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Warum ich Yoga für Männer unterrichte
Bildquelle: Ricardia Bramley

Warum ich Yoga für Männer unterrichte

Von Ricardia Bramley

Ich weiß nicht, wie häufig ich schon gefragt wurde, warum ich reine Männerkurse unterrichte. Da kommt mal ein interessiertes „Ist das anders, was du da machst?“, ein fast entrüstetes „Wieso unterrichtest du nur Männer?“ und ein skeptisches „Wie soll das überhaupt gehen, schließlich bist du eine Frau!“ Mist, stimmt!

Wie ich zum Yoga nur für Männer kam, ist eigentlich sehr einfach. Mein damaliger Mann fragte mich etwas überspitzt formuliert, ob ich das „nicht auch mal für Männer machen könnte“, statt immer nur „für irgendwelche gelenkigen 20-jährigen Models“. Da habe ich einen Augenblich gestutzt. Wenn er so dachte, gab es doch bestimmt noch andere Männer, die gerne mal Yoga machen würden aber sich irgendwie nicht so recht wieder finden in den angesagten Studios, mit Yogi-Tee und Gebärmutter-Meditationen.

Gesagt-getan, und kurz nachdem ich überhaupt angefangen hatte zu unterrichten, nahm ich es mit dem anderen Geschlecht auf. Die „Jungs“ kamen und kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen zu mir. IT-Manager, Schauspieler, Fotografen, Start-up Mitarbeiter und Senioren, fit und gar nicht sportlich, schlank und nicht so, groß und geht so. Aber vor allem sind alle neugierig, was das denn jetzt eigentlich soll, mit dem Yoga da.

Wie alle Yogalehrenden stand ich vor der Herausforderung, wie ich diesen sehr unterschiedlichen Menschen mit einer gemeinsamen Praxis gerecht werden kann. Das ist am Anfang eines neuen Kurses gar nicht so leicht, denn viele haben nur wenig Kontakt mit ihrer körperlichen Seite. OM singen ist, gerade anfangs, oft nicht ihr Ding, und was in Shivas Namen ist denn bitte mit „Beckenboden aktivieren“ gemeint?

Ich bin das Ganze gleich etwas anders als in meinen anderen Klassen angegangen. Zum einen habe ich die Männer immer wieder ermutigt, mir Fragen zu stellen, sobald sie aufkommen, damit es nachher nicht vergessen wird und auch damit ich gleich erkenne, was für Themen so da sind. Also alles von der Atmosphäre mehr ein bisschen wie ein Workshop angelegt, ein bisschen weniger formell.

Das führte dann manchmal zu sehr lustigen Szenen. In meiner allerersten Kursreihe zum Beispiel bat ich die Männer alle einen Moment in der Kobra zu verharren und dabei die Hände vom Boden leicht abzuheben. Während sie also (fast) alle etwas angestrengt ein- und ausatmeten, fragte mich einer, dem die Asana besonders schwer zu fallen schien, den Kopf viel zu weit in den Nacken gelegt: „Also atmen wir hier jetzt noch oder wie ist das gemeint?“ Ich musste so lachen, weil er bemüht war, alles technisch perfekt auszuführen und dabei den Atem überhaupt nicht mehr integrieren konnte. Ich holte also alle nochmal aus der Kobra raus und erklärt, „ja bitte, bitte immer atmen!“

Ein anderes Mal – wir führten gerade die Sonnengrüße aus – sagte ich an, dass man auch gleich in den nach unten schauenden Hund kommen könne, statt immer wieder durchs Chatturanga zu rasen. Das führte dazu, dass einer dachte, er hätte die Sequenz falsch verstanden und ich hörte nur ein ziemlich lautes „Scheiße!“ von links und der ganze Raum brach in Gelächter aus.

Hm, Schimpfwörter waren jetzt erst mal neu, so mitten im Unterricht, aber was ich damit veranschaulichen will, ist, dass Männer viel verspielter an die Sache rangehen, auch über sich selbst lachen können. Das finde ich super und authentisch! Und das ist ein Grund, warum ich YUNGsYOGA für Männer unterrichte.

Bei allem Humor habe ich aber auch eine ernsthaftere Mission vor Augen. Männer sind nach wie vor oft nicht in der Lage, Stresssignale zu erkennen und dann auch damit umzugehen. Sie machen im Job immer weiter, in dem Glauben, „Das muss jetzt gehen. Ich habe Familie. Hilft nix, muss man durch.“ Zum Stressabbau gibt es eigentlich keine Strategien, außer am Wochenende mal ausgehen, kurz an den See fahren oder Ähnliches. Das ist alles nicht schlecht, bringt aber letztendlich keine dauerhaften Veränderungen mit sich. Da will ich ansetzen und mithilfe nicht nur von Asana sondern auch Pranayama und kurzen Meditationen neue Rituale, die auch im Alltag anwendbar sind, vermitteln.

Männer, das kann man jetzt finden, wie man will, sind außerdem immer noch überwiegend die großen Entscheidungsträger in Chefetagen, Vorständen, weltweiten Summits und genau diese Männer „haben’s nicht so mit Yoga“. Die will ich auf der Matte sehen. Junge und/oder erfahrene Yoginis brauchen mich nicht wirklich. Für sie gibt es tolle Lehrerinnen, die vor allem auch die fortgeschrittenen Asanas vorführen können. Davon kann ich viele gar nicht! Ich unterrichte sehr gerne auch Frauen, tue das auch regelmäßig, aber vor allem will ich bei den Männern Veränderungen sehen, dass sie sich Atem verschaffen, bevor sie etwas entscheiden, den Raum teilen, um ihn auch halten zu können, und eben bewusster mit sich, ihrer Umwelt, und letztendlich mit unserer Welt umgehen. Zu idealistisch? Mir egal, ich lass das jetzt so.

YUNGsYOGA©: 
Männeryoga in Berlin: YUNGsYOGA© ist Yoga für Männer und wurde von Ricardia Bramley 2014 ins Leben gerufen.  YUNGsYOGA© eignet sich für alle, die prinzipell nichts gegen Yoga haben aber nicht verstehen, was der Hype soll und was einem das überhaupt "bringt". Wir fangen mit den Grundhaltungen ganz praktisch an, vielleicht die eine oder andere Atemübung und andere Anti-Stress Methoden. Es darf und soll ganz viel gefragt werden! Yoga ist nicht nur für Frauen, Athleten oder hyperflexible Menschen in Indien. Es ist total egal, ob du an deine Zehen kommst, oder wie sportlich und spirituell du bist. YUNGsYOGA© gibt's an zwei ständigen Locations in Mitte und Prenzlauer Berg und in diversen Büros/Organisationen rund um Berlin. 

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