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Bildquelle: Istockphoto.com

Ich bin dann mal still

Von Kristin Rübesamen

Manchmal passiert es von alleine. Wir wachen früh auf, treten ans Fenster und öffnen es weit. Wir hören höchstens ein paar Vögel, vereinzelt, deutlich, als hätten sie die Welt für sich, vielleicht noch in der Ferne einen Lastwagen. Selbst wenn wir im Bett liegen und die Augen geschlossen haben, können wir hören, wo wir sind. In Paris hört man, wie die Straßen gesäubert werden. In Berlin einen verkaterten Engländer und einen Rollkoffer auf dem Kopfsteinpflaster in Mitte. Aber sonst? Everything is quiet.

Manchmal löst diese Stille ein fast ehrfürchtiges Gefühl aus. Als könnte so früh morgens nichts Schlimmes passieren. Als sei jeder Tag tatsächlich, so wie es immer platt heißt, ein „Geschenk“. Denn es ist ja tatsächlich eine Freude, wenn jeden Tag aufs neue die Sonne aufgeht und man mit von der Partie sein darf.

Dauernd will einem jemand was „zurufen“.

Dieses Gefühl ist, eine Stunde später in der U-Bahn, nach einem leichten Schwitzanfall von zu viel Kaffee, natürlich futsch. Irgendwelche Leute spielen sich Trottel-Clips auf ihren Handys vor, andere Menschen lassen einen teilhaben an ihren Telefongesprächen, naja, ihr kennt das ja. So geht es dann den ganzen Tag, von Meeting zu Meeting und „Mahlzeit“ zu „...das wollte ich Ihnen noch zurufen“. Ein Lärmen, ein Hupen, ein Gasgeben und Motorlaufenlassen, ein Meer an Sound. Wissenschaftler haben längst bewiesen, was sie mit uns macht, die „noise pollution“, die Lärmverschmutzung: Sie strapaziert unsere Nerven mehr, als wir denken.


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Stille ist nicht Stille.

Still ist es auch in einer Shopping Mall nach Geschäftsschluss, in einer Beziehung, die keine mehr ist, in einer Gesellschaft, die Angst vor Repression hat. Diese Stille ist drückend und lähmend, das dazugehörige Schweigen vielsagend. Und nichts ist befreiender, als dieses Schweigen zu brechen.

Tiefe Stille

Tiefe Stille findet man dagegen nur, wo auf den ersten Blick nichts ist. Kein Lärm, kein Programm, keine Termine. Es ist eine Stille, die einen auf einen selbst zurückwirft. Man muss sie aushalten können. Sobald einem das gelingt, passiert etwas Seltsames. Es ist, als wechselt man von einem Bein auf das andere und plötzlich ändert sich die Perspektive. Manchmal klärt sich etwas, manchmal beruhigt sich etwas, manchmal bleibt es auch bei der Stille, aber zu der Stille kommt ein Gefühl. Wem „innerer Frieden“ zu pathetisch klingt, dem genügt unter Umständen das Wissen, mit seinen Gedanken einfach zur Ruhe zu kommen. Yogash chitta vrtti nirodah. Everything is quiet.

Leise ist auch schon gut.

Manchmal muss es gar nicht still werden, schon leise ist cool. So ist das Om nach einer kurzen Stille zu Beginn der Praxis viel mächtiger, wenn es nicht heraustrompetet wird als Deklaration von Überlegenheit, sondern als zarter Versuch, gemeinsam einen Ton zu treffen und ihm dann zuzuhören. So ein zartes OM hat Konsequenzen. Die gesamte Praxis bekommt dadurch einen bescheideneren Charakter, finde ich. Es ist wie ein kurzes Innehalten, eine knappe Verneigung vor dem Leben oder Gott oder wem auch immer. Man muss ja nicht gleich von Demut sprechen, aber es macht einen Unterschied. Achtet einmal darauf.

Stille im Kloster und im Wald

Manchmal findet man eine solche Stille in Klöstern und bei Mönchen, wenn sie mit einem besonderen Ernst, mit Hingabe und Gründlichkeit, aber auch einer Zurückhaltung gegenüber anderen Menschen ihre Aufgaben erfüllen. Marketingleute sprechen dann manchmal von „Kraftorten“, ein scheußliches Wort, dabei gibt es diese Orte wirklich. Selbst wenn keine Mönche mehr dort leben oder sie sich scheu zurückziehen und nur ein kleiner Klosterladen überhaupt den Eindruck von Lebendigkeit vermittelt, ist die Stille an diesen Orten besonders mächtig und anziehend. Manchmal findet man sie auf einfach im Wald. Es gibt einen Ort, wo sie immer auf einen wartet, und das ist, ihr habt es euch sicher schon gedacht, die Meditation. Was für ein Geschenk.