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Ayurvedische Ernährung für die drei Doshas
Bilder: Shutterstock.com

Ayurvedische Ernährung – Tipps für die 3 Doshas

Von Volker Mehl

Die drei Doshas im Ayurveda – Kapha, Pitta, Vata

Erst mal zu Beginn: Bei Ayurveda han­delt es sich um ein Verständnis der grundlegenden Zusammenhänge und Ge­schehnisse in der Natur. Die ayur­vedische Lehre geht davon aus, dass die Natur in all ihren feinstofflichen Ausdrucksformen – dazu zählen bei­spielsweise auch Gedanken und Emoti­onen – aus den fünf Elementen Feuer, Erde, Wasser, Luft und Äther besteht. Diese Elemente bilden wiederum drei Gruppen mit verschiedenen Eigen­schaften, die Einfluss auf den mensch­lichen Körper und den gesamten Kreis­lauf der Natur nehmen. So werden sämtliche Vorgänge im gesamten Kos­mos, zum Beispiel Verhaltensweisen, Lebensphasen, Tages­ und Jahreszei­ten, aber auch klimatische und emo­tionale Einflüsse, bestimmt und ge­steuert.

Die drei Gruppen werden als Doshas (Kapha, Pitta und Vata) be­zeichnet – aus dem Sanskrit übersetzt heißt das „das, was verderben kann”. Es sind die drei grundlegenden Le­bensenergien der Menschen. Laut der ayurvedischen Lehre entstehen Krank­heiten durch eine Unausgewogenheit der äußeren Lebensbedingungen im Verhältnis zu den drei Doshas. Diese Störungen können innerhalb einer oder mehrerer Gruppen das Gleichgewicht des Organismus aus der Balance brin­gen. 


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Nach der Lehre des Ayurveda wird je­der Mensch mit einer ganz indivi­duellen Konstellation der Doshas, der sogenannten Prakriti, geboren. Je nach persönlicher Ausprägung soll­ten Ernährung und auch gesundheit­liche Behandlung danach ausgerichtet werden. Somit gibt Ayurveda den Men­schen eine Art „Bedienungsanleitung” an die Hand.

Die Charakteristika der drei Doshas Kapha, Pitta und Vata spiegeln sich in den Jahres-­ und Tageszeiten zyklisch wider. Man unterscheidet im Ayurveda nur drei Jahresphasen:

• Die Kapha-­Phase beginnt Ende Februar und reicht bis in den Mai.

• Der Pitta­-Zeitraum umfasst die Monate von Juni bis September.

• Die Vata­-Periode dauert von Oktober bis Januar.

Das Wetter und die daraus resul­tierenden Temperaturen wirken sich mit ihren jeweiligen Eigenschaften auf die korrespondierenden Doshas im Körper aus. Ayurveda empfiehlt des­halb eine Ernährungs-­ und Lebenswei­se, um die Balance der Doshas durch den jahreszeitlich bedingten Wechsel zu bewahren.

Hier noch ein paar detailliertere Infos zu den einzelnen Doshas.

Strukturgebend: Kapha

Kapha ist das, „was die Dinge zusammenhält”. Es wird gebildet durch die Elemente Wasser und Erde. Im Fokus stehen Struktur, Aufbau, Zusammenhalt und Stabilität. Die Eigenschaften, die daraus resultieren, sind schwer, kalt, weich, ölig, süß, stabil sowie schleimig und sorgen für den Aufbau der Gewebe, die Schmierung der Gelenke, aber auch für Widerstandsfähigkeit, Stabilität, Potenz, Zufriedenheit, Fürsorge, Toleranz und Geduld. Kapha bildet sich vor allem im Kopfbereich und Rachen, in der Kehle, im oberen Magen, Brustkorb und in den Gelenken und ist in der ersten Lebensphase von der Geburt bis etwa zum 16. Lebensjahr, von morgens 6 bis 10 Uhr bzw. abends von 18 bis 22 Uhr sowie zum Ende des Winters und im Frühling stark ausge­prägt. Es steht für das weibliche Prinzip in der Natur.

Ayurveda praktisch:

Kapha besitzt u. a. die Eigenschaft schleimig. Morgens ist die Tendenz zur Verschleimung weit stärker als zur Mittagszeit und wird zum Ende des Winters noch verstärkt: die typische Zeit für Erkältungen und Frühjahrs­müdigkeit. Bei Kindern tritt dieser Effekt besonders ausgeprägt in Erschei­nung. Da Kapha eine zusätzliche kalte Eigenschaft aufweist, ist daher eine Tasse heißes Wasser nach dem Aufstehen für den Organismus besser als ein Glas Milch direkt aus dem Kühlschrank. 

Erhitzend: Pitta

Pitta charakterisiert das, „was die Dinge verbrennt oder verdaut”. Es entsteht aus der Kombination von Feuer und Wasser und steht für das erhitzende und abbauende Moment. Pitta verfügt über die Eigenschaften leicht ölig, heiß, flüssig, durchdringend, sauer, fließend und scharf. Es sorgt für eine gut funktionierende Verdauung, für Hunger, Durst, Wärmeproduktion, Sehvermögen, Aussehen und Beschaffenheit der Haut, für Tapferkeit, Aggression und Intelligenz. Pitta sitzt vor allem im Oberbauch, in den Verdauungsorganen, im Dünn­darm, in der Haut, im Schweiß, im Blut und in den Augen. Besonders stark ist Pitta zwischen dem 16. und 45. Lebensjahr, von 10 bis 14 Uhr, von 22 bis 2 Uhr sowie im Sommer/Spätsommer ausgeprägt und steht für das männliche Prinzip.

Ayurveda praktisch:

Pitta wirkt sauer und heiß, deshalb sind bei Hauterkrankungen und allen entzündlichen Prozessen säurehaltige und scharfe Lebensmittel besonders ungünstig. Vor allem bei männlichen Pubertierenden sprießen Pickel und Aggression, wenn zu viel salzige Chips und säurehaltige Limonaden konsumiert werden. 

Bewegend: Vata

Vata reguliert das, „was die Dinge bewegt und antreibt”, und kombiniert Luft und Äther. Es symbolisiert alle beweglichen und dynamischen Prozesse im Körper und besitzt trockene, kalte, leichte, subtile, bewegliche, klare und rauhe Charakteristika. Vata steuert Atmung, Herzschlag, Anregung der Ver­dauungsprozesse, Ausscheidungsprozesse, Zellteilung, Sinneswahrnehmun­gen, Sprechen, Begeisterung und Kreativität. Besonders im Dickdarm, im Becken, in den Sinnesorganen und im Skelett herrscht dieses Prinzip vor und ist ab dem 45. Lebensjahr, in den Nachmittags­/Abendstunden zwischen 14 und 18 Uhr und in den Nacht­-/Morgenstunden von 2 bis 6 Uhr sowie im Herbst stark ausgeprägt.

Ayurveda praktisch:

Vata steht für Trockenheit, deshalb neigen ältere Menschen ab 45 Jahren viel stärker zur Austrocknung der Haut. Hülsenfrüchte weisen ebenfalls eine trockene Eigenschaft auf, deshalb haben zwei Teller Linsensuppe am Abend auch eine direkte Auswirkung auf Blähungen durch das zunehmende Luftelement im Dickdarm. 

Wie schon erwähnt, kann es hin und wieder vorkommen, dass die Doshas – also die Grundenergien – aus dem Gleichgewicht geraten. In diesen Fällen gibt es Möglichkeiten, mit bestimmter Nahrung, die der jeweiligen Konstitution ent­spricht, diese aktuelle Störung auszugleichen.

Was tun bei zu viel geistiger und körperlicher Schwere (Kapha)?

Am besten eignen sich warme und leichte Speisen, die, wenn möglich, dampfgegart zubereitet werden. Lieber verzichtet man auf fette Saucen und schwere Dips. Zusätzlich sollte man auch Salzstreuer und Buttermesser im Blick haben, das heißt: beides nur in Maßen zu sich nehmen. Gute Geschmacksrichtungen in diesem Fall sind bitter und scharf. 

Akute „Ersthelfer” sind:

Apfel, Beeren, Birne, Granatapfel, Kirschen, Marillen, Pfirsich, Kokosnuss. Die Früchte sollten auch wirklich reif sein und als eigene Mahlzeit verzehrt werden, wenn möglich gedünstet und gewürzt. Nie nach dem Essen!

Auberginen, Bohnen, Brokkoli, Erbsen, Fenchel, Karotten, Kartoffel (wenig), Kresse, Lauch, Mais, Paprika, Rettich, Salat (wenig), Spinat, Zwiebel. Da die Verdauung von Kapha-­Typen eher schwach ausgeprägt ist, eignet sich Rohkost nicht gut. Besser sind gut gewürzte, fettarme Suppen und Gemüsegerichte. Pinienkerne und Walnüsse in Maßen, ungesalzen und ungeröstet! Unter den Gewürzen greift man am besten zu: Chili, Ingwer, Koriander, Meerrettich, Petersilie, Pfeffer, Senf.

Als Getränke eignen sich Gewürztee, zimmer­warme frische Gemüsesäfte und verdünnter Traubensaft. Milch sollte vermieden werden, maximal mit Wasser und Gewürzen versetzt und erwärmt in kleinen Mengen. 

Was tun bei zu viel Feuer (Pitta)?

Am besten nur lauwarme oder kalte Gerichte essen, keine heißen oder dampfenden. Dabei vorzugsweise Speisen mit bitterem Geschmack auswählen, wenig Fette und Öle benutzen. Kühlendes Ghee ist am besten.

Menschen mit einer guten Feuer-­Konstitution haben oft ein richtig gutes Verdauungsfeuer und können nahezu alles essen und das auch gut verdauen. Da ist ein großer Salatteller mit Pasta und Mascarpone zum Nachtisch auch spätabends kein Thema. Feuer-­Typen sollten dennoch nicht zu salzig, sauer und scharf essen und mengenmäßig auch nicht zu viel.

Keine guten Lebensmittel für diese Typen sind eingemachte pikante Beilagen wie Mixed Pickles, Essig, Südfrüchte, Tomaten, Schafs­ käse, rotes Fleisch, Alkohol und alle fermen­ tierten Lebensmittel.

Der Feuer­-Typ ist der einzige, für den Salat und kalte Speisen empfehlenswert sind, denn erstens wirken sie kühlend, und zwei­tens kann er sie gut verdauen. Besonders zu empfehlen ist auch vegetarische Ernährung, um keine unnötige Gewalt über den Verzehr von Fleisch aufzunehmen – ein Feuer­-Typ hat schon genug Dampf auf dem Kessel! Ein gutes Akutmittel sind zwei Teelöffel Ghee in lauwarme Milch gerührt. 

Lebensmittel mit Feuerwehr-Qualität:

Apfel, Avocado, Beeren, Birne, Dattel, Feige, Kirsche, Marille, Mango, Melone, Rosinen, Wassermelone, Pflaumen. Bei Obst darauf achten, dass die Früchte auch wirklich reif sind und als eigene Mahlzeit gegessen werden, außerdem nie nach dem Essen und nicht mit Milch kombinieren.

Artischocken, Blumenkohl, Bohnen, Brokkoli, Erbsen, grüne Blattgemüse, grüne Paprika, Gurken, Karotten, Kartoffeln, Kohl, Kohl­sprossen, Kürbis, Sellerie, Spargel, Spinat. Feuer­typen vertragen auch Rohkost, dabei aber immer hochwertige Öle zum Marinieren verwenden.

Kokosnuss und Mandeln sind am verträg­ lichsten und sollten nur ungesalzen und ungeröstet und eventuell in Wasser einge­ weicht genossen werden. Algen, Basilikum, Dill, Fenchel, Ingwer, Koriander und wenig Zimt sind die richtigen Gewürze für Pitta­-Typen.

Wer Fleisch mag, kann bei Geflügel, Kaninchen, Wild und Süßwasserfischen zugreifen, denn sie sind am verträglichsten. An Getränken eignen sich Frucht­ und Gemüsesäfte, Milch, Kräuter­ und Grüntee oder kaltes Wasser. Alkohol sollte man besser meiden, da er stark erhitzend wirkt und Pitta zusätzlich verstärkt.

Was tun bei zu viel trockenem Wind (Vata)?

Am besten warmes Essen zu sich nehmen, das nicht zu schwer ist und mit gutem Fett zubereitet wurde. Olivenöl und Sesamöl wirken besonders gut. Alles, was cremig und warm ist, hilft bei zu viel Wind. Das können zum Beispiel warme Milch, Eintöpfe, Suppen, Aufläufe, warmes Getreide und Süßspeisen sein. Die besten Geschmacksrichtungen sind süß, sauer und salzig. Extrem kontra­produktiv wirken kalte, bittere Speisen wie Salate, Rohkost, kalte Getränke und grüne Smoothies. 

Gut bei zu viel Sturm in Kopf und Magen sind:

Milch, Ghee, Frischkäse, Buttermilch, Joghurt, Sahne. Sesamöl, Kürbiskernöl, Olivenöl, Distelöl, Sonnenblumenöl, Rapsöl. Mandeln, Pistazien, Pinienkerne, Cashew­ kerne, Sesamsamen, Sonnenblumenkerne. Banane, Mango, süße Melone, Papaya, Ananas, Kokosnuss, Pflaumen, Erdbeeren, Himbeeren, Orange, Kirschen, Pfirsich, Aprikosen, Grapefruit, Zitrone, frische Feigen, Datteln, Trauben.

Avocado, Schwarzwurzel, Rote Bete, Karotten, Petersilie, Auberginen, grüne Bohnen, Artischocken, grüne Erbsen, Kürbis, Rettich, Gurken, reife Tomaten, Sellerie, Oliven, Lauch, Okra, gekochte Zwiebeln, Süßkartoffeln, Weizen, Dinkel, Reis, Hafer, Mais, Roggen, Hirse, Gerste, Mungbohnen. 

Die besten Gewürze sind: Anis, Basilikum, Fenchel, Salbei, Majoran, Rosmarin, Ingwer, Dill, Muskat, Nelken, Kardamom, Zimt, Kreuzkümmel, Senfkörner, schwarzer Pfeffer, Steinsalz, Honig, brauner Zucker, alle Zuckerrohrprodukte, Melasse, Ahornsirup, Birnendicksaft.

Gut sind alle nährenden Getränke, frische Frucht­ und Gemüsesäfte, warme Kräuter­ tees, ab und zu ein Glas Rotwein zum Essen. 

Ayurveda-Basics für die Ernährung

Abgesehen von den beschriebenen Verhaltensweisen und Lebensmitteln in Sachen „Dosha­-Gleichgewicht” gibt es noch ein paar grundsätzliche Empfehlungen, mit denen man erst mal auf der sicheren Seite ist, um eine wesentliche Steigerung der Lebensqualität zu erreichen. Es klingt zwar manchmal wie in Omas Hausmittelbuch, aber, wer diese einfachen Ratschläge konsequent anwendet, wird schnell merken, wie gut man sich dabei fühlt. Nicht zweifeln, ausprobieren: 

  1. Nach dem Aufstehen eine Tasse warmes Wasser trinken.
  2. Ein warmes, leichtes Frühstück zu sich nehmen – kein Toastbrot mit Speck und Eiern.
  3. Immer mit Ruhe essen, ohne Ablenkung durch Fernseher, Radio oder Handy.
  4. Die Hauptmahlzeit sollte mittags bis 14 Uhr erfolgen. Es lebe der Henkelmann!
  5. Zwischen den einzelnen Mahl­zeiten sollten mindestens drei Stunden liegen.
  6. Auf eisgekühlte Getränke verzichten – der Horror für jedes Verdauungsfeuer.
  7. Abends Rohkost und tierisches Eiweiß wie Fleisch, Wurst, Käse, Joghurt, Quark, Eier etc. meiden. Hat man doch mal zugeschlagen, am besten gleich eine Wärmflasche mit ins Bett nehmen, denn es wird ordentlich rumpeln im Darm.
  8. Nahrung sollte grundsätzlich warm nährend und befeuchtend wirken, also besser zur Suppe statt zum Knäckebrot greifen. 
  9. Vorsicht bei Milch! Im Ayurveda gilt Milch nicht per se als böses Lebensmittel. Aber man sollte aufpassen, wie man Milch zu sich nimmt und mit welchen Lebensmitteln man sie kombiniert! Sie sollte vor dem Verzehr immer einmal aufgekocht werden, außerdem sollten schleimlösende Gewürze wie Kardamom, Zimt, Nelken und Muskat zugefügt werden. Daneben ist Milch eine Diva, was ande­re Lebensmittel in ihrer Nähe angeht – quasi die Mariah Carey unter den Lebensmitteln. Sie sollte nie kombiniert werden mit Butterbrot, Honig, Marmelade, mit kaltem Getreide, Joghurt, sauren Früchten, salzigen Speisen wie Käse, Fleisch, Fisch oder scharfen Lebensmitteln wie Chili oder Meerrettich. Aus Sicht des Ayurveda fördert das die Bildung von Verdauungsgiften – da kommt Freude auf in der Leber! Milch verträgt sich am besten mit gekochtem Getreide wie Reis, Hafer, Gerste und Dinkel.

Unser Gastautor Volker Mehl ist der bekannteste Ayurveda-Koch Deutschlands. Dieser Text ist seinem aktuellen Buch „Ayurveda geht überall” entnommen, erschienen bei Knaur Balance. 

 

 

 

 

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