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Bild: Shutterstock

Für eine starke Lunge: Yoga bei Lungenentzündung

Von Saskia Schmitz-Tietgen

Wenn es im Brustkorb rasselt

Gerade in der kalten Jahreszeit sind sie kaum vermeidbar: die üblichen lästigen Erkältungskrankheiten. Wenn es dann im Brustkorb rasselt, quietscht oder pfeift, macht die eigene Yoga-Praxis meist nur halb so viel Spaß. Jetzt heißt es, den Fuß vom Yoga-Gaspedal zu nehmen und zu entspannen. Und hat sogar eine echte Lungenentzündung zugeschlagen, sind in jedem Fall Bettruhe und eine Auszeit angesagt.

Aber was genau ist eine Lungenentzündung, und wie unterscheidet sie sich von einer lästigen, aber harmlosen Erkältung? Wie lange sollte ich pausieren? Ab wann kann ich wieder mit der Yoga-Praxis beginnen, und worauf sollte ich achten? 

Was passiert in meinem Körper bei einer Lungenentzündung?

lungenentzuendung pneumonie yoga illustration

„In Deutschland erkranken jährlich 350.000 bis 500.000 Menschen an einer ambulanten – außerhalb eines Krankenhauses erworbenen – Pneumonie” (s. Lungeninformationsdienst), so wird die Lungenentzündung in der Fachsprache genannt. Es handelt sich dabei um eine akute oder chronische Entzündung der Lungenbläschen (Alveolen) und/oder des Lungengewebes. Insbesondere „in Zeiten starker Grippewellen, d.h. speziell im Winter, liegt die Zahl noch deutlich darüber (...) Die Pneumonie ist die häufigste zum Tode führende Infektion in Westeuropa.” (laut Lungenärzte im Netz).

Wenn wir uns sowieso schon angeschlagen fühlen und zum Beispiel mit einer Erkältung kämpfen, schwach oder chronisch krank sind, haben Erreger der Lungenentzündung, meist Bakterien wie die Pneumokokken (aber auch Viren oder Pilze), leichteres Spiel, und es kann schneller zu einer Pneumonie kommen. 

Der klassische Erkrankungsweg erfolgt über die Tröpfcheninfektion. Das heißt, wir atmen winzige Tröpfchen ein, die eine andere, kranke Person über Husten, Sprechen oder Niesen um sich herum verteilt hat. Die Krankheitserreger können dann über den Nasen-Rachen-Raum in die Lunge gelangen und dort die Erkrankung auslösen. 


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Erkältung oder Lungenentzündung – woran erkenne ich den Unterschied?

Je nachdem, welcher Erreger die Lungenentzündung verursacht hat, unterscheiden sich die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung, sowie die Symptome. Die bakterielle Lungenentzündung beginnt typischerweise meist mit plötzlichem Fieber (über 38,5 Grad), Schüttelfrost, starkem Husten (anfangs trocken, später produktiv), Atem- und/oder Luftnot (schnelle und flache Atmung sowie „Nasenflügel-Atem”), einem allgemeinen Krankheitsgefühl und Gliederschmerzen, zum Beispiel Schmerzen in der Brust. 

Es gibt aber auch atypische Verläufe, bei denen die Symptome milder sind – je nach Gesundheitszustand der Person und Erreger-Typ. Eine Bronchitis und eine Pneumonie können sich stark ähneln, weisen aber auch Unterschiede zueinander auf. So verläuft eine Bronchitis meist nicht so stark wie eine Lungenentzündung, häufig ohne hohes Fieber und mit weniger ausgeprägten Atembeschwerden. Doch um was genau es sich handelt, kann letztlich nur ein Arzt mit Gewissheit sagen. Deshalb und da eine Lungenentzündung einen schweren Verlauf nehmen und zudem ansteckend sein kann, solltest du bei entsprechenden Symptomen nicht lange zögern, sondern einen Arzt aufsuchen, anstatt lange selbst an dir „herumzudoktern”. So kann er schnell mit der passenden Therapie beginnen.

Was tun bei einer Lungenentzündung?

Bei einer Lungenentzündung solltest du unbedingt zu Hause bleiben – strenge Bettruhe ist angesagt. Anstrengende Tätigkeiten, so auch eine fordernde Yoga-Praxis, gehören jetzt nicht auf deinen Zettel. Zum Glück ist Yoga aber mehr als die körperliche Praxis auf der Matte. Um den Heilungsprozess zu unterstützen, kannst du achtsames tiefes Atmen (mehr dazu siehe unten) und Meditation praktizieren. Und vielleicht entdeckst du (wenn du nicht schon ein Pranayama- und Meditationsfan bist) bei dieser Gelegenheit ja, wie wohltuend und bereichernd diese nicht ganz so körperlichen Praktiken sind. 

Tipp: Wichtig ist jetzt, dass du viiiieeel trinkst, damit sich die Entzündungssekrete in deinen Atemwegen lösen können. Außerdem gleicht das Trinken den Flüssigkeitsverlust durch das Fieber aus. Frischer Ingwertee ist lecker und auch aus ayurvedischer Sicht gut geeignet. Hier ein tolles Rezept: „Je nach Geschmack können eine oder mehr Scheiben frischer Ingwer mit kochendem Wasser übergossen werden, 10 Minuten oder länger ziehen lassen, im Laufe des Vormittags trinken. Ingwerwasser sollte nur bis ca. 14 Uhr getrunken werden, weil es das Verdauungsfeuer anregt und dadurch auch appetitanregend wirkt, abends aber nicht so viel gegessen werden sollte. Außerdem wirkt es anregend und könnte abends den Schlaf stören.”

Wie lange dauert eine Lungenentzündung? 

Nach zwei bis drei Wochen ist die Erkrankung meist abgeklungen. Aber auch wenn du dich wieder fit fühlst und am liebsten gleich richtig loslegen möchtest auf der Yogamatte, vollständig abgeheilt ist die Infektion dann oft noch nicht. Deshalb ist Geduld gefragt. Und vor allem ist es wichtig, dass du deine verordneten Medikamente bis zum Schluss einnimmst, auch wenn du dich schon wieder tiptop fühlst. Denn nur so ist eine vollständige Ausheilung und Genesung gewährleistet.

Yoga-Übungen, die deine Heilung unterstützen und deine Lunge präventiv stärken

Während der akuten Phase mit hohem Fieber ist es ratsam, im Bett zu bleiben und dich zu schonen. Sobald es dir aber besser geht, kannst du „Atemgymnastik” machen. So nennen das jedenfalls westliche Mediziner – bei uns Yogis heißt das dann Pranayama.

Eine regelmäßige Pranayama-Praxis kann dir ganz allgemein helfen, die Lunge nach einer Entzündung zu kräftigen und Pneumonien zukünftig vorzubeugen – ganz nach Hippokrates' Motto „Vorbeugen ist besser als heilen”. Besondern gut ist es, wenn du die Atemübungen direkt am Morgen nach dem Aufwachen durchführst, da sich über Nacht meist Entzündungssekret angesammelt hat, das du jetzt mittels der Übungen beseitigt kannst.

Folgende Atemtechniken sind besonders empfehlenswert:

1. Bewusste Atmung

Diese Übung ist weniger eine konkrete Pranayama-Übung als vielmehr eine Umgewöhnung: Um dein eingeschränktes Lungenvolumen auch langfristig und präventiv zu erweitern, solltest du im Alltag so oft wie möglich eine entspannte, tiefe Atmung praktizieren. Wann immer du merkst, dass du hektisch und mit verspanntem Oberkörper atmest, kannst du bewusst und achtsam deine Verspannungen loslassen und sanft deine Atmung vertiefen – und langsam zu einer genussvollen, befreienden Vollatmung übergehen... Fantastisch! 

Die folgende – kurze und auch für totale Anfänger geeignete – Yogapraxis mit Anna Trökes widmet sich ausführlich der bewussten Atmung:

Yoga Video Atem-YogaYogaEasy-Video abspielen

2. Atmen mit Lippenbremse und Ujjayi-Pranayama

Eine tolle Übung ist auch die Atmung mit der Lippenbremse: Dabei öffnest du die Lippen einen Spalt und atmest wie gegen einen Widerstand aus. Dadurch entsteht ein erhöhter Druck in der Lunge, der die Atemwege bis in die kleinsten Verästelungen öffnet, was das Zusammenfallen der Bronchien effektiv verhindert. Außerdem kann damit Schleim besser abtransportiert werden.

Ausführung

  1. Setze dich am besten aufrecht und gerade hin – ein Sitzkissen ist oft hilfreich, um um die Aufrichtung deines Rückens zu gewährleisten.
  2. Beginne nun, durch die Nase einzuatmen und wie gegen einen Widerstand mit leicht geschürzten Lippen (die Lippen dabei wie zum Kussmund geformt) auszuatmen – dabei darf ein rauschender Ton entstehen.
  3. Praktiziere diese Übung so lange sie für dich angenehm erscheint. Achte darauf, dass du nicht zu stark presst, sondern ein Gefühl von Leichtigkeit vorherrscht.

Empfindest du diese Atmung als angenehm, kannst du auch allmählich die Ujjayi-Atmung praktizieren. Sie funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip, nur dass die Lippen bei der Atmung geschlossen bleiben und dass auch die Einatmung verlängert wird, indem du die Stimmritze verengst.

Hier erklärt dir Dr. Ronald Steiner ausführlich die Ujjayi-Atmung:

Yoga Video Pranayama: Ujjayi-AtemYogaEasy-Video abspielen

3. Klopfmassage

Hilfreich ist auch die sogenannte Klopfmassage. Sie kann dabei helfen, das Entzündungssekret zu lösen und die Beschwerden bei einer Pneumonie zu lindern.

Ausführung

  1. Dafür kannst du lockernd mit deinen Fingerspitzen deinen Brustkorb abklopfen – vorne, an den Seiten, unten an den untersten Rippen und hoch bis zu den Schlüsselbeinen.
  2. Entscheide achtsam, wie stark du Klopfen möchtest.
  3. Du kannst auch (d)eine/n Freund/in fragen, ob er/sie den Brustkorb hinten – also den Rücken – entsprechend abklopft.

Lege den Fokus beim Klopfen auf die Ausatmung, damit du das gelöste Sekret nicht direkt wieder einatmest.

Tipps für die Yoga-Praxis nach einer Lungenentzündung

Ist die akute Phase der Erkrankung überstanden und hast du das Okay vom Arzt, kannst du allmählich wieder mit deiner Asana-Praxis loslegen. Aber lass es langsam angehen! Sanftes Yin oder Hatha Yoga sind jetzt besonders gut geeignet. Lege deinen Fokus auf Asanas, die Weite im Brustkorb kreieren und die Lunge gut belüften. Moderate Rückbeugen, aber auch entspannte Vorbeugen, die die Rückseite des Brustkorbs dehnen, sind jetzt perfekt.

1. Kobra (Bhujangasana)

Die Kobra ist eine sanfte Rückbeuge, die deinen Brustkorb öffnet und dir so wieder mehr Raum zum Atmen verschafft.

Ausführung

  1. Die Fingerspitzen zeigen nach vorne. Auch hier gilt es, das Schambein in die Matte zu drücken und leichten Druck auf den Fußspann zu geben.
  2. Nun hebst du nur aus der Kraft des Rückens den Brustkorb. Schiebe die Schultern nach hinten und unten. Vermeide es, dich mit den Händen nach oben zu drücken. Dadurch entsteht zu viel Druck auf dem unteren Rücken.
  3. Auch hier kannst du einige Atemzüge nehmen, dich anschließend für eine kurze Pause ablegen und dann das Ganze einige Runden wiederholen.

Hier erklärt dir Petros Haffenrichter noch mal genau, wie du die Kobra korrekt ausführst:

Yoga Video Kobra - BhujangasanaYogaEasy-Video abspielen

2. Sphinx (Salamba Bhujangasana)

sphinx_salamba_bhujangasana

Die Sphinx ist eine Variation der Kobra, die ebenfalls deinen Brustkorb weitet und den Rücken stärkt.

Ausführung

  1. Für die Sphinx komme auf den Bauch und lege die Unterarme auf den Boden.
  2. Ellenbogen und Schulter stehen übereinander, die Handflächen liegen flach auf.
  3. Achte darauf, dein Schambein in die Matte zu drücken, um den unteren Rücken zu schonen und leichten Druck auf den Fußspann zu geben.
  4. Gib Druck in die Arme und heben deinen Brustkorb. Der Blick geht geradeaus. Atme lang und tief.
  5. Anschließend lege dich für eine kurze Pause flach ab und wiederhole die Übung. 

Ist dir diese Rückbeuge zu intensiv, kannst du auch ein Yoga-Bolster zur Unterstützung unter deinen Bauch legen.

3. Schulterbrücke (Setu Bandhasana) mit Block

Ebenfalls angenehm kann jetzt die unterstützte Schulterbrücke sein.

Ausführung

  1. Lege dich flach auf den Rücken. Stelle die Füße parallel und hüftbreit geöffnet auf. Mit den Fingern kannst du gerade eben noch die Fersen berühren.
  2. Nun gib Druck auf die Füße und hebe dein Becken.
  3. Stelle einen Block (am besten aus Kork, da dieser nicht einsinkt) in den unteren Rücken, in den Kreuzbeinbereich. Schaue, welche Höhe des Blocks für dich angenehm ist. Vielleicht beginnst du mit der niedrigsten Stufe und gehst allmählich etwas höher.
  4. Atme lang und tief und entspanne dich hier ruhig für ein paar Minuten. 

Wanda Badwal erklärt hier noch mal die genaue Ausführung der Schulterbrücke:

Yoga Video Tutorial: Asana – die Schulterbrücke (Setu Bandha Sarvangasana)YogaEasy-Video abspielen

4. Stehende Vorbeuge (Uttanasana)

Eine klassische Vorbeuge im Yoga ist Uttanasana. Sie entspannt den ganzen Oberkörper und löst auch Verspannungen in Schulter und Nacken und erleichert so eine entspannte Atmung.

Ausführung

  1. Dafür kannst du aus der Bergposition (Tadasana) beide Arme über den Kopf führen, dich lang machen und strecken und dich dann aus der Hüfte heraus nach vorne beugen.
  2. Lass dabei im Rücken, den Schultern und im Nacken los. Versuche Länge im Rücken zu kreieren.
  3. Ist der Druck in deinen Beinrückseiten groß, beuge die Beine einfach leicht.
  4. Atme tief in deinen Rücken und schaukle vielleicht leicht etwas hin und her.
  5. Anschließend kannst du dich Wirbel für Wirbel wieder nach oben zum Stehen rollen.
  6. Wiederhole die Übung einige Male.

Vilas Turske gibt dir im folgenden Video detaillierte Anweisungen zur stehende Vorbeuge:

Yoga Video Detail in uttanasana und ardha uttanasana - Vorbeuge aus dem Stand und halbe Vorbeuge aus dem StandYogaEasy-Video abspielen

Wichtig ist – und das gilt nicht nur für die Yoga-Praxis nach einer Erkrankung, sondern generell –, dass du achtsam und behutsam mit deinem Körper umgehst, Grenzen akzeptierst und dir keinen Druck machst.

Achtung: Unsere Tipps ersetzen natürlich nicht die Diagnose und Behandlung durch einen Arzt, sondern sind als wohltuende Ergänzung zu notwendigen medizinischen Maßnahmen gedacht. In jedem Fall sollte der Arzt vorab befragt werden, inwieweit spezielle Übungen für dich geeignet sind. 

Illustration: Shutterstock

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