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Bild: iStockphoto.com

Wie Yoga in den Wechseljahren hilft

Von Anna Trökes

Wenn ein Mensch Asana auf die richtige Art und Weise übt, so hat das zur Folge, dass er auch durch extreme Einflüsse nicht aus dem Gleichgewicht gebracht wird.

Patañjali, Yoga Sutra 2.48

Die Zeit des Wandels

In den Wechseljahren haben viele Frauen das Gefühl, vollkommen aus der Balance zu geraten. Die Hormone »spielen verrückt«, körperliche und seelische Symptome beeinträchtigen stark die Lebensqualität.

Wir haben uns in der Lebensmitte etwas aufgebaut und können auf Geschaffenes zurückblicken. Wir haben Glück und Leid erlebt, sind weiser geworden. Gleichzeitig haben wir Angst, unsere jugendliche Energie zu verlieren, alt zu werden und nicht mehr attraktiv zu sein. Wir sollten jedoch die Menopause nicht als Zeichen des Altwerdens an sich betrachten, sondern dies lediglich auf unser Fortpflanzungssystem beziehen.

Frauen in den Wechseljahren, die mit Yoga anfangen, erfahren ihren Körper als neu belebt und erfrischt. Die Übungsweisen des Yoga unterstützen den Körper, sich besser an die neue Situation anzupassen und die negativen Begleiterscheinungen der Wechseljahre zu reduzieren. Und es hilft dabei die Menopause als wertvolle Phase zu nutzen, den Weg zur weisen Frau zu gehen, und uns Zeit nehmen für die eigene spirituelle Entwicklung.

Was im Körper geschieht

Zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr bleibt die Menstruation irgendwann aus – den Zeitpunkt der letzten Blutung nennt man Menopause. Durchschnittlich findet dies um das 50. Lebensjahr herum statt. In den Jahren davor (Prämenopause) und danach (Postmenopause) stellt sich der weibliche Körper langsam um. Die Wechseljahre (Klimakterium) können sich über 10 Jahre erstrecken.

Hormone im Klimakterium

Es beginnt damit, dass die Funktion der Eierstöcke (Ovarien) nachlässt. Jede Frau wird mit etwa einer halben Million Eibläschen (Follikel) geboren. Diese Zahl verringert sich kontinuierlich, bis mit etwa 50 Jahren keine befruchtungsreifen Follikel mehr vorhanden sind. Die von den Eierstöcken gesteuerte Menstruationsblutung bleibt aus. Da Follikel Östrogen und Progesteron bilden, sinkt der Östrogenspiegel mit abnehmender Zahl. Auch die Hormonproduktion im Gehirn verändert sich jetzt. Um die Östrogenbildung in den Eierstöcken wieder anzuregen, werden vermehrt Hormone ausgeschüttet, insbesondere das follikelstimulierende Hormon (FSH). Schließlich wird von den Eierstöcken kein Östrogen mehr produziert, die einzigen Östrogenquellen sind nun die Nebennieren und Fettzellen.

Der Organismus kann sich nicht so schnell an die veränderten Gegebenheiten anpassen, und es kommt zu den typischen Beschwerden. Das vegetative Nervensystem reagiert auf den Östrogenrückgang mit einer erhöhten Erregbarkeit – das kann sich spürbar auf die Körperfunktionen auswirken, die vom ihm gesteuert werden: auf Atmung, Verdauung, Stoffwechsel, Blutdruck, Wärme- und Wasserhaushalt. Für manche Frauen ist dieser Übergang zu einem neuen hormonellen Gleichgewicht einfach und beschwerdefrei. Ein Drittel der Frauen hat leichte Probleme, ein Drittel hat derart starke Beschwerden, dass medizinische Hilfe erforderlich ist.

Typische Beschwerden

Besonders häufig sind Gefäßreaktionen wie Hitzewallungen, Schwitzen und Schwindel. Außerdem können wir geplagt werden von Schlaflosigkeit, Nervosität, einer verminderten Leistungskraft und Lustlosigkeit bis hin zu Depressionen. Auch Symptome wie Kopfschmerzen, Haarausfall und eine trockene Scheide können auftreten. Weitere Auswirkungen können Arthrose, Osteoporose (Knochenschwund) oder chronische Schmerzen sein. Mehr als die Hälfte der Frauen bekommen im Verlauf der ersten zwei Jahre nach der Menopause einen erhöhten Blutdruck (!).

So hilft Yoga 
in den Wechseljahren

Yoga gibt jeder Frau in dieser Lebensphase ganz praktische »Werkzeuge« an die Hand – spezielle, bewährte Übungen, um das hormonelle Ungleichgewicht zu harmonisieren, Alterungsprozesse zu beeinflussen, Regeneration und Verjüngung zu ermöglichen und Beschwerden zu lindern. Mit Yoga können wir auch dem alltäglichen Stress gelassener begegnen und eine positive Stimmung unterstützen. So können wir mit mehr Energie und Optimismus in eine neue Lebensphase gehen.

Harmonie von Körper und Geist

In seinem 2 500 Jahre alten Yogatext gibt uns der Weise Patañjali Hinweise, wie wir tiefes, inneres Glück erfahren können. Im Yogasutra, dem »Leitfaden des Yoga«, teilt er uns mit, dass Glück und Unglück ihren alleinigen Ursprung in unserem Geist haben. Eine Ursache für unser Leid ist demnach, dass alles, auch wir, der ständigen Veränderung unterworfen ist – und dass wir dies nicht akzeptieren können.

In den mittleren Jahren werden wir mit deutlichen und schmerzhaften Veränderungen konfrontiert. Unser Körper verändert sich, das Gedächtnis lässt nach, die Kinder verlassen das Haus, die alten Eltern werden hinfällig und sterben. All dies kann uns ängstlich und unsicher machen. Anstatt den Wechsel anzunehmen und mit dem Leben mitzufließen, wehren wir uns und versuchen, an Altem festzuhalten – was unser Leiden weiter vergrößert.

Patañjali weist uns in seinem Text Wege, wie wir mit all dem, was uns widerfährt, entspannter umgehen können. Er empfiehlt eine regelmäßige Praxis von Asana (Körperübungen), Pranayama (Atemtechniken) und Meditation. Außerdem legt er uns unter anderem fünf Grundeinstellungen (Niyamas) für ein glücklicheres Leben nahe. Diese können uns helfen, die Wandlungsphase in der Lebensmitte anzunehmen und die freiwer- denden Energien kreativ zu nutzen. Durch die Umsetzung dieser Empfehlungen kann unser Leben einfacher und reicher werden. Wir können uns auf das konzentrieren, was uns wirklich wichtig ist.

Die drei Säulen des Yoga: Asana, Atem und Meditation

Das Yoga-Übungssystem spricht gleichermaßen unseren Körper, unseren Atem und unsere Gedanken und Gefühle – und damit unseren Geist – an. Bestimmte Übungen haben sich als besonders wirkungsvoll für Frauen in der Lebensmitte bewährt.

Asanas – Übungen, die dem Körper gut tun

Es gibt im Yoga viele Asanas, die eine besonders positive Wirkung auf den weiblichen Organismus haben. Sie unterstützen ihn darin, sich besser an die neue hormonelle Situation anzupassen, und helfen so, die Wechseljahrsbeschwerden zu reduzieren. Vor allem Umkehrhaltungen sind geeignet, Unregelmäßigkeiten oder hormonelle Probleme zu korrigieren. Ebenfalls hilfreich sind Vorbeugen und Drehungen. Die Übungen wirken nicht nur auf Muskeln, Sehnen, Bänder, Gelenke, sondern auf alle regulativen Systeme im Körper (Schilddrüse, Hormone im Magen-Darm-Bereich und in den Nebennieren), auf Nerven-, Hormon- und Immunsystem, die eng miteinander vernetzt sind.

So wirken die Übungen:

  • Allgemein reinigend, Energie aufbauend und stabilisierend
die Atemräume befreiend und die Atemqualität verbessernd; damit wird Vata besänftigt.
  • den Bauch- und Beckenraum aktivierend, wodurch sich der Stau im Becken abbaut
  • die Verdauungskraft harmonisierend und stärkend
  • das Nervensystems beruhigend
  • die Flexibilität fördernd
  • den Beckenboden stärkend
  • die Selbstwahrnehmung verbessernd, ein positives Körpergefühl und Selbstbewusstsein fördernd
  • die Stimmung aufhellend.
  • Insgesamt unterstützen sie Entspannung und Regeneration.

Der Atem – unser innerer Heiler

Der Atem hat eine große Bedeutung für unsere Gesundheit, und wir können ihn unterschiedlich nutzen, um uns zu unterstützen. Im Yoga ist der Atem das Herz einer jeden Übung – ob begleitend in den Asanas oder zentral in speziellen Atemübung.

  • Die Atmung steht in enger Verbindung mit dem Nerven-, Hormon und Immunsystem. Vor allem hat sie Einfluss auf unser vegetatives Nervensystem. Daher können wir die Auswirkungen der veränderten Hormonlage mit dem Atem positiv beeinflussen.
  • Durch bewusstes und rhythmisches Atmen geben wir unserem gesamten System hilfreiche Impulse.
  • Die Ausatmung hat eine beruhigende und reinigende Wirkung. Wir können Altes loslassen und offen und frei für etwas Neues werden.
  • Die Einatmung wirkt vitalisierend. Wir haben mehr Energie, unsere Stimmung hebt sich. Wenn wir mutlos und depressiv sind, ein geringes Selbstwertgefühl haben, kann die tiefe, ruhige Einatmung eine Hilfe sein.
  • Mit Atemübungen können wir wirkungsvoll Stress reduzieren.
  • Ebenfalls können wir den Atem als Heilmethode einsetzen, indem wir ihn gezielt zu einem Organ lenken und Energieblockaden lösen.

Pranayama – die Atemübungen

Der Hatha-Yoga kennt weiterführende Techniken, um den Atem und damit Prana zu kontrollieren. Diese Techniken nennt der Yoga »Pranayama« – die Ausdehnung des Prana. Ziel ist ein ruhiger, langer und gleichmäßiger Atem. Mit Pranayama können wir eine tiefgreifende Wirkung erzeugen.

  • Ein bewusstes und tiefes Atmen unterstützt die Selbstheilungskräfte.
  • Ein langer und ruhiger Atem lässt uns innerlich ruhig werden, sodass unser Geist klar wird und unser positives Potenzial aufleuchten kann.
  • Ganzheitliches Wohlbefinden stellt sich ein.

Im Hormonyoga werden hilfreiche Asanas kombiniert mit geführter Atmung und Visualisierung:

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Meditation – der Weg zur Gelassenheit

Unabhängige Forschungen haben bewiesen, dass Meditieren gut für Körper und Seele ist. Wir erreichen dabei einen Bewusstseinszustand, in dem wir gleichermaßen wach und tief entspannt sind. Die Ruhe und Stille ermöglicht uns, Kraftquellen zu mobilisieren und tiefe Einsichten über uns und das Leben zu gewinnen. Meditation kennt verschiedene Werkzeuge, um dies zu erreichen. Mithilfe von Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen (Atem, Worte, innere Bilder) kann sich unser Geist beruhigen und sammeln. In diesem Zustand steht das gegenwärtige Erleben im Vordergrund, wir sind frei von gewohntem Denken, vor allem von einengenden Bewertungen, von Erinnerungen und Vorstellungen (Pläne, Ängste etc.). Wir lernen durch Meditation, Belastendes loszulassen und den unausweichlichen Veränderungen gelassen zu begegnen. Wir gewinnen die Einsicht, dass wir letztlich nichts festhalten können und alles der ständigen Veränderung unterworfen ist. Uns wird bewusst, dass Festhalten Leiden bedeutet. Wir erfahren, dass unser Leben von Moment zu Moment geschieht und der jetzige Augenblick der wichtigste in unserem Leben ist.

Mit Meditation können wir nachweislich...

  • unsere Gesundheit stärken (etwa den Blutdruck senken)
  • den belastenden Stress reduzieren
  • mit Schmerzen besser umgehen
  • das Gehirn trainieren, die Konzentrationsfähigkeit steigern
  • schwierige Situationen leichter bewältigen
  • alte seelische Wunden und Verletzungen heilen
  • inneren Frieden und Gelassenheit erleben
  • den eigenen Lebenssinn erkennen.

Der Einfluss des Geistes

Yoga betrachtet Gesundheit unter einem sehr ganzheitlichen Aspekt. Diese Sichtweise berücksichtigt den enormen Einfluss unseres Geistes auf die körperliche Gesundheit.

Bestätigung findet diese Sicht längst in der modernen Forschung, insbesondere durch die Psychoneuroimmunologie (PNI). Sie beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen dem Nerven-, Hormon- und Immunsystem und erforscht, wie Gefühle und Gedanken das Immunsystem beeinflussen können, wie sie sich sowohl fördernd als auch hemmend auswirken. So schwächen Depressionen, Ängste, Hilflosigkeit, Einsamkeit oder auch übermäßige Selbstbezogenheit die Abwehr- und Selbstheilungskräfte. Dagegen können sich positive Gefühle wie Freude, Gelassenheit oder Liebe förderlich auswirken.

Yoga hilft uns, Gedanken und Gefühle in Harmonie zu bringen, Ängste zu reduzieren, geduldiger und akzeptierender uns selbst gegenüber zu werden. Durch regelmäßiges Üben erlangen wir die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen einen Moment von innerer Freiheit zu erleben. Durch Yoga erkennen wir, dass wir allein die Verantwortung für Gesundheit und Zufriedenheit haben. Yoga hilft, die uns innewohnenden positiven Kräfte zu mobilisieren, die ein glückliches und sinnvolles Leben ermöglichen.

Gesünder und tatkräftiger in einen neuen Lebensabschnitt

Besonders in der Phase des Umbruchs, in der die Hormone außer Rand und Band geraten zu scheinen, ist Yoga ein wertvoller Begleiter, der uns Frauen helfen kann, uns selbst nahe zu kommen und die Bedürfnisse des eigenen Körpers und Geistes zu entdecken.

Untersuchungen zeigen, dass unsere Art und Weise, älter zu werden, mehr mit unseren Vorstellungen und Einstellungen zum Alter zu tun hat als mit irgendeinem anderen Faktor. Die Anpassung an den veränderten Hormonspiegel kann leicht oder beschwerlich sein.

Wir können diesen Prozess unterstützen, wenn wir Yoga als ein umfassendes System zur persönlichen Entwicklung nutzen.
Yoga kann auf vegetative Prozesse im Körper Einfluss nehmen und die Funktion der endokrinen Drüsen harmonisieren. Eine positive Selbstregulation wird auf körperlicher und psychischer Ebene unterstützt. Damit können unangenehme Wirkungen der hormonellen Umstellung in der Lebensmitte reduziert werden.

Ergebnis des regelmäßigen Übens ist jedoch nicht nur ein größeres körperliches Wohlgefühl. Yoga hilft uns, innerlich und äußerlich beweglich zu bleiben und den neuen Aufgaben und Herausforderungen mit mehr Energie und Lebensfreude zu begegnen. Auch unser Selbstvertrauen nimmt zu, so dass wir deutlicher für das einstehen können, was uns wirklich wichtig ist.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus Anna Trökes' Buch "Yoga für die Hormonbalance".

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