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Iyengar: „Die Augenbrauen hat Gott mir geschenkt”

Iyengar: „Die Augenbrauen hat Gott mir geschenkt”

Von Kristin Rübesamen

Er sitzt wie jeden Nachmittag am Schreibtisch in der Bibliothek im Keller seiner Schule in Pune. Ein Ventilator eiert an der Decke, ab und zu geht das Licht aus. Überall Bücher. Seine Laune ist prächtig, er schneutzt sich noch schnell in seinen Kittel, dann kann’s losgehen. Audienz beim ältesten Yogalehrer der Welt: BKS Iyengar.

Es ist genauso schwer, allein mit BKS zu sein, wie beispielsweise mit Angelina Jolie oder Wladimir Putin. Die ganze Zeit sind Schüler um ihn herum, sein Sekretär, seine Familie, wohlmeinende Behüter, die ihn abschirmen, damit er in Ruhe Kaffee trinken, üben, meditieren, Mittag essen, lesen kann. Aber auch, wenn niemand in der Nähe ist, so wie an diesem Nachmittag an seinem eisernen Schreibtisch, der bessere Tage gesehen hat, man muss hier dennoch durchaus Thron sagen, umgibt ihn eine Aura.

Nicht die Aura der Schönheit, obwohl er, wie man sich beim Anblick der vielen Fotos und Statuen, die überall herumstehen, denkt, natürlich umwerfend aussieht, und nicht die Aura der Macht, obwohl jeder, der ihm begegnet, vor ihm auf die Knie sinkt, seine Füße küsst, wenn er sich überhaupt in die Nähe wagt, also nicht die Aura von Jolie und Putin, sondern etwas, das mit Leidenschaft zu tun haben muss.

Weshalb es dann wieder ganz einfach ist, mit diesem Mann zu reden: Einem Mann, dessen Leben ein harter Leidensweg war, der sich seine Weisheit löffelweise erkämpft hat, dem Yoga das Leben gerettet hat, und der dafür diesem Yoga wiederum sein Leben gewidmet hat und damit unzählige Menschen auf der ganzen Welt kuriert, der stolz ist und bescheiden zugleich, den nichts schreckt, selbst der Tod nicht. “Denn wer hat nichts hat, dem kann auch nichts genommen werden.”

Jetzt sitzt er vor seiner halben Tasse Kaffee und lacht. Denn jetzt ist ein guter Augenblick zum Lachen. Nicht morgens um fünf, wenn er seine Atemübungen macht, nicht später, wenn er seiner Enkelin auf die Finger schaut, die mit ihm unterrichtet und sein gefürchtetes Temperament geerbt hat, nicht mittags, wenn er mit der ganzen Familie, zu der viele grimmig aussehende Frauen gehören, Mittag isst, jetzt am Nachmittag, wenn die Arbeit getan ist, ist die Zeit gekommen, sich ein bisschen zurückzulehnen und gelegentlich in lautes Gelächter auszubrechen. Später gibt es Sport im Fernsehen, den er sich vielleicht ansehen wird, noch eine Therapiestunde, diesen oder jeden Kram.

Man hat einen guten Augenblick mit ihm erlebt, aber würde auch jeden anderen gerne mit ihm teilen.

Das Interview im SZ-Magazin, das unsere Chefredakteurin Kristin Rübesamen geführt hat, liest du hier.

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