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Stress: Auslöser, Folgen und wie Yoga hilft

Von Christiane Eitle

Eine Gesellschaft unter Dauerstress

Stress entsteht durch eine dauerhafte, extreme Anspannung und Belastung von Körper und Psyche. In der heutigen Leistungsgesellschaft, wo durch technischen Fortschritt immer alles höher, weiter, schneller funktionieren muss, eher Regel als Ausnahme. Jeder Bereich des Lebens, sei es Arbeit, Familie oder Freizeitgestaltung, wird zeitlich optimiert. Statt diese freien Zeitfenster für Ruhe und Entspannung zu nutzen, werden sie nur noch mit mehr To Dos gefüllt. Ein Fass ohne Boden, wenn man in die Zukunft blickt, wo uns Haushalts-Roboter und selbstfahrende Autos erwarten.

Das unnötige Erbe unserer Vorfahren

Dabei hatten unsere Vorfahren in der Urzeit schon Stress. Und wärst du im Angesicht wilder Tier und bei der Flucht vor einem Mammut nicht gestresst? Der Flucht-Kampf-Mechanismus ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Heute greift er schon beim Stress im Büro und da geht es nicht um das nackte Überleben. Erinnere dich an deine letzte Stresssituation: Die Muskeln spannen sich an, dein Atem wird schneller, dein Herz klopft wie wild: Alles automatische Körperreaktionen, wenn Gefahr für Leib und Leben droht. Du musst jetzt maximal leistungsfähig sein, um dich in Sicherheit zu bringen oder zu verteidigen. Kommt dir das bekannt vor, wenn du an deine letzte Präsentation vor Publikum denkst?

Im Unterschied zu unseren Urzeitahnen schalten wir leider selten auf Entspannung zurück. Du läufst vom stressigen Meeting in die stressige Mittagspause, zum stressigen Sport, bis du dann Abends mit der stressigen Familie zu kämpfen hast. Dein Körper ist ständig in Alarmbereitschaft und bekommt kein Signal, dass die Gefahr gebannt ist und er wieder entspannen darf.


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Mehr Ausgeglichenheit für weniger Stress

Unser Vegetatives Nervensystem ist demnach ständig im Ungleichgewicht. Es ist das Netzwerk, das alle automatischen Körperprozesse wie Verdauung, Herzschlag oder Atmung steuert. Die wichtigsten Nervenbahnen dieses Systems, der Sympathikus und Parasympathikus sollten idealerweise immer ausgeglichen sein. Der Sympathikus ist verantwortliche für Aktivität, Leistungsfähigkeit und die Aktivierung des Flucht-Kampf-Mechanismus. Der Parasympathikus ist der ausgleichende Gegenspieler, der für Ruhe und Entspannung sorgt. Tatsächlich ist heutzutage jedoch eher der Sympathikus der dominierende Teil, denn durch die ständige Anspannung, haben sich unserer Körper an den Dauerstress gewöhnt.

Stress von Arbeit bis Familienurlaub

Das Ausmaß von Stress hängt stark von der persönlichen Einschätzung ab. Viele Menschen schwitzen und zittern, wenn sie auf eine Bühne müssen, während andere nichts mehr lieben. Sie fühlen sich der Situation gewachsen, weil sie die nötige Erfahrung und Sicherheit mitbringen. Ihr Körper reagiert entsprechend moderat.

Typischer Auslöser (Stressoren) für Stress, sind zu hohe Leistungsanforderungen im Beruf, familiäre Schicksalsschläge oder Zeitdruck. Auch interne Faktoren wie Ungeduld, Perfektionismus oder Unsicherheit lösen Stressreaktionen aus. Selbst im Urlaub versuchen wir hektisch so viel wie möglich zu erleben. Auch das ständige Gefühl etwas für die Fitness tun zu müssen, artet in Freizeit-Stress und Unzufriedenheit aus.

Die gute Nachricht ist, dass es durchaus auch positiven Stress, sogenannten Eustress, gibt. Eustress tritt auf, wenn du unter Leistungs- oder Zeitdruck an Dingen arbeitest, die dich begeistern und dir Freude bereiten. Der Körper ist durch den positiven Stress zu maximaler Leistung bereit, ohne dass er darunter leidet, wie es beim negativen Distress der Fall ist.

Stress ist der Krankheitsauslöser Nummer Eins

Kurzfristig führt Stress zu bekannten Symptomen wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Verdauungsproblemen. Die ständig angespannte Muskulatur bringt auch gerne Schmerzen im Schulter-, Nacken- und Rückenbereich mit sich. Häufig macht sich zusätzlich eine chronische Erschöpfung, Müdigkeit und Reizbarkeit breit. Dieses ständige Unwohlsein führt natürlich zu Unzufriedenheit, entweder mit dir selbst, was in noch mehr Stress ausartet oder mit deiner Außenwelt, was dich zu einem unangenehmen Zeitgenossen macht.

Wenn Stress immer wieder über einen längeren Zeitraum auftritt und du keine Ruhephasen bekommst, kann er zum ernstzunehmenden Gesundheitsrisiko werden. Dein Körper befindet sich dauerhaft in Habachtstellung und ist dadurch im Ungleichgewicht. Nach und nach wird das Immunsystem immer schwächer, der Blutdruck steigt und die Anfälligkeit für Krankheiten nimmt zu. Wenn wir in Stress geraten, schüttet unser Körper mehr von dem Stresshormon Cortisol aus. Dadurch werden verschiedene Areale im Gehirn geschädigt, was sich in Unzufriedenheit, Ungeduld oder Depressionen äußern kann. 

Auf lange Sicht können sich so ernsthafte physische und psychische Erkrankungen manifestieren. Viele Krankheitsbilder sind in ihrem Ursprung auf Stress zurückzuführen: Allergien, Erkältungen, Diabetes und sogar Krebs. Aber auch der totale Zusammenbruch, Burnout, Herzinfarkte oder starke Depressionen sind keine Seltenheit.

Yoga für mehr Ausgeglichenheit

Einer der Hauptgründe Yoga zu praktizieren ist Stress. Zehntausende Yogis und viele wissenschaftliche Studien überzeugen, dass Yoga den Stress aus dem Leben verbannen kann. Da die meisten Krankheiten durch Stress und Cortisol ausgelöst und verschlimmert werden, ist es nur logisch, dass Entspannung, Achtsamkeit und Bewegung, dagegen halten können.

Aber wie genau hilft dir Yoga bei Stress? Wenn wir nochmal an die Urzeit Menschen denken, ist es eigentlich ganz plausibel: Yoga bringt dich ins Gleichgewicht. Medizinisch ausgedrückt: Durch Yoga wird dein vegetatives Nervensystem wieder in seine natürliche Balance gebracht, denn Yoga stimuliert deinen Parasympathikus.

Gesunde Körperreaktionen (wieder) lernen

Eine Yogastunde und Asanas zeichnen sich durch ein ständiges Wechselspiel von Anspannung und Entspannung aus. Der Yogalehrer beginnt und beendet seine Stunde mit Ruhe, in Form von Tiefenentspannung, Meditation oder Atemübungen. Gewöhnlich folgt nach jeder Asana oder anstrengenden Sequenz eine kurze Pause, um deinen Körper und seine beanspruchten Regionen wieder zu lösen und mit Energie zu versorgen. Sogar in jeder einzelnen Asana findest du Anspannung und Entspannung, indem du Druck und Gewicht an die Erde abgibst und nur dort anspannst, wo es nötig ist. Dadurch dass die Bewegungen im Yoga immer dem Fluss der bewussten Ein- und Ausatmung folgen, wird zusätzliche Anspannung im Körper abgebaut.

Dein Körper ist lernfähig und übernimmt nach und nach auch jenseits der Yogamatte dieses neue Muster. Du entwickelst die Fähigkeit, Stress nicht so schnell an dich heranzukommen zu lassen und nach Stressmomenten wieder entspannen zu können. Langfristig kann dich dieses neue Verhaltensmuster vor Krankheit schützen.

Asanas bewusst erleben, um den Körper zu verstehen

Yoga kann Stress auf mentaler und körperlicher Ebene abbauen. Dafür sollte eine Asana immer bewusst aufgebaut, gehalten und wieder aufgelöst werden. Durch die langsamen und präzisen Bewegungen, nimmst du jeden Teil deines Körpers wahr und lokalisierst Spannungsbereiche. Du lernst, deinen Körper wie eine Landkarte zu studieren und kannst blockierte Wege behutsam wieder öffnen. Jede Position die du einnimmst, wirkt anders auf deine Organe und das Nervensystem. Es gibt beruhigende und aktivierende Asanas, manche Übungen sind gut für die Verdauung, andere für deine Wirbelsäule oder die Öffnung deines Brustraums.

Um völlige Entspannung zu erfahren, ist es auch wichtig deinen Geist zu beruhigen. Daher ist eine weitere Komponente für den Stressabbau, die tiefe Ein- und Ausatmung in Harmonie mit deiner Bewegung. Auch regelmäßiges Innehalten, Besinnung auf sich selbst und kurze Meditationen, helfen gegen Gedankenkarussell und innere Anspannung.

Vier empfohlene Yogaübungen gegen Stress

 

Das Kamel:

Wie mit allen Rückbeugen, weitest du im Kamel deinen Brustkorb und dehnst den Bauchraum. Deine Atmung vertieft sich und durch die zusätzliche Versorgung mit Sauerstoff, wird dein Energielevel angehoben. Durch die Stimulierung und Dehnung deiner Körpermitte werden emotionale Blockaden gelöst.

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Der Drehsitz:

Die Drehbewegung im Drehsitz bewirkt einen Druck auf die inneren Organe. Durch diese Massage verbessert sich die Durchblutung, die Atmung wird tiefer und Stress kann effektiv abgebaut werden.

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Die Vorwärtsbeuge:

Die sitzende Vorwärtsbeuge entfaltet ihre beruhigende Wirkung am Besten, wenn sie einige Minuten gehalten wird. Alle Organe werden angeregt, das Bauchzentrum stimuliert und durch die Dehnung der Rückenmarksnerven, wird das Nervensystem belebt.

Die Wechselatmung:

Die rhythmische Ein- und Ausatmung durch das rechte und linke Nasenloch, wirkt beruhigend auf Körper und Geist. Dadurch setzen sich Emotionen frei, Anspannung fällt ab und der Geist wird auf einen ruhigen Schlaf oder die Meditation vorbereitet.

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