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Bildquelle: Istockphoto.com

Männeryoga: Nur für Ökos und Schwächlinge?

Von Thomas Meinhof

Shanti, Shanti.

„Stundenlang sitzen die Yogis im Lotussitz im Kreis um ihren Guru herum und summen ein monotones, nimmer endendes Om. Der Raum ist in schummriges Kerzenlicht getaucht, der stechende Duft der Räucherstäbchen lässt das Atmen schwer fallen. Nach und nach klemmen sich die dünnen Menschlein auf den Matten ihre Füße hinter den Kopf und geben dabei seltsame Worte in einer unbekannten Sprache von sich…“ Okay, dieses Bild einer Yogaklasse ist jetzt doch sehr überzogen. Aber es gibt immer noch so viele Menschen, die keine Ahnung haben, was beim Yoga wirklich passiert. Ganz besonders empfänglich für Vorurteile gegenüber Yoga sind ausgerechnet wir Männer, obwohl wir doch so gerne allen anderen Geschlechtern die Welt erklären. Zeit für etwas Aufklärung, Jungs.

Was? Du etwa auch?

Wenn ich Fremden erzähle, dass ich mehrmals pro Woche Yoga praktiziere, reagieren sie oftmals irritiert. Ich bin ein verheirateter Familienvater, mag Fußball, Grillen, Rockmusik und bin auch äußerlich nicht unbedingt das, was sich der durchschnittliche Fitnessstudiobesucher unter einem „Esoterikspinner“ vorstellt. Aber ich praktiziere Yoga. Oft und intensiv und wirklich gerne. Yoga hat mein komplettes Leben durcheinandergewirbelt, und das ist gut so. Ich bin überzeugter Yogi und zwar nicht TROTZ allen anderen Dingen, die ich bin (s.o.), sondern genau deshalb. Yoga hilft mir, so zu sein wie ich will. Es gibt mir Kraft für den Alltag und hilft mir meine Gedanken zu ordnen, wenn wieder mal alles drunter und drüber geht. Und mit meinem „normalen“ Leben bin ich als Yogi weniger die Ausnahme als die Regel. Yogamänner erfüllen nämlich gar nicht so oft die ganzen Klischees, in die man sie pressen will:


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1. Yoga ist was für Öko-Freaks.

Leider nicht, Yoga ist nämlich eigentlich streng genommen für alle. Für Singles und Väter, für Studenten und Manager, für Dicke und Dünne. Ich kenne Yogis, die liebend gerne Fleisch grillen, Bier trinken und ins Stadion gehen – und trotzdem jeden Morgen erst mal meditieren. Natürlich kann es sein, dass sich deine Einstellung zu gewissen Dingen mit der Zeit auf der Matte verändert, aber das muss nicht sein. Es gibt wirklich viele glückliche Teilzeit-Yogis, die ansonsten „ganz normale“ Dinge tun, in manchen Fällen sogar Dinge, die gar nicht so richtig „yogisch“ sind.

2. Yoga ist was für Esoteriker.

Wenn du auf der Suche nach etwas bist, an das du glauben kannst, ist Yoga vielleicht hilfreich. Aber es ist auch okay Yogi zu sein, ohne komplett in die indische Mythologie abzutauchen. Im Endeffekt ist Yoga eine Sache zwischen dir und deinem Körper, alles andere steht dir frei zur Verfügung, um es für dich zu nutzen. Es stecken aber viele schöne Gedanken in den yogischen Lehren – daher lohnt es sich also, in der Klasse zuzuhören und sich auch dem spirituellen Teil der Praxis gegenüber zu öffnen.

3. Yoga ist was für Schwächlinge.

Wer denkt, Yoga sei nicht körperlich anstrengend, hat es noch nie ausprobiert. Wenn man 60 bis 90 Minuten seine Körperspannung hält und dabei Bewegungen ausführt, die der Körper sonst so gar nicht gewöhnt ist, braucht man hinterher kein Hanteltraining mehr. Ich meine: Schon beim Handstand trägt man ja sein eigenes Körpergewicht, und da kommt unter Umständen doch einiges zusammen. Auch das ganze Auf und Ab bei den Sonnengrüßen etc. geht ganz schön auf die Kondition, das hat schon so manchen Fitnessprotz außer Atem gebracht.

4. Yoga ist was für Schwule.

Ja, klar. Genau wie lange Haare, Ohrringe und enge Hosen. Und Putensteaks. Da Homosexuelle zum Glück in der Öffentlichkeit keine Erkennungszeichen tragen müssen, weiß ich natürlich nicht, welche Yogamänner in der Klasse auf Frauen stehen und welche eher auf andere Yogamänner. In meinem Fall ist das aber recht eindeutig und in meinem direkten Umfeld gibt es auch genügend heterosexuelle Männer, die nicht mehr ohne Yoga sein wollen. Ich habe keine Ahnung, woher dieses seltsame Vorurteil mit dem Schwulsein kommt, aber Yoga hat wirklich nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun. Warum auch?

5. Yoga ist was für Aufreißer.

Obwohl Frauen es vielleicht ganz nett finden, wenn man als Mann zum Yoga geht, stelle ich es mir schwierig vor, in der Klasse jemanden kennenzulernen. Bevor es losgeht, herrscht eigentlich Stille im Raum, schon das übermäßig laute Ausrollen der Matte wird meist mit ganz und gar unyogischen Blicken bestraft. Und während der Praxis ist man ja die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt: Atmen, Drehen, Strecken, Springen, Entknoten, Hinlegen etc. Bei den meisten Asanas ist es ja nicht mal möglich Augenkontakt herzustellen, man schaut auf den Boden, die Decke oder höchstens mal auf den Hinterkopf oder die Füße von jemand anderem. Nicht unbedingt das beste Jagdrevier für den klassischen Tinder-User.

Auf die Matte, fertig, los.

Na, sind alle Bedenken endgültig zerstreut? Oder glaubst du weiterhin an den ganzen Quatsch, der sich außerhalb der Yogaschulen über uns Yogis erzählt wird? Wenn dein Geist sich vorurteilsfrei anfühlt, wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt, deinem Körper etwas Asana-praxis zu gönnen. Mit einer Schnupperstunde oder einem Anfängerkurs vielleicht, oder einer Online-Klasse hier bei YogaEasy. Ganz gleich, welcher Weg zum Yoga der deine ist, du wirst ihn finden. Und vielleicht sehen wir uns dann bald mal auf der Matte irgendwo. Namaste.

PS: Du hast sogar noch mehr Vorurteile als ich oben aufgezählt habe? Nur her damit, ich bin gespannt. Ich freue mich über alle Kommentare.