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Large wie yoga bei krebserkrankungen helfen kann
Monika A. Pohl, Weingärtner Verlag

Wie Yoga bei Krebserkrankungen helfen kann

Von Monika A. Pohl

Dank großer Fortschritte in der Krebsforschung und neuer Therapieansätze kann heute mehr als die Hälfte der Krebs-Patienten auf dauerhafte Heilung hoffen. Durch seinen ganzheitlichen Ansatz bietet der Yoga eine hervorragende Ergänzung zur schulmedizinischen Therapie, sowohl in der Akutphase, in der Nachsorge, als auch in der Zeit danach.

Ungesunder Lebensstil und psychosoziale Belastung steigern das Erkrankungsrisiko

„Die meisten Krebserkrankungen sind auf moderne, unnatürliche Lebensweise zurückzuführen: Bewegungsmangel und Übergewicht, falsche Ernährung, Schadstoffe im Alltag […..] Es sind fast durchgängig psychosoziale Risiken, die bei den Menschen zu Dauerstress führen und damit die Krebsinzidenz erhöhen.“ (Tschuschke, 2011).

Vor diesem Hintergrund kann das Praktizieren von Yoga als Selbstfürsorge nicht nur die allgemeine Gesundheit fördern, sondern in Hinblick auf Krebs auch als Präventivmaßnahme betrachtet werden. Denn Yoga steigert das Bewusstsein für eine natürliche Lebensweise und erfüllt das Bedürfniss nach ganzheitlichem Wohlbefinden.

Bewegung und Entspannung erhöhen die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit

Heute gilt als gesichert, dass moderate Bewegungstherapie in allen Stadien der Erkrankung und Behandlung substanzielle Verbesserung physischer Parameter bewirkt und damit den Prozess der Genesung vorantreibt. Regelmäßige Bewegung und Entspannung reduzieren die Nebenwirkungen wie Fatigue (chronische Müdigkeit), Übelkeit, Schmerz, Angst und Depressivität und steigern das Wohlbefinden. Sie erhöhen häufig die Akzeptanz der Chemo- und Strahlentherapie. Auch wenn jeder Betroffene grundsätzlich anders auf bestimmte Interventionen reagiert, so können durch entsprechende Maßnahmen dieser Art die Therapie-Ergebnisse oft signifikant verbessert werden.

Yoga als wertvolle Hilfe zur Selbsthilfe

Ein häufig unterschätzter Aspekt in der Therapie ist die Selbstwirksamkeit. Es ist die Fähigkeit, sich selbst zu helfen und auf diese Weise zur Genesung beizutragen. Betroffene, die sich nicht als handlungsunfähig erleben, sondern als selbstwirksam, bauen eine innere Stärke auf, die ihre Selbstheilungskräfte aktiviert. Yoga kann hierbei einen großen Nutzen bringen. Deswegen stehen im therapeutischen Setting nicht die Vielfalt und Akrobatik im Fokus, sondern einfache und gut nachvollziehbare Übungen, die sich leicht reproduzieren lassen. „Paradoxerweise hat die Möglichkeit einer verkürzten Lebenserwartung den Effekt einer Aufmerksamkeitslenkung auf vitale Interessen“ (Tschuschke, 2011). Oft kommt es in diesem Zusammenhang zu einer Neudefinierung der eigenen Lebensziele und Lebenssicht.

Yoga als Achtsamkeitstraining kann diesen Prozess unterstützen. Tägliche Meditationen zur „Reinigung des Geistes“, vergleichbar der täglich Körperpflege, können ebenfalls sinnvolle Impulse für das eigene Lebenskonzept darstellen. Dazu gehört auch, sich mit der aktuellen Situation auszusöhnen (statt sich aufzugeben), um hoffnungsvoll nach vorne zu schauen.

 

Schwerpunkte in der Akutphase

Das Ziel von Yoga in der Akutphase der Krebserkrankung ist in erster Linie der Erhalt der Muskelkraft und der Dehnfähigkeit, das Beruhigen der Gedanken, sowie das Vertrauen in die eigene innere Stärke.

Konkret eignen sich Mantras, Mudras oder die Lenkung der Achtsamkeit auf die Chakras in Verbindung mit bestimmten Lebensthemen als innerer Anker. Die Übungsauswahl in der Akutphase orientiert sich stark an den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen. Der Fokus sollte aber auf sanften Asanas wie der Katze, der Kuh oder dem Krokodil liegen. In der Regel sollten die Übungen eher kurz gehalten werden. Es empfiehlt sich, dynamische Bewegungsabfolgen (Flows) einfach zu gestalten, damit keine Anstrengung oder Stress entsteht. Sanfte Atemübungen und bewusste Entspannung sollten die Asana-Praxis ergänzen.

Bei Patienten nach Operationen im Genitalbereich kann es, meist vorübergehend, zur Inkontinenz kommen. Hier lohnt es sich, die Beckenbodenspannung während der Asanas einzusetzen. Grundsätzlich ist es wichtig, Narbengewebe durch Körperhaltungen nicht zu sehr zu strapazieren.  

Auch Lachyoga wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus, steigert so die Heilungschancen und führt zu mehr Gelassenheit.

Einzelcoaching, Kleingruppe oder Online-Programme

Die beste Möglichkeit, individuell auf die körperliche und mentale Verfassung einzugehen, bietet natürlich ein Einzelcoaching. Leider ist das nicht immer möglich und für viele finanziell nicht erschwinglich. Anders in einer Kleingruppe von 4 bis 6 Personen: Hier können die Betroffenen vom Austausch profitieren. Da viele Patienten in der Akutphase das eigene Heim als Schutzraum betrachten und oft ungern verlassen, haben sie wenig Kontakt zu anderen Betroffenen. Das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe mit ähnlichen Wünschen, Sorgen und Ängsten kann sich sehr motivierend auf die eigene Übungspraxis auswirken und positiv zur Krankheitsbewältigung des Einzelnen beitragen. Zusätzlich können Online-Programme inspirieren und dafür sorgen, dass der Betroffene ein tieferes Verständnis für Yoga entwickelt und sich in Regelmäßigkeit übt. Eine angeleitete Atemübung oder Meditation zwischendurch kann helfen, bewusst und achtsam nach innen zu hören, um in Kontakt mit sich selbst zu kommen. Eine solche zeitliche Unabhängigkeit gibt es nur online.

Schwerpunkte in der Nachsorge

Die Phase der Nachsorge schließt sich an die Akutphase an. Der Übergang ist oft fließend.

Meist lassen die Nebenwirkungen der Akuttherapie nach und der Betroffene kann zunehmend mehr körperlich gefordert werden. Längeren Haltephasen, komplexeren Flows und einer insgesamt mehr körperlich betonten Übungspraxis steht in der Regel nichts mehr im Weg. Für Menschen, die einen eher schweren Zugang zu ihren Emotionen haben, bietet sich zudem das Trainieren der (Selbst-) Empathie an, zum Beispiel über Metta-Übungen.  Im Fokus dieser Phase steht die Erdung, von der aus sich das neu erworbene Lebensgefühl entfalten darf. Haltungen wie Berg, Baum und Held steigern das Selbstbewusstsein und machen einmal mehr deutlich, wie wichtig die eigene Stärke auf dem Weg der Genesung ist. Sie weiter zu entfalten und zu bewahren ist langfristig das Ziel, um einen erneuten Ausbruch der Erkrankung zu vermeiden.

Das Thema Selbstfürsorge sollte von nun an die Lebensführung dominieren und zu einer Balance zwischen den Forderungen der Außenwelt und den eigenen Bedürfnissen beitragen. Und gerade auf diesem Weg kann Yoga ein hervorragender Begleiter sein - weit über die Zeit der Nachsorge hinaus.

 

Monika A. Pohl: Krebs und Yoga - Übungen für Körper, Geist und Seele. Mit Extrateil Lachyoga. Weingärtner Verlag.