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Wie Yoga beim Gesundwerden und -bleiben hilft
Bildquelle: Istockphoto.com

Wie Yoga beim Gesundwerden und -bleiben hilft

Von Christiane Eitle

Zahlreiche Studien haben es in den vergangenen Jahren belegt: Yoga unterstützt den Körper bei Heilungsprozessen und kann Erkrankungen vorbeugen. Das uralte indische Philosophie- und Übungssystem hat sich bei der Behandlung von Kopfschmerzen bewährt, hilft Diabetikern, kann Herz- und Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und soll sogar bei Erkältungen helfen. Ist Yoga also das Patentrezept für Gesundheit? Die Wirkungen von Yoga sind komplex, subtil und individuell zugleich, denn Yoga wirkt im Zusammenspiel von Körperübungen, Regeneration und Achtsamkeit.

Yoga statt Kopfschmerztabletten

Stress ist eine der häufigsten Ursachen von Kopfschmerzen und Migräne. Stress im Alltag ist heute an der Tagesordnung und so klagen mittlerweile mehr als 70 Prozent der Deutschen über Kopfschmerzen. Genau da setzt Yoga an, denn die achtsamen Körperübungen, Meditation und Atemtechniken lösen Entspannungsimpulse im Körper aus, die dazu führen, dass weniger Stresshormone freigesetzt werden und der Körper regenerieren kann. Eine Studie aus Indien bewies diesen Effekt bei 72 Teilnehmern die Asanas, Kapalabhati Atemübungen und Nasenreinigung praktizierten. Nach drei Monaten konnte das Ausmaß der Kopfschmerzen und die damit einhergehenden Depressionen stark reduziert werden.

Häufig werden Kopfschmerzen auch durch Verspannungen im oberen und unteren Rücken ausgelöst. Mit gezielten, sanften Yogaübungen kann die angespannte Muskulatur im Kopf-, Hals-, und Schulterbereich gelöst werden, so dass sich Blockaden lösen und die Durchblutung verbessert wird.

Mehr Lebensqualität für Diabetiker

Neben der genetischen Veranlagung wird eine Typ-2-Diabetes durch den ungesunden Lebensstil in der westlichen Welt stark begünstigt. Fett- und zuckerreiche Ernährung kombiniert mit Dauerstress und starkem Bewegungsmangel führen zu Übergewicht und einem tendenziell steigenden Blutzuckerspiegel. Da dieser auf Grund der Insulinresistenz nicht gut reguliert werden kann, ist es unabdingbar das Körpergewicht und Stresslevel zu reduzieren. Wissenschaftliche Studien an indischen und amerikanischen Universitäten haben gezeigt, dass Yoga dabei ein Weg sein kann. In zahlreichen Untersuchungen konnte durch regelmäßiges Yoga der Nüchternblutzuckerwert bis zu 30 Prozent gesenkt werden, zusätzlich wurden sowohl der Blutdruck als auch das allgemeine Stressempfinden verbessert.

Herz und Kreislauf mit Yoga schützen

Bluthochdruck, ein zu hoher Cholesterinspiegel und Übergewicht führen häufig zu tödlichen Herz- und Kreislauferkrankungen. Oft ist Stress eine der Hauptursachen und die Risikofaktoren lassen sich mit Medikamenten, einem gesünderen Lebensstil und mehr Sport minimieren. Dass Yoga mit Körper- und Entspannungsübungen genau so effektiv ist wie Ausdauersportarten, bewies eine Metastudie aus den Niederlanden und den USA. Die Blutdruck- und Cholesterinwerte sowie das Körpergewicht verbesserten sich durch Yoga genau so gut wie durch Radfahren und Joggen. Denn durch Yoga baut der Körper Stress ab und lernt auch in Situationen zu entspannen, in denen er die Stresshormone nicht durch körperliche Aktivität abbauen kann.

Yoga bei Schnupfen! Oder nicht?

Ja und nein. Denn während einer Erkältung oder mit Fieber sollte auf keinen Fall exzessiv Yoga oder eine andere Sportart betrieben werden. Aber sanfte Asanas, Entspannung und Atemübungen können in der Tat helfen, einer lästigen Schniefnase vorzubeugen oder sie schneller wieder loszuwerden. Viele kennen das Phänomen der „Leisure Sickness“ nur zu gut: nach Phasen mit viel Anspannung erwischt es einen im Urlaub dann so richtig. In diesem Moment ist der Körper mit dem durch Stress heruntergefahrenen Immunsystem sehr anfällig für Viren. Durch achtsame Yogabewegungen wird Stress abgebaut und der Körper entgiftet, so dass die Abwehrkräfte wieder gestärkt werden können. Wechselatmung und Kapalabhati helfen zudem die Atemwege zu befreien, so dass die Lungen mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden.

Erlösung für einen verkrampften Magen

Virusinfektionen, übermäßiges Essen, Stress sowie die allgemeine psychische Verfassung können sich auf die Befindlichkeiten des Magens auswirken. Der Magen- und Darmbereich ist sehr sensibel und das vegetative Nervensystem kann schnell durcheinander gebracht werden, so dass die Nahrung nicht mehr richtig verdaut wird. Die Folgen: Schmerzen, Völlegefühle und Blähungen. Eine zweijährige Studie in den USA an 97 Patienten mit Reizdarm kam zu dem Ergebnis, dass regelmäßiges Yoga mit Körper-, Atem- und Entspannungsübungen die Beschwerden signifikant verbessert, so dass teilweise sogar die Medikamentenbehandlung eingestellt werden konnte.

Yoga wirkt hier wieder auf verschiedenen Ebenen, denn einerseits wird die psychische Verfassung verbessert und gleichzeitig wirken spezielle Asanas anregend auf die Verdauung, wodurch der Körper von Ballast und Schmerzen erlöst wird.

Yoga bei Krebs

Krebserkrankungen können nicht durch Yoga geheilt werden, jedoch kann Yoga auf vielen Ebenen ein wertvoller Begleiter durch die schwere Zeit der Chemotherapie sein. So auch für Patrick Broome, den bekannten Münchner Jivamukti Yogalehrer, der 2009 die Diagnose einer chronischen Leukämie erhielt. Yoga half ihm nach den Strapazen der Chemotherapie den Körper sanft zu stärken und mit der Krankheit umzugehen - sie nicht als Feind sondern als Lehrer zu betrachten.

In einer amerikanischen Studie mit Brustkrebspatientinnen wurde durch regelmäßiges Yoga die Müdigkeit stark vermindert, die allgemeine Lebensqualität verbessert und der Cortisolspiegel langfristig gesenkt. Letzteres ist sehr wichtig für eine positive Prognose bei Brustkrebs.

In einer weitere Studie wurde festgestellt, dass Hatha Yoga Übungen kombiniert mit Meditation und Atemübungen den Entzündungsmarker Interleukin IL-6 im Blut stark reduzieren können – ein wichtiger Beweis dafür, dass Yoga die Selbstheilung des Körpers effektiv anregt.

Selbstheilungskräfte durch Yogatherapie

In der Yogatherapie werden Yoga-Techniken individuell auf die Beschwerden einzelner Menschen zugeschnitten. Der Patient ist dabei aktiv an seinem Heilungsprozess beteiligt. Dr. Ronald Steiner ist nicht nur Arzt, sondern einer der bekanntesten Ashtanga-Yogalehrer in Deutschland. Er ist vom therapeutischen Potential von Yoga überzeugt: „Bereits ein normaler Yogakurs, von einem kompetenten Lehrer geleitet, fördert die Gesundheit im Allgemeinen. Die Yogatherapie geht einen Schritt weiter. Sie hilft bei spezifischen körperlichen oder psychischen Problemen mit spezifischen darauf ausgerichteten Übungen sich Richtung Balance oder Gesundheit zu bewegen.“ Dr. Steiner glaubt, dass die Yogaarbeit am physischen Körper sich auf die feinstofflicheren Ebenen ausbreitet und Yoga somit als ganzheitliche Therapie wirkt. „Im Yoga geht darum sich auf seinen Wesenskern auszurichten und so ganzheitlich in Balance zu kommen. Gesundheit und Wohlbefinden entsteht aus dieser Balance ganz natürlich. Da uns der Yoga zur ganzheitlichen Balance führen soll, ist Yoga für die physische Gesundheit förderlich.“ Dr. Steiner empfiehlt bei der Wahl des Yogatherapeuten darauf zu achten, dass er Kompetenzen als Arzt und Heilpraktiker mitbringt, denn nur als solche darf er in Deutschland praktizieren. „Neben dem medizinischen Bereich sollte der Therapeut auf einer fundierten Yogalehrerausbildung, mit besonderem gesundheitlichem Schwerpunkt, aufbauen. Der Therapeut sollte neben der Therapie selbst auch Yoga praktizieren und unterrichten.“

Jeder Mensch bringt verschiedene Voraussetzungen mit, deshalb gibt es nicht „das eine Yoga“, das bei allen Krankheitsbildern optimal wirkt. Yoga ist auch keine Wunder-Tablette mit sofortiger Wirkung. Mit der richtigen Dosierung und Anleitung kann Yoga aber ein wichtiger Faktor bei der Heilung vieler Krankheitsbilder sein. Rechtzeitig und regelmäßig eingesetzt kann es sogar etliche Krankheiten verhindern. Also: Ab auf die Yogamatte!

Dieser Artikel ist in gekürzter Form in der Happy Way erschienen (Juli/August/September 2016).

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