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Breathwork – neuer Trend oder alter Hut?
Nine Kopfer auf Unsplash

Breathwork – neuer Trend oder alter Hut?

Von Birgit Feliz Carrasco

Seit einer Weile ist das sogenannte „Breathwork” – übersetzt: Atemarbeit – der Lieblings-Trend der holistischen Gesundheitsszene. Aber atmen kann doch jeder, oder? Stimmt. Kann – und muss sogar! – jeder, sonst ist es aus mit dem Erdenleben. Und zwar bereits nach drei Minuten ohne Sauerstoff.

Der Atem des Lebens

Jeder Menschenkörper vollführt rund 17.000 Atemzüge täglich. Ohne darüber nachzudenken oder die Atmung zu steuern. Pro Tag fließen etwa 10.000 Liter Atemluft in die Lungen, die den Körper mit Sauerstoff und anderen Molekülen den Mensch vital und lebendig erhalten. Im Austausch wird Kohlendioxid abgeatmet und an die Umwelt abgegeben. Luftverschmutzung? Mitnichten. Denn die Schöpfung hat einen Deal zwischen Pflanzen und Lebewesen eingefädelt: Bäume und Pflanzen benötigen CO2 (Kohlenstoffdioxid) und produzieren O2 (Sauerstoff). Lebewesen benötigen O2 und produzieren CO2. Die Atmung des Körpers findet von selbst statt, so wie der Austausch zwischen grüner Natur und Zivilisation auch selbstverständlich stattfindet. Atmung ist Vereinigung.

„Infolge des Hauches atmen die Götter, Menschen und Tiere: Der Hauch ist das Leben der Wesen, darum heißt Brahman „Allbelebter“, und zu einem vollen Alter gelangen die, die in Prana das Brahman verehren.“

aus Anandavalli-Upanishad


Pranayama: Die Kraft des Atems
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Was ist Breathwork?

Breathwork ist Atemarbeit. Arbeit mit der Atmung also, oder besser: eine bewusste Atmung, die für dich, für deine Vitalität arbeitet. Bei Breathwork führst du Atemtechniken bewusst und achtsam aus. Das sieht dann manchmal aus wie Atem-Workouts, die zusammen mit rhythmischer, fast hypnotischer, oft lauter Musik angeleitet werden. Das Gruppenerlebnis kann die Erfahrung steigern, man kann Breathwork jedoch auch gut allein üben. 

Das Ziel ist es, den Körper zu vitalisieren und gegebenenfalls zu heilen. Aber auch Körper und Geist in Einklang und zur Einheit zurückzubringen – in unserer schnellebigen Zeit essenziell wichtig – und so mentale Heilung und innerliches Wachstum zu begünstigen. Denn die Atemtechniken regen alle physischen Funktionen des Körpers an und bringen dabei gleichzeitig durch die erforderliche Konzentration auf die Atmung den unaufhörlich plätschernden Gedankenstrom zum Innehalten. 

Atmen als Gesundheitstrend

Im Alltag atmen die meisten Menschen zu flach, weshalb Yoga so beliebt ist, da es ästhetische Bewegung mit bewusster, tiefer Atmung verbindet. Bei Breathwork geht es um bewusste Atmung, um verstärkten Atemfluss und erhöhte Atemqualität, also Erhöhung des Austauschvolumens von O2 und CO2. Es werden Sessions zu 30 oder 60 Minuten oder länger angeboten, die sich nur um die Praxis der Atmung ranken, in Gruppen oder in Einzelsitzungen mit Atem-Therapeuten. Ausbildungen zum Breathwork Instructor kosten rund 4000 Euro.

Mit Breathwork werden je nach Angebot verschiedene Ziele verfolgt: 

  • Wahrnehmung des Körpers
  • Beruhigung des Nervensystems
  • Konzentrationserhöhung
  • Aktivierung von Selbstheilungskräften
  • Stoffwechsel-Aktivierung
  • Schlafoptimierung
  • Heilung von muskulären Verspannungen
  • Auflösung von Schmerzen oder Traumata
  • Wahrnehmung von Emotionen
  • Kreation von Glücksgefühlen
  • Steigerung der sexuellen Energien
  • Annäherung an spirituelle Erfahrungen
  • Erfahrung von Wieder- und Neugeburt
  • Klärung des Geistes

„Regelmäßige Praxis von Pranayama verringert die Blockaden, die uns an einer klaren Wahrnehmung hindert.“

Yoga Sutra des Patanjali, 2 - 52

Kontraindikationen: Wann du kein Breathwork üben solltest

Bei intensiven Atempraktiken sind natürlich auch Kontraindikationen zu beachten, da durchaus aus Überatmung Hyperventilation und zeitweilige Veränderungen des pH-Werts des körperlichen bio-chemischen Milieus entstehen können. Personen mit Bluthochdruck, erhöhtem Augendruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Menschen mit anderen systemischen Erkrankungen sowie Schwangere sollten Breathwork nicht praktizieren. Bei aktuellen Kopfschmerzen oder Erkältungen sowie Husten solltest du ebenfalls auf intensives Breathwork verzichten.

Waren die alten Yogis Breathworker?

Ja! Denn all die oben genannten Ziele, die gleichzeitig auch Heilwirkungen sind, sind nicht neu. Die Atemübungen und Praktiken sind traditionellen Yoga-Übungen und den yogischen Atemübungen Pranayama entliehen. Die galten übrigens in den 1970er-Jahren bei den Hippies auch schon mal als Befreiung und Erlösung von allem. Sauerstoff ist immerhin eine gesunde Alternative zu chemischen Drogentrips, das ist bekannt. Nicht umsonst erreichen indische Yoga-Gurus meist ein hohes Lebensalter. In kompetenten Yogastudios werden Yoga und Pranayama unterrichtet. 

Modernes Atmen: Warum wir Atemübungen brauchen

Wer bewusst atmet, hat den längeren Atem. Wer zeitweilig loslassen und innere Systeme zurücksetzen kann, beherrscht und optimiert sich selbst, und das ist es vermutlich, was viele Menschen am Trend Breathwork fasziniert. Selbstoptimierung für Workaholics. Doch es geht nicht nur darum. Mit intensiven Atem-Workouts geht auch ein Gefühl von Veränderung, von Lebendigkeit, von Geborgenheit und von Bewusstseinserweiterung einher, so wie wir es auch im Rahmen des Yoga lernen und lehren. Und das ist es zweifelsohne, wonach sich eigentlich alle Menschen sehnen: frei und gleichzeitig behütet sein.

Doch zu oft lassen wir uns von der modernen Lebensweise den Atem abschnüren. Bewusste Atempraxis vermag uns wieder Luft zu schenken. Und so erinnern Breathwork-Sessions an die Wichtigkeit von physiologischer Atmung sowie an die Wichtigkeit bewussten Innehaltens im Alltag. Release and Reset. Breathwork bedient und stillt zugleich die Sehnsucht nach fühlbarer Lebendigkeit statt arbeitendem Automatismus, und doch ist dabei Breathwork auch ein lukratives Business. Wie die meisten Trends. 

Atmen ist kostenlos: 3 Breathwork-Übungen für zu Hause

Hier drei einfache Atemübungen für dein Breathwork-Workout zu Hause. Sorge bitte für Frischluftzufuhr oder mache das Breathwork am besten im Freien (Kontrakindikationen beachten, siehe oben).

Die Wirkungen der Übungen sind sofort nach drei bis fünf Atemzügen spürbar, in der praktischen Anwendung eines Breath-Workouts sollten die Atemvorgänge jedoch viele (30 bis 50 oder mehr) Male wiederholt werden. Ich empfehle dir, als AnfängerIn die drei Atemübungen jeweils so lange auszuführen, wie es dir guttut, dazwischen deine Atmung normal fließen zu lassen und dann die nächste Übung zu machen. Geübte praktizieren die drei Übungen ohne Pause und lassen sie ineinander übergehen.

1. Beckenatmung

Wirkungen: erfrischend, konzentrationsfördernd

  1. Aufrecht stehend, einige Male bewusst normal über die Nase mit geschlossenem Mund ein- und ausatmen.
  2. Füße im Bodenkontakt spüren.
  3. Auf den Beckenraum und das Wurzelchakra konzentrieren.
  4. Imaginär über den Beckenboden einatmen.
  5. Einatmung bis zum Kehlkopf leiten und halten.
  6. Dazu geradeaus schauen und Gesicht und Kopf um wenige Zentimeter nach hinten schieben, um die Luftröhre zu blockieren (Kehlkopf-Bandha).
  7. Atmung für einige Momente anhalten.
  8. Dann das Bandha lösen und imaginär über den Kopfraum ausatmen.
  9. Nach deiner individuellen Wiederholungsdauer beende die Übung mit einer Einatmung, die du einige Sekunden in dir behältst. 
  10. Dann lasse deine Atmung wieder normal fließen (oder mache fließend weiter mit Übung 2).

2. Herzatmung

Wirkungen: vitalisierend, harmonisierend

  1. Aufrecht stehend oder sitzend, normale Atmung einige Male fließen lassen.
  2. Füße im Bodenkontakt und Scheitelausrichtung gen Himmel spüren.
  3. Imaginär über das Kronenchakra Licht einatmen.
  4. Einatmung bis zum Herzraum fließen lassen.
  5. Über Herzchakra das einhüllende Gefühl von Liebe in die Mitwelt ausatmen.
  6. Nach deiner individuellen Wiederholungsdauer beende die Übung mit einer Einatmung, die du einige Sekunden in dir behältst. 
  7. Dann lasse deine Atmung wieder normal fließen (oder mache fließend weiter mit Übung 3).

3. Schwingungsatmung

Wirkung: euphorisierend, transzendierend

  1. Liegend oder sitzend normale Atmung einige Male fließen lassen.
  2. Füße im Bodenkontakt und Scheitelausrichtung gen Himmel spüren.
  3. Imaginär gleichzeitig über das Wurzelchakra und das Kronenchakra Licht einatmen.
  4. Mit dem Vokal A summend/singend imaginär über das Herzchakra ausatmen.
  5. Nach deiner individuellen Wiederholungsdauer beende die Übung mit einer Einatmung, die du einige Sekunden in dir behältst. 
  6. Dann lasse deine Atmung wieder normal fließen.

Und mehr braucht es nicht, um vom Arbeitsautomaten wieder zum tiefsinnigen, gefühlvollen Menschen zu werden, der sich und andere achtsam behandelt. Es braucht nur Atem und Natur, um lebendig und aus dem Glücksempfinden aufgrund bewusst wahrgenommener Lebendigkeit heraus liebevoll zu dir, zu allen und allem sein. Vielleicht rettet Breathwork tatsächlich die Welt? Hauptsache, es heilt. Alles heilt. Alles atmet. Alles ist. 

Ein hilfreiches Mantra:

Swasam – Aswasam – Viswasam.
Atme – Entspanne – Vertraue.

Love and light
deine Birgit Feliz Carrasco

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