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Zum Geburtstag von BKS Iyengar
Bild: via Wikimedia Commons by Mutt Lunker (Own work)

Happy Birthday, BKS. Iyengar – wir vermissen dich!

Von Kristin Rübesamen

Happy Birthday, BKS Iyengar – Gründer der Iyengar-Yoga-Methode, Autor von „Licht auf Yoga” und Träger der unglaublichsten Augenbrauen, die jemals eine Rückbeuge erleben durften!

Geboren am 14. Dezember 1918, gestorben am 20. August 2014: Fast ein Jahrhundert steckt in diesem Mann, der für Yoga getan hat, was Steve Jobs für den Personal Computer und Nelson Mandela für Afrika erreicht haben: Aufklärung, Therapie, Glück.

50 Jahre „Licht auf Yoga”

Vor 50 Jahren veröffentlichte BKS Iyengar einen Leitfaden für Yogis, der sehr viel mehr war als ein Lehrbuch. „Licht auf Yoga” (1965) wurde zu dem Buch, das Yoga im Westen bekannt machte. Wenn also jemand für die Globalisierung von Yoga verantwortlich ist, dann jener Mann, der als Junge unter Tuberkulose litt und so schwach war, dass seine Familie eigentlich gar kein Schulgeld mehr für ihn bezahlen wollte, so gering war seine Überlebenschance. Unzählige Menschen auf der ganzen Welt haben es ihm zu verdanken, wenn sie heute wieder gehen, stehen und liegen können ohne Schmerzen. Denn nur, weil er seinen reichen Erfahrungsschatz systematisiert und der Welt zugänglich gemacht hat, gibt es heute in Fitness-Centern „Rückenyoga” und „Schwangeren-Yoga”.

Für und wider die Globalisierung von Yoga

Gegen die ständig wachsenden Globalisierung von Yoga gibt es immer mal wieder Protest, manchmal aus Indien selbst, wo man behauptet, Yoga sei ein nationales Produkt, das der Westen geklaut habe, manchmal auch im Westen selbst. Zwei Nachrichten, die diese Kontroverse demonstrieren, waren jüngst zu lesen: Dass „gute Yogis schneller aus dem Gefängnis kommen” in Indien und dass eine kostenlose Yogaklasse für Behinderte an der Universität in Ottawa, Kanada, abgesetzt wurde, wegen kultureller Unterdrückung und Genozid, den die Inder währen der britischen Kolonialherrschaft erfahren hätten. 

Was hätte Iyengar, der Yoga im Westen bekannt machte, der die Yogamatte erfand, als er damals in München auf der Suche nach einer geeigneten Unterlage eine Teppichunterlage zurechtschnitt, dazu gesagt? Man stellt sich vor, dass es ihn, der eine Menge Geld in die Ausbildung unterprivilegierter indischer Schüler steckte, freuen würde, wenn Indien jetzt ein Yogaministerium und einen Internationalen Yoga Tag ausgerufen hat.

Oder hätte er Bedenken? Dass jedoch viele Inder Yoga mit dem selben Blick wie viele Yogis im Westen betrachten - mehr Wellness-Technik als Spiritualität-, schockiert seinen Sohn Prashant Iyengar, wie in dem exzellenten Interview in „Quellen des Yoga” zu lesen ist: „Wir sollten dankbar sein für diese Popularisierung... In unserer heutigen Zeit hat die Erwartungshaltung, durch Yoga das eigene Wohlbefinden zu steigern, eine wahre Fülle von Kunden, Konsumenten und Nutzern hervorgebracht. Yoga ist sogar zum Thema der eigenen Karriere geworden... zum Geschäft. Dringend muss die Entwicklung wieder korrigiert werden. Yoga muss als philosophisches System... mit eigener spiritueller Ethik verstanden werden.”

Yoga als nationales Erbe

Für Yogis des 19. Jahrhunderts wie Swami Vivekananda war Yoga ein Mittel, Indien in der Welt gut dastehen zu lassen, selbst in Zeiten, wo das Land schwach war: Yoga bekam eine nationalistische Funktion. Iyengars „Licht auf Yoga” verkörperte in den 60er Jahren jenen Geist der Moderne, der ein schwaches, von seinen Kolonialherren niedergedrücktes Land hinter sich ließ, und als Praxisbuch sein Wissen der ganzen Welt anbot. Der Sound, in dem Iyengar seine Erfahrungen aufschrieb, war nicht nur bescheiden, sondern auch offen für Interpretationen.

Yoga ist keine Religion

Auf die Frage, ob Yoga eine Religion sei, im Kontext der aufgehitzten Diskussion um Religion und Glaube keine unwichtige Frage, stellte Vater Iyengar immer klar, dass Yoga keine Religion sei, sondern eine Technik, mit Religion und Themen wie Hingabe und Glauben genauso offen umzugehen wie mit Medizin und Evolution. Damit hat unser geliebter BKS bereits 1965 eine Brücke zwischen Westen und Osten geschlagen und jenen Geist der Aufklärung geschaffen, den wir heute so dringend brauchen.

Das Interview im SZ-Magazin, das unsere Chefredakteurin Kristin Rübesamen geführt hat, kannst du hier nachlesen.

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