Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.
Die sieben Chakras - eine Erfindung des Westens
Bildquelle: Shutterstock.com

Die sieben Chakras hat der Westen erfunden? Egal.

Von Kristin Rübesamen

 

Hand auf’s Herz, beziehungsweise aufs Anahata Chakra:

Wer hat tatsächlich in seinem Körper schon mal jenes energetische Karousell gespürt, dass uns als Chakra verkauft wird?

Kurz zur Erinnerung:

Als Chakren werden sieben unterschiedliche Energiezentren bezeichnet, die wir uns als Räder vorstellen sollen.

Auch in (beziehungsweise beim Kronenchakra über) Dir kreisen sieben Chakras, die Dir Lagerstätte für Deine Energie des Lebens sind: das Wurzelchakra (Muladhara), das Sexualchakra (Swadhistana), das Nabelchakra (Manipura), das Herzchakra (Anahata), das Halschakra (Vishuddha), das Stirnchakra (Ajna) und das Kronenchakra (Sahasrara). Im aufrechten Stand oder Sitz liegen die sieben Chakras direkt senkrecht übereinander. Das bedeutet: Immer dann, wenn du eine äußerlich und im Idealfall auch innerlich aufrechte – geradlinige – Haltung einnimmst, sind deine Energien im Fluss. Diese Räder sind gerne blockiert und um die Blockaden zu lösen und die Räder wieder in Bewegung zu bringen, können wir bestimmte Asanas üben oder aber spezielle Silben oder Mantren chanten.

Wenn nun ein Internist einen Yogi in die Röhre schiebt, wird er dort natürlich keine blockierten Räder finden oder, ein anderes gerne benutztes Bild, eine Lotusblüte, die sich unbedingt öffnen würde. Nein, es spielt sich alles auf einer, Achtung ein weiterer zentraler Begriff, sogenannten feinstofflichen Ebene ab, also unter Ausschluß der Schulmedizin. Das beginnt mit der Diagnose. Es gibt keinen verlässlichen Weg, den Energiezustand der Chakras zu messen oder nachzuweisen, wie hart oder aber durchlässig die Blockaden sind. Es gibt nicht mal eine Theorie, auf die sich alle einigen können, und die Größe, Farbe, Sound, Emotion und Funktion eines jeden Chakras einheitlich festlegt, geschweige denn eine einheitliche Therapie, wie sie zu deblockieren oder, wie man lieber sagt, wieder in Balance zu bringen sind.

In einigen Traditionen sind es nur sieben Chakras, in anderen sind es neun, dreizehn oder sogar noch mehr. Manchmal sitzt das Wurzelchakra im Anus, manchmal im Damm, manche Lehrer werden sogar noch detaillierter, um ihre Autorität auf diesem Gebiet unter Beweis zu stellen.

Tatsächlich ist die Sehnsucht danach, bestimmte Orte im Körper zu identifizieren, denen wir emotionale Funktionen zuweisen können, nicht neu. Zuerst wurden Chakren in den Upanishaden erwähnt, einem der frühesten Quelltexte der Yogaphilosophie, zusammen mit ihrem Namen, ihrem Mantra, dem „bija sound“, und der Anzahl Lotusblütenblätter.

Die Farben aber kamen erst in der westlichen Literatur dazu, und dass die einzelnen Chakren tatsächlich einzelnen Organen zugeordnet werden, ist sogar noch neuer, und beides verrät vielleicht neben einem Ordnungswahn auch das Bedürfnis westlicher Yogis, ihre Autorität gegenüber den Kollegen aus dem Osten unter Beweis zu stellen. Es geht, je erbitterter und detaillierter die Chakren definiert werden, desto größer ist der Herrschaftsanspruch der Autoren. Kurz: es geht um Macht.

Wenn soviel Uneinigkeit unter den Experten herrscht, gibt es die Chakren dann überhaupt? Oder, noch polemischer: Was wäre verloren, wenn es sie nicht gäbe?

Tatsache ist, dass wir Yogis die Chakren lieben. Wir lieben die Vorstellungen, dass es verschiedene Bewußtseinsebenen gibt, entsprechende Sounds und entsprechende Asanas, mit denen wir auf diesen Ebenen ans Werk gehen können. Rückbeugen öffnen dein Herz und nehmen dir die Angst: Her, damit!

Nur weil die Schulmedizin keine Beweise hat, werden wir nicht von der Idee unterschiedlicher Energiezentren lassen. Im Gegenteil: Dieses Defizit sollte uns ermuntern, genauer und ehrlicher mit der Vorstellung umzugehen, verschiedene Themen, die in unserem Leben aus dem Gleichgewicht geraten sind, wieder ins Balance zu bringen. Du hast keinen Sex, dir fällt nichts mehr ein, du bist verschlossen, dabei warst du früher offen, leidenschaftlich und kreativ? Was ist falsch daran, sich in entsprechenden Hüftöffnern und Vorbeugen mit der Idee anzufreunden, dass du dein Schicksal umdrehen kannst, wenn du willst?

Vielleicht sollten wir es bei der Erfahrung belassen, die uns Yoga immer wieder schenkt: Was funktioniert, ist ok. Egal, wer was behauptet und sich wichtig macht dabei.

In dieser Meditation mit Petros übst du für jedes Chakra ein Mantra - ausprobieren lohnt sich.

Yoga Video Modul 3, Tag 24: Meditation mit Fokus MantraYogaEasy-Video abspielen

Eines der schönsten Bücher zu Chakren wollen wir euch übrigens besonders ans Herz legen, geschrieben von den beiden klugen und erfahrenen Yoginis Elena Lustig und Annette Söhnlein und gerade erst erschienen! Bringt alles ins Rollen, versprochen!

Innen / Außen: Das Yoga-Chakra-Buch

zurück nach oben