wir nur an der richtigen Stelle kontrahieren.

Sprache kann aber auch helfen, sich ein Bild davon zu machen, was bei Mula Bandha passiert. Am schönsten hat es in meinem Fall mal vor vielen Jahren eine Amerikanerin ausgedrückt, die uns bat, den Beckenboden wie ein frisches Laken leicht nach oben zu heben und zu spannen.  Also eher glattziehen statt anspannen. Was für eine schöne, luftige und hilfreiche Vorstellung.

So findest du Mula Bandha

Ich finde Mula Bandha am besten durch Pranayama. Versuch es ruhig einmal mit mir:

  • Atme tief und voll aus.
  • Am Ende der Ausatmung wirst du spüren, wie sich deine Beckenbodenmuskulatur ganz von alleine meldet, einfach, um noch etwas tiefer auszuatmen.
  • Nun bleibst du mit deiner Aufmerksamkeit ein bisschen auf dieser Ebene, diesem schön gespannten Bettlaken, dieser Lichtung, was für eine kitschige Idee davon euch auch immer inspiriert, und nimm die Pause und Leere in dir vor der nächsten Einatmung wahr... Der Beckenboden hebt sich dabei im Grunde von alleine. Der Bauch zieht sich dabei eventuell ein wenig nach innen.
  • Vielleicht bleibt dieser sanfte Aufwärtstrend sogar noch da, während du wieder einatmest und idealerweise während der gesamten Asanapraxis. Oder aber du machst dich immer wieder auf die Suche. 

Das ist alles. Ein schönes Gefühl, denn was auch immer es ist, ob Prana, deine Laune oder einfach das Gefühl, auf diese Weise besser durch die Asanas zu fließen, es hilft uns dabei, das Leben zu spüren. Darum geht es doch im Yoga, im Sex, selbst beim Bettenmachen.

Yoga-Übung für Mula Bandha

  1. Setz dich in einer Hocke schön breitbeinig auf den Boden. Roll' eine Decke zusammen und leg' sie unter die Fersen, damit du guten Halt auf dem Boden hast und das Becken schwer werden kann.

  2. Beginne regelmäßig mit sanfter Kontrolle zu atmen, wie in deiner Asanapraxis.

  3. Bring' deine Aufmerksamkeit zu deinem Beckenboden, stell' ihn dir als eine dreieckige Fläche vor und halte diese Fläche am Ende der Ausatmung so, als hebst du sie ein bisschen an.

  4. Atme ein, ohne dieses Gefühl zu verlieren, und stell dir vor, wie diese leichte Aufwärtsbewegung sich mit der Einatmung vertieft.

  5. Wiederhole das Ganze.

Und hier kannst du lesen, wie der große Richard Freeman Mula Bandha erklärt. Alles Weitere im dritten Kapitel der Hatha Yoga Pradipika, im 14. Jahrhundert geschrieben.

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