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Harmonisiere dein Prana: Alles über Vayus
Bild: yogaeasy

Harmonisiere dein Prana: Alles über Vayus

Von Kristin Rübesamen

Ob wir morgens aufstehen, im Frühling die Sonne die Pflanzen aus der Erde holt, wie wir einen Raum voller Menschen betreten, wie wir uns durchs Leben bewegen, ob wir in den Seilen hängen oder mutig voranschreiten, immer ist Energie im Spiel. Wir brauchen kein Yoga, um zu spüren, dass uns all das manchmal besser gelingt und manchmal gar nicht. Wenn wir es nicht ganz dem Zufall überlassen wollen, ist Yoga eine bewährte Technik, um seine Energie strategisch einzusetzen. Ok, strategisch ist sicher nicht Veronika Freitags Lieblingswort, deshalb fragen wir die bezaubernde Anusara-Yogalehrerin aus Hamburg am besten, wie das geht mit den Vayus, den unterschiedlichen Energien.

Interview mit Veronika Freitag: Was du über Vayus wissen musst
 

1. Wie würdest du einem Anfänger „Prana” erklären?

Nun, da darf ich erstmal auf das allumfassende Prinzip des Universums zurückgreife: Das ist zu verstehen, dass alles im Universum Bewusstsein ist und dass Bewusstsein Energie ist und eben diese Energie ist bewusst. Also verstehen wir, dass die Welt von einer unsichtbaren Energie erfüllt ist, die sie hat entstehen lassen und am Leben hält. Unsichtbar ähnlich wie Radiowellen, die im Raum sind und von den entsprechenden Empfängern, also z.B. dem Radio, empfangen werden können. Genauso können wir uns die Energie namens „Prana” vorstellen. Sie ist allgegenwärtig und erfüllt alles mit Leben und Bewusstsein. Von den Atomen bis zu den Molekülen bis zu unseren feinen biologischen Körpern. Prana ist die Energie hinter unserem Atem, die Energie, die den Geist bewegt und vom Geist bewegt wird. Es ist die Kraft und die Intelligenz hinter unserem biologischen Leben.

Ein Anliegen der Yogapraxis ist es, dieser Energie ihren Raum zu geben, ihre verschieden Komponenten zu harmonisieren und in den natürlichen Fluss zu bringen. Die Bewusstheit im Atem, unsere Intention, Bewegungen und eine feine Ausrichtung des Körpers werden zu einer Kunst, die dann ähnlich wie beim Radio unseren Körper sehr feinstofflich einfach auf diese Energie einstellt, dass wir möglichst störungsfrei Prana empfangen. Um in dem Bild zu bleiben: Es ist wie ein scharf eingestellter Radiosender, der die ohnehin vorhandenen Radiowellen feingetunt klar empfängt und daher einen Song oder ein Lied klar und deutlich hörbar machen kann. Unsere Sinne nehmen das dann auf, und wir wissen, dass etwas Schönes empfangen wurde. Im Anusara Yoga nennen wir den Vorgang „Grace“ and daher sagen wir „Open to Grace“, was einen wesentlichen Bestandteil unserer Ausrichtungsprinzipien ausmacht.

Vayus in der Yoga-Philosophie

In den Ursprüngen des Yoga, in der philosophischen Richtung des Vedanta, wurde Prana mit Bewusstsein, genauer dem Bewusstsein des Selbst, assoziiert. Der Blick auf Prana ist hier mehr als der Blick auf die Bewegung des Atems – er richtet sich auf das Bewusstsein, das mit der Bewegung geht.

Pranayama war in diesem Kontext nicht einfach das Üben mit dem Atem, sondern eher das Erfühlen und Erkennen des „einen“ hinter Prana, dem „was uns atmet“ – das wahre Selbst.

Die „Vayus” sind verschiedene Aspekte von Prana, die hinter verschiedenen Abläufen und Bewegungen in uns stehen. Sie werden auch Vatas genannt, weil sie verschiedene Ausprägungen des ayurvedischen Vata-Doshas sind. Die Auseinandersetzung mit diesen verschiedenen Energiequalitäten hilft uns, unseres Selbst bewusster zu werden und uns energetisch zu harmonisieren.

B.K.S. Iyengar schreibt in seinem Klassiker „Licht auf Yoga” folgendes über die Vayus:

„Eine der subtilsten Energieformen ist die Luft. Diese Lebens­energie, die auch den menschlichen Körper durchströmt, wird nach den Hatha-Yoga-Texten in fünf Hauptkategorien eingeteilt, entsprechend den verschiedenen Funktionen, die sie ausüben. Diese Kategorien heißen: Vayu, Wind.”

Weiter erklärt er:

„Ihre fünf Hauptunterteilungen sind: 

Prana Vayu (hier wird die allgemeine Bezeichnung für das Besondere angewendet). Dieses bewegt sich im Bereich des Herzens und kontrolliert den Atem. 

Apana Vayu, das sich im unteren Bauchbereich bewegt und die Funktion der Ausscheidung von Urin und Kot kontrolliert. 

Samana Vayu, das die feurigen Magensäfte anregt, damit sie der Verdauung helfen.

Udana Vayu, das im Kehlkopf wohnt und den Einstrom von Luft und Nahrung kontrolliert. 

Vyana Vayu, das den ganzen Körper durch­strömt und die Energie verteilt, die aus Nahrung und Atmung gezogen wird.”

2. Warum sollen wir uns für Vayus interessieren?

Die Vayus sind aus vielen Gründen total spannend: Zum einen erlaubt uns die Auseinandersetzung mit ihnen, verschiedene energetische Aspekte von uns und Vorgänge in uns besser zu verstehen und in Balance zu bringen. Was für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit so sehr dienlich ist. Zum anderen führt die Bewusstheit über die Vayus – angewendet als eine sehr subtile Form von Pranayama – sehr schön in die Meditation. Wir können andere Dimensionen unseres Bewusstseins erleben - sprich die Praxis mit den Vayus bringt SELBSTerkenntnis.

Die Yoga-Pranayama- und Meditationspraxis mit den Vayus ist eine Möglichkeit, verschiedene Aspekte von Prana erlebbar zu machen. Das Erlebbare wird nun, da wir es besser verstehen und dann auch bewusst lenken können, in Einzelelemente, Energiequalitäten oder Bewegungsrichtungen aufgegliedert.

3. Welche Vayus gibt es, und was sind ihre Rollen?

Das erste und natürlich offensichtlichste ist das oben bereits angesprochene Empfangen und Aufnehmen von Energie. Wir nennen es „Prana Vayu” – wie könnte es auch anders sein. Diese Energie hat einen Gegenpol,  das ist „Apana Vayu”. Das ist die Energie, die uns hilft Energie eine gewisse Zeit zu halten, um dann nicht Verwertbares auch wieder loszulassen, nämlich das, was wir nicht mehr brauchen. Das ist die Intelligenz hinter Apana Vayu.

Ein Anliegen der Yogapraxis ist es, Prana und Apana Vayu ins Gleichgewicht zu bringen. Das führt uns in die eigene Mitte und zu Samana, dem dritten Vayu. „Samana Vayu” steht für die körperliche Mitte, die Verdauungskraft in dieser Mitte, die unterscheidet, was wir halten, aber auch loslassen wollen. Da es sich generell auf Energie bezieht, bezieht sich Samana Vayu nicht nur auf das Verdauen  hinsichtlich der aufgenommenen Nahrungsmittel, sondern auch darauf zu unterscheiden, was wir an Informationen, an Gedanken und Glaubensmustern, halten oder auflösen wollen. Dazu brauchen wir eine kleine Pause, einen Raum. Samana Vayu ist gleichzeitig dieser Raum, der entsteht, im Gleichgewicht zwischen der Energie des Einatmens (Prana Vayu) und der des Ausatmens (Apana Vayu). In der Balance entsteht wie gesagt eine natürliche Pause – in diesem Raum haben wir die Möglichkeit in ein subtileres Bewusstsein einzutreten.

Nun fehlen nur noch „Udana Vayu”, und als letztes das „Vyana Vayu”. Udana Vayu ist unter anderem die Energie hinter dem, was wir in unserem Leben zum Ausdruck bringen möchten, durch das, was wir sagen, aber auch das, was wir mit unserem Leben erschaffen. Vyana Vayu ist die Großzügigikeit im System, es ist, wie wir uns als Ganzes erleben, körperlich und über die körperliche Grenze hinaus. Vyana Vayu ist dafür zuständig, dass die Energie gleichmäßig im gesamten Körper verteilt wird.

Vayus halten uns am Leben, unterscheiden Ungewolltes von Gewolltem und bringen uns in eine Balance für ein glückliches, gesundes Leben, wenn wir diese Vorgänge verstehen und bewusst auf sie achten. Gleichzeitig erkennen wir mehr und mehr von uns Selbst und unserer Kraft.

4. Was passiert, wenn diese Vayus „blockiert” sind?

Die kurze Antwort: Wir fühlen Unbehagen, fühlen uns einfach nicht richtig wohl oder werden krank, weil Energie nicht mehr fließt. Es gibt eine ganze Palette von Krankheitssymptomen, die in Verbindung mit unseren Atemmustern stehen und mit Ungleichgewichten in den Vayus assoziiert werden können.

5. Welches der fünf Vayus ist in unserer Zeit besonders schwer zu aktivieren?

Das ist von Mensch zu Mensch ganz individuell. Je nach Lebensweise, Prägungen, Glaubenssätzen und Atemmustern können verschiedene Vayus in Dysbalance sein. Ist allerdings ein Vayu in Dysbalance, dann hat das einen Einfluss auf das gesamte Vayu-System, vor allem auf Vyana Vayu, das das gesamte System hält und von den anderen Vayus abhängt. Es gibt in dem Sinne auch nichts zu aktivieren. Die Vayus sind aktiv, gegebenenfalls eben einfach blockiert (etwa bei Verstopfung), und dann kränkelt das Gesamtsystem.

6. Diffuse Ängste, Schlaflosigkeit, Rastlosigkeit und ein hoher Erfolgsdruck begleiten unseren Lebensstil. Was macht das mit unserer Energie?

In all dem verlieren wir Energie, weil es in nicht dem entspricht, was wir in unserer Natur sind. Wir fühlen uns im geringsten Fall unruhig und gleichzeitig schlapp, also energielos. Im schlimmsten Fall kann es uns empfindlich schaden.

Bezüglich der Vayus könnte uns hier die Stärkung von Apana Vayu und der Fokus auf einen langsamen geführten Ausatem helfen. Es gilt Gedankenstrukturen, Glaubenssätze und Informationen loszulassen, die mit der Angst in ihrem Kern diese innere Unruhe erzeugen. Gleichzeitig hilft die Balance im Atem, mehr unsere eigene Mitte zu finden (Samara Vayu), dort zu erkennen, wer wir eigentlich in dieser Welt sein möchten, und ob das Umfeld und die Erwartungen von anderen und wie wir selbst unbewusst strukturiert sind, dem entsprechen. Und wir lernen, zu unterscheiden, was uns nicht mehr „dienlich“ ist. Wenn wir mehr von dem erkennen, was sich wirklich durch uns entfalten möchte (Udana Vayu), wenn wir uns dieser Kraft zuwenden, dann werden wir mutiger, unser Bewusstsein erhöht sich, und wir werden weniger anfällig in Bezug auf eigene Ängste und ungesunde Strukturen um uns herum. Die erlebte äußere Realität verändert sich mit unserer inneren Veränderung.

Die 5 Vayu-Videos von Veronika Freitag

Jeweils eine Einführung in die Vayus, eine passende Asanapraxis sowie der Ansatz sich diese Energien besser bewusst zu machen und dabei zu lernen das Gesamtsystem zu stärken. Also auf geht's ins bewusste Erfahren! Viel Freude dabei!

Hier die Inhalte der Videos in Kurzform:

1. „Prana Vayu“ oder „Unser Herz öffnen und unser Gefäß füllen“ 

Eine vitalisierende Praxis: Der Fokus liegt auf leichten Rückbeugen, ausrichtungstechnisch auf dem Nieren und Schulter-Loop. Es geht vor allem auch um das Einatmen.

2. „Apana Vayu” oder „Die Kunst zu halten, was wir brauchen und loszulassen, was wir nicht brauchen”

Eine stressabbauende Praxis, ruhig. Fokus: Hüft- Stabilisierung und Öffnung, mit Fokus auf den Ausatem

3. „Samana Vayu“ oder „Zeit zum Verdauen“

Involviert Twists und Core-Übungen sowie Pausen zur Reflexion. Es geht um die Balance zwischen Ein- und Ausatem.

4. „Udana Vayu” oder „Der authentische und kreative Ausdruck unseres Seins“

Subtile und feinfühlige Praxis. Sie legt den Fokus auf Sushumna Nadi, Kopfloop, Pranayama und Meditation.

5. „Vyana Vayu“  oder „Energie verteilen und sich als Ganzes erleben – über die körperliche Grenze hinaus“

Hier lassen wir die Energie in uns fließen. Der Fokus Ausrichtung liegt auf muskulärer und organischer Energie, was ein Pulsieren erzeugt.

Danke an Christian Rath, Veronikas Co-Autor!

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