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Kreativer Fluss: Alles über Vinyasa Yoga

Kreativer Fluss: Alles über Vinyasa Yoga

Von Dana Pukowski

Die Vielfalt der Yogastile ist nicht nur für Anfänger verwirrend. Deshalb widmet sich Dana Pukowski im folgenden ausführlich dem Stil des Vinyasa Yoga, und erklärt dir, was diesen Stil so besonders macht - aber auch, was er mit anderen Yogarichtungen gemeinsam hat.

Yogastile: Was alle Stilrichtungen vereint

Yoga ist eines der ältesten Systeme zur persönlichen Weiterentwicklung eines Menschen. Ursprünglich ging es darum, das tiefe Verständnis unserer menschlichen Natur zu nutzen, um in Einklang mit uns und auch unserer Umwelt zu leben - also Körper, Geist und Seele zu vereinigen. Noch älter ist das folgende Konzept: Die Yogis sahen ihren Körper als Gefährt, ihren Geist als Lenker und ihre Seele als des Menschen Identität. Stelle dir vor, drei Kräfte – Handlung, Gefühl, Intelligenz – ziehen dein Gefährt. Um ein Gleichgewicht der Kräfte herzustellen, hilft dir Yoga.

Das ist die Essenz des Yoga. Jetzt gilt es nur noch herauszufinden, ob Vinyasa Yoga vielleicht der Yoga-Stil sein kann, der dich dabei am besten unterstützt.

Vinyasa Yoga: Meditation in Bewegung

Vinyasa Yoga (etwa Power Yoga und Jivamukti Yoga) ist eine Form von Yoga, die es gerade uns westlichen Kopfmenschen und Zweiflern ermöglicht, einen Zugang zum Yoga zu finden. Im Vinyasa Yoga steht die Praxis von Körperhaltungen (Asanas) im Vordergrund. Techniken wie Satsang, Meditation und Pranayama sind bewusst auf ein Minimum reduziert. Die Erklärung ist einfach: Der Zugang ist dein Körper. Du kannst deine physische Körperhülle sehen und anfassen. Von hier aus eroberst du dir Stück für Stück deinen Körper als Tempel der Seele zurück und bemerkst die starke Verbindung zum Zustand deines Geistes. Eine Beobachtung, die dich in deiner Yogapraxis begleiten wird, die dich lehren wird, achtsam und wohlwollend zu praktizieren.

Häufig entsteht um den Begriff des „Vinyasa” eine gewisse Verwirrung, die ich hier kurz aufklären möchte. Wörtlich aus dem Sanskrit übersetzt kombiniert sich das Wort Vinyasa aus „Nyasa“, was „legen, setzen, stellen“ bedeutet, und „vi“, das sich mit „auf eine bestimmte Art“ übersetzen lässt. In verschiedenen Kontexten wird Vinyasa aber etwas unterschiedlich benutzt: Zum einen ist damit im der Übergang von einer Asana in die nächste gemeint, speziell wenn die Abfolge der Asanas festgelegt ist – so wie es etwa beim Ashtanga Yoga nach Pattabhi Jois praktiziert wird. Zum anderen bezeichnet Vinyasa aber eben auch einen speziellen Yoga-Stil, bei dem die Bewegungen synchron zum Atem ausgeführt werden.

Die Besonderheiten des Vinyasa Yoga


1. Atemsynchrone Bewegungen

Die eigentliche Besonderheit des Vinyasa Yoga liegt nämlich in der fließenden Verbindung von Bewegung und Atem. Und die braucht Übung. Obwohl ich regelmäßig Vinyasa Yoga praktiziere und unterrichte, hört das Lernen nie auf.

Deine Bewegungen sind im Vinyasa Yoga mit einer kontrollierten Atemtechnik synchronisiert. Entscheidend ist der Grundgedanke, dass deine Bewegung deiner Atmung folgt und nicht umgekehrt.  Vielleicht beobachtest du zu Beginn, dass es durchaus herausfordernd ist, die Aufmerksamkeit auf die Atmung zu legen und die Bewegung kommen zu lassen. 

Mein Tipp: Das lässt sich gerade zu Beginn mit einfachen Bewegungen wie zum Beispiel Katze-Kuh oder über das Heben und Senken der Arme erfahren und üben. 

Dein Ein- und Ausatmen wird dadurch ein bewusster und kein automatischer Vorgang. Mit der Zeit lernst du, deinen Atem zu regulieren, das heißt die Länge der Atmung anzupassen, sodass sie über die Dauer der Bewegung erfolgt. Lass dir Zeit und verzweifle nicht, wenn das nicht sofort klappt. Alles folgt der Magie, dass deine Atmung die Brücke bildet zwischen Körper und Geist. Beobachte, wie die Atmung deine Bewegung begünstigt (zum Beispiel mit der Ausatmung in der Vorbeuge).

Probiere es doch mal aus mit Christiane Wolff im Sonnengruß A: 


Yoga Video Tutorial: Asana Sonnengruß A (Surya Namaskara A)YogaEasy-Video abspielen

2. Tanzähnliche Sequenz 

Vinyasa-Yoga-Stunden bestehen nicht nur aus einzelnen Asanas, sie sind vielmehr über Transitionen miteinander verbunden. Wie in der natürlichen Bewegung ist alles miteinander verknüpft und fließt. Es gibt keinen Anfang und kein richtiges Ende. Im Vinyasa Yoga liegt dein Fokus nicht nur auf der Praxis einzelner Körperhaltungen, sondern du schenkst den Verbindungen genauso viel Aufmerksamkeit. 

Wir sind in der heutigen Zeit so konditioniert, dass es darum geht anzukommen, ein Ziel zu erreichen. Vielen haben verlernt den Moment zu schätzen, in dem wir auf dem Weg zum Ziel sind. Ein Muster, das du vielleicht auch von deiner Yogapraxis kennst. Das Erkennen ist wichtig, um auf der Matte im geschützten Raum zu lernen. Bringe deine Aufmerksamkeit immer wieder wohlwollend zurück ins Hier und Jetzt. Es gibt natürlich Transitionen, die fallen uns leicht, aber es gibt eben auch andere. Ein schönes Beispiel ist, den Fuß aus dem herabschauenden Hund geführt nach vorne zwischen die Hände zu setzen, um im tiefen Ausfallschritt anzukommen. Eine Verbindung, die sicher etwas mehr Übung braucht als das Heben der Arme. Wenn du bereits Vinyasa Yoga praktizierst, dann lege doch mal bewusst die Aufmerksamkeit nur auf die Verbindungen und beobachte, wie sich die Qualität deiner Praxis verändert, dein Zustand sich verändert. 

3. Grenzenlose Kreativität

Wer sich schnell langweilt, ist genau richtig im Vinyasa Yoga. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt, sodass du immer wieder neue Impulse bekommst, Unbekanntes mit Bekanntem zu verknüpfen. Es gibt also keine festgelegte Sequenz, wie etwa beim Ashtanga Yoga.

Ein perfektes Beispiel ist dieser kreative Flow von Nicole Bongartz, die dem Elefanten-Gott Ganesha eine groovige Sequenz widmet:

Yoga Video Ganeshas GrooveYogaEasy-Video abspielen

4. Vinyasa Yoga: Ujjayi-Atmung als zentrales Element

Um die Brücke zwischen Körper und Geist zu schlagen, wird im Vinyasa Yoga eine bestimmte Atemtechnik verwendet, die Ujjayi-Atmung. Sie wird auch ozeanische Atmung genannt, weil sie an das Rauschen des Meeres erinnert. Das Geräusch hilft dir, den Atem als Ankerpunkt zu nutzen, trägt dich durch deine Vinyasa-Stunde und intensiviert den Effekt von „Meditation in Bewegung“, weil es dich schützt vor Ablenkung und mangelnder Konzentration. Erst dann kann sich die volle Wirkung auf deinen Körper und Geist entfalten. Erst dann ist es Yoga.

Und genau das ist im Vinyasa Yoga die ständige Herausforderung, zu bemerken ob du vom Atem getragen wirst, und falls nicht, deinen Fokus immer wieder mit einer Engelsgeduld zurück auf die Atmung zu bringen. Nimm deinen Atem an die Hand und begleite jeden Atemzug, das Einatmen und das Ausatmen wie ein Kind, das du an einer achtspurigen Straße an der Hand hältst. Von Anfang bis Ende. 

Hier erklärt dir Anna Trökes, wie du Ujjayi genau ausführst:

Yoga Video Anna Trökes im Kurzinterview zum Thema Ujjayi AtmungYogaEasy-Video abspielen

Vinyasa Yoga: Wirkungen und die Bedeutung von Energie

Energie wird im Yoga Prana genannt. Konkret ist damit die Energie allen Lebens gemeint. Ohne Prana kann nichts existieren. Alles um dich herum ist Energie, du bist Energie. Ein Punkt, der zugegebenermaßen zu Beginn etwas schwer vorstellbar ist, aber mit der Zeit immer spürbarer wird. Du nimmst Lebensenergie über Nahrung und Wasser auf, aber hauptsächlich über deine Atmung. Ein Grund, aus dem die Atmung im Vinyasa Yoga so im Fokus steht. Vinyasa Yoga ist Energiearbeit und erzeugt eine tiefe, reinigende Wärme. Übst du regelmäßig, profitierst du auf allen Ebenen:

  • Dein Energiespeicher lädt sich auf.
  • Deine körperlichen und emotionalen Blockaden lösen sich.
  • Du fühlst dich wach und konzentriert.
  • Deine Muskeln sind stark und locker zugleich.
  • Deine Wirbelsäule, die Lebensader, ist stark und beweglich.
  • Deine inneren Organe sind entgiftet und gesund.
  • Dein Geist ist entspannt und dein Herz weit.

Irgendwann entsteht vielleicht ein Gefühl des inneren Friedens, das dich mehr und mehr zu dir selbst führt. Erwarte nichts, praktiziere voller Hingabe und Geduld, bis dich die lange Reise zur Akzeptanz deines Selbst führt.

Für wen ist Vinyasa Yoga überhaupt geeignet?

Grundsätzlich kann jeder jeder Vinyasa Yoga praktizieren, der gerne dynamisch und kraftvoll übt. Natürlich solltest du keine akuten Beschwerden wie Herz- oder Kreislaufprobleme oder Bluthochdruck haben – dafür ist Vinyasa Yoga dann doch zu anstrengend.

Besonders empfehlenswert ist Vinyasa Flow Yoga für alle, die Probleme haben, ihren Kopf frei zu bekommen, schwer abschalten können und deshalb auch eine gute Portion Stress mit auf die Matte bringen. Denn Vinyasa Yoga zwingt dich dazu, sehr fokussiert bei der Sache zu sein – schließlich bist du konstant in Bewegung, musst auf die korrekte Ausführung der Asanas achten und dann noch deinen Atem mit den Übungen synchronisieren. Da bleibt dann keine Energie mehr dafür, innerlich To-Do-Listen zu schreiben und dein armer, überforderter Geist hat endlich mal Urlaub (von sich selbst)!

Du musst aber weder besonders fortgeschritten noch beweglich sein, um Freude am Vinyasa Yoga zu haben. Denn jeder Yogastil kann an jeden Körper angepasst werden: Ein guter Lehrer wird auch in einem Gruppenkurs mit unterschiedlichen Levels alternative Übungen und Modifikationen ansagen, sodass jeder an seinen Grenzen arbeiten kann, sich aber nicht überfordert. Und er wird dich regelmäßig daran erinnern, dass du dich in eine regenerierende Haltung wie das Kind begibst, sobald du außer Atem kommst.

Viel Spaß beim Fließen!

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