Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.

Gratismonat sichern

Large yoga judgement detox
Shutterstock

Judgement Detox: Hör auf, zu urteilen. Jetzt.

Von Katharina Goßmann

Es ist, was es ist, sagt die Liebe.

Erich Fried

 

Warum sind Urteile problematisch?

Jeder Mensch produziert etwa 50.000 Gedanken täglich. Die meisten davon sind ungebetene Gäste – wir denken sie unbewusst, unkontrolliert, automatisch. Davon wiederum sind viele Urteile und Bewertungen: Das Meeting ist langweilig, die Stimme beruhigend, das Bild berührend...

Das hat Nachteile. So wiederholen wir nämlich gedanklich die immer gleichen Muster: Das, was wir gestern unangenehm fanden, bewerten wir im Regelfall heute auch wieder als unangenehm. Wenn Bewertungen ungefragt aufploppen in deinem Gehirn, überspringst du nämlich einen essenziellen Prozess – den des Wahrnehmens. Des unvoreingenommenen, ergebnisoffenen, Adjektiv- und Adverb-freien Wahrnehmens.

Dieses wertfreie Wahrnehmen macht aber einen großen Teil unserer Lebensqualität, unserer Lebendigkeit aus. Denk an die Freude und Neugierde, mit der Kinder sich auf alle Aspekte ihres Lebens einlassen. Wenn es regnet, dann erleben Kinder den Regen, weil sie sich auf ihn einlassen, ihn erfahren, mit ihm spielen – während wir uns ärgern über den Regen, vor ihm weglaufen, uns vor ihm schützen. So wie wir Erwachsene oft vor dem Leben insgesamt weglaufen, uns vor ihm schützen. 

Warum urteilen wir überhaupt?

Wir tun das nicht, weil wir dumm sind. Vielmehr versuchen wir uns mit unseren Urteilen zu schützen, weil viele Erfahrungen in unserem Leben für uns schmerzhaft waren, schwer auszuhalten, verwirrend. Wir haben uns eine sichere Ecke aus Vorurteilen geschaffen, in der wir ungestört die ewig gleichen Kreise ziehen können. In der wir mit möglichst wenig Neuem konfrontiert werden und so bei unseren alten Glaubenssätzen bleiben können und unser Verhalten nicht ändern müssen. Und wenn uns tatsächlich mal etwas emotional erreicht in unserer Ecke, dann packen wir es in eine der vorbereiteten Schubladen – und schon läuft alles wieder seinen gewohnten Gang. Das gibt uns ein Gefühl von Sicherheit. 


Detox & Reset mit Yoga: jetzt loslassen & frei fühlen
Möchtest du alten Ballast über Bord werfen und dich leicht und befreit fühlen? Melde dich für unser 14-tägiges Programm Detox & Reset an und starte den körperlichen und mentalen Frühjahrsputz mit Yoga!
JETZT ANMELDEN

Was für Folgen hat die Dauer-Beurteilung?

Es bedeutet aber auch, dass wir in einem Gefängnis leben, das uns von anderen trennt. Denn jeder Mensch, mit dem wir in Berührung kommen, merkt intuitiv sofort, ob wir ihm offen und vorurteilsfrei begegnen – oder ihn schon in eine Schubladen gesteckt haben. Und jede Situation, in die wir geraten, werden wir nicht wirklich erleben können, wenn wir schon auf den ersten Blick wissen, wie wir sie finden – entweder weil wir dann gar nicht in der Situation bleiben, oder weil wir sie nicht an uns heranlassen, sondern als steife Beobachter nur daneben stehen. Und wenn wir uns selbst den ganzen Tag be- und verurteilen (was ja sehr beliebt ist), dann haben wir keine Chance uns weiterzuentwickeln, zu wachsen, und es wird uns schwer fallen, uns frei und lebendig zu fühlen – schließlich erzählen wir uns ja täglich Tausende Male, in einer Art hypnothischer Endlos-Schleife, wie ungeschickt, dick, beziehungsunfähig etc. wir sind und zementieren so den Status Quo.

Judgement Detox: Was passiert, wenn du aufhörst zu urteilen?

Wenn wir aufhören, uns hinter trennenden Urteilen zu verschanzen und beginnen, alles – mit liebenden statt bewertenden Augen – zu sehen und so anzunehmen, wie es eben ist, öffnen wir uns dem Leben in allen Facetten. Durch diese neue Offenheit kommt Bewegung in unsere Gefühle, unsere Gedanken, unsere Beziehungen. Wir können Situationen, in denen wir sonst aufgrund von automatischen Bewertungen in starren, alten Mustern agiert hätten, klar analysieren und frei entscheiden, wie wir uns verhalten wollen und uns so aus verfahrenen Situationen und Beziehungen befreien. Kurz zusammengefasst: Wenn du aufhörst, zu urteilen, zu bewerten und zu vergleichen, fühlst du dich leichter, freier, liebevoller, offener, vertrauensvoller und lebendiger.

Wie aber schaffe ich es, mit dem Urteilen aufzuhören?

Erst mal: Es ist gar nicht nötig, dass du Buddha-gleich nie wieder etwas beurteilst. Urteile gehören zum Leben, sie vereinfachen Entscheidungen in unseren komplexen, modernen Lebenswelten und helfen uns bei der Orientierung – etwa, ob eine Situation nachts auf menschenleerer Straße gefährlich ist oder nicht. 

Wir können aber ganz bewusst solche Urteile reduzieren, die uns einschränken und uns von unseren Mitmenschen trennen. In Amerika gibt es dafür den Begriff „Judgement Detox“ – also Bewertungs-Entgiftung. Wir entgiften unser Leben, indem wir aufhören zu urteilen. 

Judgement Detox in drei Schritten


1. Meditation: Lerne, den Gedankenfluss zu kontrollieren

Meditation ist in vielerlei Hinsicht ein Geschenk und hat viele beeindruckende Effekte. Und besonders bei kreisenden und zwanghaften Gedanken ist sie das Mittel der Wahl. Wer regelmäßig meditiert, lernt nicht nur seine Gedanken zu beobachten, sondern auch sie ziehen zu lassen, oder sogar einfach mal totale Gedankenpause zu machen. Das wirkt sich dann auch im restlichen Leben positiv aus: Das Gedankenkarussell dreht sich nicht mehr ganz so schnell, einzelne Gedanken werden bewusster und beeinflussbarer. Automatische Urteile, Vergleiche und Bewertungen werden so von unbändigen Monstern zu kontrollierbaren Gegnern.
 

Fill 873 491 still patrick broome meditation yogaPlay

 

2. Achtsamkeit: Werde dir bewusst, dass du urteilst

Egal, ob du dich für einen ziemlich vorurteilsfreien Menschen hältst oder dir Sorgen machst, weil du ständig dich und andere beurteilst – mache als erstes folgendes Experiment: Lege eine feste Zeitspanne, etwa eine Stunde fest, und halte einen kleinen Zettel plus Stift bereit. Jedes Mal, wenn dir auffällt, dass du jemanden oder etwas beurteilst, vergleichst und bewertest, machst du einen Strich auf deinen Zettel. Du wirst überrascht sein, wie selten du den Stift aus der Hand legen kannst!

Nimm dir dann vor, 40 Tage lang so achtsam wie möglich wahrzunehmen, wenn du ein Urteil fällst. Am besten führst du ein kleines Urteil-Tagebuch, in dem du abends festhältst, an welche Urteile du dich erinnerst, und welche Konsequenzen für dein Fühlen und Handeln hatte. Nach 40 Tagen hast du deine Gehirnstrukturen so verändert, dass du auch zukünftig viel bewusster mit Beurteilungen umgehen wirst.
 

3. Positive Gedanken: Gegenmittel für Urteile

Schreibe dir eine Liste von positiven Gedanken auf, mit denen du schädigende und einschränkende Urteile ersetzen möchtest. Statt „Ich hasse Regen/Sturm/Glatteis!“ z. B. „Heute ist perfektes Wetter, um es sich zu Hause gemütlich zu machen.“ Statt „Hausarbeit ist so anstrengend!“ etwa „Ich freue mich darauf, wenn meine Wohnung in neuem Glanz erstrahlt.“ Und statt „Mantren singen/Line dancing/Wandern mag ich einfach nicht!“ sagst du „Ich probiere heute mal was anderes aus, ich bin neugierig, wie es wird.“ Du kannst die Liste bei dir tragen, irgendwo aufhängen oder sie unter dein Kopfkissen legen – und immer, wenn du urteilst, einen passenden positiven Gedanken einsetzen. 

 

Fazit: Wer es schafft, die Welt so wahrzunehmen, wie sie ist – ohne eigene (Vor)Urteile, Bewertungen und Vergleiche –, öffnet sich dem Leben per se, verbindet sich in Liebe und Vertrauen mit allen Wesen, mit all der Schönheit, die sich in unserer Welt verbirgt. Das ist befreiend, verwirrend, intensiv – eben lebendig.