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Meditation macht narzisstisch? Unsinn
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„Meditation macht narzisstisch?” Unsinn.

Von Kristin Rübesamen

Vom Buddhismus und auch vielen Schriften der Yoga Philosophie her wissen wir, dass das Ego an allem schuld ist. Denn unser „Ich“ ist nichts, das tief in uns schlummert, sondern, sagen die Weisen, nur eine Illusion, die uns etwas vormacht.

Stellt euch das Ego vor wie einen Vorhang, eine Kinoleinwand, eben eine Illusion, die uns zum Beispiel erzählt, dass wir die Tollsten sind und was wir alles brauchen: einen Shuttle zum Mars, eine Grenze zu Mexiko, einmal im Jahr eine Fernreise und gefälligst eine Putzfrau, der man nicht alles zehnmal erklären muss. So weit, so einfach.

Das Ego ist schuld

Die Erkenntnis, dass wir unser Ego in Schach halten zu müssen, um ein zufriedenes Leben zu führen, ist keine Erfindung von Yoga-Bloggern. In der Antike wimmelte es nur so von Philosophen, die davor warnten und in schaurigen Tragödien vorführten, wozu Hybris und Größenwahn führen können. Die Erkenntnis, dass nicht nur Diktatoren anfällig für Narzissmus sind, sondern auch wir normalen Menschen, hat sich bei uns spätestens seit Sigmund Freud herumgesprochen. 

Das Ego als Sündenbock

Das Ego hat also einen schlechten Ruf und ist in spirituellen Kreisen sogar zum Sündenbock geworden: Wenn unsere Karriere nicht abhebt - zu großes Ego. (Warum nicht zufrieden im unteren Mittelbau dahindümpeln). Wenn uns der Rhododendron eingeht, weil wir vergessen haben zu gießen - zu großes Ego. (Uns selbst haben wir schließlich regelmäßig einen Aperol eingegossen...) Wenn wir schon wieder die Jeans eine Nummer zu klein gekauft haben - zu großes Ego. Also, weg damit.

Studie sagt: Meditation macht narzisstisch

Wie man sein Ego klein hält, ist unter uns Yogis bestens bekannt: durch tägliches Meditieren. Doch jetzt will eine Studie herausgefunden haben, dass Meditation genau zum Gegenteil führt. Wir werden nicht etwa demütiger, sondern denken immer mehr an uns. Das hört sich nach einem mittleren Skandal an, denn dieser Studie zufolge werden alle Menschen, die meditieren, zu Narzissten.

Durchgeführt wurde die Studie an der Psychologie-Fakultät der Universität von Southampton. Die Wissenschaftler lassen dabei zwei Konzepte aufeinanderprallen, die buddhistische Lehre und die Theorie des amerikanischen Psychologen William James, der zufolge das Üben jeder Technik in demjenigen, der sie übt, ein Gefühl von gesteigertem Selbstwertgefühl auslöst.

Psychologen von der Universität Mannheim haben die Theorie von James auf das Gebiet der Meditation und Yoga übertragen und in aufopfernder Forschungsarbeit 93 Yogastudenten über den Verlauf von 15 Wochen nach ihrem Gefühl von Selbstwert gefragt. Das Ergebnis, Überraschung: Das Selbstwertgefühl der Yogis stieg jedes Mal, nachdem sie Yoga übten und meditiert hatten. Was ein Grund zum Feiern hätte sein können, wird aber zum Gegenteil erkärt: Yogis, die meditieren, fühlen sich gut - Skandal!

Problematisch an dieser Studie ist, dass die Wissenschaftler ihre Prämisse nicht belegen können. Nach ihrer Meinung dürfen sich Yogis, die meditieren, nicht gut fühlen - davon gehen sie aus, dies ist ihre Prämisse. Nur wer sagt denn, dass, wer demütig lebt, sich notgedrungen schlecht fühlen muss? Wieso kann, wer Demut sucht, darin kein stilles Glück finden und ja, auch seinen Selbstwert? Patanjali jedenfalls nicht. Wenn aber die Prämisse wackelt, denn wackelt auch die These und das Fazit der Untersuchung.

Schwierig an dieser Studie ist auch, dass das, was sie attackiert, so konstruiert wirkt. Die Wissenschaftler konstruieren etwas, um es anschließend niederzureißen. Vielleicht waren sie auch nur naiv, als sie davon ausgingen, wer Yoga und Meditation übe, der wolle auch seine Identität auflösen. Dieses Ziel mag für einige wenige stimmen, für die meisten von uns eher nicht. Wir wollen einfach nur in unserem Körper und mit uns selbst in diesem Leben zufrieden und glücklich sein. Und wir wissen, dass Yoga und Meditation uns dabei helfen können.

Irgendwas mit Buddhismus

Problematisch ist allerdings vielleicht auch unser Verständnis von Meditation. Weil das alles angeblich irgendwie aus dem Buddhismus kommt, ist Meditieren für viele ein bisschen exotisch und daher schick geworden in den letzten Jahren. Die grobe Vereinfachung einer komplexen Religion wird dabei in Kauf genommen, denn das Leben ist schon kompliziert genug. Anders gesagt: Unsere Vorstellung davon, was Meditation kann, ist manchmal ein bisschen infantil - nie mehr ausflippen, nichts mehr wollen. Der Primark-Shopping-Prolet wird plötzlich zur asketischen Fee, die nichts und niemanden braucht, und ohne Ego durch die Wälder tanzt. Kein Wunder, dass der Buddhismus light so beliebt ist.

Meditieren bringt Klarheit und inneren Frieden.

Ein Blick in die Wirklichkeit unzähliger Yogis in und außerhalb von Mannheim zeigt: Die meisten Menschen, die meditieren, wissen genau, was Meditation verspricht, und was von diesem Versprechen zu halten ist. Sie erwarten nicht, durch Meditation zu erleuchteten Asketen zu werden. Sie erwarten von Meditation nicht die Auflösung ihrer Identität. Sie haben längst erfahren, wie ihnen Meditation ganz handfest dabei hilft, Ruhe zu finden. Wie tägliches Meditieren durch den Abstand zum Gedankenkarussell Klarheit und Frieden bringt. Wie Meditieren Stille und Leere und Raum schafft. Wenn das gelingt, ist es eine Menge. Und wem das gelingt, der darf ruhig mit sich zufrieden sein.

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