Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.
Large yogisch essen
Bild: YogaEasy.de

Tipps für die yogische Ernährung nach Patanjali

Von Katharina Goßmann

Es gibt tausende von Ernährungsphilosophien – die einen sollen schlank machen, andere gesund, muskulös oder faltenfrei. Die yogische Ernährung dagegen verfolgt drei Ziele: einen gesunden Körper, ein klaren Geist und gutes Karma. Denn körperliche Fitness, innere Ruhe und ein gutes Gewissen sind die optimale Ausgangslage für Yoga und Meditation.

Die Grundregeln der yogischen Ernährung lassen sich von einem der wichtigsten Yoga-Texte ableiten, dem Yoga Sutra von Patanjali. Der Yoga-Weise Patanjali beschreibt dort Verhaltensregeln sich selbst gegenüber – die so genannten Niyamas – und Verhaltensregeln anderen gegenüber – die Yamas.

 

1. Das Niyama „Saucha“

Das Niyama „Saucha“ beschreibt das Prinzip der Reinheit – innerlich wie äußerlich. Die Ernährung spielt dabei eine essentielle Rolle.

  • Am besten sollten alle von dir verwendeten Lebensmittel Bio-Qualität haben, denn sonst belastet du deinen Körper (und die Umwelt) unnötig mit Pestiziden und Co.
     
  • es ist unvermeidlich Giftstoffe aus der Luft etc. aufzunehmen, und auch dein Körper produzierst etwa bei Stress Stoffe, die er möglichst schnell wieder loswerden sollte. Beim Entgiften hilft es viel „sattvige“ Getränke wie stilles Wasser und Kräutertee zu trinken, das erleichtert deinem Körper die Ausleitung unerwünschter Substanzen.
     
  • Dein Körper weiß ganz genau, was du brauchst und was dir gut tut. Wer vermeintlich gesundes Essen runterwürgt, tut sich nichts Gutes. Stelle deine Ernährung am besten langsam um und beobachte deinen Körper: Wie verträgt er einzelne Gemüsesorten? Schmeckt dir Karotte am besten roh, gedämpft oder gebacken? Isst du sehr schnell, kaust nicht gründlich, siehst nebenher Fernsehen? Grundregel: Wenn du nach dem Essen Bauchschmerzen und Verdauungsschwierigkeiten hast, solltest du dich noch mal intensiv mit deinen Essgewohnheiten beschäftigen.
     
  • Dieses Prinzip der Reinheit findet sich auch in der yogischen Lehre wieder, dass alles auf der Welt eine der drei folgenden Eigenschaften (Gunas) hat – „Sattva“ = Reinheit, „Tamas“ = Trägheit und „Rajas“ =  Aktivität. Yogis sollten solche Lebensmittel bevorzugen, die "Sattva" (also rein) sind. Dazu gehören alle frischen, natürlichen Lebensmittel: Obst, Gemüse, Getreide, Nüsse, Samen etc. sowie Milch. Wer sich dagegen von Fertiggerichten und Fast Food ernährt, nimmt eine Vielzahl an unnötigen und im schlimmsten Fall toxischen Stoffen auf – E-Stoffe, Konservierungsstoffe, Aromastoffe und so weiter.
     
  • Vermeiden solltest du dagegen Lebensmittel, die zu „Tamas“ und „Rajas“ gehören: Tamas ist alles, was schwer und träge ist oder macht, Rajas dagegen aktiviert stark und verbreitet Unruhe.
     
    • Rajasige Qualitäten haben u.a. Alkohol, Kaffee, Zwiebeln* – was Körper und Geist unruhig macht, lässt du lieber links liegen. Wir leben sowieso schon in einer hektischen Zeit –  auf Nahrung, die noch mehr Aktivität fördert, solltest du lieber verzichten. Deshalb stehen auch raffinierter Zucker, Weißbrot und andere Kohlenhydrate, die den Blutzucker schnell in die Höhe treiben, auf der schwarzen Liste. Denn die geben uns kurzfristig die Illusion, wie hätten grenzenlos Energie - weshalb wir uns total auspowern, woraus ein akuter Blutzuckerabfall und ein Energie-Tief resultiert.
       
    • Tamasige Zutaten sind z.B. Knoblauch* und Pilze, weil sie schwer verdaubar sind. Aber auch Fisch und Fleisch, die zudem schnell verderben und dabei Giftstoffe entwickeln (s. Saucha). Deshalb gilt auch alles als tamasig, was nicht frisch zubereitet wird - also die Reste von gestern oder Tiefgekühltes, das wiederaufgetaut wird. Denn solche Nahrung enthält zum einen weniger Nährstoffe als frisch zubereitetes Essen, zum anderen riskierst du, dass du Verdorbenes isst. Aber auch zu viel oder wenig Essen gilt als tamasig: Wer zu viel isst, wird faul, wer zu wenig isst, fühlt sich schwach.
       

2. Das Yama „Ahimsa“

Ahimsa“ bedeutet Gewaltfreiheit. Alle Lebensmittel sollten also gewaltfrei produziert worden sein. Eine vegetarische oder vegane Ernährung ist für Yogis somit ein logischer Schritt. Viele Yogis verzichten nicht ganz auf Fleisch und Fisch, sondern essen nur selten tierische Produkte und die in Bio-Qualität. B.K.S. Iyengar schreibt: "Ob man vegetarisch isst oder nicht, ist eine persönliche Angelegenheit, die von unserer Tradition und den Gewohnheiten des Landes, in dem wir geboren und erzogen wurden, beeinflusst wird. Mit der Zeit aber muss der Yoga-Schüler eine vegetarische Diät annehmen, um zielgerichtete Aufmerksamkeit und geistige Entwicklung zu erlangen". Eine vegetarische Ernährung ist zudem ein Schritt Richtung "Saucha" (s.o.) - denn Vegetarier und Veganer vermeiden Antibiotika, Stresshormone und Umweltgifte etc., die sich in Fleisch und Fisch anreichern.

Hülsenfrüchte eignen sich perfekt, um tierische Produkte zu ersetzen, denn sie enthalten hochwertige Eiweiße. Vor allem Mungbohnen werden in der Hatha Yoga Pradipika empfohlen.

Gewaltfrei sollte natürlich auch die Produktion und Verarbeitung der Zutaten ablaufen – am sichersten ist es also regionale, saisonale und fair produzierte Produkte zu verwenden.
 

3. Das Yama "Asteya“ 

„Asteya“ bedeutet, kurz gesagt, dass du nicht stehlen sollst. Wie ist das in Bezug auf die yogische Ernährung zu verstehen?
Zum einen solltest du einen fairen Preis für deine Lebensmittel zahlen – der Produzent/Erzeuger sollte davon leben können. Auch das spricht wieder für Fair Trade-Lebensmittel bzw. für die Bio-Milch von der Firma, die Milchbauern faire Preise zahlt.
Zum anderen stellt sich die Frage, ob du afrikanische und südamerikanische Früchte essen musst, die sich dadurch die Menschen in Afrika und Südamerika nicht mehr leisten können. Regionale Produkte sind also auch aus diesem Grund zu bevorzugen.
 

4. Das Yama „Aparigraha“

Das Prinzip „Aparigraha“ fordert, dass du nicht gierig sein und niemanden ausnutzen sollst. Auch hier bist du also mit Fair Trade-Produkten oder dem direkten Einkauf beim Erzeuger auf der sicheren Seite.

Aparigraha es hält dich aber auch dazu an, alles in Maßen zu konsumieren. Denn wenn du zu viel oder zu schnell isst, riskierst du kurzfristig Verdauungsschwierigkeiten und langfristig Übergewicht.

 

Zusammenfassung

In der yogischen Ernährung werden Lebensmittel bevorzugt, die den Blutzuckerspiegel auf einem ausgeglichenen Pegel halten, Körper und Geist optimal mit Nährstoffen versorgen, leicht zu verdauen sind und fair und gewaltfrei produziert wurden. 

 

* Es gibt übrigens das Gerücht, dass Zwiebeln und Knoblauch als ungünstige Nahrungsmittel für Yogis gelten, weil die Yogalehrer sich unangenehme Ausdünstungen ihrer Schüler ersparen wollen... Alle Fans von Knoblauch und Zwiebeln müssen trotzdem nicht verzweifeln: Asafoetida (auch bekannt als Asant, Teufelsdreck und Hing) ist ein guter Ersatz.