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Large yoga achimsa vegan
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Gelebtes Ahimsa: „Ich esse seit 15 Jahren vegan”

Von Antje Schäfer

Schon als Kind dachte ich mir, wie unlogisch es ist, dass ich meine Katze über alles liebe und gleichzeitig andere Tiere esse. Schon damals war mir klar, dass etwas schief läuft in unserer Gesellschaft. Die Selbstverständlichkeit, mit der die einen Tiere als Haustiere verehrt werden und mit einem das Bett teilen dürfen und die anderen als Essen auf unserem Teller landen, ist irritierend. Obwohl mir dieses unlogische Verhalten auffiel, habe ich lange nichts an meinem Verhalten geändert, fand aber schon als Kind, dass wir alle Vegetarier sein müssten.

Es hat dann bis zu meinem 25. Lebensjahr gedauert, bis der letzte Baustein, der noch gefehlt hatte, eingefügt wurde. Und zwar im Zuge eines ganz natürlichen Prozesses. Nicht weil mich jemand überzeugt hätte, nicht weil ich es zu einem bestimmten Zeitpunkt beschlossen hätte, sondern weil ich Yoga geübt habe.

Durch die Yoga-Praxis ändern sich ein paar Dinge mit der Zeit von alleine, ganz stimmig, ganz harmonisch und vor allem ohne Zwang, sondern aus einem inneren Bedürfnis heraus.

Man lässt nur etwas weg

Und das finde ich so schön an diesem „yogischen Vegetarismus“. Man verbietet sich nichts oder verzichtet nicht auf etwas, das einem fehlen würde, sondern man lässt etwas weg, was niemand braucht. Weder der Körper noch das Umfeld und die Umwelt, noch die Lebewesen, die mit uns diese Erde teilen. Man lässt etwas weg, was entweder einem selber und/oder anderen geschadet hat. Aus verschiedenen Gründen hat man es davor getan und nur bis zu einem gewissen Grad erkannt, dass es schadet, überflüssig ist oder nur aus Gewohnheit und gesellschaftlichen „Zwängen“ gemacht wurde. Und das bezieht sich nicht nur auf die Ernährung, sondern auf das gesamte Verhalten.

Gelebtes Ahmisa

Mein Veganismus ist gelebtes Ahimsa. Ahimsa ist das erste und wichtigste der fünf Yamas: die Gewaltlosigkeit, wie sie in Patanjalis Yoga Sutra beschrieben wird. 

Wenn  man anfängt regelmäßig und ernsthaft Yoga zu üben, ergibt sich Ahimsa auf verschiedenen Ebenen wie von selbst. Neben der Tatsache, dass man keine tierischen Produkte mehr essen möchte, reduziert sich auch das Bedürfnis, Alkohol zu trinken – es fühlt sich einfach nicht mehr gut an. Der Körper sagt einem, dass Alkohol ein Gift ist, das weder der Yoga-Praxis hilft noch sonst ein Verlangen im positiven Sinne nachhaltig befriedigen würde. Man verhält sich auch anderen gegenüber achtsamer, verstößt weniger gegen Regeln des Zusammenlebens, achtet mehr auf seine Sprache und Wortwahl und bemüht sich, andere weniger zu verletzen, oder wie es auch in dem Yoga Sutra heißt: Man versucht „zukünftiges Leid zu vermeiden”. Man wird weniger egoistisch.

Dieser Wandel macht sich auch sehr stark im Konsum bemerkbar. Man kauft bewusster, fragt sich, brauche ich das wirklich, ist mein altes Sofa nicht noch gut genug, auch wenn ich es mit 14 bekommen habe. Man macht sich Gedanken darüber, wie und von wem oder aus wem welche Produkte gemacht werden. So gehört für mich zu einer veganen Ernährung aus Überzeugung auch das Reduzieren von Leder- oder Daunenprodukten dazu. Es macht einfach keinen Spaß sich etwas zu kaufen und anzuziehen, wofür jemand anderes so leiden oder sein Leben geben musste. Und so findet man gerne Alternative für Lederschuhe, für Honig und auch für die nächste Autofahrt. Denn auch dafür schärft sich das Bewusstsein. Wie wir uns fortbewegen hat eine immense Auswirkung.

Warum wir keine 100%igen Veganer sein müssen, wie die Anderen auf uns reagieren und wie es uns mit den Anderen geht, dazu bald mehr.


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Annäherung an den Wesenskern

Und alles nur, weil man seinen Körper bewusst bewegt und verknotet, den Atem beobachtet und ein Verständnis für das eigene Innenleben mit all seine Gedanken, Meinungen, Gefühlen, Wünschen, Abneigungen und Gewohnheiten entwickelt.

Durch die Yoga-Praxis nähert man sich seinem eigenen Wesenskern an, wie immer man den auch nennen mag: göttlicher Funke, Urkraft, die in allem enthaltene Grundenergie, Mutter Natur oder Brahman. Und es wird einem klar, an diesem Ort im Inneren wirkt dieselbe Kraft, die in ALLEN Lebewesen, in ALLEM steckt. Das Bewusstwerden dieser verbindenden Energie ist der Ausgangspunkt für die Veränderungen im Verhalten. Es ist noch nicht einmal wichtig, ob das alles unbewusst statt findet oder klar ausformuliert wird: Yoga wirkt einfach – und das ist das Besondere daran.

Eine Ernährung, die kein Leid erzeugt

So hat sich für mich auch eine Ernährung entwickelt, die sich von innen heraus logisch anfühlt und so wenig Leid wie möglich erzeugt. Und wenn man etwas auf seinen Körper hört, dann hat man auch nicht zu befürchten, dass einem etwas fehlen würde. Der Körper teilt einem mit, was eine ausgewogenen Ernährung ist, weil man auf bestimmte Nahrungsmittel dann plötzlich mehr Lust hat und sich zum Beispiel plötzlich mehr Linsen kocht oder zum Inder geht und sich ein Dhal bestellt.

Trotzdem lasse ich ab und zu mein Blut testen, was ich auch empfehlenswert finde. Die ersten zehn Jahre hatte ich nie einen „Mangel“. Die eigenen Vitamin-B-Speicher sind meist gut gefüllt und halten jahrelang. In den vergangenen Jahren brauchte ich vermehrt Vitamin B „von außen“. Ich finde VitaminB-Tabletten aber völlig akzeptabel im Vergleich zu dem, was an Leid entstehen würde, wenn ich mich anders ernähren würde.