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Tantra Yoga: Die fünf göttlichen Shakti-Kräfte
Fotos: Steven Ritzer

Tantra Yoga: Die fünf göttlichen Shakti-Kräfte

Von Sandra von Zabiensky

Vermutlich hast du schon mal von Shiva und Shakti gehört. In der geheimnisvollen Welt der non-dualen Tantra-Philosophie ist dies das göttliche Prinzip und untrennbar miteinander verwoben – genauso wie man Feuer nicht von Hitze trennen kann. Shiva ist dabei das Immerwährende, in dem alles existiert und aus dem sich durch Energie, durch Shakti, die verschiedensten Formen manifestieren: Menschen, Bäume, die Erde... Dabei erfährt sich das Göttliche selbst, indem es die Welt bildet und durch unzählige Augen auf sich selbst schaut. In der Realität, wie wir sie erfahren, unterscheidet die Tantra-Philosophie dabei fünf ganz wesentliche göttliche Hauptkräfte, die wir auch in unserem Leben erfahren. Zu jedem der Shaktis habe ich eine Meditation oder eine Yoga-Sequenz für dich entwickelt.

1. Iccha-Shakti – die Kraft des Willens und Wollens

Ich saß in der Runde bei meinem ersten Teacher Training. Jede Teilnehmerin erzählte, warum sie sich zur Yogalehrerin ausbilden möchte. Da fielen Sätze wie „Ich mache die Ausbildung in erster Linie für mich“, „Ich weiß noch nicht, ob ich unterrichten möchte“ oder „Mal schauen, wie es sich entwickelt, ich möchte zunächst einfach nur mehr lernen.“ Und mittendrin: ich. Klitzeklar und voller Entschlossenheit, selbstverständlich nach der Ausbildung zu unterrichten. Tatsächlich hatte ich sogar eine Art Fast-Forward-Film im Kopf, als die Frage gestellt wurde: Es rauschten vollkommen ungesteuert schnell hintereinander zahlreiche Bilder von mir selbst, unterrichtend, durch den Kopf. Als ich dran war, sagte ich auch „Keine Ahnung, ob ich unterrichten will“, weil es mir irgendwie peinlich war, so klar hinsichtlich des Yogalehrerin-Daseins zu sein, und ich muss es ehrlich gestehen, ich wollte einfach nur nicht unbescheiden wirken. Aber innendrin war eine solche Zweifelsfreiheit, ohne dass ich sie rational begründen konnte! Ich war zu eintausend Prozent sicher: Definitiv werde ich auch Yoga unterrichten.

Tantra Yoga: Die fünf göttlichen Shakti-Kräfte

Diese Klarheit, die wir in bestimmten Dingen haben und die wir teils auch nicht mit dem Verstand begreifen können, ist Iccha-Shakti. Sie ist die göttliche Kraft des Wollens und Willens, der präkognitive Impuls etwas zu tun, lange bevor der Verstand es versteht. Iccha-Shakti lässt dein Herz für deine Leidenschaften brennen, und du merkst: Es gibt absolut keine Alternative, als genau das zu tun, was du tun musst. Poetisch ausgedrückt: Es ist das, was das Göttliche durch dich leben und erfahren möchte. Du kannst für dich selbst evaluieren: Welche Tätigkeit lässt dein Leben leicht und süß werden, wo vergisst du völlig die Zeit? Wobei hast du einen inneren Drang genau das zu tun, zweifelsfrei und ohne, dass du dich dazu zwingen musst? Hier findest du die Sequenz zum Iccha-Shakti.

2. Jnana-Shakti – die Kraft des Wissens

Jnana-Shakti ist sozusagen die Matrix und Struktur der Realität, wie etwa die Naturgesetze. Ich habe Jnana-Shakti ganz deutlich während meines Studiums erfahren, ohne dass ich das damals wusste. Ich habe so viel gelernt, weil es mich wirklich richtig interessiert hat. Auf einmal war es, als ob ich einen Schritt zurücktreten konnte, und ich habe Gesetzmäßigkeiten gesehen, konnte Modelle zu meinem Examensstoff entwickeln – ich hatte die Struktur erkannt. Auch in der Asana-Praxis erfahren wir ganz eindrücklich Jnana-Shakti. Wenn du genau weißt, wie du dich ausrichtest, wenn alles im Einklang und der innere mit dem äußeren Körper harmonisch und kongruent ist, erfährst du eine Leichtigkeit, und alles beginnt zu fließen. Hier findest du die Sequenz zum Jnana-Shakti.

3. Kriya-Shakti – die Kraft des Handelns

Jeder Herzensweg bleibt nur in unserer Vorstellung, wenn wir nicht ins Handeln kommen. Dieses Handeln, das Realwerden unseres Herzensweges in der Welt, ist Kriya-Shakti. Kriya- Shakti ist ein vollkommen zweifelsfreies Tun – es gibt keine andere Option, als zu tun, was man tut. In meinem Leben war es direkt erfahrbar, als ich mich getraut habe, mehr und mehr von meinem Arbeitsfeld der Public Relations umzuswitchen zu mehr und mehr Yoga. Ich habe mich bewusst gezeigt, auch wenn ich weiche Knie hatte, habe angefangen Workshops zu unterrichten, zu reisen – wohlwissend, dass ich auch fallen, dass alles spektakulär in die Hose gehen kann. Wenn wir uns aber dem Prozess des zweifelsfreien Tuns anvertrauen, bewusst akzeptieren, dass wir fallen können, dann wird aus dem Fallen nur eins: Fliegen. Hier findest du die Sequenz zum Kriya-Shakti.

Neben diesen drei Shaktis, die wir ganz deutlich in unserem Handeln spüren können, gibt es zwei weitere wesentliche Hauptkräfte, die transzendent in und um uns wirken.

4. Ananda-Shakti – die Kraft der Glückseligkeit

Ananda-Shakti ist dabei nicht das Glück, das wir empfinden, wenn unsere Bedürfnisse erfüllt werden. Wie: Wir wünschen uns ein neues Auto, wir kaufen uns ein neues Auto und stehen voller Stolz vor unserem Besitz. Oder wir wünschen uns zu heiraten und zack, macht unser Partner oder Partnerin uns einen Antrag, und wir fühlen uns geliebt und sind glücklich. Ananda-Shakti ist sehr viel feiner und elementarer. Sie ist eine Glückseligkeit, die unabhängig von äußeren Umständen ist und selbst in für uns negativen Emotionen wie Trauer präsent. Ananda-Shakti ist immer dann für uns sehr spürbar, wenn wir vollkommen aufgehen in dem Augenblick, uns hineinentspannen in den noch unbekannten Moment des Jetzt. Du hast diese Glückseligkeit vielleicht gespürt, wenn du einen atemberaubenden Sonnenuntergang gesehen hast, in einer großen Traurigkeit, die in ihrer ergreifenden Melancholie wunderschön und lebendig war, oder wenn du dich einem anderen Menschen wahnsinnig nah gefühlt hast.

Tantra Yoga: Die fünf göttlichen Shakti-Kräfte

Ananda-Shakti entsteht, wenn wir liebevoll im Moment verweilen. Genau das ist eine tantrische Praxis: liebevoll zu sein, mit allem was ist, nichts ausschließend, alles sehend. Ich versuche so häufig wie möglich, mit genau diesem Mindset durch den Tag zu spazieren, und dann wird das bloße Sehen eines Fliederbusches zu einem unfassbaren Moment des Glücks. Ist mir tatsächlich passiert: Ich stand eine halbe Stunde vor dem Busch vor meiner Haustür, Das Mondlicht glitzerte auf den Blättern, der berauschende, feine Duft der Dolden umschmeichelte mich. Ich war völlig eins. Mit dem lauen Sommerabend, der Natur, dem Duft, dem Mond und in mir die Glückseligkeit des Einsseins mit allem. Hier findest du die Meditation zum Ananda-Shakti.

5. Chit-Shakti – die Kraft des Bewusstseins

Um Chit-Shakti zu begreifen, ist es wichtig zu verstehen, wie Tantra die Welt sieht. Im Tantra ist alles Bewusstsein, alles göttlich, weil ja das Göttliche sich in allem und in den unterschiedlichsten Formen ausdrückt. Krass ausgedrückt: sowohl im Hundehaufen als auch in einer Gottheit als auch in jedem Menschen. Da alles göttlich ist, möchten Tantrika auch nicht der Welt entfliehen und in die Meditation abtauchen, sondern die Praxis findet mitten im Leben statt. Es ist das bewusste Sein, dass man ist. Zu abgefahren ausgedrückt? Lass es mich so formulieren: Es ist das Bewusstwerden, das man wahrnimmt. Bleiben wir beim Sonnenaufgang: Du schaust dir einen wunderschönen Sonnenaufgang an, gehst darin auf und bist dir völlig bewusst, dass du diesen Sonnenaufgang wahrnimmst. Das ist gleichzeitig Chit-Shakti, die Kraft des Bewusstseins. Die göttliche Kraft, die hinter allem liegt und die Wahrnehmung möglich macht. Hier findest du die Meditation zum Ananda-Shakti.

Was die Shaktis für unser Leben bedeuten

Wenn wir diese fünf göttlichen Superpowers durch uns wirken lassen, wenn wir darauf vertrauen, dass das Leben uns lebt, wenn wir genau hinhören, wofür unser Herz brennt, wir das Wissen aneignen, den Weg zweifelsfrei zu gehen, bewusst, liebevoll präsent und ganz da, dann entsteht eine innere Freiheit und eine zarte Zufriedenheit, die dich voller Glück jede Sekunde deines Lebens genießen lässt. In der Schönheit wie in der Schrecklichkeit, in der sanften Trauer genauso wie im himmelhochjauchzendem Glück.

Du hast den Mut, die Kraft und die Fähigkeit, dein Leben erfüllt zu leben.

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