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Bildquelle: Shutterstock.com

Meditation: Hilfe, eine Fliege stört mich

Von Pascal Akira Frank

Das Hindernis der störenden Fliege kennt wirklich jeder. Nicht nur, dass sie sich auf die Haut setzt, oftmals bleibt sie auch in der Nähe, fliegt lautstark um einen herum, um dann zu landen und nach einiger Zeit wieder zu starten – und alles geht von vorn los.

Da man den Vorsatz gefasst hat, sich so wenig wie möglich zu bewegen, fällt das Verscheuchen mit der Hand flach: Wir würden die Fliege gerne in die Flucht schlagen, wie wir das im Alltag ja auch tun würden, können es aber nicht. Die Folge ist, dass man das Gefühl hat, der Fliege ausgeliefert zu sein. Das ist ungemein frustrierend und wird von vielen Meditierenden als extrem störend empfunden: Unter diesen Bedingungen scheint es schier unmöglich, die Aufmerksamkeit auf den Atem gerichtet zu halten und im offenen Gewahrsein zu bleiben.

Die Konzentration beim Meditieren: Tipps

Was kann man also tun? Zunächst einmal ist es hilfreich, wenn man sich bewusst wird, was genau man eigentlich als störend empfindet. Ist es das Summen, wenn die Fliege in der Luft ist, oder das Kribbeln auf der Haut, wenn sie gelandet ist? In diesen Fällen wäre es eine Störung, die auditiver bzw. taktiler Natur ist und damit mit körperlichen Empfindungen zusammenhängt.

Vielleicht ist es aber gar nicht das Summen oder das Kribbeln, das uns stört. Viele Menschen ekeln sich vor Fliegen, was darauf zurückgeht, dass Fliegen von Exkrementen angezogen werden. Sie gelten daher als schmutzig. Damit wäre das eigentlich Störende an ihnen nicht ihr Summen oder das Kribbeln, das sie auf der Haut verursachen, sondern ein Gefühl der Abneigung, das sie unbewusst in uns auslösen: ein leichter Ekel. Dieser verstärkt sich, je intimer wir die Körperpartie einstufen, auf der sich die Fliege niederlässt. Die Region um den Mund ist dabei besonders problematisch.

Wenn das nächste Mal eine Fliege Ihre Meditation stört, dann finden Sie zunächst einmal heraus, worin genau die Ursache der Störung liegt. Wenn es die Lautentwicklung und das Kribbeln sind, dann gehen Sie damit am besten genauso um wie mit allen anderen körperlichen Empfindungen: im Zustand offenen Gewahrseins wahrnehmen, ohne sie zu bewerten und sich davon verrückt machen zu lassen. Nehmen Sie die Empfindung einfach nur wahr.

Störung bei der Meditation: Wie wird sie wahrgenommen?

Erst wenn sich der bewertende und analysierende Verstand einschaltet und uns sagt: »Wie nervig! Wie soll ich denn so meditieren können?«, wird aus den körperlichen Empfindungen ein Problem. Davor waren es nur Reize, die wir durch unsere Sinne wahrgenommen, dann durch das Nervensystem verarbeitet haben, und die sich schließlich als körperliche Empfindung ausdrückten. Jetzt, wo wir sie bewerten und in ihrer Wirkung analysieren, erwachsen aus ihnen negative Gedanken und Gefühle, unter denen wir leiden. Bleiben das Analysieren und Bewerten durch den Verstand aus, gibt es auch kein Hindernis und damit kein Leiden.

Hindernisse zum Meditationsobjekt machen

Letztlich ist die Problemstellung hier nicht anders als bei körperlichen Schmerzen, die beim Sitzen auftreten können, wie Jucken, Druckgefühle, Taubheit etc. In Kurzform: Nehmen Sie die von der Fliege verursachte körperliche Empfindung idealerweise mit einem neutralen, nicht bewertenden Gewahrsein wahr. Ignorieren Sie sie, solange Sie können, und machen Sie sie zu Ihrem Meditationsobjekt, wenn die Ablenkung zu groß wird.

Seien Sie sich dabei immer bewusst, dass die Erfahrung von Schmerz oder unangenehmen körperlichen Empfindungen unumgänglich ist. Schließlich sind wir Menschen, die mit einem Nervensystem und Schmerzrezeptoren ausgestattet sind. Doch Leiden ist stets auch eine Frage unserer inneren Haltung. Erst wenn der Schmerz mit Widerwillen verbunden ist, wird aus ihm Leiden. Gelingt es uns aber, ihn zu akzeptieren, so wie er ist, dann ist der Schmerz nur Schmerz, und nicht mehr. Mit wachsender Übung fällt dies zunehmend leichter, sowohl bei körperlichen Schmerzen als auch bei Empfindungen wie Kribbeln oder Jucken, die eher ablenkend als schmerzhaft sind.

Die störende Fliege beim Meditieren als Chance nutzen

Sollte es sich bei der Störung durch die Fliege eher um eine gefühlsmäßige Abneigung handeln, dann können Sie auch in diesem Fall mit dem Gefühl umgehen wie mit allen anderen Gefühlen und Emotionen, die während des Meditierens auftreten können: Nehmen Sie es mit achtsamem, offenem Gewahrsein wahr. Sie unterdrücken es also weder vorsätzlich, noch geben Sie ihm nach – das würde es nur noch verstärken. Lassen Sie es einfach kommen, wenn es kommt, nehmen Sie es wahr, solange es da ist, und lassen Sie es gehen, wenn es geht. Nutzen Sie die Gelegenheit, die Ihnen die Fliege bietet, um das offene, nicht bewertende Gewahrsein einzuüben.

Statt sich in Gefühlen der Abscheu zu ergehen und über die Fliege zu ärgern, sollten Sie versuchen, die Fliege statt als Gegner als Ihren Freund zu betrachten. Heißen Sie sie willkommen, wie Sie es mit einem guten Freund machen würden. Im Buddhismus spricht man in diesem Zusammenhang von liebender Güte (Metta), die man seinen Mitmenschen und eben auch Mitgeschöpfen entgegenbringen kann. Wenn Sie für eine vermeintlich störende Fliege liebende Güte statt Abneigung fühlen, dann schaffen Sie es bestimmt leicht, auch anderen Wesen gegenüber – vom taktlosen Kollegen bis zum nervenden Sitznachbarn im Bus – so zu empfinden. Auch für die Praxis der liebenden Güte gibt Ihnen die Fliege also eine wertvolle Gelegenheit zur Übung. Nutzen Sie sie!

 

Dieser Text ist ein Auszug aus „Das kleine Meditationsbuch für alle, die nicht meditieren können” von Pascal Akira Frank, erschienen im Goldmann-Verlag.