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Es lebe die Vielfalt: No Dogma – Just Yoga
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Es lebe die Vielfalt: No Dogma – Just Yoga

Von Anna Rech

Ich glaube, diese „Weisheit” zu beherzigen, würde uns allen sehr guttun. Auch in der Hamburger Yogaszene könnte es nach meinem Geschmack etwas lockerer zugehen. Ich bin erstaunt, wie viele unsichtbare Grenzen hier wahrzunehmen sind – zwischen den Lehrern, Stilen – meistens subtil, manchmal ausgesprochen. Dabei sollte es doch ganz selbstverständlich sein, uns herzlich miteinander zu verbinden und uns gegenseitig zu unterstützen.

Muss man sich für immer und ewig einem Yogastil verschreiben?

Natürlich ist es sinnvoll, eine Zeit lang von einem/r Lehrer/in oder zumindest von einem bestimmten Ansatz zu lernen und dort zu verweilen, um kontinuierlich und konsequent in die Tiefe der Lehre einzutauchen. Aber wenn du glaubst, „deins” gefunden zu haben, dann bewahre dir unbedingt eine offene Haltung und sei bereit, dich wie eine Schlange zu häuten. Daniel Odier schreibt in seinem Buch „Tantra – Eintauchen in die absolute Liebe”:

„Allzuoft wollen wir uns gedanklich das Feinste einer Lehre aneignen und sind unversehens schon dabei, einen Panzer gegen das Göttliche zu schmieden. […] Der Mut des Tantrika besteht darin, die Lehren hinter sich zu lassen, sobald er sie aufgenommen hat. Selbst die Tantras sind nicht mehr wert als die Haut, die eine Schlange auf den Steinen zurückgelassen hat. Wenn man sich in einer ständigen Häutung befindet, […] kommt der Tag, wo sich das Bewusstsein auf nichts mehr berufen kann. Das ist der Augenblick des Erwachens.“

Für die Asana-Praxis kann es bedeuten, dass heute Restorative Yoga das Richtige ist, um dich zu entspannen, und morgen eine Anusara-Flow-Klasse, die dein Herz höher schlagen lässt. In manchen Yogaklassen werden sechs Asanas in zwei Minuten praktiziert oder – wie kürzlich bei einem Yin-Yoga-Workshop von Simon Lee (herrlich!!) – sechs Asanas in zwei Stunden. Es gibt sicherlich auch Tage, an denen du einfach meditieren möchtest oder dir eine Runde Savasana zwischendurch genehmigst, um eine kleine Pause in deinem schnelllebigen Alltag einzulegen. Das ist kein Drama! Yoga ist vielseitig – wie das Leben. So wunderbar!

Offen bleiben für alles – auch im Yoga

Dazu meine eigene Yogageschichte in Kurzform:

Mit Anfang 20 habe ich aus purer Neugier mit Kundalini Yoga angefangen. Während meine Freundinnen in Bauch-Beine-Po-Stunden im Fitness-Studio ihren jugendlichen Körper trainierten, saß ich in Weiß gekleidet auf meiner Schaffell-Matte und bewegte mich zu Gitarren-Musik und indischen Mantras hin zum universellen Bewusstsein.

Ein paar Jahre lang war für mich Yoga = Kundalini Yoga, bis ich eines Tages realisierte, dass es noch ein Universum an weiteren Yogastilen gibt. Ich probierte Sivananda, Vinyasa, Power, Iyengar, Yin und Bikram Yoga aus, um mich dann schließlich für eine Kundalini-Yoga-Ausbildung bei Satya Singh zu entscheiden, die mich neben meinem Ethnologie-Studium einfach „nur” in meiner Persönlichkeitsentwicklung unterstützen sollte. Dass ich Yogalehrerin und dieser Beruf meine Bestimmung und Passion werden würde, ahnte womöglich irgendetwas in mir, aber ich war fest entschlossen, nach meinem Studium in der Entwicklungszusammenarbeit im Ausland tätig zu werden. Stattdessen wurde ich Mutter eines bezaubernden Jungen und unterrichtete Yoga in Hamburg.

Rückblickend habe ich trotzdem auch einiges aus meiner Unizeit für meine Yoga-„Karriere” nutzen können. Yoga und Ethnologie haben erstaunlich viele Parallelen. Die ausgedehnten Reisen nach Übersee in den Semesterferien haben meinen Horizont erweitert und mich immer wieder angeregt, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und so mein Bewusstsein für das große Ganze zu erhöhen. Ich habe gelernt, kulturelle Unterschiede und Grenzen anzuerkennen, aber auch stets das Verbindende zu suchen. Es gibt so viele Gemeinsamkeiten – kulturübergreifend. Oft sind es mentale Limitierungen, die den Fokus auf den anderen oder das Andersartige lenken. Dank Yoga lernen wir aber doch zunehmend, unsere Aufmerksamkeit auszurichten, für unsere innere Haltung Verantwortung zu übernehmen und uns so mit allem, was ist, verbunden zu fühlen.


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Als glückliche Mutter und Yogalehrerin besuchte ich eines Morgens meine erste Anusara-Yogastunde – ungefähr zehn Jahre nach meiner allerersten Yogaklasse überhaupt. Ich war vollkommen ergriffen, wie viel Freiheit und Stabilität mir diese Praxis zugleich vermitteln konnte. Wenige Monate später saß ich im Anusara-Lehrertraining in Berlin. Bis heute, weitere zehn Jahre später, bin ich Fan von Anusara Yoga, um dem „Fluss des Lebens zu folgen”. Hier bin ich zu Hause. Dennoch liebe ich es, immer wieder neue Impulse und Inspirationen durch die Offenheit gegenüber den verschiedenen Yogastilen für mich und meinen Unterricht zu bekommen.

Inzwischen unterrichte ich Workshops und auf Retreats Klassen, bei denen Anusara und Kundalini Yoga einander begegnen und perfekt ergänzen können. Yoga lehrt uns schließlich das eine: Unsere Heimat ist schlicht und ergreifend in uns selbst zu finden. Es lebe die Vielseitigkeit! Das Leben ist bunt. Yoga auch. Take it easy!

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