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Demenz: Yoga gegen die Vergesslichkeit
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Demenz: Yoga gegen die Vergesslichkeit

Von Saskia Schmitz-Tietgen

Du stehst an der Supermarktkasse, und dir lächelt plötzlich eine junge Frau zu. Du bist dir zunächst nicht sicher – meint sie wirklich dich? Offenbar ja. Dann kommst du ins Grübeln – woher kennst du sie nur? Ist sie eine Nachbarin? Besucht sie denselben Yogakurs wie du? Ist es eine Freundin von Freunden? Häufig fällt es dir dann plötzlich wie Schuppen von den Augen, oft treibt dich aber auch die Frage nach dem „Woher” noch eine Weile um. Na, kommt dir das bekannt vor? Die meisten von uns haben solch eine meist harmlose Situation bestimmt schon mal erlebt. Doch laut dem Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. steckt bei rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland  hinter der Vergesslichkeit eine ernste Erkrankung: Demenz. „Die meisten von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Jahr für Jahr treten mehr als 300.000 Neuerkrankungen auf.”

Demenz – was ist das eigentlich?

Erst einige Wortsilben vergessen, dann Termine vertüddeln und sich schließlich an sich selbst und sein Leben nicht mehr erinnern. So oder so ähnlich stellen sich viele eine Demenz-Erkrankung – korrekt „demenzielles Syndrom” – vor und liegen damit gar nicht so falsch. Bei der Demenz, was übersetzt so viel heißt wie „ohne Geist” oder „ohne Verstandeskraft”, handelt es sich, kurz gesagt, um eine Erkrankung des Gehirns, bei der u.a. die Konzentrationsfähigkeit und das Erinnerungsvermögen nachlassen bzw. beeinträchtigt sind. Neurologen und Psychiater im Netz sagen: „Die kognitiven Fähigkeiten – wie z.B. Erkennen, Gedächtnis, Sprache, Lernen und Planen – sowie die emotionalen und sozialen Fähigkeiten können (zunehmend) beeinträchtigt sein.” Eine schwere fortgeschrittene Demenz kann schließlich dazu führen, dass man komplett auf die Betreuung anderer angewiesen ist und den Alltag alleine nicht mehr bewerkstelligen kann.

Es gibt viele verschiedene Demenz-Formen, von denen die Alzheimer-Erkrankung, benannt nach dem Arzt Alois Alzheimer (1864 bis 1915), die häufigste Form darstellt. Alois Alzheimer war es, der 1906 im Gehirn einer verstorbenen Patientin zum ersten Mal die sogenannten Plaque (Eiweißablagerungen) feststellen konnte. Da es neben der Alzheimer-Demenz auch andere Demenz-Formen gibt wie zum Beispiel die vaskuläre Demenz, das Korsakow-Syndrom durch Alkoholmissbrauch oder Demenz im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung, ist es wichtig, Demenz und Alzheimer nicht automatisch gleichzusetzen.

Nur etwas vertüddelt oder ernsthaft krank?

Dass man ab und an Dinge vergisst, einem ein Wort nicht einfällt oder man zerstreut ist, ist normal. Gerade wenn man viel um die Ohren hat, kann dies vorkommen. Nicht jede Vergesslichkeit muss krankhaft sein oder auf eine Demenz hindeuten. Doch treten zum Beispiel folgende Symptome über längere Zeit auf (mindestens sechs Monate), kann es sinnvoll sein, einen Arzt zu kontaktieren und die Symptome abklären zu lassen:

  • Es fällt immer schwerer, sich räumlich und zeitlich zu orientieren, beispielsweise kann man sich an ein kurz zurückliegendes Gespräch nicht mehr erinnern, einem entfällt der Wochentag dauernd oder man findet sich in vertrauter Umgebung nicht mehr gut zurecht.
  • Es fällt schwer, die richtigen Worte zu finden oder einem Gespräch zu folgen.
  • Die Persönlichkeit bzw. die Stimmungslage verändert sich – man hat plötzlich mit depressiven Tiefs zu tun oder ist häufiger gereizt oder aggressiv.

Wie gesagt: Diese Symptome sind keine eindeutigen Hinweise auf eine Demenz-Erkrankung. Sie können auch viele andere Ursachen haben. Am besten kann dies ein Arzt abklären.

Woher kommt die Krankheit, und wer ist besonders betroffen?

Die Ursachen von Demenz können ganz unterschiedlich sein – zum Beispiel starker Alkoholkonsum (Korsakow-Syndrom), Durchblutungsstörungen im Gehirn (vaskuläre Demenz) oder das Absterben von Nervenzellen im Gehirn, vor allem von Acetylcholin-produzierenden Zellen (Acetylcholin ist für die Kommunikation zwischen Nervenzellen verantwortlich) und die Ablagerung von Eiweißpartikeln (Plaque) bei Alzheimer. „Grundsätzlich wächst mit steigendem Alter das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Dennoch trifft es statistisch gesehen vor allem ältere Frauen”, so pflege.de.


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Kann ich vorbeugen, und wenn ja: wie?

Davon abgesehen gibt es Faktoren, die das Entstehen von Demenz begünstigen können. Dazu zählen zum Beispiel eine geringe körperliche und mentale Aktivität, Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Depressionen. Auch psychischer Stress steht im Verdacht, die Entstehung einer Demenz-Erkrankung zu begünstigen. Wer sich hingegen regelmäßig bewegt, über soziale Kontakte verfügt, sich geistig fordert und aktiv ist/bleibt, auf eine gesunde Ernährung achtet, nicht raucht und von übermäßigem Alkoholkonsum absieht und sich entspannt und Stress reduziert, tut etwas, um mental fit zu bleiben.

Dass ein bewusster Lebensstil das Alzheimer-Risiko senken kann, zeigte auch die sogenannte „Nonnenstudie”, die von dem Epidemiologen David Snowdon ab 1986 durchgeführt wurde. Bei dieser wurden die Gehirne verstorbener Nonnen untersucht. Das überraschende Ergebnis: Einige Gehirne wiesen zum Teil extrem starke Plaque-Ablagerungen auf. Ein Zeichen für eine schwere Alzheimer-Erkrankung. Dennoch waren diese Nonnen zu Lebzeiten bis ins hohe Alter geistig und körperlich fit und aktiv. Erstaunlich – wie kann das sein? Es wurde angenommen, dass ein Lebensstil, den Nonnen gleich (Enthaltsamkeit, mentale und körperliche Aktivität und Kontemplation) das Alzheimer-Risiko senken kann.

Yoga und Meditation zur Prävention von Alzheimer-Demenz?

Auch die Wirkung von Yoga und Meditation auf Demenz und Alzheimer wurde und wird wissenschaftlich untersucht. So zeigte laut aponet.de zum Beispiel eine US-Studie, von Neurowissenschaftlern durchgeführt, dass sich bei den Personen, die an einem Yoga-Meditationskurs teilnahmen (praktiziert wurde Kundalini Yoga und die Kirtan-Kriya), das visuell-räumliche Gedächtnis verbesserte (etwa das Erinnern an Orte) und sich auch die Belastbarkeit bei Stress, einem Alzheimer-Risiko-Faktor, optimierte. aponet.de sagt: „Aufgrund ihrer positiven Ergebnisse schließen sie, dass Yoga und Meditation dabei helfen könnte, Krankheiten wie Alzheimer und Demenz vorbeugen.”

Klar ist: Wer sich regelmäßig bewegt, kann sein Blut und so natürlich auch sein Gehirn mit mehr Sauerstoff versorgen und seine Blutgefäße elastisch und gesund halten. Außerdem kann der Blutdruck gesenkt werden und das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall minimiert werden. Zudem werden die Gedanken ruhiger und klarer, das Stresslevel kann sinken. Und das nicht nur gefühlt, denn das Stresshormon Cortisol kann durch Bewegung abgebaut werden. Außerdem sollen Serotonin, bekannt als Glückshormon, und Dopamin ausgeschüttet werden, was sich positiv auf die Gemütsstimmung auswirken und das Depressionsrisiko minimieren soll – ein weiterer Demenz-Risiko-Faktor. Eine regelmäßige Yoga-Asana-Praxis kann also einiges zur Demenz-Prävention beitragen. Wichtig ist dabei nicht in erster Linie, welcher Yoga-Stil praktiziert wird, sondern dass Yoga regelmäßig und vor allem achtsam ausgeführt wird, sodass man beim Praktizieren auch mental zur Ruhe kommt.

Nicht nur der körperliche Part auf der Yogamatte spielt eine Rolle für die mentale Gesundheit. Auch Meditation kann einen großen Einfluss haben. So heißt es in der Inauguraldissertation „Meditation und Hirnalterung: Implikationen für die Demenz-Prävention” von Karl Philipp Rumpf aus dem Jahr 2016: „Eine Übersicht von Studien, die den Effekt von Meditation auf das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und die exekutiven Funktionen untersucht haben, konnte sowohl für ältere Menschen als auch Menschen mit MCI (Anmerkung YogaEasy: Mild Cognitive Impairment) sowie bereits bestehender AD (Anmerkung YogaEasy: Alzheimer-Demenz) einen positiven Effekt zeigen (Marciniak et al. 2014). [...] Meditation reduziert dabei nachweislich Angst, Stresssymptome und Depressionen, was sich wiederum positiv auf die kognitiven Funktionen auswirkt, die u.a. bei Demenzkranken ohnehin bereits eingeschränkt sind (Marciniak et al. 2014).”

Beispiele für Yoga und Meditation gegen Demenz

1. Surya Namaskar: Der Sonnengruß

Yoga zu praktizieren heißt nicht, sich ständig die ausgefallensten Yoga-Asanas auszusuchen oder besonders beweglich zu sein. Es geht vielmehr darum, den Körper regelmäßig zu bewegen, die Bewegungen achtsam auszuführen und eine bewusste Atmung mit der Bewegung zu kombinieren. So kann schon bei der Bewegung Ruhe im Geist entstehen. Jeden Tag einige Runden Sonnengruß, Surya Namaskar, das Kernstück vieler Yogastile, praktizieren, kann schon hilfreich sein.

In diesem Video kannst du einen Sonnengruß mit Lalla und Vilas Turske üben:

Yoga Video SonnengrußYogaEasy-Video abspielen

2. Kirtan-Kriya

Für die oben erwähnte Kirtan Kryia aus dem Kundalini Yoga:

  • Komm in eine aufrecht sitzende Position.
  • Deine Hände liegen entspannt auf deinen Knien.
  • Nun führst du den Daumen zuerst mit dem Zeigefinger, dann mit dem Mittelfinger und dann mit dem Ringfinger und schließlich mit dem kleinen Finger zusammen.

Dazu sagst du das Mantra „Sa – ta – na – ma” (Anfang/Geburt; Leben/Existenz; Tod/Veränderung; Wiedergeburt) und wiederholst. Also:

  • Daumen und Zeigerfinger > Sa
  • Daumen und Mittelfinger > Ta
  • Daumen und Ringfinger > Na
  • Daumen und kleiner Finger > Ma

Jede neue Runde beginnt mit Daumen und Zeigefinger.

Zunächst chantest du das Mantra eine Weile laut (etwa drei bis fünf Minuten), dann flüsterst du es genauso lange, schließlich wiederholst du es stumm in deinen Gedanken ebenfalls für drei bis fünf Minuten. Schließlich kannst du wieder lauter werden, bis du es laut singst. Natürlich kannst du die Zeit auch kürzen, wenn sie dir zu lange ist. Dabei solltest du dieses Zeit-Verhältnis berücksichtigen.

„Je mehr du gedacht, je mehr du getan hast, desto länger hast du gelebt.”

Immanuel Kant


Achtung: Aufgeführte Tipps ersetzen nicht die Diagnose und Behandlung durch einen Arzt, sondern können als mögliche Ergänzung betrachtet werden. In jedem Fall sollte der Arzt vorab befragt werden, ob genannte Bewegungen durchgeführt werden können.

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