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Meat or no meat, das ist hier die Frage

Von Petra Orzech

Jahrzehntelang galt der Verzehr von Fleisch als Ausdruck für Wohlstand – sowie nach dem Motto „Lebenskraft durch Leberwurst“ für Gesundheit. Große Mengen Schnitzel, Hack und Wurst zu verzehren, ist heute dagegen keineswegs mehr erstrebenswert. Der Verzicht auf Fleisch ist gesellschaftlich akzeptiert – er gilt sogar als chic und vorbildlich. Dabei bilden Vegetarier keine einheitliche Gruppe von Menschen, da Gründe, Formen und Ziele ihrer Ernährungsweise recht unterschiedlich sind.

PYTHAGORAS WAR BEKENNENDER VEGETARIER

Pythagoras (570–510 v. Chr.) – bekannt aus dem Mathematikunterricht – war einer der ersten bekennenden Vegetarier. Der griechische Philosoph lehrte, dass der Mensch pflanzliche Lebensmittel verzehren sollte, so dass man lange Zeit auch von einer „pythagoreichen Diät“ sprach. Antike Vegetarier betrachteten Fleischnahrung als nachteilig für ihre philosophischen Bestrebungen und diskutierten die Frage, ob es ethische Pflichten gegenüber den Tieren gibt.

Unabhängig vom griechischen Kulturkreis entwickelte sich der Vegetarismus in Indien. Strengen Vegetarismus praktizieren alle Anhänger des Jainismus und einzelne Richtungen des Hinduismus sowie manche Buddhisten. Die Motivation ist im Prinzip stets dieselbe: Das Gebot der Gewaltlosigkeit untersagt das Verletzen und Töten von Lebewesen und verbietet es, davon zu profitieren. Fleischverzehr wird als Ursache schlechten Karmas aufgefasst. Milch und deren Produkte sind dagegen in diesen asiatischen Traditionen erlaubt.

Das Prinzip der Gewaltlosigkeit findet sich auch in den alten Yogaphilosophien wieder: Ahimsa bezieht Menschen und Tiere ein – davon ausgehend, dass die Seelen von Menschen und Tieren sich dem Wesen nach nicht unterscheiden. Ahimsa bedeutet Mitgefühl, Friedlichkeit und Liebe gegenüber anderen – ist aber kein Gebot. Verletzt jedoch jemand Ahimsa, entstehen im Sinne der Karma-Gesetze Konsequenzen für das eigene Leben. Dieses Prinzip des „Nicht-Verletzens“, welches aus den Sutren von Patanjali stammt, wird von vielen praktizierenden Yogis in ihrer Ernährungsweise berücksichtigt. So leben etwa die Jivamukti-Yogis vegan. Aber ein eindeutiges Gebot für Yogis, auf Fleisch verzichten zu müssen, existiert nicht. Gefragt ist eher eine Entscheidung aus einem persönlichen Verantwortungsgefühl.

Auch das Ayurveda fordert nicht ausdrücklich, Fleisch aus dem Speiseplan zu verbannen. Die indische Heilkunst teilt Lebensmittel in drei Qualitäten ein: Sattwa, Rajas und Tamas. Fleisch, Fisch und Geflügel haben die Qualität Tamas, die dem Körper bei der Verdauung viel Energie entzieht, träge machen und Krankheiten begünstigen soll. Daher wird der Genuss dieser Lebensmittel eingeschränkt empfohlen. Ratsam ist laut Ayurveda eine vorwiegend sattwische Ernährung mit Milchprodukten, Getreide, Früchten und Gemüse.

DER ETHISCHE ASPEKT IST BIS HEUTE EINER DER HAUPTGRÜNDE, WARUM MENSCHEN AUF FLEISCH UND TIERISCHE PRODUKTE VERZICHTEN

Laut der vom Bundesministerium für Ernährung veröffentlichten „Nationalen Verzehrstudie“ von 2007 plagt der Gedanken an das Leid der Tiere eine wachsende Zahl junger Frauen – doppelt so viele wie Männer. Nach Angaben der Europäischen Vegetarier Union leben neun Prozent aller Deutschen vegetarisch, eine im europäischen Vergleich recht hohe Zahl: Die meisten anderen Länder bleiben unter fünf Prozent. Die Pflanzenesser, noch eine Minderheit, werden jedoch mehr. 1961 verdrückten die Deutschen laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinigten Nationen jährlich 65 Kilogramm Fleisch pro Person, Ende der achtziger Jahre waren es rund 100 Kilogramm. Heute sind es 12 Kilo weniger.

Dieser Rückgang hat auch gesundheitliche Ursachen. Zivilisationskrankheiten als Folge falscher Ernährungs- und Bewegungsweisen sind bei Vegetariern seltener – für viele ein Grund, Fleisch zu meiden. Pflanzliche Kostformen wirken sich dagegen positiv auf unter anderem Blutdruck, Cholesterinwerte, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gicht, Diabetes und Darmkrebs aus. Auch nicht ganz uninteressant: Überflüssige Kilos verschwinden bei einer bewussten Ernährungsweise häufig ganz nebenbei und ohne Jo-Jo-Effekt. Denn Vegetarismus ist keine Diät, sondern eine bewusste und gesunde Ernährungsform – es sei denn, man ist „Pudding-Vegetarier“.

Untergruppen im Vegetarismus kennzeichnen entsprechende Vorsilben, die darauf hinweisen, welche Produkte tierischen Ursprungs erlaubt und verboten sind. Ovo-Lacto-Vegetarier verzichten auf Fleisch und Fisch, nicht aber auf Eier und Milchprodukte. Der Lacto-Vegetarier isst weder Fleisch noch Fisch, keine Eier und keinen Honig. Veganer ernähren sich ausschließlich von pflanzlichen Produkten. Die vegane Ernährung meidet auch Produkte, die Gelatine enthält, außerdem achten Veganer bei Kleidung, Kosmetik und Medikamenten auf Tierprodukt- und Tierversuchsfreiheit. Dieses hohe Maß an Verzicht und Disziplin mögen sich in Deutschland weniger als 0,5 Prozent der Bevölkerung auferlegen.

„Pudding-Vegetarier“ sind da deutlich lässiger: Die Wursttheke ist tabu, Regale mit Süßigkeiten und Fertiggerichten allerdings werden gern besucht. Diese Form der fleischlosen Ernährung ist meist bei Jugendlichen aus ethischen und moralischen Gründen angesagt. Für sie steht die Gesundheit im Hintergrund. Extremer wiederum als sogar der Veganer ernährt sich der Frutarier. Die Idee: Als Nahrung kommen nur pflanzliche Produkte in Frage, die nicht die Pflanze zerstören, von der sie stammen. Ein „Ja“ gibt es daher für Beeren, Nüsse und Samen. Schwierig wird es mit Pflanzenbestandteilen wie Knollen, Blättern oder Wurzeln. Und ganz nebenbei mit der Nährstoffversorgung.

Bei den moderateren Formen des Vegetarismus liegt dagegen kein Grund vor, eine Mangelernährung befürchten zu müssen. Im Gegenteil. Meist erweisen sich Vegetarier – vermutlich auch aufgrund eines insgesamt hohen Ernährungswissens – als überdurchschnittlich gesund. Die Mär von einer Proteinunterversorgung gilt nicht mehr: Ein Zuviel an tierischen Proteinen kann sich sogar ungünstig auf die Gesundheit auswirken. Auch die angeblich kritischen Faktoren einer vegetarischen Kost, wie die eher in Fleisch vorkommenden Vitamine D und B12 sowie Kalzium, werden zwar insgesamt weniger aufgenommen, kommen aber nicht so zum Tragen wie bei den „Alles-Essern“: Kalziumräuber wie Cola oder Schmelzkäse stehen in der Regel nicht auf dem Speiseplan eines Vegetariers, der sich laut Untersuchungen allgemein mehr bewegt, weniger Alkohol trinkt, und Raucher findet man ebenfalls eher selten unter ihnen. Mangelprobleme: Fehlanzeige. Und natürlich hat der hohe Verzehr von Gemüse und Obst mit seinen sekundären Pflanzenstoffen eine schützende Wirkung für den Organismus – die keine Vitamin-Tablette bieten kann.

FLEISCHVERZICHT IST ALSO FÜR DEN MENSCHEN AUS GESUNDHEITLICHEN, FÜR DIE TIERE AUS ETHISCHEN UND FÜR DIE UMWELT AUS ÖKOLOGISCHEN GRÜNDEN GUT

Lebensmittel tierischen Ursprungs schädigen das Klima erheblich mehr als pflanzliche Produkte. Global ist die Haltung von Nutztieren für 18 Prozent der durch den Menschen verursachten Treibhausgase verantwortlich. Das ist mehr als der gesamte weltweite Verkehr verursacht, hat die FAO (Food and Agriculture Organisation) 2009 errechnet. Wer als Vegetarier auf Fleisch verzichtet, aber Milchprodukte verzehrt, sollte sich jedoch der Tatsache bewusst sein: Von unseren Lebensmitteln tragen Milchprodukte den größten Anteil an Treibhausgasemissionen bei. Butter ist ein echter Klimakiller, gefolgt von Käse, Sahne, Eiern und Milch, Rindfleisch liegt gleich an nächster Stelle. Es belastet deutlich stärker als das Fleisch von Geflügel oder Schwein, bedingt durch den Methanausstoß und dem Futtereinsatz bei den Rindern. Die Treibhauswirkung von frischem (keine Tiefkühlware!) Gemüse liegt bis zum 300fachen unter der von frischem Fleisch.

Also nur noch Grünzeug und Soja? Auf den ersten Eindruck beeindruckt die Ökobilanz der Sojabohne tatsächlich. Pro Kilogramm Soja fallen zirka 200 Gramm CO2 an, für ein Kilogramm Rindfleisch sind es 13 000 Gramm CO2. Da die rohe Sojabohne nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist, muss sie allerdings eingeweicht, püriert, gekocht, ausgepresst werden und, und, und. So werden für 1 Kilogramm Tofu letztendlich auch bis zu 3000 Gramm CO2 im Umlauf gebracht – etwa so viel wie ein Kilo Hähnchenfleisch aus Massentierhaltung.

Wir hinterlassen mit jedem Nahrungsmittel einen „ökologischen Fußabdruck“. Wollen wir noch länger gesund und ethisch korrekt auf diesem Planeten leben, sollte er allerdings nicht unnötig groß ausfallen. Tierische Produkte in Maßen oder gar nicht zu essen, ist in jeden Fall sinnvoll und dient der Karma-Bilanz. Appetit bekommen? Dann versuche dich doch mal an unseren frühlingsfrischen Veggi-Rezepten.

Buchempfehlungen:

Anständig essen von Karen Duve, Verlag Galiani, Berlin, ISBN-10 9783869710280
Tiere essen von Jonathan Safran Foer, Kiepenheuer & Witsch, ISBN-10 9783462040449

Weitere Infos und Veranstaltungen:

www.peta.de
www.veggi-street-day.de