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Yogis sind penetrante Besserwisser. Ok, nicht alle
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Yogis sind penetrante Besserwisser. Ok, nicht alle

Von Kristin Rübesamen

Die bedingungslose Liebe von Alf endet schon nach fünf Minuten. Von der Lehrerin mit sanfter Stimmung darauf aufmerksam gemacht, im Vierfüßler statt eines geführten Holzkreuzes einen runden Rücken zu machen, flippt Alf aus. Er wolle das gefälligst im eigenen Rhythmus machen dürfen und verbiete sich jegliche Maßregelung. Schluck. Die Lehrerin bin ich, Alf heißt natürlich anders, ich könnte ihn beschreiben, aber tue ich natürlich nicht. Nur so viel: Er kam in Flipflops und hatte sie säuberlich neben der Matte abgestellt. Tatsache ist, dass für den Rest der Stunde Alf meine ganze Aufmerksamkeit hatte und nicht etwa die 42 anderen Schüler, die alle friedliche und freundlich mitmachten und sich sicher auch über die eine oder andere Hilfestellung gefreut hätten. Wie ist das möglich? Wie kann es sein, dass wir Yogalehrer, die wir Experten darin sind, unseren Geist dahin zu dirigieren, wo wir ihn brauchen, so versagen, wenn uns unfreundliche Schüler unterkommen?

Das Dilemma, seine Yoga-Schüler niemals beurteilen zu wollen

Denn meine Kolleginnen und Kollegen haben mir bestätigt, dass es ihnen genauso geht. Du hast eine herrliche Klasse, reizende Schüler, eine feine Sequenz vorbereitet, einen neuen Soundtrack dabei, und dann liegt in der ersten Reihe diese muffige Person, die nicht glücklich ist mit ihrem Platz (zu eng), mit der Decke (schlampig gefaltet), mit dem Klotz (zu schwer, leicht, groß, klein), dem Gurt (zu kurz, lang, und der Verschluss ist ja wohl nicht im Ernst aus Plastik), und die Stimmung ist im Eimer. Unterwürfig schleichst du um die muffige Person herum, schielst noch aus der hintersten Ecke, ob es ihr gut geht, und traust dich nicht aus der Reserve. Nach der Stunde fühlst du dich flau, suchst den Blick der muffigen Person, die sich ohne ein Wort davonmacht. Sicher wird sie sich beschweren oder dir eine schlechte Beurteilung hinterlassen, und dann bekommst du Ärger mit der Studioleitung, verlierst den Job, verlierst deine Schüler.


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Im Ernst, diese Dinge passieren, sonst würde ich hier nicht darüber schreiben. Es gibt diese Schüler, die einem das Leben schwer machen wollen, sie vertrauen darauf, dass wir ihnen ihr schlechtes Benehmen verzeihen, dass sie davonkommen mit ihrer Aggressivität, ihrem Groll, ihrer Paranoia. Schließlich geht es im Yoga darum, nicht zu urteilen, nicht beurteilt zu werden. Diese Schüler gehen tatsächlich davon aus, dass sie mit dem Eintritt in die Klasse auch das Recht erworben haben, sich daneben zu benehmen. Für uns Lehrer ein Dilemma, denn während es richtig ist, dass wir unsere Schüler niemals beurteilen dürfen, dass sie bei uns so sein können, wie sie wollen, dass sie zu uns kommen können, wenn es ihnen schlecht geht, und dass sie sich nicht verstellen müssen, wenn sie Yoga üben, ist es ebenso wichtig, dass wir das Wohl der gesamten Klasse im Auge haben, dass auch die anderen 42 Schüler, die in Ruhe üben wollen, in Ruhe üben dürfen. Was also tun, wenn eine einzige Person die ganze Gruppe terrorisiert?

Wie soll sich ein guter Yogalehrer verhalten?

Oder anders gefragt: Wer hat am Schluss die Yogahosen an? Wer gibt den Ton an? Die Nervensäge oder der Lehrer? Und wenn es, worauf wir uns sicher einigen können, der Lehrer ist, wie soll er sich verhalten? Worum es hier geht, ist Vertrauen. Damit deine Schüler dir vertrauen, musst du dir selbst vertrauen. Sobald du deine Souveränität verlierst, werden deine Schüler instinktiv misstrauisch, sie verlieren das Vertrauen in dich und ziehen sich zurück. Das kann in eine offene Meuterei ausarten oder, und das ist die häufigere Variante, eine subtile Verweigerung, die dennoch alle im Raum spüren. Hey, stimmt doch? Eine volle Klasse kann eine großartige Energie entwickelt, einen Sog so kraftvoll, dass sich ihm niemand entziehen kann, alle atmen und schwitzen zusammen, jeder vergisst seinen persönlichen Kram, seinen Sorgen, seine Einsamkeit und am Schluss gehen alle gestärkt nach Hause. Oder eben nicht. Es ist ein bisschen so, als säßen alle in Navasana, also im selben Boot, als Lehrerin kannst du dem Boot einen kleinen Schubs geben, mehr nicht. Aber wenn einer schon beim Einsteigen nörgelt und meckert, dann nimmt das Boot keine Fahrt auf, dann bleibt es im Hafen, dann wird es eine flaue Unternehmung.

3 Tipps im Umgang mit schwierigen Yoga-Schülern

Deswegen ist es so wichtig, dass vor allem im ersten Drittel der Stunde die Kapitänin (den größten Respekt und Dank an Carola Rackete an dieser Stelle) die Nerven behält. Was also tun mit Schülern, die einen aus der Bahn werfen? Hier meine drei Tipps:

  1. Nutze den Alarmzustand, in den du gerätst, sobald du den Störenfried identifiziert hast, dazu, besonders aufmerksam den anderen Schülern gegenüber zu sein. So etablierst du eine solide Beziehung zur Klasse und erdest nebenbei dich selbst.
  2. Du kannst die Störung zum Anlass nehmen, generell etwas zur Kunst der Fokussierung sagen und dazu, sich immer wieder auf den Atem zu konzentrieren, egal, was um uns herum so los ist.
  3. Zitiere den Anfang des Yoga Sutra von Patajanli, das vielen Schülern sicher ein Begriff ist: atha yoga-anuśāsanam . Salopp übersetzt mit: „Yoga ist überall und jetzt geht’s los“. Eine deutliche Erinnerung daran, dass Yoga nicht bedeutet, sein Bein hinter den Kopf zu klemmen, das kannst du natürlich auch kurz demonstrieren, sondern freundlich und gewaltfrei deinen Mitmenschen gegenüber zu sein.

Und wenn das alles nichts nützt: Ein kleiner, harter Schlag auf den Hinterkopf des Störenfrieds in der Haltung des Kindes. Dann sollte Ruhe sein (bevor du ausflippst: Das ist natürlich ein Scherz).


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