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Mach dich frei! 5 Hürden, die du überwinden musst

Von Birgit Feliz Carrasco
Die Headline klingt fast politisch. Sie klingt zumindest gesellschaftlich aktuell und dennoch bezieht sie sich auf Verse des indischen Weisen Patanjali, der vermutlich um 400 vorchristlicher Zeitrechnung gelebt hat. Mit den Versen erklärt Patanjali Art, Sinn und Zweck des Yogaweges, erfasste dabei jedoch genau die Wesensart des Menschen und seiner Probleme im damaligen Alltag. Dass seine Lehrsätze aus dem „Yoga Sutra” heute gesellschaftlich und individuell aktueller sind denn je, hat mich schon immer fasziniert. Patanjalis Wissen um die geistigen, vielschichtigen Facetten der Yoga-Philosophie ist für jeden zeitgenössischen Menschen ein Fundus an Hilfe für unseren Weg auf der Suche nach wachsender Bewusstheit und Achtsamkeit. Für Yoga-Lehrende und -Praktizierende ist sein Schriftwerk eine reiche Quelle der Weisheit, an der wir uns stets laben können, wenn es uns mal wieder in der Wüste des Alltags dürstet – also eigentlich jeden Tag, wenn wir Spannungen erleben und uns nach Freiheit sehnen.

Worum geht es in Patanjalis Yoga Sutra?

Patanjali spricht in seinem „Yoga Sutra”, das 195 Verse (Sutras), also Lehrsätze, umfasst, Empfehlungen für den persönlichen Yogaweg aus – dies tut er ganz pragmatisch, nachvollziehbar und gangbar für jeden Menschen. Die überwiegende Zahl der Sutras beinhalten Ratschläge zur bewussten Wahrnehmung, dessen was wir fühlen und denken und wie wir unseren Geist von Unbewusstheit klären können. Hatha Yoga und Asanas spielten zu Lebzeiten Patanjalis kaum eine Rolle. Sie gewannen erst um zirka 1500 nach Christus an Bedeutung und auch dann längst nicht in dem Maß, wie wir Yoga heute kennen und praktizieren.

Patanjalis Lehrsätze sind liebevolle Empfehlungen zur Veredelung des menschlichen Charakters. Sympathischerweise bezieht er sich dabei mit ein, spricht oft von „uns” statt von „ihr”, stellt sich also nicht auf ein meisterliches Podest und erhebt sich nicht über andere, was in der Yoga-Szene der Moderne leider nicht immer so vorgelebt wird. Seine Sutren gibt es in diversen Interpretationen, die je nach Sanskrit-Gelehrten recht unterschiedlich übersetzt werden. Ich zitiere in diesem Artikel die Sutras in meinen Worten und nach meinem Verständnis der Inhalte.

„Unsere Yogapraxis sollte drei Qualitäten aufweisen: Klärung von Körper und Geist, Selbstreflexion und Akzeptanz der eigenen Grenzen. Durch diese Qualitäten verringern wir die Kräfte in uns, die Leid verursachen und die uns hindern, klare Bewusstheit zu erlangen.”

Patanjali, Sutra 2.1. und 2.2.


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Patanjalis Kleshas

Es gibt eine Menge Hindernisse auf dem Weg zur Bewusstheit, die uns aber nicht entmutigen sollten. Denn Patanjali erklärt auch, was uns blockiert: Um die genannten drei Qualitäten der Yogapraxis fortlaufend zu verfeinern, macht uns Patanjali in seinem Schriftwerk bewusst, was uns hindert frei und grenzenlos glücklich zu sein: Wir sind zu verspannt – und zwar im Kopf! Klingt sehr aktuell, oder? Im Körper sind wir natürlich auch verspannt, weshalb es sinnvoll ist, als Allererstes den Körper mit der Praxis von Asanas zu „klären”. Und dann sind es „nur” noch fünf Hindernisse, die es zu überwinden gilt, um innere Freiheit und klares Bewusstsein zu erlangen, was Patanjali „den Zustand des Yoga” und wir heute „Erleuchtung” oder „Erwachen” nennen.

Patanjali nennt die fünf gravierenden Hindernisse „Kleshas”, was aus dem Sanskrit als Schmerz, Pein, leidvolle Spannung oder auch als Anhaftung übersetzt wird. Es geht also um allerlei Prägungen und alte Muster, die jeder mit sich herumträgt, verpackt in einem altem Rucksack, der uns bei all unseren Reinkarnationen und in allen Jahren des irdischen Lebens wie behäbige Last am Rücken hängt und mit seinem Gewicht leidvolle Spannungen in Körper und Geist verursacht.

Einige Interpreten der yogischen Schriften betrachten die Kleshas als Ursachen jedweden menschlichen Leidens. Beginnen wir damit, unser persönliches Leid (zum Beispiel Liebeskummer oder Angst, zu wenig Geld zu haben) in Relation zu dem Leid der Menschen in armen Ländern und Regionen setzen, um uns bewusst zu machen, in welchen privilegierten Lebensumständen wir hier in Europa leben. Bedenken wir außerdem, in welchen Verhältnissen die Menschen zu Patanjalis Zeiten – rund 2.500 Jahre zuvor – lebten. Mit dieser Gegenüberstellung wird schnell deutlich: Unsere Kleshas heute sind vermutlich selbstgemacht und tatsächlich Verspannungen im Kopf, sehr wohl aber hinderlich für eine offene, höhere Bewusstheitsentwicklung, wenn wir an den inneren Verspannungen anhaften. Viele von uns empfinden aus unterschiedlichen Gründen innere Enge statt glücklicher Freiheit.

Die Kleshas überwinden: Was ist zu tun?

  1. Meditierend reflektieren.
  2. Mentale Hindernisse erkennen.
  3. Aus der Enge der Hindernisse lösen.
  4. Neue Blockaden vermeiden, bevor sie entstehen.
  5. Eine höhere Bewussheitsstufe erlangen und Freiheit spüren.

Patanjali erläutert in einigen Sutras, wie die Hindernisse – die Kleshas – beschaffen sind, und wie sie uns beherrschen, ohne dass wir dies bemerken. Er spricht immer wieder von „falschem Verstehen” und meint damit unbewusstes Denken und Handeln, im Gegensatz zu Denken und Handeln in erwachter Bewusstheit.

1. Klesha „Avidya” – das, was wir vergessen haben

Avidya bedeutet Nichtwissen oder Unwissenheit und umschreibt den Zustand der kosmischen Nichterkenntnis, also meiner Ansicht nach, dass nicht begreifen dessen, was die Schöpfung umfasst. Tatsächlich haben wir vergessen, wer wir wirklich sind und dass wir eine unsterbliche Seele haben. Das führt heutzutage in hochpotenzierter Form dazu, dass innerhalb des aktuellen – gedacht einzigen – Lebenszyklus alles intensiv erlebt und zusammengerafft werden muss, was nur irgendwie möglich ist. Dabei geht man unter Umständen über Leichen, geht im Schönheitswahn zu Operationen oder mobbt Kollegen oder bosst Mitarbeiter, bis sie im Burnout zusammenbrechen.

Um dieses Klesha zu überwinden, geht es darum, sich zu erinnern, dass der Seele mit ihrer Anbindung an die feinstoffliche Welt und an die Urquelle der Schöpfung Hab und Gut gänzlich gleichgültig ist. Die Seele ist in ihrer Existenz gelassen und glücklich. Unser Verstand ist es nicht. Und doch hat der Verstand die Fähigkeit zu erkennen, dass Teile seines Denkens Unsinn sind und Leid erschaffen. Schließ' mal kurz deine Augen und blicke mit den Augen eines Wesens aus feinstofflicher Dimension auf das Treiben auf der Erde. Ist es interessant, nachahmenswert oder wahnsinnig?

Patanjali empfiehlt, dir den Umstand des Nichtwissens bewusst zu machen. Durch Meditation deinen Geist zu klären, um Avidya in höheres Wissen, in Bewusstheit aus höherer Perspektive zu verwandeln... Kurzum: Einblick in das große Ganze zu erstreben und zu erfühlen. In der Jetztzeit haben wir alle umfangreicher denn je, die Möglichkeit dieses höhere Bewusstsein zu erlangen. Die Filter, die früher den Zustand der Erleuchtung wenigen möglich machten, sind heute mehr oder weniger eliminiert. Wer erwachen möchte, kann es. Die Schwingungen und feinstofflichen Energien in den gegenwärtigen Jahrzehnten tragen dich und mich in weitere Dimensionen des Begreifens. Suchst du schon, oder bist du einfach nur da?


Bleiben wir weiterhin im Zustand des Kleshas Avidya, im Zustand des Nichtwissens und in Ignoranz einer feinstofflichen Welt der Seelen, der Schöpfung leiden wir weiterhin. Avidya, also das, was wir vergessen haben und das, was uns bisher unbewusst ist, ist Basis für weitere vier Kleshas, die wir überwinden wollen.

„Unwissenheit (Unbewusstheit) bewirkt, dass wir Vergängliches für unvergänglich halten. So haften wir an Vergänglichem an, leben in Unfreiheit und können kein freies Lebensglück erfahren.”

Patanjali, Sutra 2.5.

2. Klesha „Asmita” – das, mit dem wir uns identifizieren

Der Klesha Asmita bedeutet Ich-Gefühl und Ich-Identifikation, also etwas, das jedem Menschen innewohnt und in gewissem Maß überlebenswichtig und gesund ist. Asmita tritt jedoch zu Patanjalis Lebzeiten wie heute als weiteres Hindernis zur bewussten Befreiung von Leid in Form von ausgeprägtem Egoismus auf. Wir identifizieren uns mit unserem Verstand, vielleicht auch noch mit dem Körper, aber sind wir auch Menschen des Herzens, des Mitgefühls, der Liebe. Auf die Frage „Wer bist du?”, die gerne bei Partyplaudereien gestellt wird, antworten wir meist mit Angaben zu Namen, Beruf, Besitz. Hast du schon einmal mit „Ich bin eine Seele, die auf Erden wandelt, in einem vitalen Körper wohnt und Freude am Leben hat” geantwortet? Asmita ist ein Hindernis auf dem Weg zu höherer Bewussheit – wenn uns nicht bewusst ist, womit wir uns identifizieren.

Zudem ist Egohaftigkeit wahrlich eine leidige (Ver-)Spannung, die uns allerorts begegnet. Wenn am Sonntagmorgen um 8 Uhr die Nachbarin ihre Fenster mit einem lautstarken Dampfreiniger putzt, nenne ich das Egohaftigkeit. Wenn Kinder nicht mehr dazu erzogen werden, in einem gut besuchten Café nicht über Stühle und Bänke zu springen, nenne ich das Egohaftigkeit, aus der noch mehr Egoismus erwächst. Und wenn Politiker sich auf Gipfeltreffen nur noch darüber Gedanken machen, wie sie Landesgrenzen gegen hungernde Flüchtlinge abschotten können, nenne ich das voluminöse Egohaftigkeit.

Und mit diesen persönlichen Ablehnungen bin ich mittendrin in der Asmita-Falle, denn Bewertungen in gut und schlecht gehören auch zu diesem Klesha. Einteilung in gut oder schlecht ist das, was wir hier auf Erden leben und Dualismus nennen, also zweidimensionales Denken und Handeln. Damit ich so wenig in die dualistische Falle tappe wie möglich, gehe ich bei Meinungsbildung auf diese Weise vor: erst Denken, dann reden oder handeln. Dabei frage ich mich stets, auf welcher Motivation meine aktuelle Meinungsbildung basiert. Identifiziere ich mich mit etwas? Bin ich vielleicht von den Medien beeinflusst? Sage ich nur „Das ist schlimm”, weil mein Gesprächspartner dies gerade auch so gesagt hat? Will ich mit meiner Bewertung gefallen? Ist meine Meinung vom Ego gesteuert, oder empfinde ich wahre Berührung im Herzen bei meinen Gedanken und Bewertungen? Asmita, das mit dem wir uns identifizieren, ist wiederum das Fundament weiterer Kleshas.

„Anhaftung an das unbewusste Ich führt zu falschem Verstehen und hindert uns an höherer Erkenntnis.”

Patanjali, Sutra 2.6.

3. Klesha „Raga” – das, was wir begehren

Raga ist ein weiteres Hindernis auf dem Weg zum Erwachen und in unserer Lebenszeit brisanter denn je. Es ist übrigens nicht weiter verwunderlich, dass diese und andere Inhalte der Kleshas von Patanjali in variierter Form in den ethischen Yoga-Disziplinen „Yama” und „Niyama” erläutert werden. Denn es sind tiefsitzende Prägungen, die wir alle nicht so leicht abschütteln können. Raga hat viele Bedeutungen: Bindung, Begierde, Leidenschaft, Emotion, Freude, Genuss, Stimmung oder Färbung. Auch bei diesem Klesha geht es nicht darum, emotionslos zu sein, wohl aber darum, das Maß aller Dinge im Auge zu behalten. Denn was wir maßlos begehren, bindet uns und verlangt stets nach weiterer Befriedigung. Wenn du zwanzig tolle T-Shirts in tollen Farben hast und diesen Sommer ein ganz neue, noch nie dagewesene Farbe Trend ist, begehrst du vermutlich, genauso wie ich, ein einundzwanzigstes T-Shirt. Und wenn dies gekauft ist, ist die Freude darüber bald verpufft... Velleicht gibt es noch eine weitere Farbvariante für diesen Sommer?

Sucht nach Freude und Genuss kann ebenso auf der Suche nach Bewusstheit hindern, weil wir damit beschäftigt sind, von der Materie oder den Emotionen, die wir dabei empfinden, immer mehr haben zu wollen. Wenn wir uns von etwas angezogen fühlen, beherrscht es uns. Raga ist eine Spannung im Kopf, die letzlich zu Leid führt, wenn wir nicht mehr bekommen, was uns bisher Freude machte. Und wer kann schon meditieren, wenn man an Power-Shopping von T-Shirts denkt?


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Um dieses Klesha zu überwinden, ist der Ausweg aus der Abhängigkeit bewusste Reflexion über das, an was wir uns binden und warum wir uns daran binden. Die Kleshas der Unwissenheit und der Ego-Identifikation tragen ihren Anteil an Raga. Patanjali empfiehlt, sich über das Klesha Raga bewusst zu werden und entsprechend zu handeln, bevor neue unbefriedigte Süchte entstehen. Ist es gar die Suche nach Glück selbst, die dich vor Freude entzücken lässt? Wenn ja, wo liegt dieses Glück? Im Äußeren oder im tiefen Inneren?

Eine harmonische Tonfolge indischer Musik wird auch als Raga bezeichnet. Ein Zufall? Wohl kaum, denn es geht bei allem im Leben um harmonische Schwingung, so auch um harmonischen Ausgleich unserer freudvollen Emotionen bei dem, was wir begehren.

„Begierde entsteht aus freudvollen Erfahrungen. Im Zustand der Unbewusstheit ist die Sucht nach Glück unersättlich.”

Patanjali, Sutra 2.7.

4. Klesha „Dvesha” – das, was wir ablehnen

Dvesha bedeutet Ablehnung, Abneigung oder Hass – ohne Zweifel werden hier Anhaftungen und Emotionen beschrieben, die unfassbar viel Lebensenergie verschlingen und unbewusste Menschen gänzlich von einem Weg zur Freiheit und Glück abbringen können. Dvesha erwächst ebenfalls aus der Sehnsucht nach Liebe und Vollkommenheit, also etwas, das jede Seele vor und zwischen ihren körperlichen Reinkarnationen im mehrdimensionalen Raum erlebt und von dem die Seele weiß, das es real existiert. Der Mensch mit Körper und Geist im unbewussten, nicht wissenden Zustand, sucht im Lebenszyklus auf Erden nach diesem unendlichen Wohlgefühl der Liebe und Vollkommenheit. Das führt dazu, dass man neidisch oder gar hasserfüllt auf Personen oder Menschengruppen blickt, die diese göttliche Liebe scheinbar gefunden haben. Auf diese Weise entsteht Missgunst unter Nachbarn oder Kollegen – man lehnt sie ab, weil sie harmonisch und glücklich sind. Es entstehen Kriege, religiöser Fanatismus oder Fremdenfeindlichkeit und Terror.

Wie lehnst du ab? Schließe kurz deine Augen, atme und mache dir deinen Bauchraum bewusst. Dann denke an jemanden, der dich aus deiner Sicht emotional verletzt oder aus anderen Gründen wirklich wütend gemacht hat. Spürst du die verschlingende dunkle Energie in deinem Bauch? Egal wie lange die Begebenheit her ist, sie treibt dich immer noch an, ist ein Teil von dir und blockert dich. Hülle das Ereignis in rosafarbenes Licht, atme die Energie aus und bitte das Universum in Dank, deine Dveshas aufzulösen.

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Manchmal kann Zorn sogar bewirken, dass man sich als jemand Besserer fühlt und dieses trügerische gute Gefühl hält an, solange man sich über andere ärgert. Ganz schön quer verspannt ist das, oder? Wiederum wird die Verknüpfung mit den Kleshas 1 bis 3 deutlich. Eckhart Tolle schreibt in seinem Buch „Die neue Erde” ausführlich und anschaulich über die Dynamik unseres feinstofflichen Schmerzkörpers, der süchtig nach Leid und Emotionen wie beispielsweise Hass ist. Wir verwickeln uns in allerlei Probleme und bringen uns selbst zu leidvollen Spannungen, wenn wir uns nicht bewusst machen, was und warum wir etwas ablehnen.

„Unglückliche Erfahrungen führen, so der Geist nicht geklärt wird, zu unbegründeten Abneigungen.”

Patanjali, Sutra 2.8.

5 . Klesha „Abhinivesha” – das, was uns Angst macht

Abhinivesha wird aus dem Sanskrit recht unterschiedlich übersetzt. Es kann Selbsterhaltungstrieb sowie Unsicherheit bedeuten oder auch Anhaften am Leben, Lebenswille oder Instinkt. Egal welche Übersetzung man wählt, die Folge dieser inneren (Ver-)Spannung, die im unbewussten Zustand erlebt und ausgelebt wird, ist Angst.
Angst vor vielem: Arbeitslosigkeit, Alleinsein, nicht anerkannt zu sein, nicht Teil der Gesellschaft zu sein, Angst zu verarmen etc.

Diese Varianten von Angst, Furcht und Sorgen sind in unserer Zeitepoche und in dem System, in dem wir leben, die Triebfedern für einfach alles. Du bist out, wenn du nicht das T-Shirt in der neuesten Trendfarbe trägt. Du bist auch out, wenn du kein Botox in deine Nerven spritzen lässt. Vielleicht bis du sogar out, wenn du nicht für deine Gesundheit Yoga-Asanas übst? Ganze Wirtschaftszweige existieren aufgrund von Ängsten der Menschen, die sich beispielsweise aus Sorgen um Gesundheit oder Diebstahl oder Altersarmut versichern, um im akuten Versicherungsfall unter Umständen festzustellen, dass die Versicherung die vereinbarten Leistungen gar nicht oder nur ungenügend erbringen. Das gesamte Gesundheitssystem (Pharmaindustrie, Krankenhäuser und Ärzteschaft) profitieren von der Angst der Menschen. Warum? Weil hinter allen neuzivilisatorischen Ängsten die Angst vorm Tod steht.

Eine sehr wirkungsvolle spirituelle Übung ist es, sich meditierend den eigenen Tod und den Verfalls des Körpers vorzustellen, sich ins Dunkle, ins Unbekannte fallen zu lassen und zu visualisieren, wie es sich anfühlt, wenn alles Materielle um dich herum und inklusive des grobstofflichen Körpers auflöst. Wenn man diese Vision oft genug übt, spürt man, dass man trotzdem noch ist und man erinnert sich an das, was man vergessen hat (Klesha Nummer eins: Avidya). Genau dies ist es, was die Haltung Savasana tatsächlich bewirken will und kann: In Rückenlage entspannt zu verweilen, dabei den eigenen Körper wie eine Leiche unbewegt zu lassen und wie ein Toter einfach das Irdische loszulassen, sowie alle Identifikation mit dem Grobstofflichen zu eliminieren. In solchen Momenten tiefer Empfindung im Yogaunterricht oder Minuten vollkommener Gelassenheit während einer Meditation lösen sich wahrhaftig alle alltäglichen Sorgen auf.

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Patanjali empfiehlt, uns unsere Ängste, sowie die Urangst des körperlichen Todes bewusst zu machen, um auch dieses Klesha zu überwinden und Abhinivesha als Hindernis auf dem Weg zum Erwachen zu meistern.

„Schließlich wird ein Zustand erreicht, in dem sich das Handeln eines Menschen nicht mehr auf Kleshas gründet.”

Patanjali, Sutra 4.30

Und wenn der Kopf endlich nicht mehr verspannt ist, wenn das Gefäß des Körpers endlich leer von allen Kleshas ist, dann entsteht Freiraum für höheres Bewusstsein. Nun kann das Licht der Urquelle in dich hineinströmen, kann dich umhüllen und wird dich in Liebe tragen. Freiheit ist für jeden fühlbar.

„Die Praxis von Yoga und Meditation führt in einen Zustand vollkommener Freiheit.”

Patanjali, Sutra 4.26

Mein Vorschlag an dich: Zieh deinen Rucksack aus Erfahrungen, Hindernissen und Kleshas ab und lass ihn liebevoll vom Universum entsorgen. Patanjalis Empfehlungen und Weisheiten des Yoga sind vor rund 2.500 Jahren entstanden. Nach so langer Zeit könnten wir doch wirklich mal einen Bewusstheitssprung und finalen Schritt in die Freiheit wagen. Wir schaffen das!

Love and light
wünscht dir
Birgit Feliz Carrasco