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Ihr Excel-Yogis, ihr Frühaufsteher: Muss das sein?
YogaEasy

Ihr Excel-Yogis, ihr Frühaufsteher: Muss das sein?

Von Kristin Rübesamen

Ich habe nichts dagegen, früh aufzustehen. Es ist eine Altersfrage. Früher war das anders. Während meines Studiums besuchte ich Vorlesungen um 11 Uhr nur mit größter Mühe. Am Samstag bestand die Herausforderung darin, vor Ladenschluss um 13 Uhr – gab es damals noch – bei Edeka noch schnell Milch, Nudeln und Schlemmerfilet à la bordelaise zu kaufen. Kurz, der Morgen, er konnte mir gestohlen bleiben, er war etwas für Spießer, Leute mit Regenschirmen. Menschen mit einem Komparativ. Sie haben mehr vom Tag, wenn sie früh aufstehen, sie sind schon weiter, uns Langschläfern immer einen Schritt voraus. Während unsere Hand nach der Fernbedienung zuckt und wir über unser Schoko-Granola noch ordentlich Zucker streuen, damit es noch geiler knirscht, haben sie garantiert schon eimerweise heißes Wasser getrunken, haben etwas getrackt, was mit Sport zu tun hat, haben dem Tag Stunden abgetrotzt, nur weil sie nicht verstehen wollen, dass wir alle sterblich sind und lieber etwas Spaß haben sollten, solange wir die Chance dazu haben.

„Nein, bitte nur ein warmes Wasser. Ist da Knoblauch drin?”

Ja, ihr Yogis, ihr seid gemeint, die ihr den Wecker auf vier Uhr stellt, um eure Matte auszurollen. Die ihr im Hund keucht und eure Wirbelsäule dehnt und eure Eingeweide verdreht und euch in den Kopfstand schwingt, nur weil irgendein alter Mann aus Indien mal behauptet hat, man müsse Yoga zum Sonnenaufgang machen. Ihr Hardcore-Yoga-Spießer, die ihr abends nach sechs zu nichts mehr zu gebrauchen seid, die ihr nichts trinkt, nichts essen, weil es euer bedauernswerter Stoffwechsel sonst nicht schafft, euren schlabbrigen Hirsematsch bis zum nächsten Morgen zu verarbeiten. Ihr Excel-Yogis mit euren spitzen Sitzbeinhöckern und eurem Verdauungsfetischismus. Mir macht ihr nichts vor mit eurem getarnten Snobismus und eurer falschen Bescheidenheit. Nein, bitte nur ein warmes Wasser. Ist da Knoblauch drin? Wäre es in Ordnung, wenn ich mich schon mal zurückziehe? Darf ich mich schon mal hinlegen? UM NEUN!

Warum ich das alles so genau weiß? Weil ich mich gerade selbst zitiert habe. Das bin ich, der nach Wasser fragt, der gerne früh ins Bett geht, um früh aufzustehen. Nicht um vier oder fünf, aber auch nicht später als acht. Das gesamte letzte halbe Jahr bin ich, um mich von einer tiefgreifenden persönlichen Herausforderung nicht unterkriegen zu lassen, um sechs aufgestanden. Ich habe keine Asanas praktiziert, sondern meditiert. Habe zugehört, wie die Stadt aufwacht, wie die Junkies die Pfandflaschen holen, wie die Müllabfuhr scheppernd durchs Viertel fährt. Habe die Vögel gehört und wie sie sich unterhalten. Die Vögel sind auch jetzt zu hören, im Winter, wo sie doch eigentlich über alle Berge sein müssten. Es ist die Stille am Morgen, die uns, Yogis oder nicht, lehrt, zuzuhören. Ich wüsste kaum einen besseren Grund, um früh aufzuzustehen.

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