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Atme dich frei: Was ist bitte Psychedelic Breath?
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Atme dich frei: Was ist bitte Psychedelic Breath?

Von Kristin Rübesamen

Atmen heißt Leben. Ameisen atmen, Bäume atmen, kein Organismus kommt ohne Atmung aus. Unser Atem verrät uns unsere Gefühle, und bewusstes Atmen kann helfen, unsere Gedanken zu ordnen und unsere Körperfunktionen, vor allem unser Nervensystem positiv zu beeinflussen. Besonders der Ujjayi-Atem ist bekannt dafür, den Herzschlag zu verlangsamen, den Nervus vagus zu stimulieren und damit den Parasympathikus anzusteuern, den Teil des Nervenssystems, der verantwortlich für Regenerierung ist.

Warum das Atemtempo einen großen Einfluss auf unsere Gefühle hat, interessiert auch die Hirnforschung. Wie wir atmen, wird durch Neuronen im Atemzentrum des Gehirns gesteuert, im sogenannten Prä-Bötzinger-Komplex. Die Verlangsamung der Atmung beruhigt überaktive Nervenzellen und reduziert so Stress und Panikattacken, eine Entdeckung, die der Autor der Hatha Yoga Pradipika bereits im 14. Jahrhundert gemacht hat. So weit, so bekannt. Seit einiger Zeit jedoch hat sich neben die bekannten Pranayama-Atemtechniken ein neuer Atem-, ähem,„Trend” geschoben, den wir uns genauer ansehen wollen. Die Berlinerin Eva Kaczor kennt sich aus.

Seit wann beschäftigst du dich mit Atmung?

Professionell und spirituell seit etwa 14 Jahren, als ich mit dem Yoga-Unterrichten begann. Aber ich habe schon als kleines Mädchen mit dem Atem meine Wirbelsäule drehen gelernt oder lernen müssen, da meine Wirbelsäule eine Skoliose hat. Die Physiotherapie hat mit dem Atem als Korrekturmechanismus gearbeitet.

Was ist „PSYCHEDELIC BREATH®”?

Eine Atemzeremonie und Atemmethode, die auf den Körper in all seine Dimensionen wirkt. Spürbar ist sie im physischen, mentalen, emotionalen und spirituellen Körper. Sie kann die Frequenz von Gehirnwellen verlangsamen und damit Zugang zum Unbewussten als auch zu höheren Bewusstseinszuständen schaffen. Man kommt von der aktiven Beta-Frequenz, in der wir planen, lernen, strukturieren in eine Alpha- und eventuell Theta-Frequenz. Ich habe schon viele Sessions mit über 3000 Leuten pro Session gegeben und höre ziemlich aufregende Erfahrungen, die von Erleichterung über das Loswerden von Schmerzen bis hin zum Sehen einer neuen Vision, Lichtern und tieferen Erkenntnissen reichen. Ein essenzieller Bestandteil ist dabei der elektronische Soundtrack, den ich in Kooperation mit Künstlern wie Acid Pauli entwickle.

Kritiker finden, das sei einfach nur Hyperventilation und Humbug. Widersprich mal kräftig!

Ich habe schon einige Journalisten unterrichtet, die sehr berührt waren von ihrer eigenen Erfahrung mit PSYCHEDELIC BREATH® und dann kritisch und fast zynisch darüber geschrieben haben. So viel zum Tabu von tieferen Gefühlen und zum recht geringen Verständnis von Neurowissenschaft. Sie belegt, dass wir über den Atem genau wie auch durch Meditation andere Areale im Gehirn ansprechen als den rationalen im Frontallappen. So können wir höhere Bewusstseinszustände erreichen.
 Es ist außerdem keine „Hyperventilation” im klassischen Sinne, sondern, wenn überhaupt, dann eine kontrollierte. Was tatsächlich physiologisch geschieht, ist, dass bei der Atempause nach der Ausatmung der Körper aufgrund des dann sinkenden CO2-Gehalts denkt, es sei ein Überschuss an Sauerstoff da, was nicht der Fall ist. Daher kommt es zu Symptomen wie Kribbeln und verkrampften Händen. Das geht nach ein paar wenigen Minuten nach der Session wieder komplett vorbei.


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Gibt es etwas wie den richtigen oder falschen Atem?

Ich glaube, es gibt kein richtig oder falsch, wohl aber verschiedene Arten und Weisen, um über den Atem das autonome Nervensystem positiv zu beeinflussen. Das kann in beide Richtungen gehen: zum Beruhigen oder zum Aktivieren und Energetisieren. Klar ist aber, dass unsere Zellen Sauerstoff lieben und sich davon ernähren. Tiefe, lange Atemzüge und auch ein vollständiges Ausatmen sind also von Vorteil.

Wie unterscheidet sich deine Atemarbeit von Pranayama?

In meinen Augen haben wir alle Atemtechniken in letzter Instanz den Yogis zu verdanken, die vor Tausenden von Jahren „gechannelt” haben, wie man über Atem Gesundheit und Bewusstseinszustand beeinflussen kann. Ich mache keinen Unterschied zwischen den Begriffen.

Wie verbindest du deine Atemarbeit mit deiner Arbeit als Coach? Wie funktioniert das genau?

Ich unterstütze als Purpose Coach meine Klienten darin, das zu leben und zu erschaffen, wofür sie geboren sind. Wir arbeiten dabei mit meinem Intuitive Reading ihres Potenzials, verschiedenen Coachingtools und spirituellen Praktiken. Neben geführten Meditationen ist PSYCHEDELIC BREATH® ein Tool, um an das ranzukommen, was wirklich zählt. Und zwar genau in diesem Moment im Leben.

Wer kommt zu dir?

Sehr viele, meistens recht junge Menschen, die wissen wollen, wie man auf natürliche Weise mehr von sich und seinem Purpose entdecken kann. Und zwar Frauen und Männer in ungefähr gleicher Anzahl. Ich habe von 3000 Menschen auf Festivals wie dem Burning Man oder Wanderlust, auf Tech-Konferenzen wie der TOA und dem Web Summit in Lissabon bis zu kleinen privaten Freundesgruppen unterrichtet. Mittlerweile bekomme ich Anfragen aus der ganzen Welt und wir beginnen im März 2020 mit dem ersten Teacher Training in Berlin.

Wie hat sich deine Yoga-Praxis durch deine Arbeit mit dem Atem verändert?

Ich mache viel mehr Atemtechniken, die meinem Körper entgiften helfen und mich in relativ kurzer Zeit in den Zustand der Meditation versetzen als klassische Asana-Praxis. Aber ich liebe nach wie vor eine dynamische Vinyasa-Stunde.

Was ist dran an den Hype um psychedelische Atmung? Wird man wirklich high davon und wenn ja, was wäre toll daran?

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was „high” in diesem Zusammenhang genau bedeutet. Ich habe den Namen PSYCHEDELIC BREATH® gewählt, weil er in einer Meditation zu mir kam. So ist auch das gesamte PSYCHEDELIC BREATH®-System entstanden. Psychedelic bedeutet für mich, unser Potenzial im Gehirn mehr zu nutzen, um auf persönlicher und spiritueller Ebene zu wachsen. Für mich ist es wie ein Highway in einen Zustand, der emotionale und körperliche Blockaden lösen und mich mit meiner Intuition verbinden kann.

Übst du noch Pranayama?

Ja. Wie gesagt, ich unterscheide da nicht und gebe auch Workshops zu Breathwork Morning Routines, die mit klassischem Pranayama arbeiten.

Kontrollierter Atem: Was spricht dagegen?

Überhaupt nichts. Alle Atemtechniken sind in meinen Augen kontrolliert, im besten Sinne. Es ist so fantastisch zu spüren, wie wir den Atem steuern können um Lebensenergie fließen zu lassen oder aus der Fight-and-Flight-Reaktion in einen weicheren Zustand überzugehen.

Mehr über Eva Kaczor und ihre Arbeit erfährst du auf ihrer Website.

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