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Bild: YogaEasy.de

Ahimsa. Oder: Weg vom Ich, hin zum Wir.

Von Madhavi Guemoes

Die fünf Yamas sind ethische Richtlinien, wie wir klug mit anderen Lebewesen umgehen sollten und Frieden fördern können. Ahimsa gilt als das wichtigste ethische Grundprinzip im Yoga.

Wir wissen ja nicht, wie ihr den Sommer wahrgenommen habt, aber wir sind gänzlich überfordert: Eine Welle des Terrors bricht über uns ein, ein islamischer Staat richtet die schlimmsten Verbrechen an Frauen an, Flüchtlinge ertrinken in den Meeren vor Europa, und Ebola zeigt einmal mehr, dass die erste die dritte Welt auf Abstand hält, während wir kräftig weiter Waffen in die Kriegsgebiete schicken.

Was hat das mit Yoga zu tun?

Mehr denn je ist unsere Yogapraxis gefordert. Aber nicht, um abzuschalten, uns noch schöner zu fühlen, oder ein knackiges Hinterteil zu formen. Diesmal geht es nicht darum, Ahimsa auf uns zu beziehen. Sicherlich ist es wichtig zu beobachten, wie wir mit uns selbst umgehen und die eigenen Grenzen tolerieren, keine Frage!

Ahimsa mutig in die Welt  hinaustragen, aber wie?

Unrealistisch ist, dass wir in einen Krieg ziehen, um Frieden zu stiften. Wir könnten in Afrika aushelfen, aber die Bürokratie lässt uns nicht. Was können wir also tun, um den Fokus von unserem "narzistischen Ich" zu nehmen und wirklich das erste Yoga-Prinzip, also Ahimsa, wirklich ernst zu nehmen?

Richtig! Wir können klein anfangen. Jeder Schritt zu Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Offenheit und Toleranz zählt. Ein Yogalehrer, Chris Chavez, den ich aufrichtig schätze, hat letztes Jahr mit seinen Schülern, als es in Istanbul so viele Unruhen gab, einfach seine Yogamatte zwischen Demonstranten, Polizisten und Tränengas ausgerollt und mittendrin Yoga unterrichtet. Es mag verrückt klingen, doch er hat tatsächlich etwas damit bewirkt. Wie mutig!

Aber es fängt schon viel früher an. Ich beobachtete mal eine Frau, die ich vom Yoga kannte. Sie kam fünf Mal die Woche ins Yogastudio. Schwitzte, stöhnte und lächelte selig. Eines Tages stand sie in einem Bioladen vor mir an der Kasse. Sie motzte mit hochrotem Kopf die Kassiererin an und benahm sich vollends daneben. Zwei, dreimal sah ich sie wieder an besagter Stelle, und immer wieder gab es Gemecker wegen Nichtigkeiten. Von Ahimsa keine Spur.

Gewaltlosigkeit in Schrift, Wort und Tat

So schwer von der Yogamatte in den Alltag umzusetzen. Wenn jeder Einzelne von uns mehr Ahimsa in seinen Alltag integrieren würde (statt sich um ein sehr, sehr aufwendiges Sanskrit-Studium zu bemühen oder die Yoga-Sutren auswendig zu lernen), und nicht ignorant und egoistisch nur nach seinen Vorzügen leben würde, ach, die Welt wäre schon bei weitem erträglicher.

Wir können uns folgende Fragen stellen: Wie gehe ich mit meinem Partner um? Meinen Kindern? Meinen Freunden? Ja, auch meinen Feinden? Wie sind meine Worte, wie ist mein Handeln, mein Denken? Wo ist Ahimsa?

Yoga beginnt zwar auf der Matte, aber hört da sicherlich noch lange nicht auf.

Merke: Wer Ahimsa praktiziert, entwickelt Mut, Aufrichtigkeit und reduziert Schadenfreude, Sarkasmus, Ironie und Spott. Hört sich gut an? Fangen wir an!