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Yoga für Fortgeschrittene: Was genau bedeutet das?
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Yoga für Fortgeschrittene: Was genau bedeutet das?

Von Merle Blankenfeld

Wir Yogis durchlaufen viele Phasen in unserem Leben auf der Matte. Die meisten von uns beginnen mit der Asana-Praxis – wir sehen Yoga als sportliches Angebot oder wollen ein körperliches Problem wie Rückenschmerzen damit bekämpfen. Bei einigen bleibt es dann auch bei dieser physischen Praxis – was vollkommen in Ordnung ist. Yoga kann schließlich alles sein, was wir gerade brauchen. Häufig aber stößt das körperliche Üben auch geistige Veränderungen und Weiterentwicklungen an – vielleicht entdeckst du Meditation für dich, beginnst Achtsamkeit beim Üben zu praktizieren, interessierst dich plötzlich für die philosophischen Hintergründe der yogischen Methoden.

Dann bist du dabei, dich vom Yoga-Anfänger zum Fortgeschrittenen zu entfalten.

Beweglichkeit = fortgeschrittene Yoga-Praxis? Der Schein kann trügen

Aber was genau macht einen Yogi fortgeschritten? Das kann natürlich einerseits eine sehr geübte körperliche Praxis sein, also das sichere Beherrschen vieler, auch schwieriger Asanas. Also etwa Armbalancen wie Skorpion oder Krähe, Dreipunktkopfstand oder Hanumanasana, der Spagat. Wir setzen häufig Beweglichkeit mit einer besonders fortgeschrittenen Übungspraxis gleich. Und natürlich: Je mehr Yoga du übst, desto flexibler wirst du wahrscheinlich auf körperlicher Ebene, desto mehr subtile Muskulatur wirst du aufbauen. Aber generell gibt es hier zwischen den Yogis schon große anatomische Unterschiede. Einige Menschen sind von Natur aus beweglich wie eine Brezel und können schon in der allerersten Yogastunde in Paschimottanasana den Oberkörper komplett auf den Beinen ablegen. Wieder andere erfahrene Yogis sind auch nach vielen Jahren des Übens immer noch nicht ansatzweise so beweglich. Der Schein trügt also manchmal. Hier gilt wie sonst auch auf der Matte (und im restlichen Leben): Vergleiche dich nicht mit anderen, sondern beobachte nur dich und deine ganz persönlichen Fortschritte.

Lass den Leistungsgedanken aus deiner Praxis!

Das bringt uns zum nächsten vermeintlichen Merkmal eines fortgeschrittenen Yogis: den Ehrgeiz, eine bestimmte Asana jetzt sofort und absolut perfekt ausführen können zu müssen. Beim Yoga musst du nichts leisten. Du bist genau richtig so, wie du bist. Der Übungsstand, genau dieser Ort und Moment, an dem du jetzt bist – das soll genau so sein. Natürlich darfst und sollst du dich weiterentwickeln, deine Praxis erweitern und dich freuen, wenn du den Kopfstand zwei Minuten halten kannst – oder überhaupt ohne fremde Hilfe nach oben kommst. Und natürlich ist es auch ganz wunderbar, wenn du die Bhagavad Gita und Patanjalis Yoga Sutra mehrmals gelesen hast und praktisch fließend Sanskrit sprichst. Das alles kann dir helfen, tiefer in die Yoga-Praxis einzutauchen. Vergiss dabei nur nicht, dass es darum beim Yoga nicht geht. Das Ziel der Praxis ist, Körper und Geist zu verbinden, dich selbst zu spüren und dir etwas Gutes zu tun.


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Denn genau diesen Grundsatz wirklich zu verstehen und zu verinnerlichen – das ist der eigentliche Kern einer fortgeschrittenen Yoga-Praxis. Dir klarzumachen, dass eine runde Sequenz nicht unbedingt drei schwierige Armbalancen enthalten muss. Sondern zu lernen, dass das achtsame Hineinspüren in dich selbst viel wichtiger ist. Was brauchst du jetzt gerade? Wie fühlt sich das Üben an? Kannst du dich noch auf deinen Atem konzentrieren, oder hechelst du nur dem Flow hinterher? Kannst du im Hier und Jetzt bei dir sein, dich ohne Bewertung wahrnehmen und jenseits von Ego und Ehrgeiz deine Grenzen erweitern? Darum geht es.

Next Stop: Teacher Training?

Für viele Yogis ist sie nach einigen Jahren Praxis der nächste logische Schritt: eine Ausbildung zum Yogalehrer. Oft haben sie neben unzähligen klassischen Stunden auf der Matte in ihrem Lieblingsstudio auch schon jede Menge Workshops absolviert und fragen sich nun: Sollte ich ein Teacher Training machen? Viele Yogis suchen eigentlich etwas anderes. Sie möchten sich in ihrer eigenen Praxis weiterentwickeln und neue Impulse bekommen. Da scheint es fast schon zum guten Ton zu gehören, sich selbst Yogalehrer nennen zu können. Aber sind Yogalehrer-Ausbildungen tatsächlich dafür gemacht?

Für einige kann das Teacher Training natürlich wirklich sinnvoll sein, und Yogalehrer zu sein, empfinden sie als ihre Berufung. Es ist ihr persönlicher Weg, ihr Dharma, selbst zu unterrichten, die Yogalehre weiterzugeben und Schüler auf deren Weg zu unterstützen. Darin erkennst du dich wieder? Dann nichts wie los zum ersten Seminar! Aber nicht für jeden fortgeschrittenen Yogi muss das der nächste Entwicklungsschritt sein. Ganz bei sich zu bleiben und sich ehrlich und ohne das Zutun des Egos auf die eigene Praxis zu konzentrieren – egal, wie viele Fortschritte man macht oder eben nicht –, kann Herausforderung genug sein.

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