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Yoga und Buddhismus: Ein Vergleich
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Yoga und Buddhismus: Ein Vergleich

Von Merle Blankenfeld

Hand aufs Herz, hast du auch einen Buddha zu Hause? Weil er so gemütlich lächelt, als Deko oder weil es ihn günstig bei IKEA gab? Kennst du den Unterschied zwischen Yoga und Buddhismus, zwischen Weisheit und Religion, zwischen Technik und Glaube?

Fangen wir ganz vorne an: Sind Yoga und Buddhismus beides Religionen? Yoga ist eine philosophische Lehre, der Buddhismus gehört zu den vier größten Weltreligionen. Aber: Wenn wir davon ausgehen, dass eine Religion sich durch die Anbetung eines oder mehrerer Götter definiert, kann man Yoga durchaus dazuzählen. Denn viele traditionelle Yoga-Stile wie Sivananda, Kundalini oder Ashtanga streben die Vereinigung mit der göttlichen Energie an. Die buddhistische Lehre wiederum verneint die Existenz eines Gottes (oder auch mehrerer).  Deshalb wird sie von einigen anderen Religionsvertretern und Philosophen nicht als Religion gewertet.

Götter, Meditation und religiöse Rituale: Yoga und Buddhismus im Vergleich

Bei uns im Westen ist Yoga vor allem für den körperlichen Teil, die Asanas, bekannt. Ursprünglich hatten diese allerdings den alleinigen Zweck, unseren Körper optimal auf das stundenlange Verharren im Meditationssitz vorzubereiten. Die einzige Asana, die in Patanjalis „Yoga Sutra“ (einer der wichtigsten Yoga-Schriften) Erwähnung findet, ist der Lotussitz.

Tatsächlich beinhaltet die yogische Lehre ein komplexes lebensphilosophisches Konzept, das aus der indischen Spiritualität entstanden ist. Das wiederum trifft auch auf den Buddhismus zu, der sich aus dem Hinduismus entwickelt hat. Yoga hat seinen Ursprung in den Veden, einer Jahrtausende alten Sammlung heiliger Schriften, die wiederum auch im Hinduismus eine große Rolle spielt. Bevor jetzt die Verwirrung komplett ist, gehen wir noch einen Schritt zurück:

Yoga ist eine der sechs klassischen Schulen (Darshanas) der indischen Philosophie. Quellen legen nahe, dass die yogische Lehre vor etwa 5.000 Jahren entstanden ist. Bis heute gibt es sehr viele verschiedene Formen des Yoga: Einige sind sehr körperorientiert (Hatha Yoga), andere wiederum stellen die Hingabe an das Göttliche (Bhakti Yoga), die Erkenntnis (Jnana Yoga) oder das selbstlose Handeln (Karma Yoga) in den Vordergrund. Was sie allerdings alle gemein haben, ist das Ziel der vollkommenen Erkenntnis durch die Vereinigung von Körper und Geist.

Der Buddhismus ist vermutlich vor etwa 2.500 Jahren entstanden und wird von einigen Religionswissenschaftlern als Reformbewegung zu den vedischen Glaubenssystemen verstanden, zu denen Yoga und auch der Hinduismus gehören. Die größte Reform besteht hier darin, dass es im Buddhismus im Gegensatz zu den vedischen Systemen keine Gottheiten im klassischen Sinne gibt und ebenso wenig religiöse Rituale. In einigen buddhistischen Richtungen haben allerdings hinduistische Rituale überlebt, etwa rituelle Opfergaben für buddhistische Statuen. Der Buddhismus ist also aus dem Hinduismus entstanden, allerdings ohne die hinduistischen Gottheiten zu verehren. Für Yogis wiederum spielen einige Hindu-Götter oft eine Rolle, vor allem Shiva, Brahma und Vishnu. Die Bhagavad Gita, eine der wichtigsten Schriften im Yoga, fordert sogar die „Hingabe an Gott“ – auch wenn viele moderne Yogalehrer das Wort „Gott“ säkularisiert durch „eine höhere Macht“ ersetzen.


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Weltanschauung in der yogischen und der buddhistischen Lehre

 

Dharma: Das Naturgesetz existiert sowohl im Yoga als auch im Buddhismus

In beiden Systemen liegt das ganze Universum dem Dharma zugrunde, dem Naturgesetz oder Prinzip der Wahrheit. Yogis verstehen unter Dharma die Ethik und damit die Art, wie wir Menschen uns verhalten sollen. Im Buddhismus bezeichnet Dharma neben diesem universellen Prinzip auch die Lehre des Buddha, also in der Basis die Theorie der Vier Edlen Wahrheiten (1. Leben bedeutet Leiden. 2. Das Leiden hat eine Ursache. 3. Diese Ursache können wir ausmerzen und das Leiden so beenden. 4. Es gibt einen Weg, diese Ursache auszumerzen.).

Ahimsa: Yogis und Buddhisten streben ein Leben ohne Gewalt an

Die ethischen und moralischen Grundlagen beider Systeme ähneln einander sehr: Sowohl im Yoga als auch im Buddhismus geht es im Grunde genommen darum, Gutes zu tun und mitfühlend gegenüber allen Wesen zu handeln. Das beinhaltet auch die Gewaltlosigkeit, Ahimsa. Deshalb gibt es sowohl unter den Yogis als auch unter den Buddhisten viele Vegetarier und Veganer: Das Mitgefühl wird in beiden Philosophien allen Wesen der Welt zuteil – Tieren ebenso wie Menschen. Neben dem Nicht-Töten gehört aber auch das Nicht-Stehlen zu den moralischen Grundsätzen.

Karma: Das Prinzip von Ursache und Wirkung spielt für Yogis und Buddhisten eine große Rolle

Das Konzept Karma gibt es ebenfalls in beiden Traditionen. Im Yoga ist die Kraft des Karma allerdings von Gott geschaffen, im Buddhismus wirkt die Kraft des Prinzips von Ursache und Wirkung von allein. Eine weitere Gemeinsamkeit: In beiden Lehren äußert sich das Karma in der Folge der Wiedergeburten.

Loslassen: Yoga-Anhänger und Buddhisten predigen beide das Nicht-Anhaften

Auch den Gedanken des Nicht-Anhaftens haben Yoga und Buddhismus gemein. In beiden Philosophien geht es um das Loslassen des Egos und die Erkenntnis, dass das Ego beziehungsweise die damit verbundenen negativen Gefühle wie Gier und Neid Leiden verursachen. Im Buddhismus gehört diese Erkenntnis zu den Vier Edlen Wahrheiten. Um diesem Leid zu entkommen, praktizieren Buddhisten die Übungen des Edlen Achtfachen Pfades. Dazu gehören vor allem Meditation und Achtsamkeit – ebenso zwei wichtige Pfeiler der yogischen Lehre.

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Erleuchtung: Yogis streben nach Samadhi, Buddhisten nach dem Nirwana

Sowohl Yogis als auch Buddhisten streben die Erleuchtung an. Im Yoga ist die Erleuchtung – Samadhi – das Ziel und der letzte Schritt des Achtgliedrigen Pfades nach Patanjali. Samadhi ist hier eine Bewusstseinsstufe, die völlig über die uns gängigen Zustände wie Wachen, Schlafen oder sogar Träumen hinausgeht. Sie ist über alles erhaben, das wir mit unserem normalen Bewusstsein wahrnehmen können.

Im Buddhismus ist das Erwachen – Bodhi – das Ziel. Das völlige Begreifen der Edlen Wahrheiten sowie eine intensive Meditationspraxis führen zum Verlassen des Lebens- und Leidenskreislaufes (Samsara) und zum Erreichen des Nirwana. Das Nirwana ist die höchstmögliche Bewusstseinsstufe eines Buddhisten, vergleichbar mit Samadhi im Yoga. Dabei ist jede Anhaftung an weltliche Vorstellungen und an das Ego erloschen.

Unterschiede zwischen Yoga und Buddhismus

Es gibt also einige Gemeinsamkeiten zwischen der yogischen und der buddhistischen Lehre, die dem gemeinsamen Ursprung in der indischen Spiritualität und den im Groben ähnlichen Weltanschauungen geschuldet sind. Schaut man sich beide Konzepte allerdings etwas mehr in der Tiefe an, bemerkt man einige wichtige Unterschiede.

Gottesbegriff: Einige Yogis glauben an einen oder mehrere Götter, Buddhisten verneinen deren Existenz

Der vielleicht wichtigste Unterschied, den wir bereits festgestellt haben, ist der Umgang mit Gott. Im Yoga spielt die Hingabe an das Göttliche eine große Rolle. Allein die unter uns Yogis typische Grußgeste „Namaste“ verrät das schon. Wörtlich aus dem Sanskrit übersetzt bedeutet sie: „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in dir“.

Der Buddhismus wiederum verneint die Existenz jeglicher Götter. In einigen (vor allem moderneren) Traditionen wird Gott als Synonym für Buddha verwendet. Sachlich ist das aber nicht korrekt. „Buddha“ bedeutet „Erwachter“ und meint vor allem den Begründer der Religion, Siddhartha Gautama, der im 5. oder 6. Jahrhundert vor Christus in Nord-Indien (heutiges Nepal) gelebt hat. Der Buddhismus verehrt neben dem historischen Buddha auch andere „Erwachte“ (auch „Bodhisattvas“ genannt) allerdings eher in einer Art Vorbildfunktion und nicht als allmächtige Wesen, wie das bei Göttern der Fall ist. Dazu gehört etwa die Grüne Tara, die eine wichtige Rolle im tibetischen Buddhismus spielt.

Selbst: Yogis streben das Höchste Selbst an, Buddhisten streben nach Leere

Diese konzeptionellen Unterschiede werden auch bei der Vorstellung des Selbst beziehungsweise Nicht-Selbst deutlich. Yogis gehen von der vedischen Vorstellung des Selbst (Atman), also einer individuellen Seele, im Bezug zu Brahman, der Weltenseele, aus. Diese kosmischen Prinzipien lehnt der Buddhismus gänzlich ab. Das vedische beziehungsweise yogische „Selbst“ sieht der Buddhist nur als Vorstellung oder als Gedanken – also etwas ohne Bestand, weil es im Prinzip nur eine Weiterentwicklung des Egos ist. In seiner Vorstellung gibt es nur unsere wahre geistige Natur, die Leere. Yogis wiederum sehen in Atman das wahre, „Höchste Selbst”, befreit vom Ego und weltlichen Einflüssen, das mit Brahman verschmelzen soll. Im Grunde genommen ist es also eher eine begriffliche Differenz, denn sowohl Yogis als auch Buddhisten streben einen erleuchteten beziehungsweise erwachten Geist ohne Ego an.

Meditation: Ein wichtiges Werkzeug für Yogis und Buddhisten, allerdings mit unterschiedlichen Zielen und Techniken

Meditation ist die wohl wichtigste Gemeinsamkeit in der Praxis des Yoga und des Buddhismus. Durch die unterschiedlichen Zielsetzungen (wenn auch nur semantischer Natur) und damit Techniken macht die Meditation gleichzeitig einen der größten Unterschiede aus: Während Yogis über das Höchste Selbst meditieren und die Verschmelzung mit dem Göttlichen anstreben, meditieren Buddhisten eben über das Nicht-Selbst und die angestrebte völlige Leere. Die unterschiedlichen kosmischen und philosophischen Prinzipien beider Konzepte machen hier die große Gemeinsamkeit des Meditierens wieder zum entscheidenden Unterschied.

Können Yogis auch Buddhisten sein?

Beide Philosophien predigen Mitgefühl und Toleranz gegenüber allen Wesen. Ein Buddhist wird in der Yoga-Praxis also genauso willkommen sein wie ein Yogi in einem buddhistischen Tempel. Durch die ähnlichen Prinzipien in der Lebensführung und Ethik ist es durchaus möglich, Yoga zu praktizieren und gleichzeitig Buddhist zu sein. Es hängt stark davon ab, wie tief man in die Details beider Konzepte einsteigen möchte. Geht es einem in der Praxis vorwiegend darum, Mitgefühl gegenüber allen Wesen zu üben und die Loslösung vom Ego und allen weltlichen Lasten anzustreben, kann man das durchaus als Yogi, Buddhist oder beides auf einmal tun. Sind einem die philosophischen Konzepte des Selbst beziehungsweise Nicht-Selbst oder der Anbetung beziehungsweise Verneinung des Göttlichen allerdings wichtig in der Praxis, wird man sich für einen Ansatz entscheiden müssen.

Aber wie bei vielem im Leben gilt: Es gibt mehr als nur eine Wahrheit – und vor allem mehr als nur einen Weg dahin. Und es spricht also absolut nichts dagegen, sich intensiv mit verschiedenen Philosophien zu beschäftigen, um rauszufinden, welche zu einem selbst und den persönlichen Zielen am besten passt.

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