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Yoga bei psychischen Erkrankungen
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Yoga bei psychischen Krankheiten

Von Merle Blankenfeld

Psychische Krankheiten nehmen zu - jeder zehnte Deutsche leidet im Laufe seines Lebens mindestens ein mal an Depressionen, psychosomatische Probleme wie Hörsturz, Burn out und andere chronische Erschöpfungssyndrome sind omnipräsent. Gleichzeitig werden psychische Beschwerden im Vergleich zu anderen gesundheitlichen Problemen immer noch stigmatisiert. Und nicht nur das belastet die Betroffenen zusätzlich: Auch die Unwissenheit über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten und deren Erfolgsaussichten verunsichern Menschen mit psychischen Problemen. 

Glücklicherweise gibt es Yoga, Pranayama und Meditation - Methoden, mit denen Betroffene selbst etwas für ihre Genesung tun können. Mittlerweile belegt eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen, wie Yoga die psychische Gesundheit fördert. 

Studie belegt: Yoga wirkt bei psychischen Erkrankungen

Eine Analyse von 25 Studien des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie hat ergeben, dass die Wirksamkeit von Yoga bei psychischen Erkrankungen mit einer psychotherapeutischen Behandlung vergleichbar ist. Je nach Schwere der Krankheit kann eine regelmäßige Yoga-Praxis eine Therapie natürlich nicht ersetzen – aber sinnvoll ergänzen. Und das auf ganz verschiedenen Ebenen:

Yoga: Therapie-Unterstützung auf seelischer und körperlicher Ebene

  • Eine psychische Erkrankung geht für Betroffene häufig mit einem Gefühl von Kontrollverlust einher. Hier kann das Üben von Asanas und Pranayama helfen: Die Erfahrung, dass man als Yoga-Übender sein Befinden unmittelbar beeinflussen sein, kann sehr befreiend sein. Gleichzeitig bietet die Yoga-Praxis während der Zeit des Übens eine willkommene Ablenkung von den ständig um die Erkrankung kreisenden Gedanken.
  • Die körperliche Aktivität und die Bewegung beim Yoga als solche spielen natürlich eine Rolle. Im Gegensatz zum Joggen oder gar Wettkampfsportarten hat Yoga auch eine sehr wichtige spirituelle und philosophische Komponente, die Betroffene auf psychologischer beziehungsweise geistiger Ebene ansprechen kann und sie dabei unterstützen kann, die Sicht auf ihre Probleme zu verändern.
  • Ein wichtiger Teil der Yoga-Praxis beziehungsweise des Yogaweges ist es, den Blick nach innen zu richten. Diese Pratyahara genannte fünfte Stufe des Yogaweges nach Patanjali kann dabei helfen, sich vom Außen und all den Dingen, die in der äußeren, materiellen Welt so unglaublich wichtig erscheinen, zu lösen – oder zumindest ein wenig zu distanzieren.
  • Gleichzeitig wirkt Yoga aber auch auf physischer Ebene auf den Hormonhaushalt. Während des Übens schüttet der Körper Serotonin, das „Wohlfühlhormon“, aus, ebenso Dopamin, das für Antriebskraft und Motivation verantwortlich ist, Noradrenalin, das Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit steuert , und Endorphine, die praktisch als körpereigene Schmerzmittel agieren.

Yoga und Meditation bei Depressionen

Depression ist eine der großen Volkskrankheiten, ca. 4,4 Prozent der Weltbevölkerung (ca. 350 Millionen) leiden darunter. In Deutschland sind es sogar 8,3 Prozent (ca. 4 Millionen). Die positive Wirkung von Yoga auf Patienten mit Depressionen konnte eine Studie der Boston University School of Medicine nachweisen: Die 34 Teilnehmer haben nach einer jeweils 60-minutigen Iyengar-Yoga-Einheit zusätzlich Atemübungen ausgeführt und konnten nach einer Dauer von zwölf Wochen deutliche Linderung der Depressions-Symptome verspüren.

Yoga und vor allem Meditation erhöhen die Dopamin-Ausschüttung und wirken so der niedrigen Konzentration von Dopamin bei einer Depression entgegen. Genau das ist auch der Ansatz vieler Psychopharmaka – Yoga kann also wie ein (leichtes) Antidepressivum wirken. Der Fokus sollte bei der Yoga-Praxis für depressive Menschen nicht zu sehr in der Entspannung liegen, sondern eher in dynamischen Elementen, bei denen die Übenden die Bewegungen mit dem Atem koordinieren können. Hier ist es also wichtig, eher Asanas, aktive Meditationen oder konzentrierte Atemübungen (Pranayama) zu üben als die reine Achtsamkeits-Meditation. Die Konzentration auf den Ist-Zustand könnte die Depression eher verstärken und so kontraproduktiv wirken.

Hier zeigt Anna Trökes einige Asanas, die gegen depressive Verstimmungen helfen können (bei einer Depression sind diese Übungen selbstverständlich kein Therapie-Ersatz, können aber unterstützen):

Yoga und Meditation bei Stress, Angst und Burnout

Stress gehört zu den größten Krankheitsursachen unserer Zeit. Und dabei handelt es sich keinesfalls nur um ein gefühltes Phänomen: Stress findet auf körperlicher Ebene statt. Dabei müssen wir uns unser Nervensystem näher anschauen, das aus dem Sympathikus, Parasymphatikus und dem enterischen Nervensystem (Darmnervensystem) besteht.

Yoga bei psychischen Erkrankungen

Der Sympathikus steuert verschiedene organische Strukturen im Falle einer (vermeintlichen) Bedrohung – unter anderem erhöht sich dann der Blutdruck, und das Stresshormon Cortisol wird vermehrt ausgeschüttet. Das ist eine Reaktion aus der Urzeit der Menschen: So kommt es zum „Fight or Flight“-Reflex, also dem „Kampf oder Flucht“-Reflex, der in der Steinzeit überlebenswichtig war. Wenn ein Mensch etwa durch ein gefährliches Tier eine akute Bedrohung gespürt hat, konnte die Stimulation des Sympathikus eine lebensrettende schnelle Reaktion herbeiführen.

In der heutigen Zeit ist die nahende Deadline oder das ständig klingelnde Telefon allerdings selten lebensgefährlich – trotzdem schüttet unser Körper eine hohe Menge Cortisol aus, das unseren Organismus in ein ständiges Stressgefühl versetzt. Die Folgen können erhöhter Blutdruck, Schlafstörungen und auch Gewichtszunahme sein. Ein stark erhöhtes Stresslevel kann im schlimmsten Fall Angstzustände oder ein Burnout auslösen.

Yoga schult die Achtsamkeit und stimuliert (laut Deepak Chopra „wie kaum eine andere Methode) den Parasympathikus, der für die Entspannung zuständig ist. Die Konzentration auf die Atmung schult die Achtsamkeit und hilft, mit Stress und Belastung besser umzugehen. Die in der Yogastunde erlernten Techniken kannst du dann auch im Alltag in belastenden Situationen anwenden. Ein ganz einfaches Beispiel: Das bewusste und verlängerte Ausatmen signalisiert dem Körper, dass er in Sicherheit ist. Das hilft dann, andere Stressreaktionen zu mindern.

In diesem Video zeigt Anna Trökes einige regenerierende Asanas, die Stress Paroli bieten und so einem Burnout vorbeugen können:

Eine Studie der Universität Harvard belegt, dass schon acht Wochen tägliche Meditationspraxis (im Durchschnitt 27 Minuten) nicht nur das Wohlbefinden deutlich steigern kann, sondern auch das menschliche Hirn massiv verändern. Genauer gesagt verdichten sich die grauen Zellen im Hippocampus, dem Teil des Gehirns, der für Bewusstsein und Mitgefühl verantwortlich ist, drastisch. Die Zellendichte in der Amygdala, die mit Stress und Angst verknüpft wird, nimmt ab. Das senkt das Stresslevel spürbar.


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Yoga und Meditation bei schweren Erkrankungen der Psyche

Vorsicht ist bei psychotischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder eine bipolaren Störung geboten: Meditationen und Entspannungszustände können schlimmstenfalls eine sogenannte psychische Dekompensation hervorrufen, wodurch es zu einer akuten Symptomatik kommen kann. Bei solchen Erkrankungen leiden die Betroffenen häufig unter einer brüchigen oder schwachen Grenzen zwischen Innen und Außen, die durch stark nach innen führende Übungen kollabieren kann. Dadurch können verdrängte Muster oder anderes psychisches Material wieder hervorgeholt werden (vgl. „Yoga und Psychologie“, Carsten Unger & Katrin Hofmann-Unger, S. 218).

Tipps: Der richtige Yogastil und das richtige Yogastudio

Wie schon angedeutet, ist nicht jede Yoga- oder Meditationspraxis für jeden geeignet – besonders bei einer psychischen Erkrankung. So findest du dein Yoga:

  • Wer an einer Depression leidet, sollte eher aktive Yogastunden besuchen. Liegt der Fokus zu sehr auf der Entpsannung, kann das kontraproduktiv wirken. Wähle zum Beispiel eine Hatha-Yoga- oder Vinyasa-Stunde.
  • Wenn Stress und Burn-out dein Problem sind, solltest du wiederum eher auf Achtsamkeit und entspannende Einheiten setzen. Yin Yoga oder Restorative Yoga sind vielleicht das Richtige für dich, ebenso wie eine regelmäßige Meditationspraxis.
  • Wie spirituell darf es sein? Yoga an sich ist eine spirituelle Praxis – aber auch ohne dass du mit hinduistischen Gottheiten etwas anfangen kannst, kannst du natürlich von den Vorteilen des Übens profitieren. Wenn du also weißt, dass sich deine Stimmung mit Räucherstäbchen und Co. nicht gerade verbessert, sind eher spirituelle Stile wie Sivananda oder Kundalini Yoga vermutlich nicht das Richtige für dich. Probier es vielleicht mit Power Yoga oder klassischem Hatha.
  • Vielleicht bist du auch total unsicher, welcher Yogastil der richtige für dich ist, und möchtest dich erst mal ein bisschen orientieren, bevor du in ein Studio gehst. Oder du hast Hemmungen oder gar kein Studio in der Nähe? Dann bist du bei uns genau richtig! YogaEasy hat mehr als 700 Videos in allen wichtigen Yogastilen – so kannst du ganz in Ruhe zu Hause testen, was dir am besten gefällt.  

Achtung: Yoga kann wie gesagt auf verschiedenen Ebenen dabei unterstützen, die Symptome von psychischen Erkrankungen zu lindern und zum Teil auch die Ursachen zu bekämpfen. Yoga kann und soll aber natürlich keine notwendige medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlung ersetzen. Wenn du glaubst oder weißt, dass du unter eine psychischen Krankheit leidest, solltest du in jedem Fall mit deinem Arzt oder einem Psychologen sprechen.

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