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Bild: Shutterstock

Mudras für jede Lebenslage

Von Gertrud Hirschi

Mit Mudras, den heilenden Handhaltungen, können wir unsere Körperzellen vitalisieren, geistige Frische erlangen, Mut im Herzen entwickeln, um dem Leben mit Kraft, Klarheit und Zuversicht zu begegnen.

Gertrud Hirschi

Der Kosmos wird im Großen wie im Kleinen von drei Kräften regiert. Diese werden im Hinduismus durch die drei Gottheiten Brahma, Vishnu und Shiva symbolisiert. Damit sind die schöpferische, die erhaltende und die zerstörerische Kraft gemeint. Auch unser Leben, unser Denken und Fühlen und alles, was in unserem Körper passiert, wird von diesen drei Kräften beherrscht. Wollen wir gesund und glücklich sein, dann müssen alle drei Kräfte in Balance sein und wirken. Im Leben finden wir folgende Namen für diese drei Kräfte: für die erste – Inspiration, Motivation, schöpferisch tätig sein, Neues beginnen; für die zweite – Entwicklung, Ruhe, Entspannung; für die dritte – Reinigung, Loslassen, Vergebung.

Zusammengefasst bedeutet das, dass wir im Leben immer wieder schöpferisch tätig sein sollten – wie die alten Bäume, die jedes Jahr erneut Blüten bilden; dass wir äußere Ruhe und Entspannung pflegen, damit sich im Inneren etwas entwickeln kann – wie beim Samen in der Erde; und dass wir immer wieder Raum und Leere schaffen, indem wir Altes loslassen, abgeben und reinigend wirken – wie die Bäume, die im Herbst ihre Blätter fallen lassen. Mit Hilfe der Meditation, die wir mit Mudras unterstützen, können wir dies im geistigen und seelischen Bereich angehen.

Alles Gute, was sich in unserem Leben manifestieren soll, hat seinen Ursprung in unserem Kopf und in unserem Herzen. So wie jedes Haus, das gebaut wird, zuerst in der Vorstellung des Bauherrn existiert – und wenn es ein glückliches Heim werden soll, auch in seinem Herzen –, kreieren wir die Umstände in unserem Leben zuerst in unseren Gedanken.

Mudra-Zyklus

Das Zusammenstellen eines Mudra-Zyklus lernte ich in Indien bei Keshav Dev. Er reihte bis dreißig Mudras aneinander, und in jeder Mudra verweilt man eine gewisse Zahl von Atemzügen. Seither praktiziere ich selten eine Mudra einzeln – und ein Dreier- oder Vierergespann macht Sinn. In der ersten Mudra geht es ums Loslassen von Verbrauchtem; in der zweiten Mudra um Motivation und Inspiration (sich auf das einstellen, was man will und gut ist für einen); bei der dritten Mudra entspannt man sich und lässt Ruhe und Geduld walten; bei der vierten Mudra überlässt man alles Gott und seinem Wirken.

Praktizieren Sie das stille Sitzen mit den geformten Mudras jeden Tag für einige wenige Minuten. Es ist nicht wichtig, wie lange Sie sitzen, sondern dass Sie regelmäßig und intensiv praktizieren. Empfinden Sie schon jetzt ganz und gar die Freude, als hätten Sie Ihr Ziel erreicht – als hätte sich Ihr Wunsch erfüllt.


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Loslass-Mudra

Herkunft und Wirkung: aus dem Ayurveda, zur Aktivierung des Dickdarm-Meridians und zur Stärkung des Immunsystems.

Dies ist eine meiner Lieblings-Mudras, und ich praktiziere sie immer, wenn mich etwas belastet, wenn ich mir Sorgen mache oder wenn mich etwas schlicht und einfach ärgert oder nervt. Auf sie kann ich mich verlassen, sie hilft immer. Oft bin ich danach echt müde, es ist, als würde ich äußerlich ruhiggestellt, damit im Inneren eine Umwandlung stattfinden kann. Später fühle ich mich wieder leicht, befreit, und ich habe meinen inneren Frieden wiedergefunden.

Die Mudra hat zwei Teile: Beim ersten stellt man sich vor, wie durch die Zeigefinger ein dunkler Strom, der alles Belastende beinhaltet, in die Erde fließt und versickert. Beim zweiten Teil sieht man, wie göttliche Energie vom Zeigefinger, wie durch einen Blitzableiter, aufgenommen wird und in jede Zelle strömt – bis man sich selbst als Lichtwesen wahrnimmt.

Praxis: Die Zeigefinger aneinanderlegen, die restlichen Finger verschränken und die gekreuzten Daumenkuppen leicht andrücken. Die Arme liegen locker auf den Oberschenkeln und die Zeigefinger weisen nach unten. Nach einer kurzen Weile kommen Sie zum zweiten Teil, das heißt, Sie drehen die Hände so, dass die Zeigefinger nach oben zeigen. Halten Sie die Mudra 3 bis 6 Minuten lang. Sie imaginieren das entsprechende Bild und sprechen voller Inbrunst und Zuversicht das Mantra.

Mantra:

Ich lasse los,

was mir nicht guttut,

und schaffe Platz für das,

was mir Freude bringt.

 

Willens-Mudra

Herkunft und Wirkung: aus der chinesischen Gesundheitslehre. Sie aktiviert den inneren Antrieb, den Blasen-Meridian und tut Augen und Ohren gut.

Letzthin hörte ich den Vortrag eines Gehirnforschers zum Thema: „Stetes Lernen, Neues ausprobieren und wagen schützt vor Depression und geistigem Abbau”. Es geht also um das schöpferische Prinzip, das uns, wenn wir es in unser Leben integrieren, geistig fit hält, Erfüllung bringt und viele glückliche Momente verschafft. Wichtig ist, wenn man etwas Neues angeht, dass es einem entspricht und Freude macht. Es geht auch nicht darum, dass wir als brillante Köchin anfangen, Bilder zu malen oder auf der Geige zu kratzen, aber wir können unsere Kochkünste verfeinern und neue Rezepte kreieren. Die Gärtnerin probiert Neues im Garten aus, die Sportskanone stellt sich neuen Zielen, die Naturverbundene wälzt Bücher über Heilpflanzen usw. Kurz und gut: Wir sollten lebenslang schöpferisch tätig sein.

Wenn Sie sich nun täglich vorstellen, wie Sie Zeit und Raum für das Neue haben und wie der Lustfaktor nach oben steigt, dann wird Ihnen der Einstieg leicht fallen. Sie werden sehen, sobald Ihre Kreativität ins Rollen kommt, wird sie nicht mehr aufzuhalten sein.

Praxis: Die Mittelfinger und Daumenkuppen aneinanderhalten, die restlichen Finger verschränken. Halten Sie die Mudra 3 bis 6 Minuten lang. Dazu sprechen Sie voller Inbrunst und Zuversicht das Mantra. Es gibt noch einen interessanten Faktor zum Thema Neubeginn. Selbstverständlich kreiere auch ich von Zeit zu Zeit entsprechende Bilder. Dabei merke ich schon bald, ob mir das Neue überhaupt entspricht beziehungsweise Freude macht. Einiges entpuppt sich dann als Schnapsidee und wird wieder fallen gelassen.

Mantra:

Mein kreatives Potenzial

ist unerschöpflich,

es soll sich offenbaren und

mir Freude und Erfüllung bringen.

 

Wunsch-Mudra

Herkunft und Wirkung: von Keshav Dev, dem indischen Mudra-Meister. Hilft auch gegen Schnupfen und begünstigt die Atmung in der oberen Lunge.

Schon seit ca. 40 Jahren kenne ich die sogenannte Wunsch-Technik, das positive Denken. Die entsprechenden Bücher lernte ich durch die Yogaschule Haich/Yesudian kennen. Ich bin eher skeptisch, nicht leichtgläubig oder naiv, aber enorm experimentierfreudig. Die Methode habe ich ausprobiert und siehe da, sie funktionierte, und sie klappt auch heute noch. Im Laufe der Jahre habe ich andere kennengelernt, die damit ihr Hobby zum Beruf machten und ein florierendes Geschäft aufbauten. Andere, die das Maß nicht kannten, sind daran gescheitert. Dies alles erwähne ich, um Sie zu motivieren. Wunsch und Ziel sind eng miteinander verbunden: Um zum Ziel zu kommen, braucht es Eigeninitiative und auch Glück. Ein Wunsch geht in Erfüllung – oft einfach so, er ist ein Geschenk des Himmels.

Die Technik ist denkbar einfach, und Sie haben es schon bei den anderen Mudras gelesen. Man stellt sich vor, was man haben möchte – und zur gegebenen Zeit geht der Wunsch in Erfüllung. Die Tücke dabei ist, dass man auch das bekommt, was man anderen wünscht. Mehr dazu erfahren Sie aus meinem Kartenset „Wie Herzenswünsche wahr werden”.

Praxis: Die Kuppen von Daumen, Zeige- und Mittelfinger beider Hände werden aneinandergehalten und die andern nach innen gebeugt. Die Hände ruhen locker auf den Oberschenkeln. Halten Sie die Mudra 3 bis 6 Minuten lang. Dazu sprechen Sie voller Inbrunst und Zuversicht das Mantra. Wie immer ist es wichtig, dass Sie sich nicht nur Ihren Wunsch oder Ihr Ziel vorstellen, sondern dass Sie die Freude, die Sie überkommt, wenn das Ziel erreicht bzw. der Wunsch in Erfüllung gegangen ist, schon jetzt empfinden können.

Mantra:

Mein erreichtes Ziel

(mein erfüllter Wunsch)

macht mich

und alle Beteiligten glücklich.

 

Dhyan-Mudra

Herkunft und Wirkung: Laut Keshav Dev, dem ayurvedischen Mudra-Experten, ist die Dhyan-Mudra die Meditations-Geste. Sie ist das Symbol für die Vereinigung des individuellen und universellen Bewusstseins. Sie ist Yoga pur. Aber nicht nur das: Da wo Zeigefinger und Daumen aneinander liegen, befinden sich Reflexzonen, die der Hirnregion entsprechen, wo unsere Kreativität und Logik sitzen. Wenn Sie also eine zündende Idee brauchen oder von der Muse geküsst werden möchten, lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Schnittstelle zwischen Daumen und Zeigefinger (dabei ganz sanft über die Kuppen massieren).

Symbolik: Der Daumen gilt als das universelle, der Zeigefinger als das individuelle Bewusstsein – in der Mudra sind sie vereint. Die rechte Hand steht für die Weltenseele, die linke für die menschliche Seele, die nun geborgen im Göttlichen ruht. Die Hände liegen im Schoß – da wo neues Leben entsteht. Interessanterweise stimuliert die Fingerhaltung eine Region im Gehirn, wo ebenfalls Neues durch Inspiration entsteht. Damit auch das Herz mit einbezogen wird, habe ich als Mantra die Keimsilbe des Herzens YA gewählt: Ein JA zur Verbundenheit, zur Liebe, zum göttlichen Vater.

Praxis: Zeigefinger und Daumenkuppen aneinanderlegen, die linke Hand in die rechte legen und die Hände so im Schoß halten. Halten Sie die Mudra 3 bis 6 Minuten lang. Dazu sprechen Sie voller Inbrunst und Zuversicht das Mantra. Hier schlage ich vor, sich an den göttlichen Vater zu wenden. Das Göttliche – das universelle Bewusstsein – ist geschlechtslos, aber die Yogis haben schon immer auf die männlichen und weiblichen Aspekte hingewiesen – wie auch auf kultischen Bildern zu sehen ist. Dem Göttlichen ist es sicher egal, welchen Aspekt wir ansprechen, aber für uns macht es einen Unterschied. Finden Sie ihn heraus!

Mantra:

Ya Ya Ya

 

 

 

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Yoga @ Home” von Gertrud Hirschi, erschienen im Synergia Verlag.