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Yoga und Botox? Ja, das ist ein Thema.
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Yoga und Botox? Ja, das ist ein Thema.

Von Kristin Rübesamen

Himmel, wie fassen wir dieses heiße Eisen nur an? Unser geliebtes Yoga, das uns hilft, den Kopf über Wasser zu halten und den Körper geschmeidig, und dieses fiese Nervengift, das sich nur Menschen mit Minderwertigkeitskomplexen ins Gesicht spritzen: wie soll das zusammen passen?

Sofort hatten wir alle Argumente parat, die gegen Schönheitsoperationen und dergleichen sprechen. Dass es im Leben um die innere Schönheit geht, darum, sich selbst so anzunehmen, (sprich faltig, müde, alt), wie man ist, und zwar voller Dankbarkeit und Demut, dass die Menschen nach ihrem Charakter zu beurteilen sind, nach ihrer Güte, ihrer Klugheit und ihrem Humor. Und während wir uns in schönster Einigkeit auch gleich besser fühlten in der Aufzählung dieser Argumente, meldete sich eine kleine hässliche Stimme in unserem tiefsten Inneren, die protestierte: „Stimmt doch gar nicht, in Wahrheit fühlen wir uns doch alle besser, wenn wir uns selbst schön finden, also tut doch nicht so.“ Wir ließen die Diskussion also sein und wandten uns wieder Vorbeugen, der Wirbelsäule, Prenatal-Yoga, der Schilddrüse, Lesermeinungen und womit wir uns eben so beschäftigen bei YogaEasy.de, zu.

Bis uns eine von uns sehr geschätzte Yogalehrerin gewissermaßen nach Dienstschluss von ihren Erfahrungen mit Botox erzählte und wir aus allen Patanjali getränkten Wolken fielen.

Sie ist über 40, läßt sich regelmässig Botox spritzen, zwischen die Augenbrauen und auch um die Augen herum, mittlerweile greift sie auch zu Hyaluron für die Wangenpartie. Nur vor den Lippen schreckt sie noch zurück. Sie geht zu einer Topadresse in Düsseldorf, welche auch ein englisches Topmodell aufsucht. Während sie von der Funktion des in Insiderkreisen charmant genannten „Weichzeichners“ spricht und von der „homöopathischen Dosis“, die sie rund um die Augen nimmt, fragen wir uns, welche Wahrheit hier verschönt werden soll und welche Krankheit kuriert. Wo endet der Wunsch, sich etwas Gutes zu tun, und wo beginnt der Wahn, perfekt sein zu wollen? Und wo genau liegt die Grenze zwischen den Hürden, die wir in endlosen Hüftöffnern nehmen, und ihrer Freude daran, ein paar Krähenfüße glattzubügeln? Angeblich sind deutsche Frauen heimlich stolz darauf, sich bei dekorativer Schminke zurückzuhalten, weil sie ihren „wahren Kern“ verberge. Sie nehmen weniger Rouge und Kajal und lassen sich auch nicht so mächtige Dauerwellen legen wie die Italienerinnern und die Frauen im Orient. Umso beherzter greifen sie dafür, heißt es, bei unsichtbaren Schönheitsmitteln zu, Pillen und Spritzen. Nun, ob diese Theorie stimmt oder nicht, unsere Freundin war höchst vergnügt und zufrieden mit sich selbst. Warum sie dann nicht ihren Namen sagen möchte? „Weil man darüber nicht redet in Deutschland, vor allem nicht in unserer Szene. Albern, aber so ist es.“ Sie sah keinerlei Widerspruch zu ihrer Tätigkeit als Yogalehrerin. „Ich sehe gut aus und inspiriere meine Schülerinnen dazu, sich um sich selbst zu kümmern. Außerdem, auch ein Aspirin ist Gift und Kaffee und Wein ebenfalls, es kommt lediglich auf die Dosis an“.

Das berühmte Maßhalten, das ist es wieder. Soll jeder machen, was er will? Natürlich. Finden wir Botox gut? Hhm, ehrlich gesagt, keine Ahnung. Wenn es eingesetzt wird wie ein Schluck Kaffee, Parfüm, eine aufregende Verabredung im Regen auf der Brücke über der Seine, wenn es, wie wir kürzlich in der Zeitung gelesen haben, gegen Depression eingesetzt wird, dann Ja, oder besser: OK. Nein, wenn es den Frauen (oder Männern) vormacht, sie würden dadurch glücklich und vollkommen. Die Wahrheit ist, ein großer Teil derjenigen, die Botox nehmen, wird nicht zufriedener, sondern unzufriedener. Ihre Aufmerksamkeit sucht sich neue Makel und ein Teufelskreis beginnt. Manche Menschen können damit umgehen, ohne ihre Souveränität einzubüßen. Diese kleine Spritze sorgt dafür, dass sie sich besser fühlen, davon profitiert auch ihre Umgebung. Wir jedenfalls hatten einen schönen Nachmittag mit unserer Freundin, der Yogalehrerin, die Botox spritzt, haben aber im Anschluss unser Geld in nichtveganer Pizza und Rotwein angelegt anstatt in Nervengift. 

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