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Trishna: Folge deinem inneren Wunsch-Kompass
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Trishna: Folge deinem inneren Wunsch-Kompass

Von Katharina Goßmann

Eigentlich müsste ich den ganzen Tag vor Glück schreien: Abgesehen von der Tatsache, dass ich sozial abgesichert in einem friedlichen Land lebe und Geld für Annehmlichkeiten wie Urlaube, Blümchenkleider und Yoga-Workshops habe, ist auch in Sachen Mann, Kinder, Job alles top. Trotzdem erlebe ich immer wieder Phasen, in denen ich unzufrieden bin: Manchmal regen mich Kleinigkeiten des Alltags auf, ein anderes Mal leide ich unter (im wahrsten Sinne des Wortes) globaler Frustration und kann es nicht ertragen, dass wir Kinder hungern und Flüchtlinge ertrinken lassen, und oft habe ich keine Ahnung, was eigentlich das Problem ist – ich weiß nur, dass sich was ändern muss. 

Trishna, der innere Durst

In den Veden findet sich der Sanskrit-Begriff Trishna, übersetzt: „Durst”, „Begehren”, „Sehnsucht”. Laut Buddhismus und Co. ist Trishna kein erstrebenswerter Zustand, denn natürlich fühlt es sich unangenehm an, nach etwas zu dürsten, etwas zu begehren. Jahrelang hatte ich deshalb abgespeichert, dass jedes Begehren schlecht ist und mich für meine Unzufriedenheit innerlich getadelt – alles andere als unendliche Dankbarkeit erschien mir angesichts meines privilegierten Lebens oberflächlich und peinlich unspirituell. 


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Das Problem: Unser Umgang mit Unzufriedenheit

Dabei ist (meiner bescheidenen Meinung nach) eigentlich nicht das Begehren, die Unzufriedenheit das Problem, sondern unser Umgang damit. Denn die meisten von uns haben nie gelernt, einen unangenehmen Zustand erst mal einfach nur wahrzunehmen. 

Stattdessen sehen typische Reaktionen auf Unzufriedenheit oft so aus:

a) Wir geben anderen die Schuld für den aktuellen Zustand (und schieben so die Verantwortung von uns weg): „Wenn du dich mehr um die Kinder kümmern würdest, wäre ich viel entspannter!”

b) Wir kultivieren Unzufriedenheit und Frustration als Haltung (und begeben uns in die Rolle des hilflosen Opfers): „Mein Job ist blöd, mein Mann benimmt sich unmöglich, das Wetter ist grauenhaft – aber muss ja.”

c) Wir leiten oberflächliche Maßnahmen ein, damit wir uns kurzfristig besser fühlen (und lenken so vom wahren Bedürfnis ab): Von übermäßigem Süßigkeiten- oder Drogenkonsum über neue Frisuren/Kleidung bis zum ständigen Partner- und Jobwechsel ist hier alles möglich.

Abgesehen davon, dass alle diese Verhaltensweisen entweder schlechte Laune machen oder viel Geld kosten, haben sie noch ein anderes Problem: Sie funktionieren nicht – unsere Sehnsucht wird durch sie nicht gestillt, unsere Unzufriedenheit nicht beseitigt.  

Folge deinem inneren Wunsch-Kompass

Viel effektiver ist es, bei aufkeimender Unzufriedenheit erst mal nichts zu tun. Und sich dann Zeit und Ruhe zur Entschlüsselung der Trishnas zu nehmen. Denn wenn du deiner Unzufriedenheit auf den Grund gehst, werden sie dir dabei helfen, dein Leben authentisch zu leben. Dann wirst du dein Leben nicht nur entsprechend deiner Konstitution gestalten und damit optimal gesund und ausgeglichen durch deine Tage gehen, sondern wirst auch entsprechend deiner Berufung und deiner Werte handeln und damit dein einzigartiges Potenzial voll entfalten können. Falls das gut klingt, habe ich hier ein paar 
Tipps, wie du deine Trishnas für dich nutzen kannst:

1. Kultiviere eine grundsätzliche Haltung von Dankbarkeit

Das klingt erst mal widersprüchlich. Aber tatsächlich kannst du Gefühle von Unzufriedenheit viel differenzierter wahrnehmen, wenn du grundsätzlich fähig bist, die guten Dinge in deinem Leben wahrzunehmen und für sie dankbar zu sein. Zudem sorgst du so dafür, dass du auch in Phasen großer Unzufriedenheit nicht völlig die Perspektive verlierst.
Also: Lege den inneren und äußeren Fokus darauf, alles, was dir gefällt an deinem Leben, was dir Schönes passiert, bewusst wahrzunehmen, schreibe jeden Abend in dein Dankbarkeitstagebuch, wofür du an dem Tag besonders dankbar warst und nutze jede Gelegenheit, um dir und anderen zu kommunizieren, dass du ein beneidenswerter Glückspilz bist. Du weißt schon, so von wegen „Das Universum hört mit”.

2. Entscheide, deine inneren Sehnsüchte ernst zu nehmen

Vielleicht hat dir nie jemand gesagt, dass du dich glücklich machen darfst, dass du dein Leben nach deinen Werten und Bedürfnissen leben darfst. Ändere das jetzt, indem du es dir selbst sagst. Deine Unzufriedenheit ist ein Signal deines Herzens, deiner Seele, dass etwas fehlt, dass etwas anders werden muss. Also nimm deine Trishnas ernst und folge ihren Hinweisen!

3. Spiele Detektiv und sammle Fakten

Dazu musst du aber erst mal herausfinden, was genau dir dein Inneres kommunizieren will. Wenn du merkst, dass du unzufrieden bist, kannst du täglich abends deine Gedanken und Erkenntnisse rund um dieses Gefühl aufschreiben und so mehr Klarheit gewinnen. Häufig wirst du dann schon an diesem Punkt merken, dass deine „Unzufriedenheit” einfach daraus entstanden ist, dass du dich nicht besonders gut gefühlt hast - und dein fleißiges Gehirn sich dann einfach einen Schuldigen gesucht hat. In diesem Fall löst sich das Gefühl einfach auf, wenn du gut für dich sorgst und deine Gedanken in eine andere Richtung lenkst.

Du kannst auch deine Meditation nutzen: Frage dich vor dem Meditieren, was die Wurzel deiner Unzufriedenheit ist. Oder du machst ein Vision Board und sammelst so alle bereits bekannten Gedanken und Gefühle, sodass sich ein immer runderes Bild ergibt von deinem tiefen Bedürfnis, deinem inneren Wunsch. 

Das Wichtigste ist, dass du dir Zeit lässt und gut zuhörst. In einer Zeit, in der viele Menschen kaum mehr die Signale ihres Körpers lesen können (wir essen, wenn der Körper Durst hat, trinken Kaffee, wenn er müde ist, und bekommen Verstopfung, weil wir ihm nicht erlauben sich zu entleeren, wenn das an der Reihe wäre etc.), ist es nur logisch, dass die viel komplexeren psychisch-emotionalen Signale oft nicht korrekt interpretiert werden. 

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Gelassenheitsgebet von US-Theologe Reinhold Niebuhr

4. Handle!

Wenn du weißt, was dir dein Trishna sagen will, bleibt nur noch eines zu tun: Setze deinen tiefen Wunsch, dein wahres Bedürfnis um. Vielleicht musst du dafür gar nicht so viel tun, vielleicht bedeutet das aber eine totale Umstellung deines Lebensstils von Konsum auf Nachhaltigkeit (Ahimsa) oder, dass du anfangen musst, dich politisch oder ehrenamtlich zu engagieren, oder sogar das Ende einer Beziehung, einen Jobwechsel, einen Umzug. Lass dich nicht davon einschüchtern, falls große Veränderung nötig sind. Weder musst du alles sofort umsetzen noch beruflich oder privat verbrannte Erde hinterlassen. Wenn du langsam, aber stetig deinem inneren Wunsch-Kompass folgst, kommst du trotzdem deinem Leben, deiner Wahrheit beständig näher. 

Achtung: Im Regelfall sind schnelle, oberflächliche Veränderungen nicht diejenigen, die dich wirklich zufriedener machen, die deine eigentliche Sehnsucht stillen. Wenn du etwa unzufrieden bist mit deiner Nase ist eine kosmetische Operation nicht unbedingt die Lösung – stattdessen kann es sein, dass du deine Selbstliebe wiederfinden musst, um deine Schönheit wahrnehmen zu können.

Fazit: Unzufriedenheit als Haltung ist keine beglückende Strategie. Innere Sehnsüchte und Bedürfnisse ernst zu nehmen und zu entschlüsseln dagegen hilft ungemein dabei, glücklich und gesund deinen Weg zu gehen und ein erfülltes, authentisches Leben zu leben. Also: Hör nach innen und lass dich von deinem inneren Durst durch die Wirren des Lebens leiten!

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