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Bild: Shutterstock.com

Die wichtigsten Götter im Hinduismus

Von Katharina Goßmann

Im hinduistischen Himmel geht es zu wie in einem Einkaufszentrum zum Sommerschlussverkauf. Weil es außerdem im Hinduismus keine zentrale Stelle gibt, die festlegt, was denn nun genau zum Hinduismus gehört (wie etwa in der katholischen Kirche den Vatikan), existieren in Indien eine Vielzahl von Geschichten zu den einzelnen hinduistischen Göttern, die sich teilweise widersprechen oder ganz verschiedene Aspekte des jeweiligen Gottes betonen. Ganz schön verwirrend!

Es gibt aber einige Götter, auf die sich die so gut wie alle Hindus einigen können. Wir stellen euch die wichtigsten vor, mit ihren bekanntesten Eigenschaften, ihrer Gatt(inn)en und ihren Erkennungsmerkmalen.

Brahman und Ishvara, der Ursprung der Götterwelt

Die wichtigste Kraft im hinduistischen Glauben ist Brahman, das allmächtige kosmische Bewusstsein ohne jegliche Eigenschaften.

Wenn sich Brahman manifestiert, wird es zu Ishvara, einem Gott mit einer Form und Eigenschaften, der sich in so gut wie allen Aspekten des manifesten Universums zeigen kann.

Die bekanntesten Erscheinungsformen von Ishvara sind Brahma (s.1.), Vishnu (s. 2.) und Shiva (s. 3.). Sie bildet eine Trinität (Trimurti), also Dreieinigkeit: Brahma erschafft unser Universum, Vishnu erhält es, Shiva zerstört bzw. transformiert es, um es von Bösem zu befreien. Dazu gibt es im Englischen übrigens ein schönes Wortspiel: G.O.D. (also Gott) steht für „Generator, Operator, Destroyer“, also Schöpfer, Erhalter, Zerstörer.

Außerdem gibt es da noch die weibliche Ur-Göttin Devi (s. 4.), die die weibliche Seite/Energie repräsentiert. 

So gut wie alle anderen beliebten Götter des Hinduismus sind mit diesen vier Göttern auf die eine oder andere Weise verbunden.


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1. Brahma, der Schöpfer der Welt

Brahma ist die älteste Erscheinungsform von Ishvara. Als Manifestation von Brahman erschuf er in tiefer Meditation das Universum. Unsere Welt ist also letztlich eine Phantasie von Brahma.

Meist sitzt Brahma auf einer Lotusblüte, hat vier Köpfe und hält in seinen vier Händen meist die Veden (Symbol für Weisheit), eine Lotusblüte (Schöpfung), eine Japa Mala (den hinduistischen Rosenkranz, denn Brahma ist bekannt als Weltenlehrer, als Guru) und die Bettelschale Kamandalu (weil er, obwohl Schöpfer des Universums, nur ein Bettler ist, der seine ganze Kraft von Brahman bezieht) oder macht eine andere empfangende Geste.

 

Saraswathi, die Göttin der Weisheit

Während Brahma kein besonders beliebter Gott ist, kann sich seine Gattin Saraswathi vor Fans kaum retten. Sie gilt als Göttin des Wissens, der Sprache, der Wissenschaften, der Künste, der Musik und wird besonders von Intellektuellen und Philosophen bewundert und allen, die lernen – Schülern, Studenten, Wissenschaftlern.

Wie ihr Gatte Brahma sitzt sie meist auf einer Lotublüte und hält oft in zwei ihrer vier Hände die Veden und eine Lotusblüte. Am einfachsten erkennt man sie aber an ihrer indischen Laute (Veena).

 

2. Vishnu, der Erhalter der Welt (auch Narayan oder Hari genannt)

Vishnu bildet als Erhalter das Gleichgewicht zwischen Brahma, dem Schöpfer (s. 1.) und Shiva, dem Zerstörer (s. 3.).

Meist hält in zwei seiner vier Hände das Muschelhorn Shank (das den kosmischen Klang und damit die Energie des Universums symbolisiert) und eine Lotusblüte (die die Schöpfung symbolisiert) und in den anderen zwei Händen den Diskus oder das Feuerrad und die Keule, die Zerstörung symbolisieren. Manchmal wird auch mit oder auf der Weltenschlange Ananta dargestellt oder mit seinem Reittier, dem Adler Garuda (nach dem die yogische Adler-Übung Garudasana benannt ist).

Er steht für Liebe, Friede, alles Gute und ist der Gott der Karma Yogis, der selbstlos Dienenden.

 

Lakshmi, die Glücksgöttin

Die Göttin des Glücks, der Fülle, der Schönheit und des Reichtums ist Vishnus Gattin. Gemeint sind aber nicht oberflächliche Schönheit und die Ansammlung materieller Reichtümer, sondern wirklicher Wohlstand, der sowohl aus einer guten materiellen Versorgung besteht (in Indien keine Selbstverständlichkeit!), wie auch auch aus moralischer und mentaler Stärke. So ist Lakshmi die Manifestation der positiver Eigenschaften von Vishnu und gibt - wie eine gute Mutter - allen Lebewesen das, was sie brauchen.

Sie wird meist stehend auf einer Lotusblüte dargestellt, und hält auch in zwei ihrer vier Hände Lotusblüten, mit den anderen zwei Händen segnet sie ihre aufrichtigen Verehrer mit Wohlstand (symbolisiert durch eine „goldene Hand“ bzw. Gold, das aus ihrer Hand fließt sowie der Segensgeste Anhaya Mudra).

Rama, der perfekte Liebhaber

Rama ist die siebte Inkarnation von Vishnu. Bekannt ist er durch das indische Nationalepos Ramayana. Rama zeigt, wie ein Mensch in dieser Welt ein ideales Leben führen kann - in allen Bereichen: als Herrscher wie als Vater, Ehemann, Sohn und Freund. Rama und seine Gattin Sita gelten auch deshalb in Indien als perfektes Liebespaar – wie Romeo und Julia bei uns im Westen, nur mit Happy End. Deshalb hat jedes anständige hinduistische Ehepaar im Schlafzimmer ein Bildnis von Rama und seiner Gattin Sita hängen.

Rama wird fast immer mit seinem Bogen dargestellt, mit dem er das Gute verteidigt und die Dämonen, also unsere schlechten Eigenschaften, besiegt. 

 

 

 

Hanuman, der loyale Affen-Gott

Hanuman ist in der Ramayana der treue General von Rama. Er sieht sich als ergebener Diener von Rama und Sita und wird deshalb oft mit ihnen dargestellt. Manchmal wird er auf Bildnissen mit offenen Herzen gezeigt, in dem Sita und Rama sitzen. Hanuman gilt deshalb als perfekter Bhakti Yogi, also Gottes-Verehrer. So sprang er etwa mit einem Satz von Indien nach Sri Lanka, um Rama lebenswichtige Kräuter aus dem Himalaya zu besorgen. Dise Geschichte ist übrigens der Ursprung der yogischen Übung Hanumanasana (Spagat).

Hanuman gilt zudem als Sohn oder Gott des Windes - weshalb er manchmal fliegend dargestellt wird - und ist daher der Schutzherr der yogischen Atemübungen Pranayama

In Indien wird er aufgrund seiner schier grenzenlosen Kraft und seines muskulösen Körpers zudem vom Sportlern und Bodybuildern verehrt.

Krishna, der blaue Flötenspieler

Krishna ist die achte Inkarnation Vishnus und die Manifestation des unendlichen kosmischen Bewusstsein in menschlicher Form. In den Bhagavad Gita erklärt Krishna den Yoga, und auch sonst ranken sich um Krishna Hunderte von Legenden – von wundersamen Begegebenheiten während seiner Kindheit, die seine Göttlichkeit offensichtlich machten bis zu Gerüchten über wilde Affären mit den Gopis, den Kuhhirtinnen. Krishna wird in Indien rege verehrt und auch in deutschen Fußgängerzonen erschallt noch regelmäßig das „Hare Krishna“. 

Krishna wird meist mit blauer Hautfarbe (blau symbolisiert das unendliche Bewusstsein) und gelber Kleidung dargestellt (gelb als Farbe der Erde symbolisiert, dass dieses Bewusstsein durch den menschlichen Körper begrenzt wird). Als Kind musste sich Krishna vor dem bösen Herrscher Kamsa verstecken, dem prophezeit worden war, dass Krishna ihn töten würde (wie es später auch geschah). Deshalb wuchs Krishna zunächst als Hirtenjunge auf, weshalb ihn Bildnisse oft umgeben von Kühen zeigen. Da Krishna außerdem alle mit seinem wahrhaft göttlichen Flötenspiel bezauberte, wird er oft mit einer Flöte in seiner Hand dargestellt. 

3. Shiva, der Zerstörer

Alles über Shiva (der auch Maheshvara, Mahadev, Nataraj, Nilakantha, Rudra... genannt wird), den wohl beliebtesten Gott der Hindus (und die am häufigsten anzutreffende Statue in Yoga-Studios!), kannst du hier erfahren.

 

Parvati/Kali/Durga, die vielschichtige Gattin Shivas

Parvati ist die Gattin von Shiva und als gütige Mutter bekannt. Sie kann aber auch als die auf einem Tiger reitende Durga auftreten, um das Böse zu bekämpfen – oder als Zorn-erfüllte Verkörperung von Durga, nämlich der wilden, mit Schädeln, Blut und Säbeln behängten Kali.

 

Ganesha, der Elephantenköpfige Sohn Shivas

Ganesha ist der Elefantenköpfige Sohn von Shiva und seiner Gemahlin Parvati. Er ist – nicht nur in Indien! – äußerst beliebt und gilt als Überwinder aller Hindernisse, liebt Süßes und hat ein so ausgeglichenes Inneres, das er auf einer winzigen Ratte reiten kann. Mehr über Ganesha erfährst du hier

 

 

4. Devi, die göttliche Mutter

Devi (im Buddhismus „Uma“ genannt) ist die Göttin der Göttinen. Ihre Verehrer sind Anhänger des Shaktismus, in dem sie als Shakti, also weibliche, kreative Ur-Kraft des Universums verehrt wird. Sie symbolisiert den schöpferischen Aspekt des formlosen Bewusstseins von Brahman und gilt deshalb als „Mata” (Mutter), also Wurzel allen Seins. 

Sie vereint als „Mahadevi” (große Göttin) die Eigenschaften aller anderen Göttinnen in sich und wird in Indien in ihren zahlreichen Aspekten stark verehrt – also als Saraswati, Lakshmi, Kali, Durga etc. (s.o.).