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Bild: Focus on Yoga | Simone Leuschner

Alles über Mudras - Ausführung, Wirkung, Tradition

Von Katharina Goßmann

Was sind Mudras?

Mudras sind Gesten, die Energie lenken können. Am bekanntesten sind Mudras, die mit Händen und Fingern geformt werden.

Übersetzt bedeutet Mudra „Das, was Freude gibt“ - „Mud“ heißt Freude, „ra“ geben. Trotz dieses vielversprechenden Namens werden Mudras im Westen eher selten praktiziert und sind (noch) nicht wirklich im Yoga-Mainstream angekommen. In Indien dagegen sind Mudras weiter verbreitet als die bei uns so beliebten Asanas (Yogahaltungen).

Viele westliche Yogis beschränken sich auf die wenigen Mudras, die häufig im Yoga-Unterricht vorkommen und wissen häufig nicht genau, warum sie die entsprechenden Mudras üben oder welche Wirkung sie haben. Deshalb haben wir einen Überblick über die wichtigsten Mudras zusammengestellt – wie sie ausgeführt werden, was sie bedeuten und wie sie wirken.

Die wichtigsten Mudras beim Yoga


Anjali (Namaskar) Mudra

Das häufigste Mudra beim Yoga ist sicherlich das Anjali Mudra, auch Namaskar Mudra genannt. Hier werden die Hände in Gebetshaltung vor das Herz-Chakra (Anahata Chakra) gebracht. Das Anjali Mudra ist im Yogaunterricht fast immer Teil der Begrüßung und Verabschiedung und wird häufig während des Om-Singens gehalten.

Das Mudra wird auch als „Namasté“ bezeichnet, weil die Geste „Das Höchste in mir grüßt das Höchste in dir“ oder „Ich grüße dein Wesen“ bedeutet. In Indien ist das Anjali Mudra als respektvolle Begrüßungsgeste im Alltag weit verbreitet.

Wenn die Hände statt vor dem Herzen vor dem Gesicht gemacht wird, möglicherweise in Kombination mit einem leichten Senken des Kopfes, drückt das besonders großen Respekt aus. Werden die Hände dagegen zum Sahasrara Chakra geführt, also über dem Scheitel des Kopfes ausgeführt, symbolisiert das, dass eine höhere Macht gegrüßt wird.

Die Geste wirkt ausgleichend und stressreduzierend und lenkt die Aufmerksamkeit nach innen.

Jnana oder Chin Mudra

Beim diesem Mudra berühren sich Daumen und Zeigefinger, die restlichen Finger werden abgespreizt. Wenn sie mit der Handfläche nach unten praktiziert wird, wird sie Jnana Mudra genannt – zeigen die Handflächen nach oben, wird sie Chin Mudra genannt.

Das Mudra ist das beliebteste Meditations-Mudra – nicht umsonst bedeutet Chin „uneingeschränktes Bewusstsein“. Das Chin/Jnana Mudra lässt den Übenden innerlich friedlicher und harmonischer werden und verstärkt in Kombination mit regelmäßiger Meditation die intutive Weisheit des Übenden.

Grundsätzlich wirken Mudras mit der Handflächen nach unten eher erdend, solche mit den Handflächen nach oben symbolisieren, dass Inspiration von einer höheren Stelle empfangen werden soll.

Vishnu Mudra

Das Vishnus Mudra ist unter Yogis vor allem deshalb bekannt, weil es Teil der Pranayama-Übung Anuloma Viloma, der ausgleichenden Wechselatmung, ist.

Zeigefinger und Mittelfinger werden geschlossen zur Handfläche gebeugt, während sowohl der Daumen als auch der Ringerfinger und der kleine Finger abgespreizt werden.

Das Vishnu Mudra ist nach einem der wichtigsten hinduistischen Götter benannt – Vishnu, dem Beschützer der Welt, der das Universum im Gleichgewicht hält. Entsprechend wirkt das Vishnu Mudra ausgleichend auf den Energiefluss im physischen und energetischen Körper - und unterstützt so die Wirkung der Wechselatmung optimal. 

 

 

 

Weitere wichtige Mudras

Welche Mudras bei dir Wirkung zeigen, auf welche du stark reagierst, welche dir gut tun ist sehr individuell und abhängig von deiner Tagesform: Bist du allgemein ein nervöser Typ oder die Ruhe in Person? Brauchst du gerade Inspiration oder Erdung?

Wir beschreiben im folgenden aber trotzdem einige beliebte – weil leicht auszuführende und in vielen Situationen hilfreiche – Mudras.

Yoni Mudra

Das Yoni Mudra, auch als Siegel der Göttin bekannt, symbolisiert die Shakti, also die weibliche Energie im Universum. Das Sanskrit-Wort Yoni bedeutet entsprechend „Schoß“, „Quelle“, „Gefäß“ und „Siegel“.

Die Finger beider Hände werden hier locker miteinander verschränkt, dann werden die Hände so nach vorne gekippt. Die Daumen werden gelöst und zeigen nach oben, die Zeigefinger werden gelöst und zeigen aufeinandergepresst nach unten – so entsteht auch bildlich ein weiblicher Schoß.

Das Mudra wirkt ausgleichend auf die zwei Gehirnhälften und fördert die Konzentration.

 

In seiner Variation als Shanmukti (oder Yoni II) Mudra unterstützt es den Übenden, die Sinne vom Außen ins Innen zu ziehen: Dazu werden mit den Daumen die Ohren verschlossen, mit Zeige- und Mittelfinger die Augen und mit den Ring- und kleinen Fingern die Lippen.

 

Dhyana Mudra


Das Dhyana Mudra symbolisiert in spirituellen Darstellungen meist tiefe Meditation. Das ist nicht verwunderlich, ist doch Dhyana die siebte Stufe des achtgliedrigen Pfades nach Patanjali, in der alle Gedanken nur noch auf das Objekt der Meditation hinfließen. 

Für Dhyana Mudra werden die Hände in den Schoß gelegt, die rechte Hand liegt oben und die Handflächen zeigen gen Himmel. Die Spitzen der Daumen berühren sich. 

Die Geste hilft dabei, zur eigenen Mitte zu finden, still zu werden sowie das eigene Potenzial und die innere Stärke zu erkennen. Regelmäßig im Rahmen der Meditation geübt, wird Dhyana Mudra zu einem Signal für Geist und Körper in einen meditativen Zustand überzugehen.

Karana Mudra

Karana ist ein Sanskrit-Begriff und bedeutet "Instrument". Im übertragenen Sinne ist damit unser Körper gemeint.

Das Karana Mudra wird mit der rechten Hand ausgeführt: Mittel- und Ringfinger werden zur Handfläche gebeugt, der Daumen berührt die beiden Finger, während Zeige- und kleiner Finger abgestreckt werden.

Karana Mudra reinigt unseren physischen Körper, indem es den Entgiftungsprozess anregt sowie die Harnwege und die Nieren stärkt. Es kann aber auch in Kombination mit anderen Reinigungsritualen die Räume, in denen wir leben und arbeiten, energetisch reinigen. 

Abhaya Mudra

Für das Abhaya Mudra wird die rechte Hand auf Schulterhöhe gehoben und mit geschlossenen Fingern und der Handfläche nach vorne präsentiert. Diese alte Geste ist auf vielen Bildnissen von Buddha und hinduistischen Gottheiten wie Shiva zu sehen - sie bedeutet Schutz und Freundschaft.

Abhaya bedeutet wörtlich aus Sanskrit übersetzt "Keine Angst" - regelmäßig praktiziert stärkt Abhaya Mudra das Gefühl von Furchtlosigkeit. 

 

 

 

 

Kalasvara (Kaleshwara) Mudra

Kala ist Sanskrit und bedeutet übersetzt „Zeit”. Zeit und Raum werden aus spiritueller Sicht aber als Illusion gesehen - die Vergangenheit kann nicht geändert werden, die Zukunft noch nicht passiert, nur der gegenwärtige Moment, das „Hier und jetzt” sind also wirklich real. 

Das Kalasvara Mudra hilft entsprechend dabei, sich im Moment zu erden, ruhig zu werden und Vorurteile loszulassen. Suchtverhalten und andere negative Muster können mit Unterstützung dieser Geste besser aufgelöst werden.

Beim Kalasvara Mudra berühren sich die Mittelfinger und zeigen entweder nach unten oder oben, die Daumenspitzen berühren sich und zeigen in die andere Richtung. Zeige-, Ring- und kleiner Finger sind nach innen gebeugt (sie können den Daumen berühren). Die Geste wird kurz unter der Brust gehalten, die Ellenbogen werden dabei nach außen gestreckt.

 

Uttarabodhi Mudra

Uttaharabodhi Mudra ist das buddhistische Mudra für Erleuchtung. Die Hände werden dazu lose verschränkt, dann werden die Zeigefinger gelöst und nach oben gerichtet – die Zeigefingerspitzen werden dabei aufeinandergepresst. Die Geste kann vor dem Herzen aufgeführt werden oder mit gestreckten Armen über dem Kopf.

Wenn das Mudra täglich für einige Minuten gehalten wird, verbessert sich die feinstoffliche Energie in Richtung Freude und Freiheit – Stress und Negativität werden abgebaut. 

Umgangsprachlich wird das Mudra von vielen Yogalehrern auch als „Pistolengriff” bezeichnet.


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Wie oft und wie lange muss ich ein Mudra halten?

Es gibt keine starren Regeln, wie lange oder wir häufig du ein Mudra üben musst, damit es seine Wirkung voll entfaltet.

  1. Am besten ist es, wenn du verschiedene Mudras erst mal ausprobierst, um zu sehen, welche Wirkung sie auf dich haben. Fühlst du sofort etwas? Oder hast du nur das Gefühl, deine Hand verkrampft sich?
  2. Wähle das Mudra, das dich intuitiv am meisten anspricht, bei dem du dich sofort zu Hause fühlst – das muss nicht unbedingt das Mudra sein, das laut Literatur genau die Wirkung hat, nach der du suchst.
  3. Dann verknüpfe das Mudra mit einer passenden Körperhaltung und/oder Situation – Meditation, in der Natur sein, eine Pause machen, etc. Das verstärkt die Wirkung und sorgt dafür, dass du das Mudra regelmäßig praktizierst.
  4. Selbstverständlich kannst du auch mehrere Mudras miteinander verknüpfen und so deren Wirkung kombinieren und verstärken.
  5. Und schließlich: Erfreue dich an dem Mudra oder der Mudra-Sequenz – dafür sind Mudras schließlich da!

Wie wirken Mudras?

Energetisch gesehen stehen die verschiedenen Finger sowie die Handflächen für die verschiedenen Chakren bzw. Elemente.

  • Feuer-Mudras involvieren den Daumen (der mit dem Solarplexus-Chakra Manipura verbunden ist) und sorgen für innere Kraft und einen größeren Selbstwert.
  • Luft-Mudras nutzen den Zeigefinger, der mit dem Herz-Chakra Anahata verbunden ist - sie wirken stressabbauend und verstärken Gefühle von Freiheit und Freude.
  • Äther-Mudras aktivieren über den Mittelfinger das Kehlchakra Vishuddi und steigern so die Kreativität.
  • Die Erd-Mudras gleichen mit Hilfe des Mittelfingers das Wurzel-Chakra Muladhara und wirken – wenig überraschend - erdend und stabilisierend.
  • Die Wasser-Mudras nutzen den kleinen Finger, um das Sakral-Chakra Svadisthana zu aktivieren und fördern die Gesundheit und das Vorankommen auf dem eigenen Weg.
  • Mudras, bei denen die gesamte Handfläche beteiligt ist, steigern Konzentration und Klarheit und aktivieren das dritte Auge, also das Stirn oder Ajna Chakra.

Wem das jetzt zu esoterisch klingt: Wie etwa bei der Akupunktur und -pressur sowie in der chinesischen Medizin nutzen Mudras die Aktivierung körperlicher Punkte, um das zentrale Nervensystem, die Hormonproduktion etc. zu beeinflussen. Beispiel: Das vielbeschwörene „dritte Auge“ entspricht physisch der Zirbeldrüse.
Im Detail sind die Zusammenhänge noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen, dazu weiß der Mensch noch viel zu wenig. Die Wirkung der Mudras kann aber von jedem erfahren werden – wenn er es denn zulässt.

Mudras, die nicht mit den Händen ausgeführt werden

Am bekanntesten sind die bisher beschriebenen Mudras, die mit den Händen und Fingern ausgeführt werden.

Es gibt aber auch:

  • Zungen-Mudras, z.B. das Khechari Mudra.
  • Augen-Mudras - dazu gehören auch die zwei bekannten Fixpunkte des Blicks (Drishtis) beim Yoga: Nasikagra (Blick auf die Nasenspitze) und Bhrumadhya (bei geschlossenen Augen Blick von innen auf das dritte Auge).
  • Und auch die Bandhas zählen zu den Mudras, da Bandhas ebenfalls sehr gute Instrumente sind, um Energie zu steuern: Jalandhara Bandha etwa gilt als Hals-Mudra, Uddiyana Bandha als Bauch-Mudra und Mula Bandha als Beckenboden-Mudra.

Lesetipps und Quellen:

Gertrud Hirschi ist die deutsche Mudras-Expertin – ihre vielfältigen Veröffentlichtungen zum Thema Mudra sind perfekt für alle, die tiefer in das Thema einsteigen wollen. 

Ganz neu im Lotus Verlag erschienen: „Entdecke die Kraft der Mudras“ von Swami Saradananda

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